Gastbeitrag

Eine Kindsgi-Lehrerin für 20 Kinder? Geht nicht!

Schulleiterin Clarita Kunz fordert, dass Halbklassen auch nach der Coronakrise beibehalten werden. Nur so könnten bereits kleine Kinder gefördert werden.

Frühförderung statt Therapie: Der Unterricht in Kleingruppen ist individueller und letztlich günstiger. Foto: iStock

Während des Lockdowns konnten Eltern und Lehrpersonen die Vorteile der individuellen Förderung entdecken. Beim Erarbeiten der von den Lehrpersonen vorgegebenen Lerninhalte konnten persönliche Interessen und der individuelle Biorhythmus der Kindergartenkinder berücksichtigt werden. Sie konnten beim Lernen mehr Verantwortung übernehmen und zeitweise selbst über das Lerntempo bestimmen.

Diese Erfahrungen sollten wir dazu nutzen, eine längst fällige Diskussion über folgende systemische Absurdität anzustossen: Vier- bis Sechsjährige werden in Gruppen von 20 und mehr Kindern gefördert, während Schülerinnen und Schüler in den ersten, zweiten und teilweise in den dritten Klassen in Halbklassen unterrichtet werden. Angesichts der Tatsache, dass Kinder im Kindergarten umfassend ganzheitlich gefördert werden müssten, ist dies völlig unsinnig!

Mein Rythmus, mein Lernerfolg

Ganzheitliche Förderung kann in grossen Gruppen nicht gelingen. Kindergartenkinder brauchen viel individuelle Förderung in verschiedenen Bereichen, denn jedes lernt bekanntlich anders. Es braucht eine Lernumgebung, in der Kinder möglichst ihrem eigenen Rhythmus entsprechend unterschiedliche sinnliche Erfahrungen machen können. Denn die Schulung der Sinne ist unter anderem eine unabdingbare Voraussetzung zum Verstehen von mathematischen Grundlagen. Kinder, die viele konkrete Sinneserfahrungen machen, haben wenig Mühe beim Aufbau des Zahlbegriffs und beim Abstrahieren.

Aus pädagogischer Sicht ist zu fordern, dass die Halbierung der Gruppen in den Kindergärten bestehen bleibt.

Lernen beginnt mit Sprache. Ein differenzierter Wortschatz hilft dem Kind, körperliche, räumliche und soziale Erlebnisse zu benennen und einzuordnen. Auch Mathematik beginnt mit Sprache, beginnt mit Zuordnungen und Kategorisierungen, die sprachlich ausgedrückt werden. So lernen Kinder beispielsweise beim Umschütten von Körnern Begriffe kennen wie «wenig», «mehr», «viel», «weniger als», «mehr als», «viel mehr als». Konkrete Erfahrungen sind unerlässlich zum Verstehen und Automatisieren der vier Grundoperationen. 

Überforderte Lehrer und überflüssige Therapien

Jede noch so gut ausgebildete und engagierte Kindergartenlehrperson ist überfordert, wenn sie allein 15 und mehr Kindern gleichzeitig Grundlagenwissen in so vielen Bereichen vermitteln soll. Diese Überforderung hat zur Folge, dass Legasthenie- beziehungsweise Dyskalkulietherapeutinnen und -therapeuten bereits in den ersten Schuljahren alle Hände voll zu tun haben. Weil dieser Zustand schon jahrelang anhält, scheinen das Schulumfeld und die Politik davon auszugehen, dass dies normal ist. Das ist aber nicht normal, sondern eher bedenklich.

Aus pädagogischer Sicht ist zu fordern, dass die Halbierung der Gruppen in den staatlichen Kindergärten bestehen bleibt. Die Coronakrise hat gezeigt, dass dies möglich und sinnvoll ist. Sinnvoll wäre dies auch aus ökonomischer Sicht. Die Kindergartenlehrpersonen hätten im Vergleich zu heute zwar mehr Präsenzzeit, würden jedoch im Hinblick auf den Unterricht wesentlich entlastet werden. Die zusätzlichen Stunden könnten mit frei werdenden Geldern jener Therapien finanziert werden, die wegfallen, wenn die Gruppen kleiner sind. Und – last but not least – könnte ihr Gehalt endlich ihren schon jahrelang dauernden Forderungen entsprechend angepasst werden.

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56 Kommentare zu «Eine Kindsgi-Lehrerin für 20 Kinder? Geht nicht!»

  • maia sagt:

    Woher sollen denn all die KiGa-LehrerInnen kommen?
    Gerade von solchen gehört: da LehrerInnen fehlen werden die Klassen aufgestockt.
    Aber der erste Abschnitt lässt mich auch fassungslos zurück. Es gab wohl nur sehr wenige Eltern, welche die Kinder „individuell und nach Biorythmus“ fördern konnten. Die einen mussten ja weiterhin zur Arbeit und teiweise noch die Arbeit der „besonders gefährdeten“ übernehmen und die anderen mussten neben Home-Office auch noch schauen, dass die Kinder den Schulstoff durchnehmen.

  • Maike sagt:

    Das ist herrlich hier ! Während der Grossteil der – meist verständnislosen – Gegner dieses Vorschlages Männer sind, sind die Frauen eher dafür ! Warum das wohl so ist ? Weil die Männer sich – bisher – noch immer zur Arbeit absetzen konnten und die ganze Last der Erziehung den Frauen auf’s Auge drücken konnten ??
    Aber wartet mal ab liebe Papis, wenn ihr von Euer Firma in’s Home Office gesendet wird, dann bekommt ihr mal live mit, was Erziehung wirklich bedeutet. Und dann ist mit Rückzug nichts mehr – dann werdet ihr voll gefordert werden…
    Noch grausamer muss für Euch der Gedanke sein, ihr werdet gekündigt und die Frau findet eine Arbeit…..

    • Sportpapi sagt:

      @Maike: Weder kann ich diesen angeblichen Geschlechtergraben nachvollziehen, noch die Begründung dafür. Die Klassengrösse der Kindergärtner hat nun wenig Zusammenhang mit dem elterlichen Erziehungsaufwand, und wenn – falls wirklich weniger Unterricht gemeint sein sollte – dann würde es vor allem das Anliegen der „Vereinbarung“ torpedieren.
      Ausserdem waren viele Väter im Homeoffice, ich auch, und wir haben erzogen wie gewohnt.
      Während Sie doch nach eigenen Angaben als Pflegeperson arbeiten und täglich mit Maske im Dienst stehen?

  • Yvonne sagt:

    Der heutige Kindergarten ist nicht vergleichbar mit dem Kindergarten von früher. Die Kinder verbringen mehr Zeit (4 h am Morgen) im Kindergarten, sind nun vier Jahre alt und müssen mehr können als früher. Die Förderung soll ausserdem individuell sein. Auch Kinder, die früher sonderbeschult wurden, sind heute in die Regelklassen integriert. Kinder ohne Deutschkenntnisse haben in vielen Gemeinden zugenommen. Entwicklungsschritte müssen heute dokumentiert und besprochen werden.
    Ich als Kindergarten-Lehrperson finde es wichtig, dass es eine Veränderung gibt! Der vorgeschlagene Halbklassen-Unterricht sollte aber nicht die Zeit der Anwesenheit im Kindergarten herabsetzen.

  • Hans Joss sagt:

    Der Anfang ist wichtig. Im Kindergarten werden Grundlagen für die gesamte Schul- und Berufslaufbahn gelegt. Sozial bedingte Unterschiede können erkannt und ausgeglichen werden. Dazu braucht es gut ausgebildete Lehrpersonen und optimale individuelle Förderung, die nur in kleinen Gruppen möglich ist. Leider wird die wegweisende Bedeutung des Kindergartens noch immer massiv unterbewertet in unserer Gesellschaft. Wenn es etwa heisst: ‘Wir sind doch nicht im Kindergarten’. Obschon bereits Kindergartenkinder zu beachtlichen Leistungen fähig sind.

  • Tim Meier sagt:

    Früher wurden Kinder Zuhause gefördert und mussten anpacken.
    Heute wollen sich die Eltern selber verwirklichen und alles Mögliche an den Staat abdelegieren. Natürlich bezahlt von der Allgemeinheit. Eine etwas egoistische Einstellung.

    • Sina sagt:

      Ich würde gerne meine Kinder mehr zuhause fördern und einspannen. Leider sind sie fast jeden Tag von morgens bis abends in der Schule und es bleibt fast keine freie Zeit. Und das ist gewiss nicht meine Wahl, sondern der Gesetzgeber hat es so vorgesehen und wir müssen uns richten.

    • Maike sagt:

      Früher hatten wir auch einen Kaiser und ein Brötchen kostete auch nur 10 Rappen ! Statt Internet schreib man Briefe und die Waren wurden mit Pferd und Wagen transportiert.
      Inzwischen hat sich die Erde aber ein bizzeli weitergedreht – und das macht auch vor der Erziehung der Kinder nicht halt !

  • Frohwanda sagt:

    Der Gestaltung des Unterrichts und die Lehrpersonen haben einen viel grösseren Einfluss auf den Lernerfolg als die Klassengrösse. Wie eine Schulleiterin hier ihre Meinung als richtiger und wichtiger darstellt als die Ergebnisse einer riesigen Metastudie (Hattie), finde ich sehr bedenklich. Es müsste viel mehr für die Qualität des Unterrichts und die Professionalität der Lehrpersonen gemacht werden. Sie sieht die Lehrer als ideal an und möchte am Setting rumschrauben – da hat sie meiner Meinung nach ziemliche Scheuklappen an.

    • Iris Täschler sagt:

      Jahrzehntelange Erfahrung als Lehrperson Kindergartenstufe hat mich eines gelehrt: eine minutiöse Unterrichtsvorbereitung, stetige Weiterentwicklung des pädagogischen Rüstzeugs und unbedingte Leistungsbereitschaft bringen kein befriedigendes Resultat punkto Unterrichtsqualität, da diese im vorgesehenen Setting schlicht unmöglich zu erreichen ist. Alle, die behaupten, diese Aufgabe sei alleine zu bewerkstelligen sind herzlich eingeladen, mich an einem vierstündigen Morgen mit 22 kleinen Kindern eines Besseren zu belehren.

  • Urs Hasler sagt:

    Dieses Gemotze und Gejammere geht mir langsam auf den Sack.

    Eltern, die sich nicht an schulische Rahmenbedingungen halten möchten, sollten keine Kinder haben. Man kann doch nicht für jede egoistische Sondersituation eine Extrawurst kochen.

    Und Lehrer (das weibliche Geschlecht ist mit gemeint) sollten sich auf den Schulstoff konzentrieren. Und auch 20 Kinder sind überblickbar. Können sich die überhaupt vorstellen, welche Probleme potenziell arbeitslose Eltern psychisch momentan durchlaufen ?

    Wir haben weiss gott andere Probleme zu lösen. Punkt.

    • 13 sagt:

      Haben Sie den Bericht über das Flüchtlingslager in Griechenland gelesen? Ratten, die Babys beissen, Kinder die sexuell missbraucht werden, weil sie in der Toilettenschlange anstehen….dagegen ist Arbeitslosigkeit in einem Land mit ALV und Sozialhilfe Luxus. Tatsache ist, dass jedes unserer „Probleme“ global betrachtet ein Luxusproblem darstellt. Trotzdem beschäftigen sie uns Tag für Tag, weil das nun mal die Realität ist, in der wir leben. Deshalb ist es durchaus zulässig darüber zu sprechen.

  • Carla Simonazza sagt:

    Ich mag schon all die Kommentare “wer betreut dann die Kinder” nicht mehr hoeren. Wer Kinder in die Welt setzt soll auch die Verantwortung dafuer uebernehmen und nicht alles der Schule anlasten wollen (Betreuung, Erziehung……..) ,

    • Sportpapi sagt:

      @Carla Simonazza: Ich erinnere daran, dass viele Familien im Lockdown Schwierigkeiten hatten, weil plötzlich die Eltern die Aufgaben der Schule/ Lehrpersonen übernehmen mussten.
      Ansonsten wäre die Kindergartenpflicht wieder zu diskutieren. Aber wenn die gilt, soll der Kindergarten auch stattfinden, zumindest in „normalen“ Zeiten. Und so, dass die Eltern dies einplanen können.

    • 13 sagt:

      @ Carla
      Ja, ich finde auch dass jeder (Elternteil oder nicht) Verantwortung zu tragen hat. U.a. auch damit, dass er sich selber absichert, nicht in die Lage zu kommen, nach einer Scheidung oder im Alter von der Gesellschaft finanziell abhängig zu sein. Das bedingt nun mal eine Erwerbstätigkeit, die nur ausgeübt werden kann, wenn die Rahmenbedingungen bestehen.

  • Heinz Christen sagt:

    So so , 1954 waren wir 24 Kinder in einer Chinsgi -Klasse und alles war gut – die Kinder waren alle aus Arbeiter-oder ein paar aus Angestellten-Familien, die allerdings den Kindern vorher schon beigebracht hatten, wie man sich anständig benimmt !
    Zudem waren die Lehrer -( innen ) noch vollzeit tätig und lediglich 2-3 Kinder hatten einen Migrationshintergrund ( Italien).
    Denk nach was ihr am 29. Sept . 2020 abstimmt .

    • Sportpapi sagt:

      @Heinz Christen: Jetzt kommen die Zuwanderer aus Europa. Wenn wir so abstimmen, wie Sie es sich wohl wünschen, dann kommen sie aus der ganzen Welt. Und wohl nicht weniger wie heute, sonst hätte man sich ja mal auf eine Zahl festgelegt.
      Macht also recht wenig Sinn, oder?

    • Beat sagt:

      Darf dir sagen, bei mir waren es 30 Kinder (Jg 1951) mit einer Lehrerin. Aber unsere Eltern haben uns Anstand und Verhaltensregeln aus der Kindererziehung schon damals mitgegeben. Heute ist man der Ansicht, dass dies alles in der Schule passieren muss, dann habe ich es als Eltern viel einfacher. Die heutigen Eltern haben dazu auch keine Zeit mehr, vor lauter Arbeit, Partys, Ferien etc. Kindererziehung ist nicht die Aufgabe von Lehrpersonen, sondern der Eltern.

    • Martin Frey sagt:

      „Denk nach was ihr am 29. Sept . 2020 abstimmt.“
      Denken Sie an das Abschussgesetz? Oder an die Kampfflugzeuge? 😉
      Im Ernst, auch wenn ich den Zusammenhang mit der Schule nicht ganz sehe. Aber im September handelt sich um einen der wichtigeren Wahlgänge der letzten Zeit, in der Tat. Nur das, woran Sie wohl denken, dürfte eher nicht mehrheitsfähig sein.

    • 13 sagt:

      Was Sie am 29.09. abstimmen, ist völlig egal. Bis dahin ist die Abstimmung nämlich vorbei.
      Was diese Abstimmung mit dem Thema zu tun hat, ist etwas unklar. Wieviele der nicht-deutschsprachigen Kinder in Ihrem Kindergarten kommen den aus EU-Ländern? Bei uns in allen drei Klassen meiner Kinder, genau eines (aus Italien).

  • miri sagt:

    Ich bin selber Kindergartenlehrerin und war kein Fan vom Halbklassenunterricht. Ich sah meine Schüler und Schülerinnen zu wenig und nicht alle Familien können zuhause neben Homeoffice gleich gut ihre Kinder fördern. Und auch wenn es anspruchsvoll ist, aber mit guten Spielangeboten ist es möglich 22 Kinder gleichzeitig zu fördern. (Auch wenn sicher nicht immer, aber jedes Kind hat auch recht aufs Spielen!) Die Herausforderung auf der Kindergartenstufe ist meiner Meinung nach, dass Alter (die Jüngsten Kinder sind knapp 4 Jahre) und nicht die Gruppengrösse.

  • Hans Meier sagt:

    Kurz zusammengefasst: halbe Klasse, aber höherer Lohn. Und bezahlt soll das werden durch eingesparte Imaginärausgaben, die später folgen würden, wenn man nichts unternimmt. Und dann ohnehin folgen werden, weil die Probleme aus irgendeinem Grund, trotzt tollster, modernster Kindergartenpädagogik und Frühförderung, bestehen bleiben.

    • U.J. sagt:

      Zu unserer Zeit 1 1/2 Klassen 45 Schüler (nicht Kinder) Im Nachbardorf 6 Klassen mit 30 Schüler, die meisten spätere Bezirksschüler.
      Kein Gejammer, wenig Lohn, mehr Arbeit.

  • Hans Joss sagt:

    ‚Schulleiterin Clarita Kunz fordert, dass Halbklassen auch nach der Coronakrise beibehalten werden. Nur so könnten bereits kleine Kinder gefördert werden‘. Absolut berechtigte Forderung. 20% der Schulabgänger/innen haben nach 9 Jahren Schule und 2 Jahren Kindergarten ungenügende Fähigkeiten in Lesen und Schreiben. In der Schweiz ergibt das 800’000 Erwachsene, die nur ungenügend Lesen und Schreiben können (Illettrismus). Video dazu: http://www.boggsen.ch. Ein klarer Hinweis, dass die öffentliche Schule einem Teil der Lernenden nicht gerecht wird. Obschon die Bundesverfassung die individuelle Vermittlung der Grundkompetenzen durch die Volksschule verlangt.

  • Ruedi Basler sagt:

    Also ich war vor gefühlt 50 Jahren im Chindsgi (witzigerweise ebenfalls in Feldmeilen). Wir hatten locker Kleingruppen mit der Chindsgi-Lehrerin, um Dinge zu lernen. Die anderen beschäftigten sich in dieser Zeit mit selbständigem Spielen. Das ging aber alles prächtig ohne Reglemente und Strukturänderungen, ließ aber die Freiheit, individuell und spontan entscheiden zu können. Muss man heute eigentlich alles reglementieren und „konzipieren“? Das ist doch Quatsch!

  • Armada Maria sagt:

    Wie nur, frage ich mich, habe ich es ohne die Vermittlung von “Grundlagenwissen“ im Kindergarten an die Uni geschafft? Warum muss ein Kindergartenkind Körner umschütten, damit ihm mathematisches Verständnis zugetraut wird? Statt schon die Kleinsten mit “wertvoller Pädagogik“ zuzutexten und ad absurdum zu optimieren, sollte das Bildungsangebot in der späteren Primarschule angepasst werden, wenn die Kinder reifer und selbstständiger sind und das “Grundlagenwissen“ auch anwenden können. Dieser Leistungsanspruch an die Kleinsten finde ich überdies sehr bedenklich. Ich wurde nicht nur ein Jahr später in den Kindergarten geschickt, man hat mich dort einfach machen lassen, ohne dass ich irgendeinen Leistungsauftrag erfüllen musste.

    • Muttis Liebling sagt:

      Ganz Ihrer Meinung. Ich frage mich, wozu das gut sein soll:

      ‚Nur so könnten bereits kleine Kinder gefördert werden.‘

      Kinder müssen nicht gefördert werden. Sie müssen nur Lernangebote haben und wer die nicht wahrnimmt, macht das eben nicht. Es gibt keine Not zur Leistung. Man lebt gut ohne gut zu sein.

  • Stefan Gisler sagt:

    Weniger Kinder pro Lehrperson – wichtig und richtig! Aber was die Autorin über die Schönheiten und den Biorhythmus der Corona-bedingten individuellen Förderung bei der Erarbeitung der von Lehrpersonen vorgegebenen Lerninhalte‘ zu Hause fabuliert, ist mehr als weltfremd. Liegt es daran, dass sie an der Goldküste in einer Privatschule aktiv ist? Viele berufstätige Eltern waren stark gefordert, überhaupt die Betreuung der Kinder zu organisieren (bei Nachbarn, Verwandten, etc.) – die je nach Schule (Primar, Sek, Kanti) völlig unterschiedlichen Modelle und Anforderungen des Home Schooling waren kaum bewältigbar – nur schon in Ermangelung von genügend Laptops sowie durch schlichte Nicht-Präsenz der Eltern, da arbeitstätig!

  • Coco sagt:

    Finde ich super. An Privatschulen sind die Klassen meistens auch sehr viel kleiner. Wenn man bedenkt, dass sich die Kosten an der Privatschule oftmals im Rahmen von +/- CHF 2000.- bewegen, und ein Kind in der staatlichen Schule etwa gleich viel kostet, dann müssten doch dort auch Kleinklassen möglich sein. Evtl bräuchte es dafür dann weniger Zusatzpersonal, welche die Lehrpersonen unterstützen, weil die individuelle Förderung allein aufgrund der Klassengrösse viel besser möglich ist. Auch ist es bei wenigen Schülern einfacher den Überblick und Ruhe im Zimmer zu wahren sowie auf soziale Themen / Probleme einzugehen wie bspw Mobbing.

    • Coco sagt:

      Ich meine, Kleinklassen wären auf den meisten Schulstufen sinnvoll. Im Kindergarten insbesondere auch, weil die Kinder oftmals noch sehr klein und verträumt sind. Am letzten Besuchstag wurde mir sehr stark bewusst, dass einzelne Kinder fast nichts mitkriegen. Die 2. Kindergärtner sollten den kleineren Kindern helfen, waren aber mit dem Auftrag „ausschneiden und aufkleben“ selbst beschäftigt und teils leicht überfordert. Das liegt aber bestimmt auch noch am frühen Einschulungsalter.

  • Peter Zürcher sagt:

    Komisch, früher ging das locker. Was war anders? Bessere Ausbildung? Deutsch sprechende Kinder? Erklären Sie es mir.

    • Astrid Meier sagt:

      Jüngeres Einschulungsalter. Früher waren Kindergärtler sechs, heute sind sie gerade erst vier geworden. In diesen zwei Jahren läuft viel.

      • Astrid Meier sagt:

        Es kommt noch dazu, dass früher nicht in Blockzeiten unterrichtet wurde. Das bedeutet, dass früher Kindergärtler und mindestens Erstklässler jeweils zwei Stunden am Morgen und zwei Stunden am Nachmittag Schule hatten. Im Hort mussten sie in der damals relativ langen Mittagszeit ein Schläfchen machen, oder zumindest 30 Minuten ruhig liegen. Heute dauert der Morgen vier Stunden, falls das Kind betreut wird, geht es weiter in der Gruppe zum Essen, und anschliessend folgt weitere Schule oder Aktivitäten im Hort. Da nützt auch deutsche Muttersprache nichts, einzelne Kinder sind ab 15 Uhr völlig erschöpft.

    • Sportpapi sagt:

      @Peter Zürcher: Sie meinen, bevor der Kindergarten obligatorisch wurde, und mit Bildungsaufträgen ausgestattet? Als der Kindergarten noch zwei Stunden dauerte?

  • Lea sagt:

    Wir leben in einer kleinen Gemeinde, welche vor ein paar Jahren wegen schwankender Schülerzahlen die Basisstufe eingeführt hat. Da werden KG/1./2. Klasse gemeinsam unterrichtet. Teilweise ist eine Lehrperson mit der Klasse allein, mehrheitlich sind sie zu zweit. Die Kinder können je nach Entwicklungsstand von lernend spielen zu spielend lernen. Der grosse Vorteil jetzt am Anfang des Schuljahres ist, dass die meisten Kinder wissen wie es läuft, und die neuen kommen einfach dazu und lernen von den anderen. Das Klassengefüge, Abläufe, Regeln, etc. funktioniert schon alles. Die Kinder dürfen in ihrem Tempo wachsen. Win Win für alle!

    • Coco sagt:

      Finde ich super, solche gemischten Klassen gibt es auch in größeren gemeinden, eben wegen der Win Win Situation, nicht aus Zwang.

    • Sportpapi sagt:

      @Lea. Die Basis- oder Grundstufe wurde unter anderem auch wegen der erhöhten Kosten für die zweite Lehrperson in Zürich abgelehnt. Die Privilegierung dieses Modelles macht ja auch keinen Sinn.

  • 13 sagt:

    Nachdem ich den ersten Absatz dreimal fassungslos gelesen habe, war ich versucht, den Rest sein zu lassen. Es ist aus meiner Sicht schlicht unverständlich dass Lehrpersonen 2020 davon ausgehen, dass ein Elternteil zu Hause ist und vermutlich auch nur ein Kind hat. Im Lockdown fand bei uns alles andere als die individuelle Förderung nach dem Rhythmus des Kindergartenkindes statt. Im Gegenteil waren wir froh, kann sich dieses so gut selber lange beschäftigen, denn ein Elternteil im Büro und der andere mehr als gefordert mit der Beschulung zweier Schulkinder. Da lagen stundenlanges Backen, Basteln und andere lustige Ideen der Kindergärtnerin nicht drin. Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht, denn sie festigte damit einige Kompetenzen.

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Da drückt in meinen Augen die Biografie der Autorin durch, und der damit verbundene Selektionsbias.

    • Karin sagt:

      In dem Artikel steht meines Erachtens nicht, dass die Kinder öfter zu Hause und die Blockzeiten nicht mehr eingehalten wären. Es steht nur, dass mehr in kleineren Gruppen unterruchtet werden sollte, nach dem Vorbild des Halbklassenunterrichts in den ersten Primarklassen.
      Ob allerdings viele Kinder während des Lockdowns individuell gefördert würde wage ich zu bezweifeln. In diesem Punkt gebe ich Ihnen recht.

    • Renata Rubina Rolischo sagt:

      Sehr richtig – ich habe den ersten Absatz gleich nochmals ebenso fassungslos gelesen.
      Die „normale“ Familie betreute also tagsüber intensiv Papi Kind 1, Mami Kind 2, und wenn Kind 3 vorhanden, verbotenerweise Grosspapi Kind 3. Abends noch spielen und Kinder ins Bett, so bleibt Zeit, um von 20:00 bis 23:00 den Haushalt nachzuholen und 23:00 bis 07:00 den 8-Stunden-Arbeitstag im Home-Office zu machen, der ja tagsüber liegen geblieben ist. 07:00 sind die Kleinen auch schon wieder wach.
      In dieser Zeit konnten andere endlich sich Gedanken machen, ob dieser Schulalltag nicht eigenlich ganz erträglich ist, so, und ob es sich lohne, darüber eine Kolumne zu verfassen…

      • Iris Täschler sagt:

        Sie sind sich aber schon bewusst, dass die Schule nicht für die Organisation ihres Familienalltags verantwortlich ist? Gute Lösungen der Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit sind wichtig, diese Diskussion hat aber nichts mit der Organisation des Bildungssystems zu tun.

      • 13 sagt:

        @ Iris
        Das sehe ich anders. Wenn die Schule so sehr in die Familienorganisation eingreift, indem nämlich jedes Kind zu einer anderen Zeit mit anderen zu Hause erledigten Aufgaben an einem anderen Ort zu sein hat, dann ist durchaus zu erwarten, dass diese auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt hält. Die Schule gehört zur sogenannten „Familienarbeit“, wenn diese Familie schulpflichtige Kinder hat. Und diese sollte mit der Erwerbsarbeit vereinbar sein. Vorausgesetzt man will überhaupt die Erwerbsarbeit von Frauen fördern, was ich sehr oft bezweifle.

    • 13 sagt:

      Ich sehe, dass da mein zweiter Teil fehlt:
      Gerade weil damit auch Kompetenzen gefestigt wurden, könnte man sich eher überlegen, ob man die sogenannten Lernziele im Kindergarten überdenken sollte anstatt Halbklassenunterricht (den gibt es in der Primarschule? Das ist hier nicht der Fall.). Wenn ich eine Info mit dem Lernziel „Festigung und Ausbau mathematischer Fähigkeiten“ erhalte und mir mein damals 4-jähriges Kind betrachte, frage ich mich schon, wer da spinnt. Würde man aufhören, Kindern immer früher alles andere reinstopfen zu wollen, würde man die Therapieindustrie auch entlasten.

      • Sportpapi sagt:

        @13: In der Primarschule gibt es bei uns in geringem Ausmass Halbklassenunterricht. Das gibt es aber in Zürich auch im zweiten Kindergarten (zwei Nachmittage).
        Ansonsten bin ich nicht bei dir. Klar, wenn wir nicht mehr hinschauen, brauchen wir auch keine Therapien mehr. Aber das ist ja nicht zielführend.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Bei uns gibt es das, wenn überhaupt im Kindergarten, denn fürs erste Jahr sind zwei Vormittage freiwillig und der Nachmittag ist eh in Gruppen (1. und 2. Jahr gemischt). D.h. Wirklich alle sind es ohnehin nur an drei Vormittagen.

        Von wegschauen schrieb ich nichts. Ich spreche davon, Kinder nicht zu Leistungen therapieren, die sie 1-2 Jahre später eh erreicht hätten. Therapien sind gut und wichtig für Kinder, die eine Entwicklung alleine nicht schaffen. Wenn Kinderärzte plötzlich entscheiden würden, Kinder müssten mit 10 Monaten laufen, und alle, die es nicht tun, in die Physiotherapie schicken, gäbe es einen erheblichen Anstieg an Physiotherapien. Nur wäre das völlig absurd.
        Im Kindergarten wird aber genau das gemacht: Alter gung runter, Anforderungen rauf. Tja.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Der Kindergarten soll ja nicht nur Spielgruppe sein, sondern wie es früher hiess: „Vorschule“. Insofern finde ich es gut, wenn hier versucht wird, die gröbsten Defizite, z.B. bezüglich Sprache, zu beseitigen.
        Ob man dem nun Therapie oder besser Nachhilfe sagt, ist ja eigentlich egal.

  • Sandra Altorfer sagt:

    Das Pensum des einzelnen Kindes müsste nicht reduziert und Blockzeiten und das Pensum der Kindergärtnerin könnten beibehalten werden. Einzig die Klassen müssten markant kleiner, eben so gross wie aktuell eine Halbklasse sein.

  • Martin Frey sagt:

    Ja was gilt denn nun, frage ich als Vater und pädagogischer Laie? Es wird doch überall davon geschrieben, dass der Lockdown für schwächere Kinder fatal gewesen sei, dass diese nun noch mehr angehängt wurden und die Kluft zu den besseren Schülern sich noch mehr vertieft habe. Wo war denn das individualisierte Lernen und Begleiten, frage ich mich? Unsere Erfahrungen dazu sind zumindest zwiespältig.
    „ Lernen beginnt mit Sprache.“
    Richtig. Und Sprache beginnt eben mit dem Elternhaus, respektive mit der Sozialisierung. Ein sprachaffines Umfeld dürfte da sehr viel relevanter sein als Klassengrössen. Es ist ein alter Zopf, dass durchschnittlich begabte Kinder, die bei der Einschulung kein Wort in einer Landessprache sprechen, einen Rückstand aufweisen den sie oft kaum je aufholen.

    • Sportpapi sagt:

      @Martin Frey: Wir haben das gleiche erlebt wie die Autorin.
      Allerdings sind nicht alle Eltern ausgebildete Lehrpersonen, die zudem Zeit haben zuhause. Sollte man vielleicht merken, wenn man sich schon so öffentlich äussert.
      Und das sprachaffine Umfeld ist nicht das gleiche wie deutschsprachig, oder?
      Wie auch immer, kleinere Klassen wären auf allen Stufen natürlich sinnvoll.

      • Martin Frey sagt:

        @SP
        „Und das sprachaffine Umfeld ist nicht das gleiche wie deutschsprachig, oder?“
        Richtig. Der Umkehrschluss trifft jedoch sehr oft zu. Eltern, die dafür besorgt sind (das ist nämlich meist eine aktive Haltung), dass ihre Kinder ohne Kontakt mit Kindern aufwachsen die in einer Landessprache kommunizieren (sprich einen anderen background haben), sind iaR weder sprach- noch bildungsaffin.
        „Wie auch immer, kleinere Klassen wären auf allen Stufen natürlich sinnvoll.“
        Das ist eine seit Jahren gehörte Binsenweisheit, in ihrer Absolutheit aber auch nicht ganz wahr. Es gibt sehr viele Faktoren die noch zusätzlich eine Rolle spielen. Auch kleinere Klassen können grössere Probleme haben. Und grosse Klasse (wie bei uns mehr als 25 Kinder) keine nennenswerten. Matchentscheidend sind die Personen.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ja, eine Binsenwahrheit ist es. Man kann nun mal nicht integrativ und individuell mit einer grossen, absolut herogenen Klasse arbeiten. Wie soll das gehen?
        Ich weiss schon, dass die Bildungsforschung die Wirkung der Klassengrösse anzweifelt. Aber sie bringt auch den verpönten Frontalunterricht wieder ins Spiel. Also wenn grosse Klassen, dann müssen wir in anderen Bereichen einfach zurückbuchstabieren.
        Und meine Frau unterrichtet aktuell 25 Kinder in der Unterstufe. Und berichtet, dass das in einem schwierigen Umfeld praktisch unmöglich ist. Nur schon aus disziplinarischen Gründen. Und da geht es um Basics, und es nutzt nichts, über die jeweiligen Eltern zu schimpfen. Ändert ja nichts.

  • Theresa sagt:

    Das wär ja wunderbar!
    Bedeutet Blockzeiten ade. Für die wurde gerungen Jahrzehnte lang.
    Wer übernimmt und bezahlt Kinderbetreuung?
    So einfach Rechnung geht nicht auf.
    Leider

    • Sportpapi sagt:

      @Theresa: Die Blockzeiten bedeuten in Zürich zumindest im ersten Kindergartenjahr Halbtagsunterricht. Bliebe noch der andere Halbtag…

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