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Siezen Sie noch, oder duzt du schon?

Caspar Fröhlich am Dienstag den 16. September 2014
Vielleicht eine Generationenfrage: Josh Hartnett (l.) und Morgan Freeman in «Lucky Number Slevin».

Vielleicht eine Generationenfrage: Josh Hartnett (l.) und Morgan Freeman in «Lucky Number Slevin».

Neulich sprach ich mit einem Mitarbeiter über das Duzen. Seit Carsten Schloter der Firma Swisscom intern das Du verordnet hat, wird dies konsequent umgesetzt. Da werde ich sogar als externer Dienstleister schriftlich und mündlich mit einem kollegialen Du angesprochen. Vielleicht eine Generationenfrage, aber es hört sich für mich trotz aller Offenheit ein wenig eigenartig an. Insbesondere im schriftlichen Verkehr mit Personen, die ich noch nie gesehen habe.

Und jetzt sind die SBB dran, wie ich kürzlich aus der Presse vernommen habe. Da ist CEO Meyer nun der Andreas. Oder vielleicht der Andy? Wird es so weit kommen, dass mich die Zugbegleiterin duzt, wenn ich eine Frage an sie richte?

Speziell interessant finde ich in dieser Hinsicht deutsche Unternehmen, mit richtig deutschem Kern, die international tätig sind und deshalb als Konzernsprache Englisch verwenden. Da trifft die deutsche Sie-Kultur – in der Mitarbeiter 20 Jahre dieselben Büroräumlichkeiten bewohnen und sich auch beim gemeinsamen Grillen mit Sie ansprechen – auf die im angelsächsischen Raum gepflegte Ansprache mit dem Vornamen. Ein wunderbar babylonischer Ansprache-Mischmasch ist die Folge. Unter Deutschsprachigen wird der Nachname verwendet, zwischen Deutschsprachigen und Englischsprachigen der Vorname. Das kann das Erinnerungsvermögen an Name und Verhältnis ziemlich auf die Probe stellen.

Und was ist geeigneter im beruflichen Kontext? Da gibt es auch ein babylonisches Meinungs-Potpourri. Aus meiner Sicht ist die Anrede nicht matchentscheidend. Solange alle Beteiligten ihre mit ihren Rollen verbundenen nicht populären Aufgaben sachgerecht erfüllen können. Zum Beispiel jemanden negativ sanktionieren, jemanden entlassen oder allgemeiner ausgedrückt: jemandem eine Botschaft übermitteln, die der Empfänger nicht attraktiv findet.

Es ist aber nie zu spät, vom Sie zum Du und auch wieder zurück zu wechseln. Sie können das einmal ausprobieren und sehen, welche Situationskomik daraus entsteht. Im Sinne von bewusster Musterbrechung und mehr Raum für Persönliches im Büroalltag haben wir unter Bürokollegen verabredet, dass wir alle Personen, die sich in unseren Räumlichkeiten aufhalten, direkt mit Du ansprechen und uns gegenseitig auf diese Art vorstellen.

Gesagt, getan: Ich eröffnete die erste Begegnung mit «Hallo Beat, darf ich dir Rolf vorstellen? Wir halten das so hier, dass wir uns alle Du sagen in diesen Räumlichkeiten – ich hoffe, das ist okay so. Ich bin Caspar.» Wir tauschten zu dritt ein paar höfliche Sätze aus. Rolfs etwas angespanntes Lächeln deutete aber darauf hin, dass der innere Dialog über die Wünschbarkeit meines ansatzlosen Wechsels der Anspracheform nicht abgeschlossen war. Was ich auf einem anschliessenden Gang durch die Natur umgehend zum Thema machte. Die Vor- und Nachteile waren schnell diskutiert. Wir haben uns auf das Sie geeinigt. Und das ist gut so.

Welche Ansprache wird in Ihrer Unternehmung verwendet? Was bevorzugen Sie – und weshalb?

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54 Kommentare zu “Siezen Sie noch, oder duzt du schon?”

  1. Huber sagt:

    mir geht die allgemeine Duzerei gehörig auf den Keks, ich will selber entscheiden mit wem ich Dutzis mache.

  2. Carl Dal Pund sagt:

    Zzensurarttest