«Was wird es denn?» – «Ein Rollschinkli»

Schwangere können sie nicht mehr hören: die immer gleichen Fragen.

Eine Frage ist unproblematisch: Ja, wir freuen uns auf das Kind. Foto: Rich Beauchesne (Keystone)

Eigentlich müsste meine Frau diesen Blogbeitrag schreiben, aber die kann nicht mehr viel. Gemäss eigener Aussage. Hüpfte sie in der ersten Schwangerschaft noch wie ein junges Rehlein umher, kämpft sie in der zweiten Runde mit Er- und diversen Gebrechen. Ich leide natürlich mit, wenn auch nicht genug.

So eine Schwangerschaft bringt ein weiteres Übel mit sich: die immer gleichen Fragen. Klar, alle meinen es gut. Ich hatte auch keine bösen Absichten, als ich früher zum griechischen Salat immer «griechische Sauce, hehehe» bestellte. Bis ich irgendwann an eine Verkäuferin geriet, die mir wütend erzählte, wie oft sie diesen miesen Scherz am Tag so hört.

Bitzli ähnlich ist das mit den Schwangerschaftsfragen:

  • Das dauert nicht mehr lange, oder?
  • Was wird es?
  • Freut sich der Brecht auf das Geschwisterchen?

Die letzte Frage ist unproblematisch und rasch beantwortet. Ja, der Brecht freut sich, obwohl er wie wir keine Ahnung hat, was da auf uns zukommt.

«Es dauert aber nicht mehr lange, oder?»

Gröber als mit dieser Frage könnte man meine Frau derzeit nicht provozieren. Es dauert nämlich noch lange. Trotz riesigem Bauch und obwohl Beebers wie ein räudiges Alien ständig versucht, sich seinen Weg durch die Bauchdecke nach draussen zu treten. Oft muss ich meine Frau von der fragenden Person wegzerren, damit niemand verletzt wird. Dazu brüllt sie fäusteschwingend: «ICH GEB DIR GLEICH NICHT MEHR LANGE, DU!»

«Wisst ihr schon, was es wird?»

Ja, wir wissen es. Wir sagen es aber nicht. Weil wir es nicht so wichtig finden. Und du solltest dich auch nicht so sehr dafür interessieren, ob das Baby ein Schnäbi hat. Mindestens die ersten paar Jahre macht das nämlich überhaupt keinen Unterschied, ausser dass das Baby halt anders behandelt wird. Das fängt schon an, wenn der Fötus noch in Fleisch gehüllt ist. Tritt es wild um sich, dann quietschen Tante Edeltraud und Stiefonkel Helmfried je nach angenommenem Geschlecht «oh, sie tanzt» oder «er ist aber ein kräftiger».

Manchmal tun wir so, als hätten wir die Absicht der Frage nicht verstanden. Dann sagen wir: «Vermutlich ein Baby, ömel kein griechischer Salat, haha!» Natürlich lassen die Fragenden nicht von uns ab. «Neeein, ach, ich meine natürlich, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird.» Selbst die Notlüge, dass wir es selbst nicht wüssten, bringt gar nichts. «Aaach, aber eine Mutter spüüührt das doch!» Oder die werte Verwandt-, Bekannt- und Fremdschaft spekuliert gleich selber: «Bestimmt ein Junge, der Bauch ist vorne so rund. Das war bei Maximilian-Jason auch so.»

The great Gender Reveal Party

Ab und zu hätte ich gute Lust, mit dieser gesellschaftlichen Erwartung etwas Unfug zu treiben. Alle zu einer Gender Reveal Party einladen, an der ein Einhorn im Monstertruck einen riesigen Ballon überfährt und dann kommen da einfach grüne Konfetti raus. Oder Goggifröschli und Katzenzüngli. Anschliessend Rausschmeissmusik von Gölä und Trauffer.

Natürlich warten jetzt alle besonders gespannt auf die Geburt: «Da werden wirs erfahren, harhar!» Aber was, wenn nicht? Vielleicht steht da «Vickie-Harper-Robin-Sascha Tschannen kam am 22. September im Bettenlift des Spitals Riggisberg gesund zur Welt. Wir freuen uns mega.» Dazu ein Bildli von einem Neugeborenen, das nur ein gehäkeltes Feigenblatt trägt – in rosa-hellblauem Hahnentritt.

Ich häkle gleich noch etwas weiter. Bestimmt werden wir zur Geburt nicht viele Kinderkleider geschenkt bekommen.

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