Und wie wecken Sie Ihre Kinder?

Oder: Warum «Nullkommaplötzlich» oft das effizientere «Bitte» ist, wenn das Kind mal wieder nicht aufstehen will.

Mein Schlaf, Papas Challenge: Kinder morgens zu wecken, kann ganz schön schwierig sein. Foto: iStock

Wissen Sie, ich versuche es durchaus jeden Morgen mit einem mamihaft-säuselnden «E guete Morge. Chum, stand uf» und denke dabei gleichzeitig an meinen Feldweibel in der Rekrutenschule. Zugegeben, man musste mich damals auch jeden Morgen separat wecken bis wachrütteln. Und ich höre den «Feldi» noch immer in meinem geistigen Ohr: «Tääägwäääch!» Ja, liebe Brüder und Schwestern: Tagwache, ein Wort, das in keinem Dialekt besser funktioniert, als wenn es, aus dem tiefsten Innern einer aufgeblasenen Ostschweizer Röhre kommend, durch die morgendlich leeren Kasernengänge pfeift. Theoretisch.

Zurück zu Junior. Keine Sorge, er schläft genug. Wir stecken ihn abends um acht Uhr ins Bett, dann gibts eine Geschichte, und um viertel nach acht ist «finito Pepito». «Tääägwäääch!», pardon, Tagwache am nächsten Morgen: um circa viertel nach sieben. Trotz ausreichend Schlaf hat sich seit einigen Wochen dieses Unding eingenistet, das normalerweise erst mit dem Eintritt in die Pubertät Hochkonjunktur feiert: dieses Liegenbleiben, dieses morgendliche Chillen der eigenen Bicoflex-Basis. Ach, falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Er schläft genug, und er geht auch gerne zur Schule. Aber eben, Junior hat meine Gene. «Der arme Bub», werden einige Menschen aus der Leserschaft aufheulen – nicht nur in Bezug aufs Aufstehen.

Wenn «Bitte» nicht mehr reicht, dann «Subito!»

Wie wir jetzt wissen, bringt die sanfte Aufforderung, doch «bitti-bätti» das Bett zu verlassen und sich – im Optimalfall chronologisch korrekt bekleidet – in Richtung Zmorgentisch fortzubewegen, einen feuchten Kübel. Nun, der erzieherisch reflektierte Vater weiss: Wenn «Bitte» nicht mehr reicht, muss man mit Steigerungsformen arbeiten. «Subito!» als sanfte Alternative oder «Blitzartig!», «Aaaaber zackig!» und «Nullkommaplötzlich!» sind durchaus deutlichere Formulierungsansätze, die in jedes gut sortierte Elternvokabular gehören. Und sie wirken. Allerdings nur, wenn Tonalität und Lautstärke beim Absender einwandfrei gepegelt sind. Klar, auch diese Aufforderungsvarianten sind irgendwann ausgelutscht. So weit sind wir noch nicht, aber die Suche nach anderen Lösungsansätzen läuft bereits auf Hochtouren.

Nun, Junior hat sich noch immer irgendwie an den Zmorgentisch geschleppt, früher oder später. Doch die Krux am Morgen ist halt, dass man selber ja auch irgendwie möglicherweise, vielleicht und eventuell aus dem Haus muss. Diesbezüglich haben Studien – von mir – übrigens Folgendes ergeben: Je Termin-penetrierter die eigene Tagesagenda, desto mühsamer ist das Kind zu wecken. Sollte Ihnen dieses Phänomen gänzlich unbekannt sein, machen Sie den Selbsttest. Sie werden staunen.

Und falls auch Ihr Kind nach den vorgeschlagenen Verbal-Tipps immer noch wohlig unter der Decke schlummert, dann machen Sie es wie ich und freuen Sie sich auf den Lehrplan 22. Denn irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird das Kind am Morgen endlich selber entscheiden dürfen, ob es zur Schule gehen oder ob es sich den Lernstoff mittels zur Verfügung gestellter Tutorials in einer Art Home-Schooling-Office beibringen möchte. Dazu wird auch Ihr Kind einfach das Smartphone zücken, die Absenz in den Klassenchat schreiben, senden, fertig. Schreiben? Ein einschlägiges Emoji wird genügen.

Weitere interessante Postings:

57 Kommentare zu «Und wie wecken Sie Ihre Kinder?»

  • Jessas Neiau sagt:

    Ist denn der gute alte kalte Wäschblätz inzwischen ganz ausgestorben?

  • chrugi sagt:

    Vielen Dank für das köstliche Bild zum Text…

  • Anh Toàn sagt:

    Gerade zurück vom Abliefern des Grossen der Kleinen (3.5 Jahre) in der Spielgruppe: Wir waren 5 Minuten zu spät, habe mich entschuldigt und gesagt, wenn ich ihm die Zeit lasse, die er halt braucht an diesem Morgen, er etwas mehr Zeit braucht, weil er nicht gut geschlafen hat, geht es 5 oder 15 Minuten länger (etwas Reserve hat man ja). Versuche ich, ihn anzutreiben, dauert es eine halbe oder zwei Stunden länger, mit viel Gebrüll:

    Ist wie beim Segeln, Geduld, zwar dran bleiben, hart am Wind, aber nur, was geht, wenn es (halt gerade) nicht geht, Druck rausnehmen, sonst geht etwas kaputt. Ich werde an meinem Ziel ankommen, vielleicht etwas später als gedacht, aber viel früher, als wenn ich nicht akzeptiere, dass mein Plan für die Umstände, für ihn, zu ambitioniert war.

  • Mark Lang sagt:

    Seit ich meiner 8-jährigen jeweils sage, wie spät es ist, ist das gar kein Problem mehr. Sie findet es ja auch nicht toll, wenn sie Stress am Morgen hat und in die Schule rennen muss.

  • Yves sagt:

    Sonos ist eine geniale Erfindung.
    15min bevor sie aufstehen müssen schalte ich das Gerät ein uns sie hören die drei ??? oder sonst eine Geschichte. Seitdem habe ich keinen Stress mehr und der Morgen kann konfliktfrei in Angriff genommen werden. Davor musste ich die Kinder schimpfend an den Tisch tragen.

  • Billa sagt:

    haha! Das kenn ich doch zu gut! Im Kindergarten gabs von meinem Junior ständig Aggression gegen mich als menschlichen Wecker und Ermahner… zur Entschärfung des Konflikts gabs dann während einiger Monate auf (meinem) iPhone verschiedene Wecktöne für verschiedenen Aktivitäten: „aufsteh melodie“, „zeit zum Zähneputzen – Hundegebell“, „Spätestens aus dem Haus-geh melodie“, nach einiger Zeit hat sich mein Junior einen Sport daraus gemacht, pro-aktiv zu sein und die jeweilige Sache vor dem Wecker erledigt zu haben. Heute, er ist jetzt 8-jährig kann er die Uhrzeit selber lesen, hat er seinen eigenen Wecker und das Aufstehen und aus dem Haus gehen klappt wunderbar.

  • tststs sagt:

    Gute Freundin mit supermorgenmuffeliger Tochter hat den folgenden Ratschlag umgesetzt:
    Nonverbales Morgenritual: Das ganze Wecken lief ohne Worte ab. Sie hat im Zimmer das Licht angezündet, Bettdecke entfernt, über den Kopf gestreichelt; dem Kind ein paar Minuten gegeben; wenn es dann nicht vorwärtsging (in den meisten Fällen), hat sie das Kind einfach aus dem Bett „aufgelesen“ und an den Zmorgentisch/ins Badzimmer/o.ä. getragen/gezogen. Ohne grosse Worte; einfach die nötigen Schritte durchgezogen, ohne ständig deren Bedeutung (und vorallem die unumkehrbaren Konsequenzen eines Morgenmuffeldaseins) runterzubeten.
    Die Tochter ist deshalb nicht zur Lerche geworden, aber Nerven wurden massiv geschont 😉

  • Stefan Baumann sagt:

    Wie ich es immer hasste früh­mor­gens in die Schule gehen zu müssen.

    Meine Eltern haben das Problem insofern auf mich geschoben, indem sie mir – schon in der 1. Klasse – erlaubten, so spät ins Bett zu gehen wie ich wollte, unter der Bedingung ich dürfe am Morgen nicht zu müde sein um aufzustehen. Dadurch hatte ich auch ein Eigeninteresse die Weckversuche nicht zu ignorieren.

    Man muss aber auch sagen, dass die Schule grösstenteils für Frühaufsteher konzipiert ist. Heute arbeite ich und bin um 10 Uhr erst im Büro. Wenn ich das bloss schon in der Schule hätte machen können…

    Wenn meine Grossmutter übrigens mal auf mich aufpasste, schlich sie einfach durch die Gänge und sang „Wachet auf, wachet auf“. Und ich bin tatsächlich relativ sanft aufgewacht – ohne Wecker.

    • tststs sagt:

      Hihi, diese Anläufe, vorallem auf höherer Stufe gibt es immer wieder. Aber wenn dann auch der allermorgenmuffeligsten Eule klar wird, dass späterer Unterrichtsbeginn bedeutet, dass man bis 18/19 Uhr in der Schule bleiben muss, ist Frühaufstehen plötzlich das kleinere Übel 😉

      • Alam sagt:

        Es gäbe noch eine andere Möglichkeit, wie übrigens in den meisten anderen Ländern: Schulbeginn frühestens um 08:00 und kürzere Mittagspause in der Schule. So ist man in der Primar auch um 14:00 fertig, in der Sek spätestens um 16:00. Keine Ahnung, warum das bei uns nicht gehen soll…

      • Sportpapi sagt:

        @Alam: Die Stadt Zürich baut das gerade auf. Bedingt aber praktisch, dass die Kinder in der Schule essen. Und die meisten Schulhäuser sind dafür nicht wirklich eingerichtet.
        Ob die Verdichtung des Schultages aber auch im Interesse der Kinder ist, da bin ich nicht sicher. Wenn, dann könnte man da auch unabhängig von der Startzeit der Schule sofort umsetzen.

  • Esther sagt:

    Gehen die Kinder nicht auch viel zu spät schlafen ? Und verstecken ihr Handy noch im Zimmer ? Die Lehrer sagen immer die Kinder gähnen am Morgen und gingen erst um 22 Uhr schlafen ?

  • Esther sagt:

    Meine Antwort : Selbstverantwortung. That’s all !
    Man weckt das Kind EIN mal und dann lässt man es sein.
    Natürlich nicht wenn sie noch ganz klein sind aber ab 10. Jahre ung.
    Wenn ihn Kind dann ein paarmal zu spät in die Schule kommt, wird man ihm schon sagen wo es durchgeht. Aber ich finde sowieso dass die Schule viel zu früh morgens anfängt. 8.30 oder 9.00 wäre richtig, ganz besonders im Winter.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Und dafür Schulende 18.30?

      • Anna Moos sagt:

        Wieviele Unterrichtsstunden hat man denn in der Schweiz, 8 bis 10?? In meinem Heimatland mussten wir, Jugendliche, die Klassen als zweite Schicht belegen, am Vormittag waren die Primarschüler dran bis 12, ab 12,30 wir bis ungefähr 17-18 Uhr. Für mich war das ideal.

    • tststs sagt:

      Äh nö, und zwar in mehrerlei Hinsicht: Nö.

      1) Es ist die Aufgabe der Eltern, den Kindern gewisse Grundfertigkeiten beizubringen. Und wenn ein Kind Mühe mit dem Aufstehen hat, dann muss man da halt länger dranbleiben. Oder nehmen Sie ein Baby, das beim ersten Versuch (oder von mir aus nach Versuch Nummer 50) nicht sofort stehen kann, auch nicht mehr an die Hand?
      2) Ja, die Schule ist auch verantwortlich für MEthodenkompetenzen, wie z.B. Pünktlichkeit. Aber wenn Sie zuhause auf Pünktlichkeit keinen Wert legen, dann kann die Schule den doppelten Salto machen und es wird nix…

      • Esther sagt:

        In meinem Fall hatte ich nie dieses Problem vom aufstehen mit meinem Kind, hingegen mit dem Vater ! So liess ich ihn schlafen, anstatt xmal zu rufen. Dann hat er es aber kapiert !

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Esther

        Naja, Kinder oder Ehemann sind doch hoffentlich ein Unterschied. Ich hätte keine Lust, Babysitter für meinen Mann zu spielen.

  • Wolke sagt:

    Kann ich nur allzu gut nachfühlen. Trotz jahrelanger Schul- und Büroarbeitszeit ist für mich ein Aufstehen um 6 Uhr nach wie vor ein täglicher Kampf, nie hab ich mich daran gewöhnt. Meine Hochleistungszeit ist nunmal anders gepolt. Meinen Kenntnissen zufolge ist es sogar erwiesen, dass die Morgen-/Abendmenschveranlagung tatsächlich genetisch bedingt ist (aber nagelt mich nicht auf Quellen fest). Wenn irgendwann über spätere Schulanfangszeiten diskutiert werden sollte, werden meine Kinder meine volle Unterstüẗzung dafür haben. Schulbeginn um 7.25Uhr ist einfach nur unmenschlich, gerade im Teenageralter

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Mag sein, aber Schulschluss erst um 19.00 wollen die Teenies dann ja auch nicht.

    • Lisa sagt:

      @Wolke: mir gibt man mit 50+ immer noch gute Ratschläge, dass es alles nur eine Frage der Gewöhnung ist… als ob wir im Laufe der Jahre nicht schon alles probiert hätten. Die Gesellschaft ist nun mal auf Frühaufsteher gepolt.

  • Marina sagt:

    Mit einem edelstahlverstärkten Lautsprecher in der Zimmerdeckenecke, aus dem „Reveille“* in Endlosschlaufe schallt, die sich nur mit einem Knopf draussen am Gartentor ausschalten lässt, einer panzerglasgeschützten LED-Weisskalt-Flutlichtlampe, einer Hydraulik, die das Bett kippt, sowie zwei aus dem Regen kommenden Neufundländern, die das Gesicht ablecken.

    * Das ist ein militärisches Trompetensignal

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Made my Day Und bei Schönwetter, werden die Neufundländer ganz einfach vor betreten des Hauses per Automatik mit dem Rasensprenger bespritzt, um die Wirkung nicht zu mindern Ich kannte übrigens einen wasserscheuen Neufundländer.

      Mein Mann hat auf seinem Smartphone eine App, mit der er den Wecker erst ausschalten kann, wenn er eine Rechnung richtig gelöst hat. Um 4.45 in der Früh wird so manches Mal 12+8 eine Herausforderung.

    • tststs sagt:

      Sie haben die Federn vergessen, die rechts und links aus dem Bettgestell rausfahren und sanft in den Ohren kitzeln 😉

  • Sportpapi sagt:

    Falls die Kinder dann noch schlafen, eine Stunde vor Schulbeginn die Türen öffnen. In der Regel reicht das.
    Wenn aber dereinst ein Kind sich über den Weckenden ärgert, dann bekommt es sehr schnell selber einen Wecker, und die Verantwortung, pünktlich in der Schule zu sein. Ich wundere mich immer wieder, wie Eltern sich um ihre Jugendlichen kümmern, die sich dann wieder über die Eltern beschweren…

    • 13 sagt:

      @ SP
      Das mit dem eigenen Wecker haben wir probiert. Das Ergebnis war, dass 4 von 5 Personen hellwach waren und ich mich nach einiger Zeit aus dem Bett quälte, um den Wecker, zwei Stockwerke weiter unten!, abzustellen, während das Kind 20 cm neben dem Wecker friedlich schlummerte.
      Und ich persönlich riskiere nicht, unentschuldigte Absenzen, um dem Kind eine Lektion zu erteilen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Du riskierst gar nichts. Das Kind bekommt einen Eintrag. Nichts mehr.
        Und nein, nicht um den Kind eine Lektion zu erteilen. Sondern weil das nun mal die Konsequenz seines Handelns ist. Man weckt es ja, freundlicherweise. Aber man muss sich nicht beschimpfen lassen dafür, dass man ihm hilft, pünktlich zu sein.
        Wundere mich gerade etwas. War nicht Erziehung zur Selbstständigkeit, gar „auf Augenhöhe“ das Dauerthema der letzten Tage?

      • tststs sagt:

        Haha, Sie konnten wenigstens in das Zimmer.
        Ich hatte eine Zeit lang so einen Nachbarn… 😉

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP – das Thema haben Sie mit MIR besprochen. Und, ja genau so geht das mit dem Respekt. Man hilft mit aufstehen, aber wenn es nicht will, muss es dann auch die Konsequenzen tragen.
        Da stimme ich mit ihnen vollkommen überein.

        P.S. meine stehen super auf.
        Der Grosse ist vor mir angezogen. Und der Kleine, da eine Nachteule, tut sich schwerer. Aber auch er ist zu 100% selbst verantwortlich, dass er rechtzeitig am Frühstückstisch ist. (Augenhöhe)
        Und spannend ist jeweils, dass er durchaus eine halbe Stunde früher aufstehen kann, wenn es ein freiwilliges Morgen-Schulprogramm gibt, das ihn interessiert.

        Fazit: Die angeblichen Unfähigkeiten gibt es einfach nicht. Die wachsen nur, wenn wir das Kind dafür belohnen.

      • tststs sagt:

        @SP und RoXY: Wenn man mit Konsequenz einfach nur den Eintrag meint, ja dann bin ich bei Ihnen, sowas verträgt ein Kind locker (vor allem deshalb weil es das Kind so gut wie gar nicht kratzt).
        Oder meinen Sie dann doch die weitergehenden Konsequenzen? Ich zeichne mal die (klischierte) Linie auf: ständiges Zuspät kommen, Anschluss an Schule verloren, schlechte Ausbildung, kein Job, Sozialhilfe.
        Geilo…

      • 13 sagt:

        @ SP
        Dreimaliges Zuspätkommen führt zu einer unentschuldigten Absenz im Zeugnis. Weisungen unserer Schule ab diesem Schuljahr. Du kannst, einmal mehr, nicht einfach von Dir, Eurer Schule und Umfeld ausgehen und das für allgemein gültig erklären. Egal, ob Du Dich wunderst oder nicht.
        Und nein, ich habe nicht über die Erziehung zur Selbständigkeit diskutiert, ich „erziehe“ da gar nicht, das Gras wächst ja bekanntlich schneller nicht, wenn man daran zieht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        13 – ja, das sind unsere Ängste… und unsere Ängste verleiten uns zu Überreaktionen und Fehlverhalten.
        Meine Kinder kratzt es schon, wenn sie ein harmloses Strichlein bekommen… irgendwie haben die Respekt (bzw. Verständnis) vor den Regeln in der Schule

        2. Man kann nie einen Einzelfall diskutieren. Denn jedes Verhalten muss im Gesamtkontext gespiegelt werden. Das Verhalten ihres Kindes kann viele Ursachen haben… Es kann auch etwas mit Ihnen selbst zu tun haben. (Ich musste dies auch lernen.)

        3. Ihr „Gras wachsen Zitat“ halte ich für völlig fehl platziert. So würde es bedeuten, dass jegliches Handeln einerlei für die Entwicklung eines Menschen sei. Das ist hanebüchen. Das wäre ein Leugnen, dass Menschen sich sozialisieren.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Interessant. Dann greift die Schule also durch und bestraft Fehlverhalten? Das gibt allerdings sicherlich ein Trauma, geht ja gar nicht…
        Und wenn schon. Meine Kinder würden genau einmal zu spät kommen, und dann mit Freuden und ohne Murren wieder die Hilfe der Eltern annehmen. Und wenn nicht, haben sie halt einen entprechenden Zeugniseintrag.
        Also gut, du erziehst, nicht führtst nicht, strafst nicht, sondern räumst einfach hinter deinen Kindern auf bzw. räumst ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Weg?
        Dein Spruch ist nicht „bekanntlich“ richtig, sondern einfach nur Quatsch. Gras wächst schneller, wenn man es düngt, pflegt, wässert. Genau wie sich auch unsere Kinder anders entwickeln, wenn wir sie unterstützen und fördern.

      • Labskaus sagt:

        @13
        Was passiert denn bei einer unentschuldigten Absenz im Zeugnis? Hat das irgendwelche Konsequenzen? Da ich ursprünglich aus Deutschland bin und noch kein Kind in der Schule habe, interessiert mich das grad. Bei uns gab es das auch und es hatte keine Konsequenzen ausser einer Zahl im Zeugnis.

        Ansonsten bin ich absolut dafür, dass man Kinder ab einem bestimmten Alter selbst die Verantwortung für das Aufstehen geben sollte. Das kann aber auch heissen, dass das Kind selbstständig die Eltern um Hilfe bittet. Allerdings würde ich das dann auch nur machen, wenn ich dafür nicht angemeckert werde.

      • tststs sagt:

        „Was passiert denn bei einer unentschuldigten Absenz im Zeugnis? Hat das irgendwelche Konsequenzen?“
        Bitte nicht erschrecken ab meiner Antwort: Aber ja, es kann insofern Konsequenzen haben, als dass viele Arbeitgeber, resp. Lehrstellenbetriebe das Zeugnis genau aus einem Grund anschauen: unentschuldigte Absenzen.
        (Noten sind eher zweitrangig)

      • 13 sagt:

        @ roxy
        Welche Ängste? Das ist eine klare Weisung, die auch durchgesetzt wird. Ob SP darüber spottet oder nicht. Ich habe mir diese nicht ausgedacht, finde sie aber auch richtig. Die Verantwortung liegt bei den Eltern.
        Die Ursache für das Verhalten meines Kindes ist klar. die Schulzeiten kollidieren mit ihrem Biorhythmus. Mein Mann ist genauso. Je älter man wird, desto besser kann man damit umgehen. Es sind auch schon Welten zu früher, als ich sie noch halt einfach im Pyjama in die Kita gebracht habe.

        @ SP
        Ich räume nichts aus dem Weg. Ich unterstütze und fördere (düngen ja, reissen nein), nehme meine Verantwortung wahr und vertraue dem Kind.
        Übrigens: Interessant sind ja diese Vorwürfe entgegen jedem Elterngespräch, das die Selbständigkeit meiner Kinder (aller 3) hervorhebt…

      • 13 sagt:

        @ Labskaus
        Nach einer gewissen Anzahl (3?) gibt es ein Vortraben beim Schulleiter und bei Wiederholung einen Verweis. Ansonsten wie tststs sagt, das Zeugnis ist ja das, was Lehrmeister und Arbeitgeber sehen. Das fällt sehr unschön auf.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ja, da schwingt etwas Spott mit. Weil ich feststelle, dass die Kinder also so viel wie möglich selber entscheiden dürfen, die Eltern sie aber ständig vor den Konsequenzen ihrer Handlungen schützen, es letztlich für die Kinder ausbaden. Und weil ich sehe, dass offenbar die Schule jetzt regeln muss, was zu Hause nicht (mehr) klappt. Und dann geht es plötzlich.
        Wobei du jetzt ja plötzlich relativiert hast, die Anzahl zu spät kommen gar nicht genau weisst, und dann gibt es erst ein Aufgebot zum Schulleiter vor dem Zeugniseintrag. Und du glaubst nicht, dass deine Kinder irgendwann den Ernst der Lage selber begreifen würden?
        Zumal nach meinem Wissen die Lehrstellensuche ja doch noch etwas entfernt ist, oder?

      • Anh Toàn sagt:

        @13 „und ich mich nach einiger Zeit aus dem Bett quälte, um den Wecker, zwei Stockwerke weiter unten!, abzustellen, während das Kind 20 cm neben dem Wecker friedlich schlummerte.“

        Mein Bruder ging in die Lehre, ich studierte: Morgens um 7 war ein Höllenkrach, ich ging jeweils ins Zimmer meines Bruders, er hatte eine Stromschaltuhr, alle Licher waren an, die Musik war laut und er schlief mittendrin seelenruhig: Aber ich fand das irgendwie gut, hingehen, ihn wecken und wieder schlafen gehen, Studentenleben ist mega: Meine Oma: „Morgenstund hat Gold im Mund und Blei im Arsch“

        Vielleicht sollten wir von den Kindern ausschlafen lernen, statt denen zu lehren, mit einem Wecker aufzustehen. Vielleicht sind wir, insbesondere in der Frühaufsteher Schweiz, falsch, nicht die Kinder.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ach 13 – natürlich hat die Schule diese Weisung. Aber Ihre Ängste betreffen Ihr Kind!!
        Sie denken, Ihr Kind würde diese Abstiegskarriere einschlagen, wenn Sie nicht allmorgendlich diesen Weckzirkus mitspielen würden.
        Damit zeigen Sie, dass Sie wenig Vertrauen in ihr Kind haben. Sie glauben Ihr Kind würde sich völlig sorglos gehen lassen, bis es ein Fall für die Sozialhilfe wäre, wenn nicht Sie (wieder Sie) eben all das tun.
        Solche Ängste sind natürlich. Aber falsch. Besser wäre es zu fragen: Warum sollte mein Kind das tun?
        Man muss Vertrauen in die Kinder haben.
        Aber das ist UNS manchmal zu hart, denn es bedeutet, wir müssten die Kontrolle abgeben.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: So ist es. Wobei man ja doch, wenn es nicht klappt, vor dem dritten Mal noch einmal eingreifen kann.
        Allerdings heisst das dann schon, dass er eben noch nicht so selbstständig ist, wie er vielleicht behauptet. Und das hat auch Konsequenzen auf andere Bereiche, oder z.B. auf das zu-Bett-gehen am Abend.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Sorry, jetzt unterstellst du mir echt allerlei:
        1. Die Regel (gilt ab diesem Schuljahr) wurde ja nicht wegen mir/uns erlassen. Bei uns hat es auch vorher geklappt, dass meine Kinder pünktlich aus dem Haus sind. Diese Verantwortung nahm ich auch vor der Weisung wahr.

        2. Den Weg zum Schulleiter gibt es nicht vor dem Zeungniseintrag, sondern nach mehreren Einträgen. Nach wievielen weiss ich tatsächlich nicht. Aber eben ein Eintrag bei 3x zu spät.

        @ roxy
        Nochmals: Wovon habe ich denn angeblich Angst? Welchem Teil meines Beitrages entnehmen Sie das? Und welchen Zirkus? Den, dass ich meine Kinder wecke und eines davon halt nicht gerade sanft darauf reagiert? Tja, dass die Kinder nicht immer begeistert on den Eltern sind, liegt etwas in der Natur der Sache.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich weiss nicht. Ich stelle einfach fest, dass für mich da manches nicht zusammenpasst. Oder dass halt letztlich überall nur mit Wasser gekocht wird.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Keine Ahnung, was du damit sagen willst, nur dass ich mir das nicht ausgedacht habe und es keinen Grund gibt, mich hier der Lüge zu bezichtigen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich bezichtige dich doch nicht der Lüge. Sondern ich stelle fest, dass die unterschiedlichen Erziehungskonzepte letztlich doch grosse Überschneidungen haben. Weil letztlich doch die Eltern in der Verantwortung bleiben, und entsprechend dann doch mehr oder weniger schnell eingreifen, wenn die Kinder es selber nicht schaffen.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Sorry 13 da habe ich Ihnen Unrecht getan. Erst jetzt merke ich: das war tststs, welche geschrieben hat: schulischen Anschluss verpassen …. und am Ende von der Sozialhilfe leben.
      Ich dachte, Sie hätten das geschrieben. Und darauf schrieb ich dann, das seien unsere Ängste als Eltern, welche uns dazu verleiten, dass wir den Kindern die Verantwortung abnehmen.

      Das mit dem Zirkus meine ich hingegen, wegen ihrer Beschreibung mit den allmorgendlichen Beschimpfungen etc. Das hört sich für mich so an.

      Natürlich sollen wir unseren Kindern helfen, aber manchmal müssen wir sie auch einfach machen lassen und damit sie selbst erfahren, was ihre Handlungen für Konsequenzen haben. Für uns ist das manchmal der schwierigere Weg, aber für die Kinder kann es sehr lehrreich sein.

      • 13 sagt:

        @ Roxy
        Ach so, jetzt verstehe ich. Kein Problem. Wir haben dieses Beschimpfen auf wenige Minuten reduziert, da kann ich damit leben. Ich bin wirklich der Ansicht, sie kann zur Zeit anders. Das kommt schon noch 😉

  • 13 sagt:

    Ein schöner Text. Wie ich nachfühle. Keines meiner Kinder springt schon vergnügt um 6.00 Uhr aus den Federn (und ich bin jedes Wochenende und jeden Ferientag zutiefst dankbar dafür 😉 ), aber bei zwei von drei reicht das Aufstehen anzukündigen, rausgehen, 15 Min nochmals kommen und sie stehen auf. Beim Dritten keine Chance. Das war schon so als sie 2 Jahre alt war und das ist heute 10 Jahre später immer noch so. Egal ob um 7.00 oder um 9.00 Uhr. Was hilft, ist es nicht persönlich, sondern mit Humor zu nehmen, wenn sie einem alles mögliche an den Kopf wirft (zur Zeit noch verbal…). Möglichst selber vorher schon in Ruhe einen Kaffee trinken und sich wappnen. 10 Min nach dem Aufstehen ist der Sturm vorbei und sie ein Sonnenschein.

  • Stefan sagt:

    *Grööööhhhhl* – So gut geschrieben. Und genau der Umstand, Zustand oder was auch immer den auch wir gerade mit unserem Älteren durchmachen. Zugegeben, er muss schon etwas früher aus den Federn, damit er rechtzeitig und verpflegt in die Schule abrücken darf. Aber die Situation absulut dito.

  • Kramer Jörg sagt:

    So amüsant. So ernsthaft. An dieser Stelle werden Väter von ihren Nestlingen als Plagegeister wahrgenommen und weil der Tanz jeden Werktag stattfindet, dies in steigernder Form. Am Freitag steht dann ein übelriechender Zombie im juvenilen Schlafzimmer. Mit zunehmender Pubertät fliegen dann Gegenstände in Richtung Weckdienst und die Antipathie weitet sind auf das Tagesgeschehen aus. Lieblingsmusik und Türe öffnen, 5 Minuten später Rollo hoch oder Licht an konnten die gefährliche Situation entschärfen.

  • nowhere sagt:

    Als Vorwarnung zu einer bestimmten Zeit einen Ton, was auch immer Glöcklein, Klopfen egal.
    Im Schlaf merkt sich der Körper die Zeit, und dann 5min später ein ganz klares ‚Guete Morge, uufstah‘. Keine Ausrede, keine snooze-Taste, Aufstehen.

    Ein regelmässiges Aufstehen hilft ungemein den Tag zu anzufangen.

  • G. Wissen sagt:

    Tagwache einfach eine halbe Stunde früher ansetzen. Problem gelöst.

  • Nina Uehlinger sagt:

    Ja, das leidige morgenliche Aufstehen. Wie ich es hasse. Mir geht es genauso wie Ihrem Junior. Jedoch mit dem Unterschied, eine gestandene Frau zu sein die sich selbst überlisten muss. Das Aufstehen ist auch nach 10 Stunden Schlaf noch eine Qual und funktioniert einfach nie wie erhofft. Wenn ich so meine Familie anschaue, ist dies vermutlich tatsächlich eine genetische Geschichte. Wie ich die Frühaufsteher beneide. Der frühe Morgen ist so schön und man hat noch so viel vom Tag. Wer hingegen am Wochenende den halben Tag verschläft… aber eben: meiner Grossmutter geht es genauso!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.