Frauen in der Midlife-Crisis: Eine Typologie

Sie zum Beispiel kennt sich bestens aus mit der peinlichen Bewältigung von Krisen: Comedian Amy Shumer. Foto PD

Die Midlife-Crisis des Mannes ist eine etablierte Angelegenheit, sie tritt ab etwa 40 ein, der Mann bekommt seine bekannte Krise, kauft sich den ersehnten Sportwagen (wenn er schon drei hat, kauft er sich eben noch einen vierten), verzichtet plötzlich darauf, ein T-Shirt unterm Hemd zu tragen, achtet mehr als sonst auf sein Äusseres, verliebt sich in eine sehr viel jüngere Frau, verlässt Ehefrau und Familie und hinterlässt eine Menge verbrannte Erde. Als Kinder schüttelten wir die Köpfe und bemitleideten die Mütter. Als Krisen der Frauen waren höchstens der Verlust der jugendlichen Schönheit und, als Folge, des Mannes bekannt.

Heute ist das anders. Frauen haben jetzt ebenfalls eine Midlife-Crisis. Frauen wollen sich und ihr Leben verändern, verlassen ihre Männer und wollen es noch einmal wissen. Frauen in der Midlife-Crisis lassen sich in drei Typen aufteilen.

Typus A

Hat früh an Familie und Kinder gedacht, Verantwortung übernommen, für die Familie gesorgt, nebenbei gearbeitet. Jetzt sind die Kinder selbstständig, der Mann entsorgt, und Frau hat das Leben vor sich und will das Verpasste nachholen, alles erleben, sich wieder jung, sexy und begehrt fühlen – und vielleicht auch mal wieder über die Stränge schlagen, «crazy» sein.

Der Haken: Man kann nichts nachholen, schon gar nicht die Jugend. Auch nicht die Sorglosigkeit, die unbeschwerte Freiheit. Das Verpasste ist unwiederbringlich verpasst. Jede Lebensphase hat ihre eigene Schönheit und Energie; die zu entdecken, ist die Kunst zu wachsen. Wer wächst, sehnt sich nicht zurück und hat niemals das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Typus B

War mit Leib und Seele jung und hat das Jungsein viel zu lange ausgekostet, bis es sich nicht mehr gut anfühlte. Hat zu viel erlebt, zu viel Hype gehabt, zu viel gespürt, zu viel gesehen und zu viele Glückshormone produziert. Typus B hat genug erlebt, ist satt davon und ist verzweifelt auf der Suche nach der nächsten Ebene, die genauso erfüllend ist, aber nicht zersetzend. In diesem Typus befinde ich mich seit gut drei Jahren. Bis jetzt ist kein Ende in Sicht.

Der Haken: Ein neuer Kick, der das Erlebte noch toppt – das wird nie passieren. Auch hier geht es um die Kunst des Wachsens, und Wachsen heisst nicht unbedingt schneller, höher, grösser, lauter. Wachsen geht auch nach innen. Aber da muss man erst mal hinkommen.

Typus C

War immer in einer Abhängigkeit vom Mann. Hat nie eigene Entscheidungen getroffen und wurde versorgt. Wenn dieser Kokon platzt, zum Beispiel durch den Verlust des Mannes, muss das Leben erst mühsam und schmerzhaft gelernt werden.

Der Haken: Die meisten Frauen wissen das Geschenk der Selbstständigkeit nicht zu schätzen und sehnen sich an die drögen, sicheren Tage zurück, als sie an der Kette hingen und sich ausser um ihre Leere und Einsamkeit keine Sorgen zu machen brauchten.

Hand aufs Herz: In welchem Typus erkennen Sie sich wieder?