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Tag 17–20: Die Höllenetappe von Aktau

maximilian am Freitag den 1. August 2014
Mongolia Rallye

Von Zürich quer durch die Türkei, Aserbeidschan, Kasachstan, Kirgistan und Sibirien und schliesslich in die mongolische Steppe: Verfolgen Sie Max und Moritz auf ihrem Roadtrip.

Kasachstan hiess unsere nächste grosse Etappe. Doch bevor wir in den Genuss der weiten Landschaften und endlos langen und geraden Strassen kommen sollten, stand uns ein weiteres Mal Customs Control bevor.

Wir wachten am Morgen im Zollhafen von Aktau auf, um die ausstehende Zollabfertigung nach unserer Fährfahrt endlich abzuschliessen. Trotz der Tortur der vergangenen Woche glaubten wir, dass es sich hierbei um reine Routine handeln würde. Schliesslich hatten wir alle notwendigen Dokumente in der letzten Nacht erhalten.

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Fünf Stunden später, nachdem wir diverse Gelder gezahlt, man uns lange Zeit ignoriert und wir alle Einfuhrgenehmigungen erhalten hatten, waren wir jedoch eines Besseren belehrt worden. Mit einem eingeübten Ausdruck von Selbstverständlichkeit ging es dann im letzten Akt auf die lang ersehnte Zollschranke zu. Vor der Durchfahrt sollte uns eigentlich noch eine gründliche Untersuchung des Autos bevorstehen. Wir versuchten es trotzdem … und hatten Glück!

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Runter von der Fähre und raus aus dem Zoll! Endlich halten wir alle Dokumente in unseren Händen.

Der Grenzbeamte, bei dem wir uns noch in der Nacht nach Toilette und Wi-Fi erkundigt hatten, warf einen kurzen Blick in das Auto und winkte uns erstaunlicherweise einfach durch. Nach ersten ungläubigen Blicken sprangen die vor der Schranke auf Dokumente wartenden Trucker applaudierend auf. Einer salutierte sogar. Nach einer ganzen Woche der Ungewissheit, des zermürbenden Wartens und einem letzten prüfenden Blick in den Rückspiegel Richtung Zollschranke war es geschafft: Wir waren wirklich in Kasachstan angekommen!

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Grosse Mütze, neugierig und meistens sehr freundlich: Die Verkehrspolizei in Kasachstan.

Was folgte, war eine gelungene Überraschung von einem Land, von dem wir kaum wussten, was uns dort erwarten würde. Die Landesdurchquerung wurde dank den Kasachen zu einer unvergesslichen Woche. Ob ein ehemaliger Kommilitone, der uns in Atyrau in Empfang nahm, oder seine Freunde, die uns in Astana die Stadt und das Nachtleben zeigten, oder einfache Bauern, mit denen wir morgens Kaffee tranken, da wir neben ihren Weidenflächen und Kamelen die Nacht verbracht hatten: Man war immer freundlich und hiess uns willkommen. Selbst die Polizei, die uns siebenmal anhalten sollte, war bis auf wenige Ausnahmen höflich und liess mit sich reden. Auch das eine Mal, bei dem wir ums Schmiergeld nicht herumkamen, war die Verhandlung mit erstaunlich viel Lachen verbunden, so absurd es sich anhören mag.

So positiv das Bild der Menschen in Nachhinein auch war, so brutal empfingen uns Kasachstans Strassen am 17. Tag auf dem ersten Stück von Aktau nach Atyrau. Nach den ersten Kilometern auf einer nagelneuen Teerstrasse, auf der wir durch eine unglaublich schöne Wüstenlandschaft zu fliegen schienen, endete die Strasse, und es begann die Höllenetappe von Aktau. Georgien und Aserbeidschan waren nur zum Aufwärmen. Diese 150 Kilometer lange Strasse hatte es in sich.

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Kurz hinter Aktau ging es vom Teer direkt auf die Höllenetappe.

Man kann bei dieser nicht asphaltierten Schotterpiste, bespickt mit tiefen Löchern, grossen Steinbrocken, dem abgefahrenen Felsuntergrund und messerscharfen Kanten eigentlich nicht von Strasse sprechen. Die harten Schläge und brutalen Erschütterungen, denen wir und unser Krankenwagen mehrere Stunden ausgesetzt waren, dauerten bis in die Nacht hinein. Sie zerrte unglaublich an unseren Nerven und kostete den Wagen die hinteren Stossdämpfer, das Seitentrittbrett und verursachte einen enormen Verschleiss an den Reifen und Bremsen.

Etwas traumatisiert, stets in Angst, es könnte ein weiterer solcher Abschnitt folgen, kämpften wir uns in den drei Folgetagen in den Norden des Landes. Aktöbe war eigentlich nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Astana. Doch wir versuchten spontan unser Glück bei Viktor, einem Renault-Händler, dem wir von unserem Vorhaben und den Problemen mit der Hydraulik erzählten. Im nächsten Augenblick war unser Renault auf einer Hebebühne, umringt von zeitweise zehn Mechanikern. Ohne die passenden Ersatzteile, aber mit grossem Erfindergeist wurde alles innert weniger Stunden repariert, und das, ohne dass ein einziger Dollar verlangt wurde. Mit einem tollen Mittagessen und vielen Umarmungen wurden wir in Richtung Astana verabschiedet.

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Mit viel Kreativität wurde die Hydraulik durch eine Metallfeder ersetzt.

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Renault-Händler Viktor war stolz, uns in der Not helfen zu können.

 

Die landschaftlich bisher schönste Strecke und eine Stadt, die ihre Einwohnerzahl seit 1998 verachtfacht hat: davon und vom Weg über Sibirien in die Mongolei im nächsten Blog.

Lieber Gruss

Max und Moritz

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3 Kommentare zu “Tag 17–20: Die Höllenetappe von Aktau”

  1. Christoph sagt:

    Schön das ihr so eine Reise macht. Ich wünsche euch weiterhin viel Glück, Spass und unvergessliche Erlebnisse…

  2. Die Höllenetappe von Aktau. Reise in’s Ungewisse. Grabstein inbegriffen.

  3. Aka sagt:

    Ich habe 2 Jahre für ein Projekt in Kasachstan verbracht. Es war eine tolle aber manchmal auch zermürbende Zeit die viel Geduld verlangte. Schmieren und Salben hilft dort eben allenthalben, einem Schweizer tut das aber weh.
    Die Leute sind in der Regel freundlich und die Landschaft, speziell die Steppe, das TianShan- und Altaigebrige, ist für einen Schweizer eindrücklich, kein Dichtestress ausser vielleicht in Almaty. Viel Spass auf der Weiterreise.