Was wir unseren Kindern jetzt vermitteln sollten

Solidarität statt Panik und Hamsterkäufe: Die Corona-Krise bietet auch die Chance, Positives vorzuleben.

Was geben wir unseren Kindern mit? Zwei Buben mit Gesichtsmasken auf dem Schulweg. Foto: Getty Images

Spätestens seit vergangenem Freitag kennt jeder Kindergärtler in unserem Land das Wort Coronavirus und weiss, dass dieses so schwer fassbare Etwas unseren Alltag gerade ziemlich durcheinanderwirbelt.

Die etwas älteren Kinder beschäftigt das Virus schon länger. Als sich die Sportferien dem Ende zuneigten, unterhielten sich die Jugendlichen im Klassenchat über Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel. In der ersten Schulstunde nach den Ferien gabs eine Lektion im Händewaschen, auf dem Pausenplatz rannten vereinzelt Kinder mit Masken im Gesicht herum, und bald schon wurden Schulanlässe abgesagt.

Informiert die Kinder, aber richtig!

Es ist wichtig und richtig, dass der Nachwuchs über das Virus Bescheid weiss, denn es geht uns alle an. Deshalb schaue ich regelmässig die Berichterstattung dazu in der «Tagesschau» gemeinsam mit meinen Kindern. Damit sie alles richtig verstehen, drücke ich immer wieder die Pausentaste  und erkläre das Gehörte nochmals. Sie haben zu Hause auch gelernt, worauf es beim Händewaschen ankommt, weshalb man momentan zurückhaltender umgeht mit Händeschütteln und Umarmungen und warum wir dem Urgrossmami derzeit lieber nur schreiben, anstatt sie besuchen zu gehen.

«Man schaut nicht nur für sich selber, sondern auch für die anderen.»

Gleichzeitig betone ich immer wieder, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Dass sie sich weder um sich selber noch um mich sorgen müssen, da wir eine Corona-Erkrankung vermutlich gut überstehen würden. Dass all diese Massnahmen aber dennoch Sinn machen, weil sie vor allem darauf abzielen, diejenigen in der Gesellschaft zu schützen, die besonders gefährdet sind: alte und chronisch kranke Menschen nämlich, die sich nicht mehr so gut gegen das Virus wehren können. Und dass unsere Gesellschaft auf ebendiesem Prinzip basiert und auch deswegen funktioniert: Man schaut nicht nur für sich selber, sondern auch für die anderen.

Erwachsene geben ein schlechtes Beispiel ab

Tatsächlich führt die Erwachsenenwelt den Kindern aber gerade das absolute Gegenteil dieses Solidaritätsgedankens vor Augen. Menschen kaufen Supermarktregale leer, aus Angst, zu verhungern – und verschwenden keinen Gedanken an all die anderen, die einfach nur eine Packung Pasta fürs Abendessen brauchen. Mütter lehren ihre Kinder plötzlich, dass Teilen doch nicht das Wahre ist, wenn es um knappe Güter wie Desinfektionsgel geht. Gesunde stehlen ebendiese Desinfektionsmittel sogar aus Spitälern, obwohl sie selber diese bestimmt nicht so dringend benötigen wie das Pflegepersonal.

Dass einige Kinder angesichts solchen Verhaltens Angst bekommen, überrascht mich nicht. 

Leere Regale bei den Grossverteilern – kein Zeichen der Solidarität. Foto: Urs Jaudas

Dabei könnten wir unseren Kindern anhand des Coronavirus auch Positives vorleben. Dass man selber auch einmal auf etwas verzichten soll, wenn diese Handlung jemand anderem zugutekommt etwa. Oder dass man viel bewirken kann, wenn man zusammenhält. Genau das passiert unterdessen glücklicherweise auf Social Media, wo sich immer mehr Gruppen bilden, in denen Leute anderen im Quartier ihre Unterstützung beim Einkaufen, beim Gassigehen oder einfach nur (virtuelle) Gesellschaft anbieten.

Denn eines führt uns das Virus doch in aller Deutlichkeit vor Augen: Wir sitzen alle im selben Boot. Und auch wenn manche die Unterschiede so gerne hervorheben: Vor dem Virus sind wir alle gleich, egal, wo wir leben, welche Hautfarbe wir haben, welche Sprache wir sprechen. Es täte der Menschheit gut, diese Erkenntnis wieder etwas mehr zu verinnerlichen. Und sich darauf zu besinnen, dass wir die grösseren Probleme dieses Planeten nur mit vereinten Kräften angehen können.

Liebe Eltern, welche Themen beschäftigen Sie in diesen schwierigen Zeiten besonders? In welchen Situationen wären Sie froh um Expertentipps oder Erfahrungsberichte von anderen Müttern und Vätern? Schreiben Sie uns in der Kommentarspalte!

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