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Eine Frage von Sein oder Nichtsein

Caspar Fröhlich am Montag den 9. März 2015
Manage Your Boss

«Wir müssen die Schweiz retten. Bist du dabei?»: Warren Beatty und Annette Bening in «Bugsy». Foto: PD

Neulich führte ich einen inneren Dialog mit Rogel Köppel. Mit dem ich vor langer Zeit gemeinsame Turnstunden absolvierte. Sein unorthodox wehendes Haar beim virtuosen Uni-Hockey-Spiel ist mir gut in Erinnerung geblieben.

Er kam ohne Umschweife zur Sache: «Wir müssen die Schweiz retten. Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Sind umgeben von fremden Vögten und Richtern, die uns unsere Unabhängigkeit nehmen wollen. Es geht um Sein oder Nicht-Sein in den nächsten paar Jahren. Bist Du dabei?»

Als Bewunderer seiner sonst humorvollen, analytischen und originellen Art musste ich mich sammeln. Fand mich in verblüfftem Zustand wieder. War die Dringlichkeit Ausdruck von persönlicher Besorgtheit oder grenzte sie schon an eine Obsession?

«Ähm, weiss gar nicht recht. Für die Schweiz?», erwiderte ich zögerlich. Ich sah Tell mitsamt Sohn im geistigen Strahlenmeer. Eine Armbrust hier, eine Hellebarde da. Morgenröte über dem Vierwaldstättersee. Ochsenbein und die Verfassung von 1848. Vor Eiger, Mönch und Jungfrau. Genial und wunderbar. Ein heimeliger Schauer lief mir über den Rücken. Angenehm.

Ich liess mich einen Moment von meinem positiven Schweizbild begeistern. Ja, dachte ich, dieses Kämpfen gegen missbräuchliche Obrigkeit, für möglichst hohe Unabhängigkeit, für den eigenen Weg ist ein Bestandteil des sozialisierten Schweizer-Gens. Und der Wille zu aufreibenden und mühseligen Konsensfindungsprozessen. Und Respekt für den Anderen und dessen Freiheit zur eigenen Meinung.

Aber auch: Eine schlaue Offenheit um mit dem Anderen, auch jenseits von staatlichen Grenzen, umzugehen. Aus einem Bewusstsein heraus, dass hier eine Lebensqualität erreicht wurde, die andere als die Vortüre des Paradieses ansehen. Und das bringt Verantwortung mit sich. Das ist meine Schweiz.

Klar bin ich dabei, wenn es darum geht, dieses Gebilde weiterzuentwickeln. Im Bewusstsein, dass ganz viele andere ebenfalls dabei sein wollen. Und eigene Interessen vertreten. Und ihrem eigenen Schweiz-Bild den Vorzug geben. Die Knacknuss ist: Wie gehen wir miteinander um in diesem Prozess und natürlichen Spannungsfeldern?

Wer das respektvoll macht, begeistert mich. Wer in die Obsession abgleitet, verliert mich.

Wie sieht Ihre ideale Schweiz aus? Wo setzen Sie sich für Ihre Werte ein? Auch im beruflichen Bereich? Haben Sie dies schon einmal mit Ihrem Boss diskutiert?

In eigener Sache: Zum 50. Beitrag dieses Blogs am 20. April 2015 findet ein öffentlicher «Manage-Your-Boss»-Talk mit freundlicher Unterstützung des «Tages-Anzeiger» statt. Mehr davon hier in einer Woche.

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5 Kommentare zu “Eine Frage von Sein oder Nichtsein”

  1. s.frei sagt:

    man kann auch alles ins lächerliche ziehen. so kann man zbsp. wie italien seit 60 jahren wegschauen , den staat hintergehen, sich lustigmachen…und dann staunen, dass dessen taschen immer leer, die aufgaben aber immer immenser sein sollten. eigenständigkeit , gem. obigem artikel also keinen platz mehr. alles in die eu und den rest noch versaufen und passiv rumstehen. es wird schon besser kommen… am stammtisch kann dann noch gelästert werden, oder ?!

  2. Philipp Rittermann sagt:

    nun muss ich sie doch kritisieren, herr fröhlich. man sollte politik und job trennen. alles andere gibt automatisch böses blut. meine persönlichen ansichten, wie die schweiz zu gestalten ist, diskutiere ich gerne im privaten rahmen bei einem bier, oder tue mich in einem blog kund. und meine generelle ansicht bez. ch ist die, dass wir nicht jeden “globalisierungs-sch**** mitmachen sollten nur um der kurzfristigen gewinnmaximierung halber-, sondern uns auf unsere bewährten stärken konzentrieren. und in der wirtschaft haben wir zuviele eigennützige manager anstatt verantwortungsvolle unternehmer.

  3. Walter Bossert sagt:

    Da muss jemand unheimlich in die Enge getrieben worden sein, das er sich in sein stilles Kämmerlein zurück zog und begann nach seinem Gusto Filmgeschichtli zu erfinden. Sicher ist er nächstes Jahr in Solothurn zu bewundern, dort wo alle hinkommen wenn sie filmisch die Schweiz verar…… wollen.

  4. Anh Toân sagt:

    Ich Unterschied zu Herrn Köppel habe ich keinen Boss, der in meinen Arbeitsbeschrieb die Rettung der Schweiz vor fremden Richtern schreibt, und dafür vier Jahre Zeit gibt.

  5. bonito sagt:

    Sorry, aber Herr Köppel ist weder humorvoll, noch originell. Und seine Analysen schürfen meist knapp unter der Grasnarbe. Geschichtliches Halbwissen gepaart mit Geltungsdrang und Sendungsbewusstsein. Wieso beehren Sie diesen Mann, ist der Vorrat an Menschen schon erschöpft?
    Und was hat das mit Management zu tun? Eben… Vielleicht machen Sie mal eine schöpferische Pause, Herr Fröhlich.