Mir doch egal!

Vom Klima bis zur Berufswahl: Wie wir uns permanent selbst täuschen, um die Wirklichkeit aufzuhübschen.

Change the system? – Ja, aber jetzt grad nicht. Foto: Getty Images

Es war Freitag. «Fridays for Future»-Freitag. Und meine Tochter feierte ihren 12. Geburtstag. Wie üblich hatte sie für den Marsch gemeinsam mit Freundinnen Protestmaterial gebastelt: einen Doppelhalter, der die Aufschrift «SOS Zukunft» trug, und Fahnen, fabriziert aus alten Leintüchern, die «There is no Planet B» propagierten oder «Kurzstreckenflüge nur für Insekten!».

Es erfüllte mich mit einem gewissen Stolz, mein Mädchen bei seinem engagierten Aktivismus zu beobachten. Es schien meiner Tochter nicht egal zu sein, dass unsere Gletscher wegschmelzen, der Amazonas in Flammen steht, bald mehr Plastik im Meer schwimmt als Fische, SUV die Strassen unserer Stadt verstopfen oder Tiere in Massen gehalten werden, nur weil das profitabler ist. Das gefiel mir. Und wie schon bei den vorangehenden Protestmärschen, zu denen ich sie jeweils begleitet hatte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken und meine Augen füllten sich auf Anhieb mit Tränen, als die ersten Kinderstimmen den Schlachtruf «Wem sini Zukunft? Oisi Zukunft!» anstimmten.

«Mami, heute ist doch ein besonderer Tag»

Im Laufe des Marsches beschlich mich jedoch auch ein gewisses Unbehagen, und ich fragte mich, wie ehrlich wir hier Anwesenden eigentlich mit uns selbst ins Gericht gehen. Wenn die Protestler etwa ihre Handys zückten und Selfies von sich und ihren kreativen Plakaten machten, schien es ihnen grad komplett egal zu sein, woher der Kobalt in ihren glattpolierten Smartphones stammt; mit grosser Wahrscheinlichkeit aus den Händen von Kindern, geschürft in dunklen kongolesischen Minen. Change the system? – Jetzt grad nicht.

Auch schien es meiner Tochter so ziemlich egal zu sein, als ich ihr am Ende des Protestmarsches erklärte, dass ich es doch recht fragwürdig fände, wenn wir den Abend jetzt, wie von ihr gewünscht, im Sushi-Restaurant verbringen würden. Überfischung der Weltmeere? Bedrohter Thunfisch? Riesenschleppnetze, in denen auch Delfine, Schildkröten und Seevögel verrecken? – «Mami, heute ist doch ein besonderer Tag – und schliesslich sind wir doch im Frühling mit dem Zug in die Ferien gefahren.» Na, dann. Also gut. Ausnahmsweise. Manchmal entscheiden wir uns ganz bewusst für die Ignoranz und verdrängen etwas Unangenehmes, einfach nur um Platz zu schaffen für etwas Angenehmes.

Wie ich meinen Kindern fragwürdige Wertvorstellungen unterjuble

Dass Wunsch und Wirklichkeit öfter mal auseinanderklaffen, ist mir natürlich nicht neu. Psychologen nennen dieses Phänomen kognitive Dissonanz. Wir alle kennen es. Wenn wir beispielsweise auf unseren Instagram-Accounts die inszenierte Familienidylle posten, obwohl die Wanderung mit den Kindern in Tat und Wahrheit ein Marsch durch ein nicht enden wollendes Jammertal war. Oder wenn wir uns zum Jahresende vornehmen, ab sofort mit Yogaübungen in jeden neuen Tag zu starten, um endlich gelassener und ausgeglichener zu werden – wohlwissend, dass dieser Vorsatz schon am zweiten Tag wieder Makulatur sein wird. Ist ja auch nicht weiter tragisch. Wen juckts?

Brenzliger allerdings wirds, wenn es um grundsätzliche Wertvorstellungen geht. Wie im vergangenen Jahr, als die schulische und berufliche Zukunft meines Ältesten auf dem Plan stand. Eigentlich hätte ich ihm zurufen wollen: «Hey, geh raus und entdecke die Welt!» Oder: «Tu, was DICH glücklich macht!» So sähe ich mich gerne als Mutter; aufgeschlossen, optimistisch, entspannt. Stattdessen hörte ich mich Dinge sagen, wie: «Wenn du in dieser Welt nicht untergehen möchtest, sieh zu, dass du deinen Hintern hochkriegst und gute Noten schreibst!» oder: «Von nichts kommt nichts!»

War es die pure Panik, die mich da ritt? Die Angst, er könnte auf der Verliererseite der Gesellschaft landen; in einem Job, der ihm weder Spass noch finanzielle Sicherheiten bietet? Wo war mein Grundvertrauen hin? Mein Glaube an ihn und, ja, auch in all das, was wir ihm als Eltern mitgegeben haben? Wie kann man über Nacht von einer überzeugten Systemkritikerin zu einer verängstigten Leistungsgesellschaftsverfechterin mutieren – und tags darauf wieder zurück? Und wie, um Himmels willen, sollen einen die eigenen Kinder da als «Erziehungsberechtigte» überhaupt noch ernst nehmen?

39 Kommentare zu «Mir doch egal!»

  • Widerspenstige sagt:

    Für alle Zweifler, die immer noch gebetsmühlenartig sagen, dass ein einzelner ja doch nichts bewirken kann, wenn die anderen in Saus und Braus leben:

    ‚SEI DU SELBST DIE VERÄNDERUNG, DIE DU DIR WÜNSCHST FÜR DIESE WELT.‘
    Mahatma Gandhi

    Der grossartige Gandhi hat es vorgemacht u.a. durch seinen Hungerstreik, dass ein einzelner sehr viel bewirken kann. Aber diese Erkenntnis braucht für die heutigen Egomanen wohl eine harte erzwungene Realität durch Verbote.

  • Tom Lauper sagt:

    Das was sie beschreiben nennt man heucheln. Wihl jeder ist ein Heuchler. Einige mehr andere weniger. Ich habe mir vor einiger Zeit vorgenommen so wenig zu heucheln wie möglich. Heisst ehrlicher zu mir und meinem Umfeld zu sein. Dies macht nicht nur Freunde. Am Ende vom Tag habe ich aber ein reines Gewissen und das ist einfach unbezahlbar

  • Susanne Schild sagt:

    Vielen Dank für diese treffend formulierten Denkanstösse!
    Ja, das Leben geniessen und die Umwelt zu schützen ist ein Spagat. Und es scheint, dass unsere Gedanken an den Klimawandel, die Globalisierung und die Digitalisierung unser Grundvertrauen ins Leben erschüttert haben. Und das spüren unsere Kinder, da können wir ihnen nichts vormachen.

  • Klärli Benz sagt:

    In der momentanen Klimadebatte geht es ja gerade darum, dass wir als einzelne so gut wie nichts bewirken können. Verteilt man die industriellen/staatlichen (Infrastruktur) Emissionen auf die Köpfe, lebt kein Schweizer klimaneutral, auch nicht der umweltbewussteste. Darum ist es nötig, die Politik in die Pflicht zu nehmen, global tätig zu werden.

    • Kuno Weiss sagt:

      Stimmt doch einfach nicht. Mein ökol. Fussbabruck ist bei 0.85 Erden, sprich neutral, wenn jeder so lebte, würde die Erde es verkraften. Und da gibts auch andere. Schliessen Sie doch nicht von sich auf alle anderen. Billig. Btw: Ich habe aber das Auto verkauft und und fliege nie, trette in die Pedalen und fahre Bus und Zug. Tiere und tierische Erzeugnisse kommen mir als Tierfreund logischerweise nicht auf den Teller, ich beute doch nicht meine Mitlebewesen aus und töte Sie einfach für ein bisschen Genuss, das hilft nicht nur Tieren, sondern auch der Umwelt.Auch beim sonstigen Konsum agiere ich mit Hirn und nicht mit von der Werbeindustrie manipulilerter Gier. Mir fehlt rein gar nichts, ganz im Gegenteil, es erfüllt einen, wenn man das Leben würdigt und nicht Leere mit Konsum stopfen muss.

      • Klärli Benz sagt:

        Herr Weiss, es ist natürlich sehr löblich, dass Sie so leben. Ihr unterstellender Ton ist aber nicht nötig, denn sie wissen ja nicht wie ich lebe.
        Jedenfalls ist es so, dass man auf jeden Schweizer Kopf unter anderem folgende Emmissionen draufrechnen muss: Infrastruktur wie Internet, Stromversorgung (nutzen Sie offenbar), Strassen , Trinkwasser, Entsorgungswesen, Transport und Aufbereitung Recyclingprodukte, Häuserbau, öffentlich Dienstleistungen wie Gesundheitswesen, Militär, Polizei und Verwaltung…
        Es ist falsch, wenn Regierungen auf das Individuum zeigen, gleichzeitig aber kaum etwas tun. Die wirklich wichtigen Massnahmen werden auf internationaler Ebene vollzogen werden müssen.

      • Widerspenstige sagt:

        Klärli Benz, das eine schliesst das andere ja nicht aus. Wir sind aber in der Pflicht als Individuum zu agieren, weil wir Konsumenten sind und deshalb grossen Einfluss bereits beim Einkauf nehmen können. Wähle ich mehr Bioprodukte nach Demeterart angebaut, dann erwirke ich mehr damit als konventionelle Anbauweise. Nehme ich den öV statt das Auto ebenso. Esse ich bewusst weniger Fleischerzeugnisse pro Woche, dann erwirke ich, dass weniger Tiere geschlachtet werden. Schenke ich dieses Jahr Zeitguthaben statt materielles Geschenk aus dem Konsumtempel, hat das bereits Folgen für weniger Produktion von unnützen Dingen.

        Das sind kleine Schritte zu weniger Ressourcenverschleiss. Für politische Massnahmen haben wir Grün-Rot gewählt, aber tun müssen wir trotzdem die Schritte selber.

      • Klärli Benz sagt:

        @Wiederspenstige: Absolut einverstanden! Jeder soll das machen, was drin liegt. Ich meinte nur, Fridays for Future wird falsch verstanden, wenn man deren Forderungen damit negiert, dass auch sie nicht überall perfekt sind. Von der Klimaerwärmung wissen wir seit 40 Jahren. Weiterhin zu hoffen, dass der einzelne es richtet, wäre fatal.

  • Christoph Bögli sagt:

    Die Dissonanz entsteht im spezifischen Beispiel primär dadurch, dass gänzlich verschiedene Themen, die wenig bis nichts miteinander zu tun haben, wild und oberflächlich vermischt werden. Denn Fisch zu essen oder nicht hat erst einmal gar nichts mit Klimaschutz zu tun. Wenn überhaupt, dann steht da die Erkenntnis, dass eine effiziente Fischerei unabdingbar ist, um bald 9+ Mia. Menschen halbwegs ressourcenschonend und CO2-arm zu ernähren. Aber dazu müsste man etwas von den verschiedenen Themen verstehen. Stattdessen wird wild alles vermengt was irgendwie entfernt was mit „Natur“ und „Umwelt“ zu tun hat, selbst wenn es dabei um äusserst unterschiedliche Anliegen geht. Tier-, Natur-, Umwelt-, und Klimaschutz sind nicht kongruent, sondern stehen oft genug in direktem Widerspruch.

    • Muttis Liebling sagt:

      Klimaschutz erfordert regionale Ernährung, welche auch 12 Mrd. Menschen auf der Welt ohne intensive Landwirtschaft möglich ist. Allerdings fällt damit Meeresfisch für 99% der Nahrungssuchenden flach und kulinarisch geht dann überhaupt nichts mehr. Dann muss man hier schon mit Brot, Käse, Sauerkraut und Sonntags 100g Pökelfleisch über den Winter kommen. Aber das geht.

    • Jean-Jaques Schweizer sagt:

      @Bögli, dass sehr viel vermengt und vermischt wird, da haen e Sie recht. Man darf wieder nur eine umwelt- und klimafreundlichere Poltik fordern, wenn man nie Sushi isst oder nie ein Handy braucht… Aber komisch wie ich und Freunde seit Jahrzehnten ganz ohne Fisch oder andere Tiere zu töten leben… Soviel dazu, dass Fischerei (wir haben übrigens bald die unfassbar riesigen Meere totgefischt, von all den Milliarden verendeten Tieren in Beifang noch abgesehen… Unabdingbar ist Fischerei und Tiere ausnutzen nur, wenn man seinen egoistischen Genuss stillen will.
      Klimaschutz ist immer kongruent mit Umweltschutz, da Klimaschutz per se die Umwelt schützt, aber nicht per se umgekehrt. Sie sollten sich endlich mal tiefer in die Materie einlesen, wir haben 2019, nicht 1959…

      • Christoph Bögli sagt:

        @Schweizer: Das funktioniert primär, weil Sie Teil eines kleinen Promillebereich-Häufchens in der wohlstandsgesättigten Schweiz sind. In vielen anderen Ländern sieht es leider etwas anders aus. Eine halbwegs ökologische Lebensweise ohne die Nutzung von Fisch/Meeresfrüchten ist u.a. in diversen afrikanischen Ländern, Ozeanien, im Polarbereich, etc. schlicht unmöglich. In solchen Fällen stehen Tierrecht und Umweltschutz in direktem Widerspruch. Aber wer meint, Avocados und der Quinoa wachsen im Migros, der wird das wohl nicht verstehen.
        Ebenso ist Umwelt-/Naturschutz nicht zwangsweise Klimaschutz, das wird u.a. bei allem was Richtung Geoengineering deutlich, aber z.T. auch in anderen Bereichen wie Ernährung. Aber dafür bräuchte es eben eine differenzierte Perspektive und Faktenkenntnis..

  • Röschu sagt:

    Ideologische Symbolpolitik scheitert i.d.R. immer an der Realität.
    .
    Viele sind bei abstrakten Entscheidungen (z.B. „grüne Welle“ bei SR- und NR-Wahlen) gerne bereit Symbolpolitik für das Klima zu betreiben. Wenn es dann aber um tatsächliche, konkrete Massnahmen geht, ist es mit dem Elan ganz schnell vorbei.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Berufswahl und die damit verbundenen Zukunftsaussichten sind an sich schon seitenfüllend. „Tu was Dich glücklich macht“ bedingt halt schon gewisse Grundvoraussetzungen. Deshalb habe ich, wenn die Noten, oder Schule an sich Thema waren, den Schwerpunkt darauf gelegt. Um möglichst selbstbestimmt fürs eigene Glück zu sorgen lohnt sich der Einsatz, jedenfalls in der Regel.
    Selbstmotivation fällt (leider) nicht vom Himmel und für jeden funktioniert sie anders, aber lernen sollten wir sie alle.
    Was f4f betrifft, bin bisschen zwiespältig und konzentriere mich auf das, was ich ganz konkret und unmittelbar in meinem Alltag umsetzen kann.

    • Anh Toàn sagt:

      Also um „selbstbestimmt fürs eigene Glück zu sorgen“ sorgen, soll man sich in der Schule einsetzen, auch wenn man keinen Bock hat. Und sich dann für den Chef einsetzen, damit man eine Hypo bekommt und sich für die Bank einsetzen kann, und 3 Säule einzahlen, und gesund ernähren und früh schlafen und und und. Auch wenn man keinen Boock daruaf hat: Weil nur so kann man später mal selbstbestimmt leben, aber wann ist später?

      • Reincarnation of XY sagt:

        AT – wenn man auf alles keinen Bock hat, dann hat man psychologisch ein Problem.
        Dann wird das tatsächlich nichts mit dem „Selbstbestimmt“, man wird dann nämlich von ungelösten Konflikten bestimmt. Selbst wenn man sich persönlich einredet, man würde halt ganz selbstbestimmt rumhängen und tüten rauchen, weil man ja einfach keinen Bock hätte.

        Liedtipp: Rammstein „ich hab keine Lust“

      • Reincarnation of XY sagt:

        Brunhilds Ansatz ist hingegen völlig vernünftig. Freiheit muss man sich erarbeiten. Je besser meine Noten sind, um so grösser ist meine Auswahl den Beruf einzuschlagen, den ich will.

      • Anh Toàn sagt:

        Gerade aus ökologischen Gesichtspunkten kann man nicht viel besseres machen mit seinem Leben, als sich auf den Rücken legen und Tüten rauchen. Werden CO2 Abgaben rückverteilt, kann man in Zukunft so leben:

        Unser Streben nach mehr, besser, höher, weiter, grösser hat uns an den Abgrund gebracht: Hinsetzen und Tüten rauchen scheint mit da schlauer als sich mehr anstrengen, das Gleiche weiter zu machen.

      • Horace Silver sagt:

        Anh Toàn: Schön zu sehen, dass noch welche über den eigenen Horizont herausdenken und nicht gefangen in der Zeit, dem System und dem kleinen Ego nur für sich denken!
        Unfassbar, wie manche immernoch meinen, das jetzige, von einer Spezies willkürlich erschaffene System und die jetzige Zeit sei das non plus ultra, dem man sich unabdingbar unterzuordnen habe…
        Ja, bescheiden zu leben, Tüten zu rauchen, seinen Geist und die Seele zu schulen, sich für Humanitarimus und die Mitwelt stark zu machen, das ist für die Umwelt, Natur, Mitlebewesen und das Klima fraglos am allerwertvollsten. Dann kann man aber nicht mit Diplomen, Geld usw. angeben und Kommentare schreiben, dass man halt einfach sich ins System fügen müsse, egal, ob in einigen Jahrzehnten alles genau deswegen zusammenbricht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Reincarnation of XY

        danke!
        Ich hab bewusst nicht mehr geantwortet da die bisherige Erfahrung zeigt dass ich, gewollt/ungewollt falsch verstanden und auf der „Totalitär-Schiene“ gelagert bin-
        egal wie oft ich nochmals eingehend erkläre/ausführe, und im Gegensatz bei klaren Rückfragen an AT fast nie eine konkrete Antwort erhalte (bspw konkrete Vorschläge wie bei Besuchsrechtverweigerung vorgegangen werden soll).

      • Sisifee sagt:

        Anh Toàn: Später ist manchmal schon ziemlich bald. Wenn man nämlich mal den Arsch hochkriegt für etwas, auf das man anfänglich keinen Bock gehabt hat, dann hat man die Chance, den Nutzen des Fleisses (und Selbstwirksamkeit) zu erleben. ZB wenn man plötzlich besser Franz oder Englisch versteht, weil man das Voci gelernt hat. Oder man fühlt sich besser, weil man bessere Noten hat und merkt, zu was man mit etwas Einsatz fähig ist. Lernen kann nämlich durchaus auch Spass machen. Erst wenn man die Null-Bock-Attitüde überwunden hat und es mal probiert hat, kann man selbstbestimmt entscheiden, ob sich Einsatz lohnt oder nicht.

      • Anh Toàn sagt:

        @Sisifee: Ich hoffe ja, heute ist es besser, werde es indirekt bald ein wenig erfahren, aber ich weiss, und wusste es bereits als Teenager, dass ich durchaus gerne lerne, aber die Schule bescheuert ist. Beim Thema Lehrer geht’s mir wie bei Offizieren in der CH-Armee, einer von zehn ist gut. Ich habe mehr Englisch von Rockmusik und französisch von alten Filmen gelernt, als in der Schule. Und italienisch habe ich nach der Schule gelernt, in langen Studentenferien am Strand hängend mit Italienern (und -innen!), Vokabeln habe ich nie gebüffelt, ausser in Latein (ich musste mal ein „kleines Latinum“ machen).

        In der Katastrophe des 1WK kamen die Dadaisten und sagten, vernünftig denken hat uns das eingebracht, lasst uns unvernünftig denken.

  • Anh Toàn sagt:

    „Wissenschaft und Technik nämlich noch jedes Problem gelöst, das sich der Menschheit stellte.“ Das ist wie mit der Ehe: Soe vermag Probleme zu lösen, die man alleine nie hätte:

    Machen wir’s einfach: 1 Liter Öl entspricht etwa 100 menschlichen Arbeitsstunden: Wie viel Öl verbrennen Sie im Monat? Woher nehmen Sie dann diese Arbeitsstunden, um das Öl zu ersetzen und Ihren Wohlstand zu erhalten: Ach so, die Wissenschaft soll neue Tage erfinden, oder neues Öl, oder eine neue Welt irgendwo, wo es mehr Öl hat. (bzw. wie früher, hat es kein Öl, entmenschlicht man die lokale Bevölkerung, dann kann deren Arbeitskraft ausgebeutet werden.)

  • Michaela Brunner sagt:

    Gut beschrieben, die Widersprüchlichkeit mit der Realität.
    Beim Lesen, wie die Mutter ihre Tochter für F4F unterstützt und wie es diese Mutter emotional berührt, ist es mir kalt den Rücken heruntergelaufen. Hier wird von Erwachsenen ein Idealismus auf die Kinder projiziert. Wenn die Kinder an „die Front geschickt wurden“, hiess dies noch nie, dass der Sieg kurz bevor stand.
    Und die Mutter weiss es natürlich selbst, sie erkennt es auch an der Widersprüchlichkeit ihrer Tochter, dass diese Friday for Future Kids überhaupt nichts retten werden oder können. Diese Bewegung ist angetrieben von Selbstinszenierung, Selbstüberschätzung, dem Bedürfniss die eigene Sinnleere zu füllen. Die F4F Kids würden lieber in der Schule Naturwissenschaften lernen, damit sie für die Zukunft gewappnet sind.

  • MiShee sagt:

    Die Drift des Systemmolochs mit all den (nicht immer nur bösen) Profiteuren, die an seinen unzähligen Gängeln hängen ist es, die liebevolle Eltern zu Hackmeistern werden lassen, die ihren Kinder herzloses Karrierestreben eintrichtern. Ganz in patriarchal gehabtem Akkordtrott. Frau Mann stelle sich vor, was mit all den Alten und Sozialzehrern würde, wenn sich irgendeineR mit „Blööterlen“ selber eine kreative Pause gönnen würde. So etwas wird noch zum ausgekochten Systemsprenger…!!!

    • Rolf Rothacher sagt:

      Was für eine miese Grundhaltung zur Menschheit Sie doch vertreten. Der Mensch ist ein Rudeltier, keine Ameise. Der Mensch ist in seinem Rudel Individualist, keine konforme Drohne. Unsere Bedürfnisse, Ideen und Wünsche sind verschieden. Niemand hat das Recht, uns vorzuschreiben, was wir zu denken und wie wir zu handeln haben. Nur die Gesellschaft (genauer gesagt die Zivilgesellschaft) besitzt dieses Recht, weil sie sich auch engagiert, abwägt, diskutiert und dann entscheidet.
      Es geht nicht darum, Systeme zu sprengen. Nur Idioten, welche die Wohltaten dieses heute als böse verschrienen Systems verneinen, denken so.
      Noch nie ging es der Menschheit so gut wie heute. Doch statt darauf zu bauen, sollen wir ins 18. Jahrhundert zurück. Nicht nur Klima-technisch.

      • Röschu sagt:

        Die allermeisten Menschen sind nicht „nur“ Individualisten, sondern im tiefsten innern auch Egoisten. Deshalb scheitert auch Symbolpolitik jeweils an der Umsetzung konkreter Massnahmen.
        .
        Auf die Frage „Bist du für Klimaschutz?“ wird (fast) niemand mit „Nein“ antworten. Heisst die Frage hingegen beispielsweise „Bist du bereit im Namen des Klimaschutzes ab sofort 2 Franken mehr pro Liter Benzin zu bezahlen?“, sieht die Antwort bei vielen schon ganz anders aus.

      • Muttis Liebling sagt:

        2 Franken/ l Benzin ist etwas Überschaubares und oft noch Machbares. Aber wie verträgt Klimaschutz sich mit einem Instagram- Konto? Sushi essen ist grenzwertig, auch wenn man das schon sehr naturverachtend ist und ein echter Öko das bei Strafandrohung nie täte. Da ist aber noch Biologie im Spiel, ein Restwert in der Gegend 5%.

        Aber welchen Restwert hat es, Bilder auf Serverfarmen zu speichern, die mehr Strom als ein typisches lateinamerikanisches Land verbrauchen? Auf der einen Seite eine physikalisch grosse Grösse, nicht so ein Nahe- Null, welches beim Rascheltütenverbot herauskommt.

        Auf der Gegenseite ein physikalisches Nichts, etwas nur Fühlbares. Bilder die jeden langweilen, selbst den, der sie gemacht hat. Noch mehr Anti- Klima- handeln geht nicht.

      • Röschu sagt:

        „2 Franken/ l Benzin ist etwas Überschaubares und oft noch Machbares“
        Schon klar, ML, das war ja auch nur ein Beispiel zur Veranschaulichung. Generell dürfte gelten: je grösser die Auswirkungen auf den Einzelnen, desto niedriger dessen Zustimmung.
        .
        Das Problem besteht nun darin, dass letztlich umsetzbare Massnahmen nichts bringen (bzw. nur Symbolpolitik sind). Umgekehrt werden einschneidende und somit wirkungsvolle Massnahmen (politisch bzw. gesellschaftlich) nicht durchsetzbar sein.

  • markus kohler sagt:

    Mehr Gelassenheit? Wenn der Junge schlechte Noten schreibt ist er weg vom Fenster. Die Welt in der sich Frau Gutschalk bewegt ist nur für Frauen bestimmt. Wenn Greta ein Lars wäre, wäre er sofort von der Schule geflogen und würde bestimmt schon als Klimasexist verschrien werden. Der Junge muss diese neue Welt kennen lernen, von der Mutter hat er nichts zu erwarten. Die Tochter isst Sushi, er wird jeden Tag wohl ständig mit #metoo und anderen feministischen Inhalten bombardiert werden. Also hart arbeiten und dann aus dem Girliemilieu weg. Nur so überleben heute nicht XX-Chromosomale.

    • Neil sagt:

      Wirkt verzweifelt!

    • Eric Dolphy sagt:

      m. kohler – Ironie bitte nächstes mal kennzeichnen, aber merci für den Lacher.

    • Eric Dolphy sagt:

      Teils guter Ansatz, ja, die Dissonanzen, Widersprüche gilt es zu hinterfragen, das eigene Verhalten zu analysieren. Das ist sowieso, egal bei welcher Thematik, unabdingbar. Auch wenn es in der heutigen Egoistenzeit aus der Mode kommt…
      Aber sich nur für eine Verbesserung der Welt einzusetzen wenn man perfekt ist, ist logischerweise utopisch und auch ein sehr billiger Vorwurf derer, die jeglichen Umweltschutz, Menschenrechte etc. von vorherein bekämpfen. Man soll, muss und darf sich für die Umwelt einsetzen, auch wenn man ein Handy braucht. Ich kenne welche, die haben kein Handy, aus verschiedensten Gründen, macht auch alles Sinn, aber denen hört man nicht automatisch mehr zu in Umweltfragen, weil sie kein Handy haben…

  • Martin Frey sagt:

    Ich denke, gerade diese Widersprüchlichkeit ist Teil unserer menschlichen Natur. Im entscheidenden Moment ist uns unsere Haut einfach näher, und wir fallen in altbekannte Muster zurück. Was nichts schlechtes sein muss. Es gibt leider genug „Berufsjugendliche“ die ihre Lehre schmeissen, den ganzen Tag nur noch hängen, gamen und kiffen. So ist es mE normal, dass wir unserem Nachwuchs allen Idealismus zum Trotz etwas auf die Sprünge helfen wollen, wenn wir kraft unserer Lebenserfahrung das Gefühl bekommen, es laufe in keine gute Richtung.
    Idealismus ist eine Errungenschaft, aber letztendlich ein Luxusgut, was man gut an der Klimabewegung beobachten kann. Obwohl diese Bewegung nicht gefeit ist von Widersprüchlichkeiten, halte ich diesen jugendlichen Idealismus für etwas schönes.

    • Muttis Liebling sagt:

      ‚…halte ich diesen jugendlichen Idealismus für etwas schönes.‘

      Schön, weil nutzlos. Wenn eine Kultur, wie die westliche, beschlossen hat, erst einmal nichts physikalisch Messbares gegen den Klimawandel zu tun (weil das weh tut und Wähler verprellt), dann freut man sich über politikimitierende Inszenierungen, welche das realpolitische Vakuum füllen und den Anschein erregen, es passiere doch schon etwas.

      Den ersten Tag aktiven Klimaschutzes erkennen wir an der Struktur der medial präsentierten Nachrichten. Der Wirtschafts-, der Sportteil sind völlig eingestellt. Unter Kultur steht, im Jahr x+1 wurden 30% weniger Filme als in x gedreht, 50% weniger Bücher gedruckt.

      Solange es Wachstumsnachrichten gibt, gibt es keinen physikalisch messbaren Klimaschutz.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Es sind die ewigen beiden Fragen nach Moral vs. Ethik, sowie nach Gehorsam vs. Auflehnung.
      Die Klima-Hysteriker wollen ethisch handeln, verlangen dafür aber moralischen Gehorsam, was nicht aufgehen kann.
      Besser ist, den Weg der Aufklärung weiter zu gehen. Blicken wir vorwärts. Bislang haben Wissenschaft und Technik nämlich noch jedes Problem gelöst, das sich der Menschheit stellte.
      Würden wir all das 1:1 umsetzen, was Klima-Hysteriker fordern, die Menschheit würde wohl rasch aussterben. Denn Gehorsam bringt niemanden weiter. Die Natur aber bleibt nie stehen. Entweder wir kämpfen um unseren Platz oder wir werden getilgt. Gehorsam funktioniert nur bei Insektenvölkern und Herdentieren, nicht beim Rudeltier Mensch.

      • Muttis Liebling sagt:

        Moral und Ethik ist das gleiche. Alles, was bisher war, hat keinen prognostischen Wert. Bis vor 40 Jahren waren alle Kontrollparameter unterkritisch, da konnte man machen, was man wollte.

        Wie können weiterhin machen was wir wollen, solange der ökologische Fussabdruck global < 100% bleibt. Aber Leben in Wohlstand schliesst das aktuell aus. Klimaschutz fordert rigide Armut oder < 2 Mrd. Menschen.

        Man sollte jeden Klimademonstranten fragen: Bist Du bereit in tiefer Armut zu leben? Wenn nicht, kann man Demonstrieren sein lassen.

        Es handelt sich um elementare Physik, nicht um Ökonomie- Esoterik, welche seit 40 Jahren das Weltbild illustriert.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Lösung bei Wissenschaft und Technik zu suchen, ist der Inbegriff von kognitiver Dissonanz: Die Wissenschaft: Die Wissenschaft hat bewiesen, dass die Energie, die wir im Auto verbrennen und vorher im Öl gespeichert, nicht einfach vernichtet wird, sondern weiter durch die Welt ist (Wissen Sie noch, in der Schule gab es die Hauptsätze der Thermodynamik?)

        Die Wissenschaft soll uns gefälligst neue Hauptsätze liefern, damit wir weiter machen können, was wissenschaftlich bewiesen zu unserem Untergang führt.

        Die Ärzte sollen Rauchen unschädlich machen, wenn die nur davor warnen, machen die ihre Arbeit nicht, sind ja keine Pfarrer die vor dem Teufel warnen, sondern Wissenschaftler!

      • Muttis Liebling sagt:

        Anh Toàn, das kann man so weiter argumentieren. Wer technologische Lösungen zu Klimaschutz sucht – auch ein amtierender BR – hat den 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht verstanden.

        Jede Klimademonstration ist erst einmal eine zahlenmässig berechenbare physikalische Störung des Klimas. Eigentlich ist jede Motion für Klima ein Widerspruch in sich. Der löst sich nur, wenn der Demo mittel- und langfristig ein mathematisch darstellbarer Gewinn gegenüber steht?

        Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr niedrig. So wie ich generell nicht davon ausgehe, dass in den nächsten 10 Jahren irgend etwas physikalisch Messbares passiert. Kein Staat ist dazu bereit und die Demonstranten wären es auch nicht, würde man es ihnen vorrechnen. Physik wird es erst nach der ersten richtigen Katastrophe geben.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.