«Papa, machen wir eigentlich Winterferien?»

Sechsjährige Maskenvorbilder, doofe Apps und nervige Kinderlieder: Unser Papablogger teilt zehn Erkenntnisse der vergangenen Familienferien.

«Ganz verschärft – Mann, das nervt»: 97 Prozent aller Kinderlieder sind eine Zumutung –  findet Papa. Foto: Getty Images

Wir waren diesen Sommer im Ausland in den Ferien. Gebucht vor Corona, an der Nordsee in Deutschland. Anreise mit dem Auto, Ferienhaus, keine Restaurantbesuche. Auch am Strand haben wir das Social Distancing ernst genommen. Faustregel: Wenn die Kinder Sand werfen und jemanden ins Auge treffen, war der Abstand zu klein.

Hier zehn weitere unsortierte Ferienerkenntnisse:

  1. «Jüngere Kinder haben nichts von den Ferienreisen ihrer egoistischen Eltern.» Diese Aussage hört man ab und zu. Persönlich sehe ich es andersrum. Eltern reissen sich ein logistisches Bein aus, damit die Kinderlein in anderer Umgebung Spass haben. Messbarer Effekt bei uns: Das Baby hat 30 Prozent mehr gelacht als zu Hause und der Brecht merkte nicht, dass im Ferienhaus ein grosser Fernseher stand.
  2. Die Corona-Tracing-Apps funktionieren bekanntlich nur national. Was mir allerdings nicht bewusst war: Es kann immer nur eine App auf dem Handy laufen. Man muss sich beim Grenzübertritt also entscheiden: Will ich am neuen Ort Kontakte tracken oder über Risikokontakte am bisherigen Standort informiert werden? Schade. Ein Stern Abzug!
  3. In Deutschland herrscht eine strengere Maskenpflicht als in der Schweiz. Alle angetroffenen Kinder schafften es problemlos, ab sechs Jahren eine Maske korrekt zu tragen. Spricht nicht gerade für die vielen Erwachsenen, die ihre Nase rauspimmeln lassen.
  4. Autofahrten mit Kindern über tausend Kilometer sind auch ohne Tablet möglich, aber anstrengend, weil man dabei die ganze Zeit Kinderlieder hören muss.
  5. 97 Prozent aller Kinderlieder sind eine Zumutung und bestehen aus lieblosen Reimen wie «im nu» und «immerzu». Mein persönliches Hasslied handelt von einem Papagei, der oft «Hallo» sagt. Der grauenhafte Refrain endet mit dem Reim: «Ganz verschärft  – Mann, das nervt». Lebte Goethe noch, er würde sich während einer Familienautofahrt mithilfe des Fensterhebers beide Ohren abtrennen.
  6. Kinder erwerben in den Ferien heimlich neue Fähigkeiten. Beebers kann jetzt Treppen steigen. Das weiss ich deshalb, weil ich ihn kurz nach unserer Ankunft zu Hause aus den Augen verlor und auf einem anderen Stockwerk wiederfand.
  7. Es gibt tatsächlich «12 in 1»-Spülmaschinentabs aber meines Wissens kein Spray, das gleichzeitig vor UV-Strahlen, Mücken und Zecken schützt und eine Anti-Sand-Haftformel besitzt. Man muss im Jahr 2020 Sonnencreme, Insektensprays und flüssiges Teflon immer noch einzeln applizieren.
  8. Der Durchschnittsmensch nutzt nur 62 Prozent der Dinge, die er in die Ferien schleikt. Warum habe ich mein Skateboard eingepackt? Ich kann nicht skateboarden.
  9. Am Sonntagabend vor Schulbeginn aus den Ferien zurückkommen, ist sportlich. Zu sportlich, um noch die Stifte im Etui zu spitzen und die Finken zu beschriften. Irgendwas bleibt halt liegen. Der Brecht stolperte am Montagmorgen mit gespitzten Stiften über den Koffer vor der Haustür.
  10. Es war zu heiss für Strand. Wir werden zu unserer Tradition zurückkehren und die Sommerferien künftig wieder in der abgedunkelten Wohnung verbringen.

Vorläufig bleiben Ferien ausser Haus ohnehin heikel. Niemand weiss, was die Pandemie für den Winter ausheckt. Wird man nur zu zweit in die 100er-Gondel des Skigebiets dürfen und dafür bis runter nach Chur anstehen müssen?

Wenn der Brecht fragt «Papa, gehen wir diesen Winter snowboarden?» dann antworte ich lieber mit «Hui, das weiss nicht einmal Alain Berset» als leere Versprechungen abzugeben. Am Ende sitzen wir die ganze Sportwoche zu Hause und hören Kinderlieder, bis uns das Blut aus den Ohren spritzt.

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