Wären Sie gerne Ihr eigenes Kind?

Beim Erziehen vergessen wir oft, wie wir selbst mal waren. Dabei sollten wir die Welt ab und zu mit Kinderaugen sehen.

Zwischendurch lohnt es sich, die Zuhause-Situation unter die Lupe zu nehmen: Ausschnitt aus «Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft» (1989). Foto: PD

Stellen wir uns vor, wie es sich anfühlen würde, Kind bei sich zu Hause zu sein. Wie würde es uns bei uns gefallen? Würden wir Mami und Papi coole Eltern finden, die viel lachen, mit uns durchs Haus toben? Oder fänden wir sie spiessig, weil sie darauf beharren, mit der Serviette den Mund abzuwischen statt mit dem Pulloverärmel? (Für Kinder ist das spiessig, auch wenn es Knigge-Grundstufe ist). Oder wären wir wohl strenge Eltern, welche die Handynutzung von Teenagern reglementieren und ständig Gemüse, Hygiene und Ordnung propagieren?

Ganz automatisch haben Sie sich nun beim Lesen in die Sicht- und Gedankenwelt Ihrer Kinder begeben. Richtig? Sie haben sich in Ihre Kinder hineinversetzt und ihre Zuhause-Welt mal aus Knie-, Bauch- oder Brustperspektive betrachtet, je nachdem, wie alt und gross ihr Kind gerade ist. Und wenn wir schon bei der Körpergrösse sind: Es ist sinnvoll, mit Kindern im Teenageralter auf Augenhöhe zu verhandeln, sind sie doch in die Höhe geschossen.

Gefühle auf Lebzeiten abgespeichert

Aber zurück zum Thema, wie es wäre, unter der eigenen Obhut zu wachsen und zu gedeihen. Wir Erwachsenen wissen durch unsere Erfahrungen, Lehrblätze, Erziehung, durch Schule und Ratgeber eine ganze Menge. Natürlich wissen wir, wie es sich anfühlt, vom Lehrer zusammengestaucht zu werden. Selbstverständlich können wir uns auch daran erinnern, wie weh es tat, als die beste Freundin plötzlich mit der «Neuen» spielen wollte. Wir können sofort abrufen, wie doof es immer war, wenn Mami zum Essen rief, bevor «Knight Rider» die Kurve gekriegt hatte. Wir haben diese Gefühle auf Lebzeiten abgespeichert, sind aber seither schon x Schritte vorwärtsgegangen und vollkommen zum Erwachsenen gereift. Kindheit sowie Sturm-und-Drang-Zeit haben wir abgeschlossen und hinter uns gelassen.

Die Frage ist allerdings, ob es uns gelingt, diese einst durchlebten Empfindungen aus dem Oberstübchen hervorzugrübeln, wenn der Dreikäsehoch den «Blocoli gluusig» findet und ausspuckt. Reagieren wir darauf empathisch (weil selber erlebt) oder belehrend (weil erwachsen und wissend, wie vitaminreich die Dinger sind)? Fühlt sich unser Kind von uns verstanden, oder plappern die Grossen einfach was Gscheites? Perfekt natürlich, wenn unsere Reaktion beides vereint – Verständnis und Ermahnung zur gesundheitlichen Vorsorge. Dies soll aber nur ein Beispiel dafür sein, wie wichtig es ist, dass wir unser Kind dort abholen, wo es entwicklungsmässig gerade steht, und den nächsten Schritt mit ihm gehen. Nicht abnehmen, begleiten. Nicht das Velo sein, nur die Stützredli. Die Leine lockern, Länge geben. Aber die Zügel noch in der Hand halten. So in etwa.

Selbstreflexion macht Sinn

Wenn wir unseren Kindern gedanklich und gefühlsmässig entgegenkommen, können wir den Alltag gemeinsam besser und einfacher gestalten, weil wir nicht gegen etwas arbeiten müssen. Ich glaube also, ich wäre gerne Kind bei mir, wenn meine Eltern in einer bestimmten Situation gefühlsmässig auf gleicher Stufe stehen wie ich, mir aber mit ihrem Weitblick helfen, auf die nächste Stufe zu kommen.

Zwischendurch lohnt es sich also, die Zuhause-Situation unter die Lupe zu nehmen. Fühle ich mich als Kind verstanden? Spüre ich Halt und Geborgenheit? Werde ich wahrgenommen, wie ich bin? Trauen mir Mami und Papi etwas zu? Werde ich gehört, begleitet, unterstützt – aber auch «korrigiert», wenn mein Verhalten daneben war?

Ja, die Liste ist lang und beliebig erweiterbar. Selbstkritik ist nicht einfach und nicht immer angenehm. Auf der anderen Seite soll es nicht sein, dass wir nonstop mit der Wasserwaage … noch besser: mit der Goldwaage umherschweben und jederzeit perfekt agieren und reagieren. Es wäre für Kinder ja nicht auszuhalten, wenn wir keine Fehler machen würden! Wenn in den eigenen vier Wänden Dauer-Friede-Freude-Eierkuchen herrschte. Nein, klar, zwischendurch muss es ein bisschen «häschere». Ist ja das Leben. Aber es sollten nicht immer Welten aufeinanderprallen, auch wenn es, pragmatisch gesehen, so ist.

In der Spiegelfalle

Übrigens, neben der Selbstreflexion bringt einen auch weiter, wenn man sich ab und an widerspiegelt. Kürzlich tappte ich in diese Spiegelfalle. Ich wartete im Tanzstudio auf meine Tochter und bekam ein Gespräch zwischen einer Mutter und einer wohl 11-Jährigen mit. Die Mutter löcherte ihre Tochter bezüglich NMG-Test und fragte sie ab über Berge, Bezirkshauptorte, Nachbarskantone etc. rund um den Kanton Aargau. Die Tochter, geistig abwesend und völlig relaxt, gab zu verstehen, dass sie das dann schon könne. Die Mutter indes wurde immer engagierter, immer fordernder, gab ihrer Tochter Tipps und mahnte sie, dies und das noch zu tun, ins Reine zu schreiben, zu lernen, nochmals nachzufragen und Fehler zu korrigieren.

Ich dachte, meine Güte, diese Mutter würde mich zu Tode nerven. Bis ich merkte, dass ich selber ganz genauso bin. Autsch! Das tat ein bisschen weh. Aber diese Selbsterkenntnis war auch gut. Ich merkte, dass ich mit meinem Verhalten nicht allein auf weiter Flur stehe, aber dass ich schleunigst an der hysterischen Nörgel-Mutti arbeiten muss. Wir tun gut daran, die Welt immer mal wieder mit Kinderaugen zu sehen. Aber auch mit Kinderohren zu hören, mit Kinderherzen zu fühlen oder mit Kinderhirnen zu denken. Probieren Sie es!

51 Kommentare zu «Wären Sie gerne Ihr eigenes Kind?»

  • Wolke sagt:

    @13 diese fast grundsätzlich philosophische Auslegung „Wir sind Eltern, also entscheiden wir“ führt meines Erachtens aber am Ziel resp. Artikel vorbei, auch wenn ich diesen Gedanken grundsätzlich interessant finde. Meine Ansicht deckt sich mit derjenigen von Sportpapi; indem ich das Kind auf seiner Stufe ernst nehme und es selbständig entscheiden lasse, lebe ich damit, wenn dies nicht ganz meiner eigenen Meinung entspricht. Dies natürlich im elterlich vorgegebenen Rahmen der Möglichkeiten (bspw. Verletzungsgefahren etc.), da bin ich einig.

    • 13 sagt:

      @ Wolke
      Ich meinte das nicht unbedingt philosophisch, mir ging es um Verantwortung. Auch wenn man einem Kind weitmöglichste Autonomie zuspricht und eine Laissez-faire-„Erziehung“ befürwortet bleibt man verantwortlich. Man ist nie auf einer Stufe, denn selbst das dafür sorgen, dass die Bedürfnisse der Kinder als gleichwert betrachtet werden, dass man sich nicht einfach über die Kinder hinwegsetzt, muss ich als Elternteil. Aus dem Grund kann ich Ahns Kritik am Verhandeln nachvollziehen. Auch wenn ich die Erste bin, die meine Kinder in alle wichtigen Entscheidungen einbeziehe.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Ich wurde sehr autoritär gehalten, es wurde Gehorsam verlangt.

    Mein Ziel war nie, dass meine Kinder gehorchen, sondern diese in die Selbstständigkeit zu begleiten. Auch wenn meine Kinder immer viel durften, gab es einfach Regeln bez Pünktlichkeit, Manieren, Körperpflege und Ordnung. Auch ist gesunde Ernährumg wichtig: mögen sie kein Gemüse, müssen sie halt Salat essen.

    Wenn man Kinder fragen würde, wie Traumeltern aussehen, dann wäre wohl die Antwort: solche bei denen es keine Regeln gibt und man sich von Chips und Clace ernähren darf.

    Ein Kind benötigt Liebe, Fürsorge, Zuspruch, Wohlwollen, Leitlinien und Werte, welche von den Eltern vorgelebt werden. Auf die zwei letzteren Punkte würden Kinder wohl lieber verzichten, wenn sie wählen dürften.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Das würden meine Kinder definitiv nicht unterschreiben, Tamar.
      Nein, sie wollen unbedingt Leitlinien und Werte. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung.
      Nur sind die „Leitlinien und Werte“ vieler Eltern eben willkürlich und nur vorgeblich im Interesse der Kinder. Oftmals manipulieren Eltern ihre Kinder und nehmen sie nicht ernst und wollen ihnen einfach ihre eigenen Wertmassstäbe aufdrücken.
      Das kann man auch hier im MB beobachten. Sobald die Kinder Interessen haben, welche den Eltern nicht passen (rosa Kleider/Gamen etc.), will man diese einfach wegerziehen, anstatt dass man sich zuerst mal dafür interessieren würde. Das ist eben genau nicht Augenhöhe.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Als Eltern hat man die Aufgabe, seine Kinder zu schützen, vernünftig zu ernähren und kleiden. Dazu gehören nunmal auch Zähne putzen und Verkehrsregeln erlernen.

        Was rosa Kleidchen angeht: der Erzeuger meiner Kinder ist ausgeflippt, als ich meinem 2 jährigen Ältesten auf Wunsch einen Puppen-Buggy für sein Lieblingsstofftier gekauft habe. Er meinte, ich würde meinen Sohn zu einem Schwulen (O Ton) erziehen. Das ist natürlich völlig abstrakter Homophobismus. Was gamen anbelangt, braucht es zum Kindswohl aber widerum Regeln bez Altersfreigabe und Zeitlimit.

        Augenhöhe ist sicher gut, schiesst aber oft übers Ziel hinaus. Ich bin die Mutter meiner Kinder, nicht die Freundin.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Das alles ist ok, Tamar.

        Wir müssen den Kindern beibringen, was ein gesundes Verhalten ist, dass sie letztlich befähigt ein selbständiges und glückliches Leben zu führen.
        In diesem Sinne dürfen wir natürlich nicht zum 10jährigen Freund unserer Kinder mutieren.
        Wenn das Ziel aber ist, dass das Kind befähigt wird ein selbständiges und glückliches Leben zu führen, muss uns klar sein, dass Regeln alleine zu wenig sind. Das Kind muss ein Verständnis bekommen, warum die Regeln gut sind.
        Solange die Kinder denken, Traumeltern= endlos gamen und Glace erlauben, sind wir meilenweit von diesem Ziel entfernt.

        Das Kind braucht auch den Freiraum für Fehler und Fehlentscheide, sonst wird es nie frei und selbständig.

  • Comporta sagt:

    Das ist eine super Überlegung und im besten Fall sollte man die Frage ohne zu zögern mit einen lauten JA beantworten können! Wenn nicht, sollte man vielleicht das ganze Familienleben mal durchleuchten…
    Ich bin auch voll der Meinung, dass es wichtig ist, als Eltern authentisch zu sein! Jeder hat seine Stärken und Schwächen und niemand ist perfekt!

  • tststs sagt:

    Was ist denn Ihre Lösung des Problems: „Haha, also mit 7 kann man es zwingen,….“
    Gleich noch ein: haha. Als ob ich ein Patentrezept hätte… 😉
    Ich behaupte: man kann bei einem 7jährigen die genaugleichen Machtinstrumente auspacken um Zwang zu generieren wie bei einem 15jährigen (in der Regel Erpressung). Was beim 15jährigen nicht wirkt/unangebracht ist, ist es auch beim 7jährigen. (Ich meine natürlich Form, nicht Inhalt.)
    Ansonsten bin ich total bei Ihnen. Ihr Beispiel mit dem Lernen gefällt mir sehr gut! Und gerne hake ich nochmals ein: wie oft sagen Eltern „ist dein Leben, musst du selber wissen“, aber sich bei einer schlechten Note dann doch einmischen.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Sich an seine eigene Kindheit zu erinnern nützt nur etwas, wenn wir mittlerweile auch die richtigen Schlüsse gezogen haben.
    Nicht wenige die eine autoritäre ERziehung genossen haben, erinnern sich zwar, aber denken: „da muss er jetzt halt durch. Ja, ja das musste ich auch lernen. Und geschadet hat mir es nicht.“ Um ihr heutiges Ich zu rechtfertigen, rechtfertigen sie auch den damaligen Erziehungsstil und übertragen ihn auf die nächste Generation.

    Dies nur als Anmerkung. Der Text hat aber die richtige Stossrichtung.
    Wichtig ist es Kindern (nicht erst Teenagern) auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist möglich, auch wenn man verschiedene Verantwortung trägt.

    • Sportpapi sagt:

      @RoXY: Vielleicht haben ja viele tatsächlich das Gefühl, ganz gut herausgekommen zu sein.
      Ich gehöre auch dazu.
      Also reflektiere ich die Erziehung, die ich genossen habe, und passe sie da an, wo ich es nötig finde, ohne gleich alles über Bord zu werfen.
      Ich weiss auch nicht, ob man diese Erziehung dann autoritär nennen soll. Aber damals wie heute gilt, dass man nicht einfach „auf Augenhöhe“ ist, sondern sich Freiräume und Selbstentscheidung verdienen muss über die Übernahme von Verantwortung. Unser 12jähriger hat entsprechend Freiheiten wie vermutlich nicht viele andere – das hat er sich aber selber verdient. Anders sieht es (noch) bei den zwei anderen aus.

      • Roxy sagt:

        Eben SP, das „sich erinnern“ wird ganz verschieden interpretiert.
        Am Ende ist es mit allem so, die besten Grundsätze werden verschieden interpretiert.
        Und ein bisschen machen es alle so wie Sie.
        Den Begriff Augenhöhe wird sicher oft falsch verstanden. Viele Menschen begegnen niemandem auf Augenhöhe. Das hat wenig mit Alter und Position zu tun, es ist eine Sache der inneren Einstellung.

      • 13 sagt:

        @ SP
        „Vielleicht haben ja viele tatsächlich das Gefühl, ganz gut herausgekommen zu sein.
        Ich gehöre auch dazu.“
        Es gibt auch Menschen, die eine fürchterliche Kindheit erlebt haben, voller Gewalt und/oder Vernachlässigung und sich trotzdem gut entwickelt haben und wunderbare Menschen sind. Und es gibt Menschen, die trotz einer guten Erziehung und einem liebevollen Elternhaus auf die schiefe Bahn geraten. Was bei der Erziehung, die man wählt, rauskommt, ist ein Merkmal, aber weder das einzige, noch das vielsagendste.
        Wir sollten anfangen, unsere Kinder so zu erziehen und zu begleiten, dass es ihnen gut geht. Im Hier und Jetzt. Sie haben ein Recht auf eine gute Kindheit, nicht nur auf eine Vorbereitung auf später.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Auf Augenhöhe ist vielleicht einfach ein schlechter Begriff, schwammig und unklar. Respektvoll wäre besser. Falls denn das gemeint sein sollte. Auf Augenhöhe heisst für mich, unter Gleichgestellten, Gleichberechtigten, Gleichverpflichteten, also ohne Machtgefälle.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich sehe allerdings durchaus einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Befindlichkeit und den aktuellen Erziehungsbemühungen und dem „Output“. Und nur weil das Resultat des gleichen Erziehungsstils bei verschiedenen Kindern unterschiedlich herauskommt (wobei Erziehung sowieso ständig angepasst werden muss), und dank Resilenz einige Kinder auch ein ganz schlechtes Umfeld gut verkraften, heisst das noch lange nicht, dass Erziehung ohne Wirkung bleibt.
        Aber fangen wir doch mal vorne an: Was heisst denn gute Kindheit? Wie weit passt das zu Verpflichtungen wie z.B. der Schule?

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP – Respekt ist ein gutes Wort.
        Es besteht tatsächlich ein natürliches Machtgefälle. Das Kind ist in jeder Hinsicht unterlegen.
        Deshalb ist diese Augenhöhe, dieser Respekt ganz besonders wichtig. Das bedeutet, das Kind als eigenständigen Menschen ernst zu nehmen.
        Erwachsene beschweren sich oft, dass die Kinder keinen Respekt hätten, dabei übersehen sie, dass sie selbst die Kinder nicht respektieren. Das meine ich mit Augenhöhe.

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP – ich glaube Kinder gehen gerne zur Schule, wenn wir es ihnen nicht vermiesen.
        Kinder wollen lernen, wollen lernen auf eigenen Füssen zu stehen.
        Meine Kinder kommen meistens froh von der Schule nach Hause. Auch wenn sie manchmal (wie wir) am Sonntagabend jammern. Aber wie wir begreifen sie auch, dass endlose Ferien im Schlaraffenland wo man nichts tun muss, letztlich sehr öde werden würden.

        Kinder sind Menschen. Menschen wie wir. Wenn wir ihnen diese Augenhöhe gewähren, ist es oft erstaunlich, dass sie dann auch Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen.
        Solange Kinder nur unter Zwang spuren, haben wir grundlegend etwas falsch gemacht, falsch vermittelt.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Viele Kinder gehen gerne zur Schule, aber längst nicht alle. Und dass alle Kinder quasi aus eigenem Antrieb sich so verhalten, wie wir uns das wünschen (da haben wir es wieder!), sich viel bewegen, wissbegierig sind, lernen wollen, glaube ich nicht. Ebenso wenig wie es immer gelingt, dass sie einsichtig machen, was sie eigentlich im Moment gar nicht wollen.
        Manchmal braucht es fremde Regeln, gar Zwang, weil es sonst nicht klappt. Nicht nur bei Kindern übrigens, sonst bräuchten auch wir Erwachsenen keine Gesetzesbücher und Richter. Und Strafen!

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ich denke, dass jedes Erlebnis einen Einfluss auf den Menschen hat. So selbstverständlich auch die Interaktionen mit Menschen auf die man als Kind vollumfänglich angewiesen ist. Natürlich hat damit die Erziehung eine Wirkung.
        Was ich eher meine, ist dass wir uns nicht primär davon leiten lassen sollen, was später sein wird. Das Wort „Output“ ist fürchterlich, als bekäme das Kind erst dann einen Wert, wenn es gross ist. Man sollte mehr im hier und jetzt agieren. Was braucht mein Kind, dass es ihm gut geht. Dazu gehört auch eine Sozialisierung, denn ein Mensch ist ein soziales Wesen. Wie kann ich es in seiner jetzigen Stufe unterstützen? Eine direkte Verbindung: „Ich bin gut herausgekommen, darum war die Erziehung in Ordnung“ halte ich für zu simpel bis hin zu gefährlich.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Man kann dem auch Sozialisierung sagen. Oder eben spezifisch Erziehung. Ich gehe davon aus, dass ein Kind Begleitung braucht auf seinem Weg zur Autonomie, Vorbilder aber auch Leitplanken. Dazu gehört die Annahme, dass Erziehung eine Wirkung erzielt. Auch wenn die Zusammenhänge nicht so einfach sind. „„Ich bin gut herausgekommen, darum war die Erziehung in Ordnung“ halte ich für zu simpel bis hin zu gefährlich.“
        Wir sind zwar gut herausgekommen, dennoch war unsere Erziehung grundfalsch, inklusive all der im Raum stehenden Befürchtungen, was wir bei falscher Erziehung an schwerwiegenden psychischen Macken auslösen, das halte ich meinerseits für nicht gerechtfertigt.
        Alles über den Haufen werfen und anders machen ist nichts anderes als ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP – Natürlich wollen Kinder nicht immer automatisch „das Richtige“ tun, doch Erwachsene unterscheiden sich darin nicht im Geringsten.
        Es ist falsch so zu tun, als würden Erwachsene stets das Richtige tun, während Kinder zu dem Unfähig wären. Wir sind alle im selben Boot und damit auf Augenhöhe.
        Natürlich gibt es Regeln. Unsere Verantwortung ist es, diese vernünftigen Regeln den Kindern beizubringen. Wenn ich bleibend Zwang oder Strafe dafür anwenden muss, ist das der Beweis, dass ich pädagogisch nicht erfolgreich war. Dann hat das Kind nicht begriffen, dass es zum eigenen Wohl Zähne putzt und Hausaufgaben macht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Viele Eltern gehen aber weiter, als das sie einfach die vernünftigen Regeln zu einem selbständigen Leben vermitteln wollen. Sie wollen dem Kind ihre eigenen willkürlichen Werte aufzwingen. Das Kind zu einer Karriere zwingen, welche sie für richtig finden. Dem Kind einen Modegeschmack oder Freizeitbeschäftigungen aufzwingen, den oder die sie für angemessenen halten. Und sie fragen sich nicht, wie sie denn reagieren würden, wenn ihnen jemand vorschreiben würde, was sie gefälligst gut zu finden haben oder welche Ziele sie gefälligst zu verfolgen hätten.
        Davon rettet uns nur, wenn wir lernen unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen. Sprich sie als eigenständige Individuen respektieren.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Natürlich haben wir keine Gewähr, dass sie sich so entwickeln, wie wir uns das wünschen würden. Aber Hand aufs Herz, wenn ich sie nur durch Zwang und Manipulation auf den „richtigen Weg“ bringen kann, wird das wohl kaum nachhaltig sein. Entweder rebellieren sie dann irgendwann oder sie leben ein Leben lang unfrei und nie wirklich glücklich.
        Die Erwachsenenwelt strotzt nur so vor Problemen: Alkohol- und Medikamentenmissbrauch… Beziehungsunfähigkeit, psychischer und physischer Missbrauch, Burn-Out…
        Und einige landen tatsächlich vor dem Richter, weil sie nie wirklich gelernt haben, dass die Regeln der Gesellschaft gut für uns sind.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Doch, Erwachsene unterscheiden sich stark von Kindern. Z.B. bezüglich Erfahrung und Wissen, bezüglich Übersicht. Und letztlich auch bezüglich „Lustaufschub“. Sie wissen, dass die heutige zusätzliche Anstrengung sich später einmal auszahlen wird.
        Und vor allem: Erwachsene müssen grundsätzlich auch die Konsequenzen ihres Handelns selber tragen, weil man sie für mündig hält (auch wenn unsere Gesetzgebung hier immer mehr eingreift).
        Und ja, manchmal ist man pädagogisch nicht erfolgreich. Aber grundsätzlich ist es nicht zwingend so, dass Einsicht immer zuerst kommen muss. Altersgerecht kann auch eine Regel eingeführt und durchgesetzt werden, die das Kind noch nicht versteht. Löcher in den Zähnen beispielsweise ist jetzt nicht die grösste Sorge von Kindern.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Und ja, manchmal übertreiben es Eltern auch. Wobei ihre Werte nun mal die Werte sind, an die sie glauben, und nicht einfach Willkür. Die Diskussion darüber, was denn noch bleiben würde, wenn man nur Werte vermitteln würde, die von allen Erwachsenen getrage werden, ist müssig.
        Und die Eltern müssen sich auch fragen, ob sie denn im Nachhinein auch froh sind über Freizeitbeschäftigungen und Hobbies, die von den Eltern früher „aufgezwungen“ wurden. Bzw. auch was sie allenfalls verpasst haben, weil die Eltern ihnen das eine oder andere vorenthalten haben. Es ist nun mal so, dass z.b. Vereinsteilnahmen zunächst ausschliesslich von den Eltern gesteuert werden.
        Und dass die Kinder dann auch regelmässig teilnehmen, das ist auch Sache der Eltern.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Und ja Zwang und „Manipulation“ kommt auf die Dauer nicht gut. In der Regel ist es aber ein Prozess zur Selbstständigkeit, der auch mit der Übernahme von Verantwortung und Kompetenzen verbunden ist. Und, vielfach, Einsicht.
        Und ja, die Erwachsenenwelt strotzt nur so vor Problemen. Ob sich das allerdings zum guten oder zum schlechten gewandelt hat, weiss ich gerade nicht.
        Mir scheint, dass wir zunehmend mehr verwöhnte Prinzessinnen und Prinzessinnen heranziehen, die von früh auf gewöhnt sind, dass andere ihnen den roten Teppich ausrollen und sie auf Händen tragen.
        Dass immer mehr bereits Kinder und Jugendliche Probleme haben, und alle anderen sich für sie ändern sollten, ist nicht wirklich ein Zeichen dafür, auf dem richtigen Weg zu sein.

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP- wie ich sagte: es ist unsere Verantwortung ihren Kindern die Regeln beizubringen damit sie glücklich und selbständig leben können.
        Und es ist natürlich ist es verständlich wenn wir ihnen unsere Werte näher bringen.
        Aber es sollte immer mit dem Respekt geschehen, dass wir sie als eigenständige Individuuen nicht übergehen.
        Ich war guter Schlittschuhläufer, natürlich nahm ich meine Jungs mit, bot ihnen auch an, Eishockey zu spielen. Aber ihre Begeisterung fürs Eislaufen hat nie meine erreicht und Eishockey? Auf keinen Fall! Nicht mal probieren. Das habe ich zu respektieren.
        Meine Freude an der Musik haben sie übernommen, bei anderem gehen sie ihre eigenen Wege.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ich glaube kaum, dass die Kinder in der Gesellschaft Probleme machen, welche von ihren Eltern Respekt erfahren haben.
        (Alle Lehrer von der 1. – 6. Klasse sagen mir jedenfalls, dass sie viel Freude mit unseren haben.)
        Wer Respekt erfährt, ist eher in der Lage auch respektvoll mit anderen umzugehen. Auf Augenhöhe/Respekt bedeutet auch, dass ich ihnen die Verantwortung nicht abnehme.
        Einfacher Befehlsempfänger zu sein, der Pflichten abhakt, ist einfacher, als selbst Verantwortung zu übernehmen.
        Letzteres müssen wir den Kindern beibringen.

        Ob man sich für modern hält oder nicht, spielt keine Rolle.
        Entscheidend ist m.E.: das eigene Vorbild und der gelebte Respekt.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Ich habe auch drei Kinder. Zwei sind überrall äusserst beliebt, insbesondere in der Schule. Das dritte etwas weniger. Erzogen werden alle genau gleich.
        Ich habe aber deshalb von Kompetenzen gesprochen, weil die zwei, die vieles von sich aus gut im Griff haben, auch weniger Aufsicht und Regeln benötigen. Sie haben selbst verdiente Freiheiten. Und das andere Kind bekommt Aufsicht, klare Strukturen, Vorgaben. Und dazu viel Liebe und Zuwendung.
        Respektvoll bleibt der Umgang aber immer, auch wenn es auch mal schwer fällt.

      • Reincarnation of XY sagt:

        das glaube ich ihnen gerne SP
        Wichtig scheint mir aber auch, dass wir die verschiedenen Persönlichkeiten und Anlagen respektieren. Unsere Beiden sind darin grundverschieden. Eines ist Leistungsstark, das andere war es (bis anhin) nicht. Es wäre falsch gewesen, das eine für seine Leistungsstärke zu loben und das andere für seine Schwäche zu tadeln. Wichtig ist es, dass wir die Verschiedenheit anerkennen und jedem dort, wo es ist, Hilfe bieten, jeweils einen Schritt vorwärts zu machen. (Den Schritt muss es dann aber selbst machen. Dazu können wir es nicht zwingen.)
        Wenn wir alle über einen Kamm scheren (alle genau gleich erzogen), werden wir dem Einzelnen nicht gerecht.
        Dazu müssen wir eben auf Augenhöhe gehen.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: „Wichtig ist es, dass wir die Verschiedenheit anerkennen und jedem dort, wo es ist, Hilfe bieten, jeweils einen Schritt vorwärts zu machen.“
        Sehen Sie, und genau das würde ich nun nicht als „auf Augenhöhe“ bezeichnen, wenn auch durchaus respektvoll. Sondern die Eltern übernehmen einseitig die Verantwortung.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Nein, die Verantwortung des Kindes ist es nicht, Verständnis dafür zu haben, dass wir gleichwertig sind, auch wenn wir nicht gleich sind.
        Das ist die Verantwortung der Eltern.
        Einseitig Verantwortung übernehmen, wäre, wenn ich dem Kind seine eigene Verantwortung abnehme.

        Unter Augenhöhe verstehe ich die innere Einstellung: „wir sitzen im gleichen Boot“. Wir sind begrenzte Menschen, mit unterschiedlichen Fähigkeiten.
        Es ist oft sehr erstaunlich, wie Kinder ohne Druck ihr Problemverhalten ändern, wenn sich unsere innere Einstellung ändert.
        Das Problem der meisten Erziehungsratgeber ist, dass sie bloss auf unsere Handlungen thematisieren, nicht aber unsere Einstellungen und unsere Motive.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Ich bin mit vielem einverstanden. Glaube aber nicht, dass das alles üblicherweise mit dem Begriff „auf Augenhöhe“ gemeint ist, der ja sowieso inflationär gebraucht wird. Damit sind für mich schon ganz funktional gleiche Rechte/gleiche Pflichten, vollständig gleichgestellt, gemeint, und nicht etwa einseitige Fürsorge.

    • tststs sagt:

      „Und geschadet hat mir es nicht.“
      Ahhhh, ich könnte jeweils k**** ab diesem Satz. Doch, ganz offensichtlich hat es geschadet, sonst würdest du nicht so einen BS rauslassen!
      (Sehr beliebt beim Rechtfertigen einer lockeren Hand)

      • Sportpapi sagt:

        @tststs: Ah, ein Zirkelschluss. Wer, wenn nicht der/die Betroffene, weiss denn, was geschadet und was genutzt hat?
        Ob die „moderne“ Erziehung (die wievielte das wohl ist) wirklich besser ist als die „traditionelle“, wird sich erst in einigen Jahren weisen.
        Bzw. vermutlich gar nicht. Denn wie sollte das denn gemessen werden?

  • Sonusfaber sagt:

    Hauptsache – finde ich: Authentisch sein. Auch im Umgang mit dem/der Kleinen. Die meisten Eltern richten sich aber nach fremden Anweisungen bzw. pädagogischen Geboten/Verboten: Jahrhundertelang nach jenen (äusserst grausamen) der Bibel (wer seine Kinder liebt, züchtigt sie), später nach jenen (sich nach und nach verändernden) der modernen Pädagogik. Was zwar besser ist, bei weitem besser, am besten aber wäre es: Authentisch sein! – finde ich.

  • Maike sagt:

    Es scheint eine menschliche Eigenschaft zu sein, das man gewisse Stadien in seiner eigenen Entwicklung vergisst.
    Als Eltern nervt es einen, wenn die lieben Kleinen einmal mehr ihre Grenzen austesten. Oder wenn sie gewissen Dingen erst bei der vierten oder fünften Aufforderungen nachkommen.
    Im übrigen bezieht sich das nicht nur auf das Verhältnis Elern – Kinder. man kann es auch wunderbar bei den Autofahrern beobachten. Was regt man sich als gestandener Autofahrer nicht über diese Schleicher von Fahranfängern auf !! Das man selber mal ein solcher gewesen ist, schein mental nicht mehr existent zu sein.

  • Anh Toàn sagt:

    „Es ist sinnvoll, mit Kindern im Teenageralter auf Augenhöhe zu verhandeln, sind sie doch in die Höhe geschossen.“

    Mehreres stört mich daran: Zuerst einmal, kommuniziert man auch mit kleinen Kindern auf Augenhöhe, mit kleinen Kindern sitzt man den ganzen Tag auf dem Boden. Aber man verhandelt nicht mit Kindern, verhandeln setzt voraus, dass beide Seiten das Recht und die reale Möglichkeit haben, die Verhandlungen abzubrechen und eine Alternative zu wählen: Eltern diktieren von Amtes wegen, was nicht heisst , dass die diktierten Kinder oder Teenager nicht zu Stellungnahmen eingeladen, angehört werden und deren Wünsche in den Entscheid einfliessen: Wer verhandelt mit seinen Kindern/Teenagern, nimmt seine Verantwortung nicht wahr.

    • Wolke sagt:

      Natürlich gibt es die elterliche absolute Verfügung, diese ist auch notwendig, damit Grenzen gesetzt werden können. Dass unser Nachwuchs versucht diese dann auszutesten, gehört ebenfalls zu einem gesunden Wachstum. Doch finde ich Ihre Ansicht, dass Kinder lediglich zur Stellungnahme aufgefordert werden, etwas zu sehr von oben herab. Gerade bei „kleinen“ Situationen, wie sie die Autorin beschreibt, könnte man manchmal das Kind etwas mehr selber machen und entscheiden lassen und nicht direkt immer von der Elternposition heraus bestimmen. Wie die Autorin ertappe ich mich auch bereits dabei, manchmal aus der Stimmung heraus überbestimmend zu sein, auch wenn ich schon mehrfach sehr positiv überrascht von dem Resultat war, wenn ich etwas mehr Zeit und Raum gegeben haben

      • tststs sagt:

        Natürlich agieren Eltern von oben herab! Deshalb nennt es sich Eltern-Kind-Beziehung und nicht Kind-Kind-Beziehung.

        Und ich glaube, die Kinder von Herrn Toan geht es damit ganz gut. Denn – davon gehe ich zumindest aus – in diesem zuhause ist klar, was die Rolle der Kinder ist; sie wissen, dass sie sich Gehör verschaffen können, aber die Entscheidungsgewalt liegt bei den Eltern.
        Die meisten anderen Eltern tun nur so, als ob sie auf Augenhöhe diskutieren würden; am Schluss gilt trotzdem nur ihre Stimme, und DAS ist für ein Kind dann wirklich frustrierend.

      • Dieter Meier sagt:

        @tststs: Alleine aus der Bezeichnung „Eltern-Kind-Beziehung“ abzuleiten, dass Eltern oben sind und Kinder unten ist nun keine besonders gute Basis für eine Diskussion.

        Und bei ihrem Punkt: „Die meisten anderen Eltern tun nur so, als ob sie auf Augenhöhe diskutieren würden; am Schluss gilt trotzdem nur ihre Stimme, und DAS ist für ein Kind dann wirklich frustrierend.“ sind wir uns doch relativ einig. Bloss ist meine Schlussfolgerung, dass ich auch wirklich Verantwortung ans Kind delegieren muss und in diesem Rahmen auch deren Entscheidung akzeptieren muss. Aber für Sie scheint das absolut unvorstellbar. Warum eigentlich?

      • tststs sagt:

        „Alleine aus der Bezeichnung „Eltern-Kind-Beziehung“ abzuleiten, dass Eltern oben sind und Kinder unten ist nun keine besonders gute Basis für eine Diskussion.“ Ähm, ja, es soll ja eben nicht diskutiert werden.

        „dass ich auch wirklich Verantwortung ans Kind delegieren muss und in diesem Rahmen auch deren Entscheidung akzeptieren muss“
        Das ist/wäre auch meine Schlussfolgerung, nur sehe ich kaum Eltern, die dessen fähig sind.
        (Weil sie eben nicht bereit sind, wie ein richtig guter Chef zu delegieren und fremde Entscheide zu akzeptieren; weil sie nicht bereit sind richtig offen „von oben herab“ zu agieren; sondern eben dieses Pseudo-Flache-Hierarchien-Verhalten an den Tag legen und nicht konsequent durchziehen !)

      • 13 sagt:

        @ Wolke
        Das Absurde daran ist, dass auch wenn sie dem Kind volle Autonomie einräumen, das letztlich ein Elternentscheid ist. Ich kann meinem Kind vorschreiben, was es anziehen soll, es sogar körperlich und physisch zwingen, das anzuziehen. Ich kann mit meinem Kind zum Kleiderschrank gehen und mit ihm zusammen etwas aussuchen, ihm damit mehrere Möglichkeiten einräumen. Und ich kann meinem Kind das Anziehen völlig überlassen und nicht reinreden. Bei all den Möglichkeiten habe ich entschieden.

        Der Erziehungsstil ist immer elterngewählt. Die Frage ist, wieviel man bei dieser Wahl auf das Kind hört. Und da finde ich die Stellungnahme vom Kind, wie AT das anbringt, nicht ganz falsch.

    • Dieter Meier sagt:

      Natürlich verhandele ich mit Kindern. Je älter sie werden, um so mehr Verantwortung übernehmen sie. Und wenn Angelegenheiten in ihre Verantwortung fallen, dann darf ich nicht diktatorisch hinein regieren. Ansonsten lernen sie schnell, dass sie eben keine Verantwortung und entsprechend leidet die Eigeninitiative. Zum Beispiel kann Lernen für die Schule irgendwann nur noch in Eigenverantwortung stattfinden. Oder wie wollen Sie Ihre Kinder zum Lernen „zwingen“? Und Sie werden es auch noch merken, zu viel Initiative der Eltern wird irgendwann kontraproduktiv. Dann lieber frühzeitig die Eigenverantwortung stärken und das heisst dann aber auch Entscheidungen der Kinder akzeptieren und ggfs. nur durch Verhandlungen beeinflussen. Aber nicht durch diktatorische Entscheide.

      • tststs sagt:

        „Oder wie wollen Sie Ihre Kinder zum Lernen „zwingen“? “
        Haha, also mit 7 kann man es zwingen, mit 15 nicht mehr??? Okee…

        „Und wenn Angelegenheiten in ihre Verantwortung fallen, dann darf ich nicht diktatorisch hinein regieren.“ Wie oben erwähnt ist es dann aber doch nur eine Pseudoverantwortung. Und man überträgt dem Kind solange die Verantwortung, wie es im Sinne der Eltern selbstverantwortlich handelt…

      • Dieter Meier sagt:

        @tststs:
        Was ist denn Ihre Lösung des Problems: „Haha, also mit 7 kann man es zwingen, mit 15 nicht mehr??? Okee…“ ?

        Und bezüglich der „Pseudoverantwortung“: Natürlich muss ich auch Entscheidungen akzeptieren, die nicht in meinem Sinne sind. Als Vater ist meine Aufgabe, den Rahmen so zu setzen, dass dabei altersentsprechend nicht allzu viel passieren kann. Aber so wie ein Kleinkind sich Holzklötzchen an den Kopf schlagen kann und dann erlebt dass es weh tut, dürfen Schüler auch mal einen Test wegen Nicht-Lernens in den Sand setzen. Wichtiger als jeden Test optimal zu schreiben ist doch die Erfahrung, wie ich mit Rückschlägen umgehe und wie ich verfahrene Situationen eventuell doch noch retten kann.

    • Anh Toan sagt:

      Einfaches Beispiel: Ziehe ich mit Scooter und dem Dreijährigen auf dem Zschalpi Velo um die Häuser und ich sag da lang und er: Nein da! Und wenn wir dann lang gehen wo er will, hab‘ ich entschieden, dass wir seinem Willen folgen können.

      • Sportpapi sagt:

        @AT: Für mich geht es weiter: Wenn ich das Kind frage, wohin es gehen will (oder eben Vereinbarungen treffe), dann muss ich auch damit leben, dass es einen anderen Weg einschlägt, als ich für sinnvoll halte.
        Wenn die Freiheit zu wählen aber nur besteht, solange die Wahl in meinem Sinn ausfällt, dann frage ich ehrlicherweise lieber gar nicht.

      • Anh Toàn sagt:

        @Sportpapi „Wenn ich das Kind frage, wohin es gehen will (oder eben Vereinbarungen treffe), dann muss ich auch damit leben, dass es einen anderen Weg einschlägt, als ich für sinnvoll halte.“

        Auch dabei haben Sie bestimmt Grenzen, völlig wahnsinnige Entscheide würden Sie auch nicht akzeptieren, machen dann eine Generalklausel (Notstand) geltend, um die Vereinbarung zu brechen. Aber so denken Juristen, keine Kinder, auch nicht Teenager. Die denken, Vereinbarung gilt, so lange es passt, den Eltern.

      • Anh Toàn sagt:

        Und auch mit der Notstand Argumentation ist das alles immer noch diktatorisch, solange es keine Instanz gibt, welche überprüft, ob da tatsächlich eine Notstandssituation ist, oder zumindest war.

        In erster Linie geht es aber darum, eben die Kinder von der Verantwortung zu entlasten. Sonst trauen die sich nicht mal zu sagen, was sie eigentlich wollen, weil sie ja selber schuld sind, wenn es in die Hose geht. Und klar muss man denen Lernen, Verantwortung für sich selber und überhaupt zu übernehmen; Das macht man, als Eltern oder Chef, mit Schritt für Schritt, immer mehr, mit Instruktion und Kontrolle und zur Not auch Entzug. Die Eigenverantwortung ist letztlich nicht eine eigene, sondern eine aus der elterlichen abgeleitete, übertragene.

      • Sportpapi sagt:

        @AT: Deshalb ist es eben wichtig, frühzeitig zu entscheiden, wo man eine Meinung abholt, und wo man Entscheidungskompetenz überträgt. Ich kann meine Kinder fragen, was sie anziehen wollen, oder es ihnen ganz überlassen. Dann gehen sie halt mal im Winter in kurzen Hosen in die Schule. Aber richtig, nackt lasse ich sie nicht gehen…

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