SRF bi de Vättere

In der Sendung «Achtung Väter!» treffen vier Männer mit unterschiedlichen Familienmodellen aufeinander. Kommt das gut? Die Kritik nach der ersten Folge.

Haben offenbar nichts zu verbergen: Die Teilnehmer der ersten Folge «Achtung, Väter!». Foto: SRF

Es gibt in der Schweiz zwei Arten von Menschen: Bei den einen steht die Ernährungspyramide auf einem Fundament aus Aromat. Die anderen halten Aromat für den Teufel in Pulverform.

Gestern Abend lief nach zwei Staffeln «Achtung Mütter!» die erste Folge von «Achtung Väter!» auf SRF 1. Vier Väter mit unterschiedlichen Ansichten und Familienmodellen treffen aufeinander. Pro Folge wird einer im Alltag begleitet. Im Studio sitzen dann alle vier beisammen, schauen sich den Beitrag an und drei davon schütteln verständnislos den Kopf. So zumindest das Konzept. Meine Kollegin Jeanette Kuster hat schon bei den Mütter-Staffeln festgestellt, dass die Kritik stets zahm bleibt. Das ist bei den Vätern nicht anders, wie Sie mit einem einfachen Trinkspiel überprüfen können: Jedes Mal, wenn einer sagt «Es muss ja für euch stimmen», nehmen Sie einen Schluck Härdöpfeler. Am Ende der Sendung sind Sie blind.

Doch bei Aromat hört die Harmonie kurz auf. Als der gestern porträtierte Achilles das Gold der Schweizer Landküche grosszügig in die Gemüsepfanne schüttet, bekreuzigt sich Remo: Ihm kommt so etwas nicht ins Haus.

Eine weitere Diskussion dreht sich darum, ob man kleine Kinder mit dem Tablet ruhigstellen darf. Die Meinungen bewegen sich entlang des Kontinuums «je Aromat, desto Tablet».

Enttäuschung über einen falschen Fuffziger

Im Verlauf der Sendung entwickelt sich aber ein ganz anderer Spannungsbogen: Achilles stellt sich zu Beginn mit der Aussage vor, dass er und seine Frau Arbeit und Haushalt genau hälftig teilen würden. Tatsächlich üben beide ihren Beruf in einem  50-Prozent-Pensum aus. Doch dann verliert Achilles rasch Prozente. Während ihn die Kamera fleissig beim Kochen und bei der Kinderbetreuung zeigt, redet er plötzlich von einer 40-bis-60-Aufteilung der Betreuungszeit.

Und es kommt schlimmer: Dass die Frau aufräumen muss, nachdem Achilles gekocht hat, wirkt schon früh verdächtig. Später stellt sich tatsächlich heraus, dass sie sich auch um alle anderen Haushaltsaufgaben kümmert. Vollzeit-Hausmann Dario schätzt Achilles’ Hausarbeitspensum schliesslich auf etwa 20 Prozent.

Da hat uns Achilles also Aromat in die Augen gestreut. Bitter, denn beim Sendestart setzte ich mich geistig in seine Fankurve. Schliesslich entsprach sein versprochenes Familienmodell genau unserem. Aber am Ende liefert mir Achilles zu viele Männerklischees. Enttäuscht breche ich die Vuvuzela übers Knie.

Nun gut. Es muss für ihn und seine Familie stimmen. Prost!

Unaufgeregt bis volkstümlich

Doch selbst wenn ich mich mit keinem identifizieren kann, ich bewundere die vier. Sie setzen sich ja nicht in erster Linie der Kritik der anderen drei Väter aus, sondern der Kritik des Fernsehpublikums. Wer sich bei so etwas Intimem wie der Kinderbetreuung von über hunderttausend Menschen beobachten und bewerten lässt, braucht viel Selbstsicherheit. Ich hätte sie nicht.

Von SRF erhält man hier, was man von SRF erwarten darf: eine Sendung, in der sich Menschen natürlich und damit auch etwas langweilig verhalten. Aber es ist ein gutes Langweilig. Ich vermisse weder inszenierte Konflikte noch ein Rosenzeremoniell. Die erziehungs- und betreuungsphilosophischen Diskussionen dürften für meinen Geschmack mehr in die Tiefe gehen. Stattdessen riecht die Sendung zwischendurch nach «SRF bi de Lüt». Aber ich bin angefixt, keine Frage. Jetzt will ich wissen, wie Dario die Ehre der Hausmänner rettet und wie oft Unternehmer David seine Familie sieht. Gespannt bin ich auf den alleinerziehenden Vater Remo, dessen Ansichten sich in der ersten Sendung am ehesten mit meinen deckten. Wehe, in seiner Küche steht Aromat.

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