«Mein Körper darf alles!»

Unser Autor erklärt dem Kind, dass es nicht alles darf. Ist das nun also diese «Erziehung», von der alle reden?

Einem Kind ein gutes Gleichgewicht zwischen Selbstbestimmung und Empathie zu vermitteln, ist harte Arbeit. Foto: iStock

Unschöne Szenen spielten sich letzten Samstag frühmorgens im Hause Tschannen ab. Am Ende hielt ich dem Brecht erzürnt einen Vortrag, nachdem ich ihn gegen seinen Willen ins Vestibül des Ostflügels getragen hatte. (Ich werde hier pro Doppelnamen bezahlt und lebe daher nicht schlecht.)

Was war geschehen? Brecht-Maria – an Schultagen kaum weckbar – wollte um 6 Uhr aufstehen. Darf er natürlich. Eine halbe Stunde spielte er zufrieden unten im Wohnzimmer. Dann kam er wieder hoch in den Schlaftrakt und befahl mir, ebenfalls runterzukommen. Ihn habe die Langeweile ereilt. Nun bin ich normalerweise ebenfalls ein Frühaufsteher. Normalerweise. Denn aktuell wohnt hier ein kleines Baby, das immer genau dann essen oder kacken muss, wenn ich in eine erholsame Schlafphase eintrete.

Ich gedachte diesen Samstagmorgen also noch ein Weilchen zu ruhen. Brecht-Josef jammerte voller Selbstmitleid, worauf ich ihm seine drei Möglichkeiten erklärte: Er könne sich zu mir ins Bett legen und noch etwas dösen, oben einer ruhigen Tätigkeit nachgehen oder unten spielen, was auch immer er wolle. Die Vorschläge behagten ihm nicht. Eine Diskussion begann.

Wenn familiäre Situationen behutsam eskalieren

Sie kennen mich, ich diskutiere gern mit Brecht-Ferdinand. Aber neben mir grochste das Baby im Halbschlaf. Ich hatte es erst kurz zuvor nach seiner frühmorgendlichen Milchpause wieder zum Einschlafen gebracht. Ein zorniger Beebers, das will niemand. Hinzu kam, dass im Zimmer nebenan die Brechtsmutter schlief und im Gästezimmer Freunde, die bei uns zu Besuch waren – nennen wir sie Hildrun-Gabi und Horst-Giselmund.

Also schhhte ich Brecht-Klaus an, doch der wollte sich das Maul nicht verbieten lassen. «Ich bestimme über meinen Körper, und ich will hier laut sein.» Aha, da hatten wir dieses Argument wieder. Wie schon einen Tag zuvor, als er sich weigerte, seine Spielsachen von der Treppe wegzuräumen. Mit dem in seinen Ohren überzeugenden Argument: «Nein heisst nein!»

Einmal mehr erklärte ich, dass hier selbstverständlich alle über ihren eigenen Körper bestimmen und Nein sagen dürfen. Dass das aber nicht ein Freipass für rücksichtsloses Verhalten sei wie ein Diplomatenkennzeichen im Strassenverkehr. Doch der Brecht war auf Sendung, nicht auf Empfang. Und als das Baby seine dünnen Augenbrauen zu einem bedrohlichen V formte, tat ich, worauf ich rückblickend nicht stolz bin. Ich trug Brecht-Bernfried – wohlgemerkt nach vielen Vorwarnungen – hinfort. In die andere Ecke des Hauses, wo ich ihn mit dem verbalen Kantholz bearbeitete. Sie wissen schon: «Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen trari-trara …»

Das ist nun also dieses «Erziehung», von dem alle reden

Brecht-Immanuel lauschte unerwartet interessiert. Irgendwo in der Ferne schrie ein Baby, und im Gästebad betätigte jemand die Toilettenspülung.

Nun könnte man uns vorwerfen, dass wir es mit unserer linksgrünversifften Ideologie übertrieben hätten. Ich würde widersprechen. Meine Erkenntnis aus dieser Geschichte ist eine andere: Einem Kind ein gutes Gleichgewicht zwischen Selbstbestimmung und Empathie zu vermitteln, ist harte Arbeit. An manchen Tagen gelingt das, an anderen nicht. Ich denke, dass es den Eltern von Maximilian-Jason, Lea-Marihuana, Sören-Torben, Liiliaa-Shanélle und Leif-Malte ähnlich ergeht. (Bitte entschuldigen Sie, aber schalldichte Türen sind nicht günstig, und ich brauche ganz dringend 17 Stück.)

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81 Kommentare zu ««Mein Körper darf alles!»»

  • Hans Minder sagt:

    Zum Thema das Gleichgewicht von „Eigenbestimmung/Sympathie“ in der Balance zu halten sei das A+O: Ich habe 2 biologische Kinder, wie die Tschannens und gleichfalls war auch hier meine Familienplanung abgeschlossen. Dann folgten mehrere Krisen in meinem unmittelbaren Umfeld und siehe da: heute zählt meine Familie drei 12-jährige Söhne und eine 14-jährige Tochter! Wenn ich bei dieser Konstellation die „Eigenbestimmung/Sympathie“ meiner Kinder im Gleichgewicht halten will, dann kriegen meine Frau und ich noch gerade 1.23 Sekunden Schlaf pro Nacht, was innerhalb zwei Woche zum Ableben beider Elternteile führen und unsere 4 Kinder in einen andern Krisenhaushalt abschieben würde. Bin ich froh, dass wir nicht lingksgrün begonnen haben…den Kinder später umgewöhnen ist fast unmöglich!

  • Reincarnation of XY sagt:

    @MF und Fam. Tsch
    Für gebildete und kultivierte Menschen sollte eine Diskussion doch dazu da sein, dass man einer Sache auf den Grund geht und nicht dass man Begrifflichkeiten benutzt, um sich abzugrenzen. Wir sollten Brücken und nicht Mauern bauen, zum Nutzen aller.

    „Moderne Erziehung“ was soll das bedeuten? Seit 50 Jahren wird schon „moderne Erziehung“ geschmäht. Es wäre sinnvoller, dass man konkrete Konzepte ausdeutscht.
    Ebenso unsinnig ist es dann, über „Dame“ oder „Frau“ zu streiten, was ja nichts mit dem Thema zu tun hat.
    Auch hier könnte man freundlich darauf hinweisen, dass man die zwei Berichte, als widersprüchlich empfunden hat. Und darauf könnte man sich a) freundlich fürs Feedback bedanken und erklären wie es dazu kam.
    Pax meine Herren und Damen Pax.

    • Ich pflichte Ihnen im Grundsatz gerne bei. Aber es streitet sich ja noch niemand. Solange der Ton anständig bleibt – und das war er zwischen Herrn Frey und mir glaub ich immer – darf m.E. auch etwas Begriffspedanterie sein. Platz ist ja genug.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Aber wäre eine gepflegte Begriffspedanterie nicht, dass man fragt:
        Was verstehen Sie unter „moderner Erziehung“?
        Und was genau ist dann ihr Konzept von „nicht-moderner Erziehung“?
        Wie genau haben Sie das geregelt: Anstand und soziales Verhalten beibringen ohne militärischen Gehorsamsabrichtung?

        Das ist doch das Thema. Und da sitzen ja alle im gleichen Boot, da wir Menschen alle aus dem selben Holz geschnitzt sind.
        Aber anstatt die Gemeinsamkeiten zu betonen, akzentuiert man via Begrifflichkeiten ein wir gegen die.

        Auf der Strecke bleibt die wichtige Diskussion um die Sache an sich.
        Verstehen Sie was ich meine?

    • Martin Frey sagt:

      Sehe ich ähnlich, RoXy.
      Wenn Sprache mehr der Abgrenzung als der Verständigung dient, sollte man den eigenen Gebrauch kritisch überdenken. Ausser die Abgrenzung liegt einem näher als die Verständigung.
      Aber wir reden für meinen Geschmack schon viel zu lange über Begrifflichkeiten. Das Thema ist ja eigentlich ein anderes.
      Ich glaube, das mit der Widersprüchlichkeit kam zur Sprache. Auch wenn so etwas selbstredend niemand wahnsinnig gerne unter die Nase gerieben kriegt. Das verstehe ich schon.

      • Reincarnation of XY sagt:

        MF –
        Ja, aber manchmal sind wir zu angriffig und provozieren, so dass der andere zu selben Mitteln greift.

        Wenn man sagt: Für mich hört sich das widersprüchlich an. Dann hat man noch nicht geurteilt, sondern lediglich mitgeteilt, wie diese Kommunikation ankommt.
        So gibt man dem anderen die Möglichkeit zu erklären. Und er bekommt einen Eindruck, was sein Worte bei Hörern vermitteln können.

        Hier im Blog ist das ja nicht so wichtig. Der Weltfriede hängt nicht davon ab, aber ich finde, wir sollten es uns angewöhnen.
        Und das darf man mir auch sagen, falls ich mal Gelegenheit dazu bieten sollte. Ich muss das auch lernen.

      • Martin Frey sagt:

        Alles klar, RoXy, ich glaube ebenfalls, die Familie T. und ich haben keinen Streit. Wenn man sich öffentlich zur Schau stellt, und das ist das tägliche Twittern und Bloggen nun mal, dann muss man sich auch ein Stück weit gefallen lassen, dass man mitunter auf Widersprüche durchaus pointiert hingewiesen wird. Die öffentliche Selbstdarstellung ruft halt auch solche Reaktionen und nicht nur Beifallklatschen hervor, und m. E. muss man damit umgehen können, wenn man so unterwegs ist. Solange ein gewisser Grundanstand und Respekt gewahrt bleibt, muss das Platz haben.
        Die Familie T. provozieren wollte ich nicht, etwas aufziehen jedoch schon. Falls Herr und Frau T. sich ernsthaft provoziert fühlten, und den Eindruck hatte ich zwischendurch, dann war das nicht meine Absicht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        MF – stimme mit Ihnen überein.
        Sie haben schon recht.
        Es geht mir eigentlich nur darum, dass die Gesellschaft sich aufspaltet und die Lager sich immer weiter voneinander entfernen. Wenn wir hier schon so nett und respektvoll miteinander den Dialog suchen, wäre es irgendwie schön, wenn wir zeigen könnten, dass ein tatsächlicher Dialog möglich ist.
        Klar braucht es immer zwei dazu….
        Manchmal wäre es vielleicht hilfreich, die zweite Meile zu gehen und stets einen Ton zu suchen, der den anderen wieder einlädt, sachlich beim Thema zu bleiben.
        Wenn Sie verstehen, was ich meine.

      • Martin Frey sagt:

        @RoXy
        „Es geht mir eigentlich nur darum, dass die Gesellschaft sich aufspaltet und die Lager sich immer weiter voneinander entfernen. Wenn wir hier schon so nett und respektvoll miteinander den Dialog suchen, wäre es irgendwie schön, wenn wir zeigen könnten, dass ein tatsächlicher Dialog möglich ist.“
        Das ist auch mein Antrieb, wie Sie erkennen sollten falls Sie meine Beiträge verfolgen, und mit ein Grund dass ich hier mitdiskutiere. Auf dem MB ist mit vielen Menschen unterschiedlichster Couleur und Ansichten ein mitunter gehobener Austausch möglich, was ich toll finde. Aber das bedingt eben auch, dass man eine gemeinsame Sprache nicht nur spricht sondern auch immer wieder sucht, um sich in einem sachlichen Austausch finden zu können.
        Ist ja ausserhalb des MB nicht anders.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ich stimme Ihnen voll und ganz zu MF. Jedes Wort.
        Und selbstverständlich anerkenne ich Ihre positive Intention. Sie haben meine Wertschätzung. Sonst würde ich diesen Dialog nicht mit Ihnen führen.

        Ja, es braucht immer das Wohlwollen beider, um sich zu verstehen. Aber einfach ist es nicht.

      • @Martin Frey, nein nein, wenn ich mich ernsthaft und im negativen Sinne provoziert fühle, antworte ich eher nicht (oder versuche zumindest nicht zu antworten). Aber es gibt natürlich durchaus Aussagen, die möchte ich nicht einfach stehen lassen – ob sie nun als „Aufziehen“ gemeint sind oder nicht.

        Zur Widersprüchlichkeit – falls wir immer noch übers Durchschlafen reden: 13 hat sehr schön erklärt, warum durchschlafende Babys noch lange nicht ausgeschlafene Eltern bedeuten. Sie haben aber selbstverständlich recht, dass ich mit meiner Formulierung hier im Blog etwas übertrieben hatte … genauso wie beim Vestibül des Ostflügels.

  • fufi sagt:

    Dies ist eine Mitteilung der Genderpolizei!

    Herr Tschannen, Ihr Honorar für diesen Text wird gestrichen.
    Sie haben dem Brecht bloss ein einziges Mal einen weiblichen, aber ungezählte Male einen Männlichen Doppelnamen gegeben.

    Gehen Sie in sich und bessern Sie sich.

    Alla prossima 😉

  • Reincarnation of XY sagt:

    Sehr gut geschrieben Herr Tsch.

    Und auf Ihre Frage: JA das ist Erziehung.

    Ganz egal wie falsch die Methoden anderer Epochen waren, oder falsch die Werte waren, die man vermittelt hat, der Homo Sapiens wird immer erzogen. Dass er im sozialen Gefüge funktionieren kann, geschieht nicht durch rein genetische Programmierung wie bei Schildkröten.
    Kein Homo Sapiens fluscht einfach als Friedensnobelpreisträger in die Welt und trägt genetisch die Werte der universalen Menschenrechte in sich. Jeder Homo Sapiens wird von seiner Umgebung geprägt: Verhaltensweisen und Wertekanon werden immer vermittelt.
    Erziehung ist in diesem Sinne Wertneutral. Deshalb ist es falsch zu fragen: Erziehung Ja oder Nein.
    Sondern vielmehr Wie und Wohin?

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Der Begriff Erziehung kommt von ziehen. Man zieht also am Kind herum, bis es die Form hat, welche den Eltern genehm ist.

      Erziehung ist eine Einbahnstrasse, in der eine Autorität, vollumfänglich über das Objekt Kind verfügen und bestimmen darf und tut, ohne dass das Objekt Kind als Mensch mit Rechten angesehen wird. Ein Objekt ist immer der pure Befelsempfänger, ohne Macht über sich selber.

      Ich bevorzuge meinen Kindern Werte zu vermitteln, an welche ich mich selber zu halten habe.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Meinen Sie ich kenne diesen Satz nicht Tamar?

        Mein Statement ist eine Erwiderung darauf. Lesen Sie es nochmals in Ruhe durch . Ich könnte ihnen nur nochmals dasselbe darauf erwidern.
        (PS das Verb ziehen ist ebenfalls wertneutral – wenn ich Selbstbestimmt, aber doch gesellschaftsfähig lebe und mein Kind dahin ziehe, dass es dereinst auch zu dieser sozial verträglichen Freiheit fähig ist – dann hat das rein gar ncihts damit zu tun „dass es nur Befehlsempfänger“ ist) .
        Es geht, um das WIE und WOHIN.

      • tststs sagt:

        Dann nehme ich mal an, Sie führen keine BeZIEHungen… 😉

        Das, was Sie schildern, ist nicht per se Erziehung, sondern eine Form der Erziehung. Der Begriff hat nichts mit „daran rumziehen bis es gehorcht“ zu tun….

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ tststs

        Warum fühlen Sie sich angegriffen? Mein Kommentar bezieht sich rein darauf, dass mir der Begriff Erziehung nicht behagt. Das als Kind, welches selber eine Erziehung „genossen“ hat, dessen eigene Bedürfnisse nie wichtig waren, welches immer dazu angehalten wurde, nachzugeben (de Gschiiider git nah, de Esel bliiibt stah…. blablabla) und das immer dazu angehalten wurde, „nicht egoistisch“ zu sein und immer die Bedürfnisse der anderen voran zu stellen.

        Ich behaupte, diese „Erziehung“ hat mich dazu gebracht, mich 14 Jahre lang von einem Tyrannen fast zu Tode schikanieren zu lassen, als das gehorsame Weibchen, zu dem ich erzogen wurde.

        Nein, ich mag den Begriff Erziehung noch immer nicht, auch wenn ich weiss, dass andere dieses Wort nicht per se als negativ ansehen.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Tamar – niemand fühlt sich „angegriffen“

        Ich finde es sehr gut, wie Sie reflektiert haben, warum Sie Teil einer sehr schädlichen Beziehung wurden und uns nun erklären, weshalb Sie dieses Wort sehr negativ assoziieren.
        Aber mein Beitrag und tststs Antwort hatten nichts mit ihrer persönlichen Erfahrung zu tun, sondern einzig und allein mit einem Begriff und Theorien, wie sie in Erziehungsratgebern gerne behandelt werden.
        Viele Missverständnisse entstehen gerade dadurch, dass wir Begriffe mit ganzen Konzepten assoziieren (wegen unserer Erlebnisse). Deshalb ist es ja notwendig, dass wir sachlich – getrennt von unseren emotionalen Assoziationen – über Begriffe diskutieren. So kommt man der Sache auf den Grund.

      • Meieriesli sagt:

        Ganz egal wie man es nennt, „normale“ Eltern formen ihr Kind in der Erwartung, dass es plusminus so rauskommt wie Sie es sich wünschen. Das „plusminus“ mag breit gefächert sein (oder auch nicht), dennoch gibt es einen Bereich aller möglicher Verhaltensweisen und Ansichten, auf den die Eltern hinarbeiten.

        Andernfalls müsste es einem egal sein, ob das Kind das Erwachsenenalter im Knast verbringt oder nicht. Was ich keinem „normalen“ Elter abkaufe.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Meienrisli

        Dass man ein Kind nicht einfach machen lassen kann, was es will, in der Hoffnung, dass es dann schon gut kommt, weil der Mensch von Grund auf gut ist, weiss man seit den Versuchen mit der sogenannten „antiautoritärer“ Erziehung. Diesen Begriff mag ich übrigens auch nicht, weil es eben NICHTS widerspiegelt. Keine Erziehung und auch kein Vorbild.

        Für mich macht es einfach einen Unterschied, ob man seine Kinder zu gehorsam erzieht, in dem Sinne, dass jedwede erwachsene Person Macht auf dieses Kind ausüben darf und man das Kind als Befehlsempfänger ansieht, oder aber halt einem Kind Respekt und Anstand entgegenbringt und das halt auch von seinen Kindern erwartet.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Meieriesli Teil 2

        Beispiel: als meine Kinder klein waren, bin ich mit ihnen Bus gefahren. Da sie noch zu klein waren um sich festzuhalten, wenn der Bus zB abrupt bremste, habe ich meine Kinder sitzen lassen, bin aber selber nach Bedarf aufgestanden um Alten, Schwangeren, Behinderten ect Platz zu machen. Ab und zu kam das zu unschönen Diskussionen a la „Kinder haben aufzustehen, wenn ältere Leute den Platz benötigen“ blablabla. Ganz klar nein: es sollen jene Platz machen, welche gross und gesund genug sind, um sich im stehen festzuhalten. Das waren dann halt in diesem Fall nicht meine Kinder, sondern ich, oder andere gesunde Personen. Ich war nicht bereit dazu, meinen Kindern einen Sturz zuzumuten, nur um den Machtanspruch anderer Personen zu bedienen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Meieriesli Teil 3

        Respekt und Anstand ist keine Einbahnstrassen von Kindern gegenüber Erwachsenen, oder Jungen gegenüber Alten, sondern muss auf Gegenseitigkeit bezogen sein. Ich lebte meinen Kindern Anstand und Respekt vor, mit dem Vorbehalt, dass sie niemandem Respekt und Anstand schuldig sind, welche ihnen das selber nicht entgegen bringt.

        Beispiel: ich sitze im Bus und der Teenie hinter mir drückt ständig mit seinen Knien oder Füssen gegen meinen Rücken. Wenn ich ihn freundlich darauf hinweise, dass das unangenehm ist, hört er damit auf. Pfeiffe ich ihn zusammen, so zeigt er mir (dann hoffentlich) den Stinkfinger.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Meieriesli Teil 4

        Apropos Jugend: so viele Leute beschweren sich, dass sie dauern mit frechen Jungen aneinandergeraten. Komischerweise passiert mir das (fast) nie. Die Jugendlichen, denen ich begegne sind mehrheitlich höflich, hilfsbereit und freundlich, ja auch die bösen Ausländer.

        Vielleicht liegt das einfach daran, dass ich mir als „Alte“ (bin ende 40) nicht herausnehme, Junge wie den letzten Dreck und als Bittsteller zu behandeln.

        Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Immer öfter, auch von Jungen und das ist gut so.

        Respekt muss man sich verdienen und das Alter ist kein Freibrief für Respektlosigkeit.

        Beispiel: eine ältere Person drängelt sich in der Beck vor. Darauf angesprochen meint diese, die Jungen sollen warten. Sicher NICHT!

      • tststs sagt:

        Danke, RoXY.
        Und ja, TvS, Sie können davon ausgehen, dass meine Smileys ehrliche, und nicht ironische Smileys sind!

      • Barbara V.E. sagt:

        Genau das ist für mich Erziehung: Werte vermitteln. Erklären. Er- und Hin-ziehen zu einem empathischen, offenen, neugierigen Wesen, das sich und andere mag. Das nicht im Ich hängen bleibt, sondern in den Dialog geht. Wie die Eltern während der Erziehung in den Dialog gehen.

  • 13 sagt:

    Herrlich. Da steckt man dann irgendwo zwischen Stolz, dass das Kind sich derart für seine Rechte einsetzt und dem Problem, dass man gerade heute auf der Gegenseite ist. Mein eigenes Kind antwortete mir kürzlich auf ein verzweifeltes: „Warum könnt ihr nicht einfach mal das machen, was ich sage“ mit einem trockenen „Weil Du keine braven, angepassten Kinder wolltest.“ Tja, recht hat sie. Es bleibt noch der Trost, dass diese Kinder auch sonst im Leben für ihre Rechte einstehen werden. Gelernt haben sie es ja.

    • Haha, sehr schön. Schlagfertige Kinder sind die Zierde eines jeden Haushalts.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13

        Genau das wollte ich meinen Kindern auch immer vermitteln, auch wenn es viel mehr Energie kostet, ein Kind in die Selbstständigkeit zu begleiten, anstatt einfach zum Gehorsam zu (er-) ziehen wie ein guter Soldat.

        Meine Kinder sind/waren zwar ziemlich pflegeleicht, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich immer bemüht war, meine Kinder fair zu behandeln und ernst zu nehmen.

  • Gwed Olan sagt:

    „Denn aktuell wohnt hier ein kleines Baby, das immer genau dann essen oder kacken muss, wenn ich in eine erholsame Schlafphase eintrete.“

    Behauptet die Dame des Hauses nicht auf Twitter, das Baby schlafe durch?

    • Martin Frey sagt:

      @Gwed Olan
      😀
      Das sind dann wohl nicht nur die Widersprüche moderner Erziehung, sondern auch moderner Kommunikation. 😉
      Im gleichen Atemzug rühmt sich ja die Dame des Hauses öffentlich, wie gut sie ihren Gatten in solchen Dingen konditioniert hat. Köstlich.

      • Die „Dame“ hat gar niemanden „konditioniert“, werter Herr Frey.

        Aber gut beobachtet, Gwed Olan. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Wir können uns wirklich nicht beklagen, das Kind schläft nachts lange am Stück und gerade in den letzten paar Nächten hat es tatsächlich ganz durchgeschlafen. (Der Tweet ist von gestern, meine Geschichte hat sich am Samstag ereignet.) Vielleicht ist es das Alter oder der Stress mit zwei Kindern, Haushalt und etwa 5 Berufen, aber selbst ein-, zweimal in der Nacht aufzustehen setzt mir inzwischen ziemlich zu. Mehrmals aufwachen ist kein Problem, aber 30 Minuten wach sein und danach ein Kind wieder in den Schlaf zu überführen, verursacht mir Hautausschlag.

      • Martin Frey sagt:

        @Tschannen
        Nun, den Eindruck könnte der ahnungslose, durchaus geneigte Leser schon noch bekommen. Ich zitiere im O-Ton:
        „Auch die entgeisterten Blicke, wenn ich sage, dass ich nachts nicht aufstehen muss, sondern mein Mann mir das Baby bringt und wieder mitnimmt, sobald es satt ist. ER konnte nämlich 9 Monate lang durchschlafen.“
        😉

      • Herr Frey, wenn Sie unbedingt lesen möchten, dass meine Frau mich konditioniert hat: bitte. Ich will Ihnen das nicht nehmen.

        Ich weiss nicht, in was für Beziehungen Sie leben und gelebt haben, aber wir arbeiten hier eher so mit Konsens und Partnerschaftlichkeit.

      • Martin Frey sagt:

        „Ich weiss nicht, in was für Beziehungen Sie leben und gelebt haben, aber wir arbeiten hier eher so mit Konsens und Partnerschaftlichkeit.“
        Ich auch, auch wenn Sie mir das vielleicht nicht glauben. Aber Sie würden auch einen Teufel tun und es hier zugeben, wenn es anders wäre.
        Wissen Sie, ich stand auch zu über 90% auf nachts. Dies deshalb, weil ich so konditioniert (hier passt es) und gewohnt bin, trotz Schlafmanko zu funktionieren. Aber dies darum, weil ich das so anbot, und nicht meine Frau es von mir als Gegenleistung verlangte, quasi als Entschädigung für die ach so harten 9 Monate.
        Genau so tönt das nämlich in meinen Ohren, ja. Aber wie Sie als Paar öffentlich auftreten und was Sie wie kommunzieren wollen, müssen Sie mit ihr diskutieren. Zum Schmunzeln ist es trotzdem.

      • Frau Tschannen sagt:

        Lieber Herr Frey

        „Dame“ ist nicht einfach ein Synonym für „Frau“, sondern bezeichnet eine Rolle und damit verbundene Erwartungen. Diese Rolle, was immer sie im einzelnen beinhalten mag, unterscheidet sich sehr vom „Herrn des Hauses“. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir haben beide unsere Rolle innerhalb der Familie und im Haushalt, diese ist – jedenfalls bei mir – nicht darüber definiert, dass ich eine Frau oder eine Dame bin.

      • Martin Frey sagt:

        Obwohl Sie, liebe Frau Tschannen, ja bekanntlich die Linguistin sind, und ich Ihnen ungern widerspreche, verweise ich doch auf den Duden, der „Dame“ folgendermassen übersetzt:
        – Frau (auch als übliche Bezeichnung für eine Frau im gesellschaftlichen Verkehr)
        – gebildete, kultivierte, gepflegte Frau
        Beides bedeutet unter dem Strich nicht mehr als ein Kompliment, und so war es auch gedacht.
        Aber soweit sind wir eben mit dem Gendersprech schon; wir beginnen, nicht mehr dieselbe Sprache zu sprechen, und uns darob irgendwann nicht mehr zu verstehen. Ich überlasse es Ihnen als Linguistin zu beurteilen, welche Seite begonnen hat, sich von sprachlichen Gepflogenheiten zu „entfernen“ und zur Verwirrung beizutragen. Genau so entstehen Missverständnisse.
        Wenn das das Ziel ist, bitteschön.

      • Herr Frey, „Sie […] mögen die Formulierung [als Kompliment] empfunden haben, entscheidend in der Kommunikation ist aber immer, wie eine Message ankommt und vom Empfänger wahrgenommen wird. Das ist eben das heikle daran.“

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Gendersprache, – Theorie könnte ein Gewinn sein, hielte die sich an die eigenen Regeln. Tatsächlich wird Gender aber immer wieder mit Geschlecht verwechselt und vermischt.

        Frau ist eines der beiden Geschlechter, Dame eine Geschlechterrolle. Da ist der Duden nicht sauber.

        Rollen sind dazu da, im sozialen Kontakt keine biologischen Kategorien zu benutzen. Gender sollte alle sozialen Rollen zusammenfassen und damit auf biologischen Rückgriff verzichten.

        Macht es aber nicht. Gendermedizin ist so ein typischer Fehlbegriff, denn somatische Medizin handelt nur mit dem Geschlecht. Gender gibt es in der Psychiatrie.

    • 13 sagt:

      Bei einem Baby gelten 5-6 Stunden am Stück als durchschlafen. Ob das den Eltern auch reicht? V.a. dann, wenn man wie so oft und wie wohl die meisten nicht mit dem Baby ins Bett geht, sondern stattdessen „noch kurz“ aufräumt, Zeit mit dem Partner geniesst, duschen geht, twittert etc.

      • Frau Tschannen sagt:

        Die Dame des Hauses gibt es bei uns nicht, lieber Herr Frey. Und da Sie offenbar meine Tweets lesen, zeigen Sie mir doch bitte den, in dem ich behaupte, ich hätte irgendwen konditioniert.

      • Martin Frey sagt:

        Nur so aus Interesse: Was stört Sie am Begriff „Dame des Hauses“, liebe Frau Tschannen?
        Für gewöhnlich lese ich Ihre Tweets nicht, muss ich unumwunden zugeben. Was aber nicht gegen Ihre Tweets spricht, ich bin persönlich aus Social Media kaum und Twitter gar nicht präsent. Hier hat mich lediglich der Einwand von G. Olan dazu bewogen.
        Natürlich haben Sie das Wort „Konditionierung“ nicht erwähnt, das würden Sie wohl kaum. Bei welcher Stelle ich trotzdem diesen Eindruck erhielt, und deren Erwähnung einen empfindlichen Punkt berührte, habe ich weiter oben zitiert.
        Sie (und Ihr Gemahl) mögen die Formulierung völlig anders empfunden haben, entscheidend in der Kommunikation ist aber immer, wie eine Message ankommt und vom Empfänger wahrgenommen wird. Das ist eben das heikle daran.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Markus Tschannen

        Jöö wie lieb, Sie stehen nachts auf und bringen das Baby Ihrer Frau ins Bett? So schön.

        Auch wenn viele jetzt rufen würden, dass dies doch in einer Beziehung selbstverständlich ist, möchte ich mal behaupten, dass dies die wenigsten Männer tun. Die gängige Ausrede ist schlicht und ergreifend, dass der Mann am Morgen aufstehen muss und die Mutter ja tagsüber schlafen kann. Nur dass es in der Realität doch meist so aussieht, dass auch wenn die Mutter längst wieder erwerbstätig sind, diese noch immer ausschliesslich alleine die Nachtdienste stemmen.

      • Danke. Es ist aber weniger ein Liebesdienst, sondern entspricht einfach der Art, wie wir in unserem Haushalt organisiert sind. Meine Frau und ich habe getrennte Schlafzimmer. Die Kinder schlafen bei mir im Bett. In der Konstellation wäre es etwas viel verlangt, dass meine Frau durch zwei Türen die Befindlichkeit des Babys einschätzt, um es im richtigen Moment abzuholen.

      • SvU-F sagt:

        „Jöö wie lieb, Sie stehen nachts auf und bringen das Baby Ihrer Frau ins Bett? So schön.“
        Das mag zwar schön sein, ist aber ganz bestimmit nicht klug/effizient. Mit dieser Lösung sind dann immer beide Elternteile die halbe Nacht wach und morgens dementsprechend unausgeschlafen…

      • tststs sagt:

        @SvU-F (Schnüggel vom Universum-Forever? Siebenschläfer von Unruhe-Faul? So viele Umstände-Fürnix?)
        Ich glaube, da gilt das Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid 😉

      • 13 sagt:

        Nachts aufstehen ist so oder so ineffizient, egal, wen es trifft 😉

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ SvUV

        Und klug ist es, dass die Frau 16 Jahre unausgeschlafen ist, während der Mann immer schön seine Ruhe hat, am Wochenende immer ausschläft und ausruht, während die Mutter aufzustehen hat und sogar dann nachts liegen bleibt, wenn ER frei hat und die Mutter am nächsten Tag arbeiten muss?

        Glauben Sie mir: das ist nur einer von den vielen Gründen, warum 90% der Scheidungen von den Frauen angestrebt werden.

        Ich musste mich trennen, damit ich nach fast 4.5 Jahren nach der Geburt meines Grossen wieder ohne aufstehen in der Nacht schlafen konnte. Heute würde ich das schon nach 4 Tagen tun.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Markus Tschannen

        Warum stellen Sie Ihr Licht derart unter den Scheffel?

        Sie sind bestimmt nicht das einzige Paar, welche aus praktischen Gründen getrennte Schlafzimmer haben, aber bei jenen anderen Paaren die mir bekannt sind, ist es vor allem für den Mann praktisch, dass er seine Ruhe hat, während die Kinder bei der Mutter im Zimmer schlafen und dieser es offenbar zugemutet werden kann, am Morgen unausgeschlafen zu sein, auch dann, wenn sie selber auch erwerbstätig ist. Der Vogel abgeschossen hat übrigens ein Bekannter, der trotz Arbeitslosigkeit sein Kind von den Grosselter betreuen liess mit der Erklärung, dass er sonst ja nicht einmal ausschlafen könne.

        Wer weiss, vielleicht sind das ja auch dieselben Männer, welche sich darüber beklagen, im Ochsenstall schlafen zu müssen.

      • Sportpapi sagt:

        Ich bin auch für getrennte Schlafzimmer. Zwischen Kindern und Eltern. Wenn die Kinder nicht mehr gestillt werden (oder alle 2h den Schoppen brauchen).
        Dass beide Eltern regelmässig geweckt werden ist ineffizient, tatsächlich. Scheint mir aber die Regel zu sein. Das ist dann nicht geteiltes Leid, sondern schlicht doppelt.
        Wer dann aufsteht, muss mit Blick auf Belastung und Belastbarkeit vereinbart (und aufgeteilt) werden.
        @13: Also doch Schlaftraining? 🙂
        @Tamar: Etwas viel Vorurteile! Aber Tatsache ist, dass die meisten Väter tagsüber schlafen können, im Gegensatz zu vielen Müttern. Aber grundsätzlich geht die Phase ja auch vorbei, und dauert nicht Jahre.

      • Sportpapi sagt:

        „Aber Tatsache ist, dass die meisten Väter tagsüber schlafen können, im Gegensatz zu vielen Müttern.“
        Anders herum ist natürlich richtig.

      • @Tamar Hmm, ich will mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Aber es scheint mir etwas absurd, Lob dafür einzustreichen, dass ich mich um meine Kinder kümmere. Nur weil andere gute Ausreden haben, ist meine Leistung ja nicht nobler.

  • Susanne Steffen sagt:

    Als kinderlose Sechzigerin habe ich im Mamablog ja eigentlich nicht allzu viel verloren. Dennoch: Die Blogs von Markus Tschannen sind dermassen gut geschrieben, dass ich immer wieder kurz reinschauen muss um zu checken, ob allenfalls wieder eine Schmankerl bereitsteht. Grosses Kompliment von einer ebenfalls Schreibenden, die weiss, wie viel Hirnschmalz auch hinter „Locker-Flockigem“ dahintersteckt.

  • Claudi sagt:

    Sagen sie dem kleinen privilegierten Patriarchen, dass er aufgrund Geschlecht und Hautfarbe nichts zu melden habe. Und nehmen Sie selbst zur Kenntnis, dass ihr Mansplaining in unserer Gesellschaft nicht erwünscht ist.

  • Sportpapi sagt:

    Ja, das sind halt die Widersprüche moderner Erziehung.

    • 13 sagt:

      Sind das nicht die Widersprüche einer jeden Erziehung? Wer klare klassische Regeln hat, dem wird das Kind genau diese vor die Nase halten, wenn man selber davon abweichen will. Oder wird auswärts zum Klugscheisser. Wie das Nachbarskind, das mir lautstark unter grossem Erröten der Mutter erklärte, dass er es ja absolut unverantwortlich von mir finde, meine Kinder alleine in den Wald zu lassen, denn das dürfte man erst ab 10 Jahren. Die einzigen Kinder, die ihren Eltern wohl nie widersprechen würden sind diejenigen, die Angst vor ihnen haben und das hoffe ich ist heute nicht mehr ein verbreitetes Erziehungsziel.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Je mehr pauschale Prinzipien und Regeln aufgestellt werden, desto häufiger sind wohl die Widersprüche.
        Zudem: die klischierte Klassische Erziehung – Papa hat immer recht – ist ja absolut widerspruchsfrei…
        Ach ja, und der beschriebene Klugscheisser: Keine Ahnung, wie der erzogen wurde. Aber diese Art der (Über-) Ängstlichkeit ist doch sicherlich nicht „klassisch“, sondern sehr modern.

      • Regula Habig sagt:

        @13: Kürzlich haben Sie voll Stolz berichtet, dass Ihre Tochter etwas gerufen hat über „Mütter die zuhause SITZEN“; Sie erinnern sich sicher noch 🙂 Was ich damit sagen will: vielleicht hat sie damit auf manche auch wie eine Klugscheisserin gewirkt, es kommt eben auf den Standpunkt an. Mich persönlich stören solche Kinder überhaupt nicht, im Gegenteil, sie teilen ohne Angst selbstbewusst etwas mit. Mich stört eher das Erröten der Mutter in diesem Fall: wenn das ihre Meinung ist, dass Kinder nicht allein in den Wald sollen und ihr Kind das dann weiterposaunt, soll sie doch dazu stehen, wir haben ja hoffentlich Meinungsfreiheit.

      • 13 sagt:

        @ Regula
        Meine Tochter sagte es aber zu mir, nicht zu einer Drittperson.
        Gestört hat es mich auch nicht. Ich habe einfach geantwortet, dass jeder Elternteil seine eigenen Regeln hat und er gerne seine Bei seinen Kindern, wenn er dann welche hat, anwenden darf. Ich wollte damit in erster Linie sagen, dass jede Erziehung einem in manchen Augenblicken „um die Ohren fliegen“ kann.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Naja, es mögen halt nicht mehr alle ihre Kinder wie Zirkustiere zu dressieren, nur damit Mami und Papi mit dem Nachwuchs keine Arbeit haben.

      Sehen Sie es positiv: dafür werden weniger Kinder vom Dorfpfarrer oder Fussballtrainer missbraucht. Diese suchen sich nämlich jene Kinder, welche zuhause nicht nein sagen dürfen.

      • Martin Frey sagt:

        „Sehen Sie es positiv: dafür werden weniger Kinder vom Dorfpfarrer oder Fussballtrainer missbraucht. Diese suchen sich nämlich jene Kinder, welche zuhause nicht nein sagen dürfen.“
        Da wäre ich nicht so sicher, Tamar. Klar, ich bin auch sehr für mündige Kinder, die Nein zu sagen gelernt haben, und die ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und dessen Integrität auf den Weg mitbekommen haben.
        Ob das aber im Zweifelsfall wirklich vor Uebergriffen schützt, steht trotzdem auf einem anderen Blatt.

      • Sportpapi sagt:

        Hm. Obwohl mir gerade der Zusammenhang zu meiner Aussage schleierhaft ist, wundere ich mich auch über die Aussage. Das Dressieren von Tieren bis zur Zirkusreife kostet sicherlich sehr viel mehr Aufwand, als sie im Gehege aufzuziehen oder sie der freien Entwicklung zu überlassen.
        Und, nebenbei: Ein Zeichen der neuen Zeit ist es ja auch, dass es immer schwieriger ist, überhaupt noch Fussballtrainer zu finden. Vielleicht löst sich dieses Problem irgendwann also von selbst…

    • tststs sagt:

      Das sind doch keine Widersprüche, das ist Interpretationsspielraum 😉

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Martin Frey

        Natürlich ist das kein 100% Schutz vor Gewalt, aber rein geschichtlich betrachtet, ist es halt eine gute Vorbeugung, zu unterscheiden, wie man einen Hund erzieht (zu Gehorsam) und wie man ein Kind darauf vorbereitet, ein eigenständiges Leben zu führen.

        Seit Menschengedenken sind die Autoritäten die Missbraucher/innen (Eltern, Onkel, Grossväter, Tanten, Kleriker, Sklavenhalter, Arbeitgeber, Adlige) und die Unmündigen (Kinder, Untertanen, Hörige, Sklaven, Bedienstete) wurden dazu erzogen, alles mit sich machen lassen.

        Mit Monarchien, Adel, Diktatoren und Religionen lassen sich ganze Völker unterdrücken, ausbeuten und missbrauchen. Schon immer und nur als Eltern hat man die Möglichkeit, das zu ändern/zu lindern/zu minimieren.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sportpapi

        Tierdressur ist oft mit Zwang und Gewalt verbunden, bei Kindern ist es das IMMER.

        Ich habe auch nicht behauptet, dass Fussballtrainer per se Pädos sind. Mein Einwand bezieht sich einfach darauf, dass überall wo man Kinder zu Gehorsam drillt, diese den Pädos auf dem Präsentierteller serviert und oft genug werden ja diese Kinder von den eigenen Eltern und Verwandten missbraucht. Je verklemmter, autoritärer und fundamentalistischer, desto höher die Missbrauchsrate im nächsten Umfeld.

  • Maike sagt:

    Wie langweilig. 48 Zeilen über den ganz normalen Alltag mit Kleinkindern, für die das Leben noch ein einziges Spassvergnügen ist. Und nur seine Grenzen durch die Parameter der Betreuer aufgezeigt bekommt – die in der Woche früh zu Arbeit müssen oder am Wochenende gerne ausschlafen wollen.
    Das muss jeder / jede durch, der Kinder in die Welt setzt.
    Und ich sage Ihnen – aus ureigenster Erfahrung – voraus, wenn die Kinder grösser werden, können sie vielleicht ausschlafen (ausser der weibliche Teil ihres Nachwuchses ruft um 3 Uhr Morgens aus der Disco / Party an und möchte angeholt werden). Aber der Stress bleibt.
    Und noch weiter in der Zukunft, wenn die Gören aus dem Haus sind und jemand anders die Betreuung übernommen hat, werden Sie sich mit Wonne an diese Zeiten erinnern.

    • Ich erinnere mich jetzt schon mit Wonne. Ich beklag mich ja auch gar nicht. Alles gut, wie’s ist.

    • tststs sagt:

      „48 Zeilen über den ganz normalen Alltag mit Kleinkindern“ ähm, ja, das ganze heisst MB… und wird nicht von Stephen King geschrieben (obwohl… an der Grenze zu Mord und Totschlag waren wir auch schon 😉 )

  • Priska sagt:

    Haha, habe mich köstlich amüsiert. Bei uns war es: „mein Körper gehört mir und mein Körper braucht jetzt Schoggi“

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Ich habe Kopfschmerzen und mir ist kotzübel, aber mein Morgen ist gerettet.

    Danke Herr Tschannen für diesen köstlichen Beitrag, welcher einem keine andere Möglichkeit lässt als zu schmunzeln. Laut loslachen geht nicht, Sie wissen schon; Kopfschmerzen.

    • Carolina sagt:

      Da schliesse ich ich mich an, also am Lob für den heutigen Beitrag! Am besten gefällt mir immer, dass MT sich eben nicht beklagt (wie manchmal unterstellt), sondern einfach schildert und zwar ziemlich unnachahmlich. Mir persönlich gefällt die Aufreihung von (kostspieligen) Doppelnamen sehr – das sage ich, bevor die üblichen Nachfragen und Proteste aufgeschaltet werden.
      TvS: gute Besserung! Hoffe, Sie haben nicht das Magen-Darm-Ding erwischt, das bei uns gerade umgegangen ist;-((

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Vielen Dank für Ihre Genesungswünsche liebe Carolina

        Bei uns sind zur Zeit alle unpässlich inkl Schwiegervater und Praktikant. Trotzdem bleibt uns nichts anderes übrig, als dass mindestens einer am frühen Morgen aus dem Bett graaget um unsere Tiere zu versorgen. Immerhin haben wir das Glück, noch genug Gras zu haben, so dass sie weiden können und für uns die Stallzeiten kurz sind. Jetzt gerade machen wir halt nur das Notwendigste, aber solange man sich über solche Beiträge freuen kann, wir es allwäg nicht ans Läbige gehen 😉

        Auch Ihnen einen wunderschönen Tag.

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