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Tag 21–26: Ein Nachmittag mit der Immigrationspolizei

maximilian am Freitag den 8. August 2014

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Nachdem in Aktöbe (Kasachstan) von Viktor und seinem Mechanikerteam unser Krankenwagen wieder flottgemacht worden war, machten wir uns auf, das letzte Drittel bis an die russische Grenze zu meistern. Dieses Mal stand pures Geniessen auf dem Programm: geteerte Strassen, weite Landschaften und Grenzkontrollen unter Freunden.

Kasachstan hat nur im Südosten an der Grenze zu China und Tadschikistan das Altaigebirge und ist sonst ein eher flaches Land. Da wir die nördliche Route gewählt hatten, sollten wir das Gebirge jedoch erst später sehen. Die folgenden 3000 Kilometer waren geprägt von der weiss glühenden Wüste nördlich von Aktau, den immer grüner werdenden Steppen im Norden und den Wäldern im Osten. Alle hatten sie aber die Weite gemein, und aufgrund der wenigen Bezugspunkte und der unendlich geraden Strassen verlor man oft das Gefühl von Raum und Zeit. Nach den ganzen Strapazen der vergangenen Woche eine verdiente Abwechslung.

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Aus der Wüste Richtung Norden. Die Strassenverhältnisse wurden immer besser.

Astana, wo wir zwei Nächte verbrachten, ist seit 1998 die neue Hauptstadt Kasachstans. Der neue Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum des Landes konnten wir hier direkt bestaunen. Wenn auch im sowjetischen Gewand. Unglaublich zu sehen, wie hier in kürzester Zeit gigantische Regierungsviertel entstanden sind. In der Verlängerung des komplett neu erschaffenen Zentrums gehen die gerade erst errichteten Strassen in offene Bauflächen und danach direkt in die Steppe über. Ein Ende des politisch getriebenen Wachstums (die Bevölkerung ist seit 1989 um das Achtfache gewachsen) ist nicht abzusehen. Von der Hauptstadt ging es in östlicher Richtung weiter auf die russische Grenze zu.

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Astana könnte man gut und gerne als Retortenstadt bezeichnen. Der Präsidentenpalast erinnert an das Weisse Haus und den Bundestag in Berlin.

In Semey wurde unsere Erholung dann kurz unterbrochen. Nur 50 Kilometer vor Russland machten wir ein paar letzte Besorgungen und mussten uns leider noch einmal mit der Polizei auseinandersetzen. Versehentlich hatten wir uns nicht rechtzeitig im Land registriert.

Die Polizei in Kasachstan hinterlässt Eindruck. Die Uniformen sind sauber und gebügelt, sitzen immer perfekt, und die Sterne und die Schnellfeuerwaffen sind stets poliert. Nachdem wir aber ungewollt einen Einblick hinter die Kulissen der Immigrationspolizei erhalten hatten, bekamen wir einen völlig anderen Eindruck.

Hinter der Fassade warteten in einem vergilbten Raum zwei steinalte Rechner mit Windows 98. Da jedoch Bussenzettel noch nicht digitalisiert sind, kämpften wir uns ohne Blue Screens durch die kyrillischen Zeichen der Formulare. Ausser dem Tisch mit den Computern und zwei kaputten Stühlen gab es sonst nur chaotische Büroregale und riesige verrostete Karteischränke. Die halb offenen Aluminiumkonstruktionen mussten schon mehrere Jahrzehnte alt sein. In tausend kleine Fächer quetschten sich unendlich viele graugelbliche Papiere mit abgewetzten Kanten, die halb hinaushingen. Zum Glück hatte unser Fall nichts damit zu tun. Abschliessend und nach freundlicher Begleitung des Beamten auf die Poststation zum Bezahlen der Strafe machten wir uns am Nachmittag auf zur russischen Grenze. Der Grenzübergang selber verlief überraschend zügig und ohne Probleme.

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Über vier Stunden und 200 Dollar für vier Stempel – dass unsere Namen auf dem Ausreisedokument vertauscht wurden, war dann auch egal.

Die erste Strecke in Russland zog sich einige Stunden bis nach Barnauel durch eine monotone Landschaft von immer wieder gleich anzusehenden Getreidefeldern. Doch die M52 hatte auf dem Weg in die Mongolei noch eine Überraschung parat. Nach einer weiteren Nacht im Krankenwagen trauten wir unseren Augen kaum. Wir fanden uns inmitten einer wunderschönen alpinen Landschaft wieder. Satte Nadelwälder, klare Flüsse, viele wunderschöne Rast- und Zeltplätze, kleine touristische Örtchen und das Altaigebirge, das sich vor uns auftürmte. Je näher wir der Grenze kamen, desto schöner wurde die Landschaft. Wir nahmen uns Zeit, machten einige Pausen, in denen wir im Fluss badeten, kochten oder lokalen Honig von einer Bäuerin kauften (dieser wird, genauso wie Holundersirup und -saft, an jeder Ecke verkauft).

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Die M52: Camping-Côte-d’Azur der Russen.

Es waren die bis dato schönsten Kilometer unserer Reise, die jedoch nur ein Vorgeschmack auf die Mongolei sein sollten. Als wir abends an der Grenze eintrafen, war diese jedoch geschlossen. Auch ein Vorgeschmack auf die Mongolei. Wir gönnten uns zur Feier des Tages die letzten mitgebrachten Biere, bevor am nächsten Morgen das längste Geduldsspiel mit einer Grenzbehörde beginnen sollte.

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2 Kommentare zu “Tag 21–26: Ein Nachmittag mit der Immigrationspolizei”

  1. Fabian Scherer sagt:

    Sind die Jungs etwa eingesackt worden, und ist das EDA schon paar Milliönchen an die Rebellen am spenden, oder ist der Krankenwagen etwa abgelegen?
    Es würde uns alle schon sehr interessieren weshalb man seit über einem Monat in diesem Blog nichts mehr lesen kann…
    Bitte um Fortsetzung!!!

  2. daniel sagt:

    Mit Interesse habe ich die Reportage bisher gelesen. Gibt es hierzu noch eine Fortsetzung?