Kind, es tut mir leid!

Spricht man Kindern den Anspruch auf reuiges Verhalten der Eltern ab, weil man sie grundsätzlich nicht so für voll nimmt? Foto: Mohamed Abdelgaffar (Pexels)

Manchmal, und nicht nur manchmal, verhalte ich mich meinen Kindern gegenüber unfair. Ich bin genervt oder aufbrausend, ich lasse sie nicht ausreden oder unterstelle ihnen Dinge, die sie nicht gedacht, gesagt oder getan haben. Ich leite Sätze mit der unsäglichen «Du bist/tust IMMER dies oder das»-Floskel ein, obwohl ich genau weiss, dass sie in keiner Situation hilfreich oder auch nur angemessen ist. Ich höre nicht richtig zu, ich zeige nur halbherzig Interesse, ich wünsche mir in ihrem Schwall aus Bedürfnissen und Nichtigkeiten bessere Gesellschaft.

Mit anderen Worten: Manchmal bin ich ein richtiger Arsch. Ich bemühe mich nach Kräften, es besser zu machen und das Level allgemeiner Arschhaftigkeit herunterzuschrauben, aber insbesondere unter Stress zeigt sich immer wieder, dass diese Arschhaftigkeit zu mir gehört und ich sie auch nicht mal eben auf die Schnelle loswerden kann. Gute Vorsätze reichen da nicht. Auch nicht das Wissen darum, dass ich es besser machen sollte.

Selbst vorgeplante Strategien sind viel zu oft frustrierend nutzlos. Atmen und an etwas Schönes denken hilft auch nur bedingt gegen den sich Bahn brechenden Ärger darüber, dass einem das eigene Kind rotzfrech ins Gesicht gelogen hat. Und selbst ein gut eingespielter Alltag kann nur bis zu einem gewissen Mass über die Tatsache hinwegtäuschen, wie unsouverän Elternschaft eben auch oft gestaltet wird.

Eltern sind nie perfekt

Den meisten Eltern, die ich kenne, geht es ähnlich. Niemand hält sich für perfekt, allen ist mehr oder weniger klar, dass sie in ihrer Erziehung hier und da gehörig Mist bauen und was die neuralgischen Punkte sind, um die es dabei immer wieder geht. Und doch bitten nur die wenigsten ihre Kinder um Verzeihung.

Für mich fühlt sich das vertraut und fremd zugleich an. Und ehrlich gesagt ziemlich abstossend. Ich bin so aufgewachsen. Meine Eltern waren wie alle Eltern nicht perfekt und hielten es wie scheinbar viele Eltern trotzdem nie für nötig, vor den Kindern Fehler einzuräumen und so etwas wie «Es tut mir leid!» zu sagen. Selbst in Situationen, in denen ohne jeden Zweifel für alle Beteiligten ersichtlich war, dass sie sich wie Ärsche aufgeführt und richtig Mist gebaut haben.

Als Kind hat mich das so wütend gemacht, dass ich mir vorgenommen habe, es später anders zu handhaben, falls ich einmal selbst Kinder haben sollte. Ich bin mir sicher, dass ich Fehler nicht annähernd so oft einräume, wie ich sie begehe und es tun sollte. Schon allein aus dem Grund, dass ich viele gar nicht sehe. Aber wenn ich es tue, kostet es mich keine Überwindung, einzuräumen, was ich verbockt habe, und «Entschuldige bitte» zu sagen.

Woran liegt das?

Deswegen irritiert mich auch, dass das anderen so schwer zu fallen scheint. Inklusive meiner Eltern, die ich zwar immer mal wieder danach gefragt habe, die sich dabei aber stets wortkarg gaben und achselzuckend darauf verwiesen, wie lange das alles schon her sei. Deshalb an dieser Stelle meine Frage an Sie:

Woran liegt das? Hat es was mit Autoritätsverlust zu tun oder der Angst, dass einen die eigenen Kinder nicht mehr als unfehlbar wahrnehmen? Spricht man Kindern den Anspruch auf reuiges Verhalten der Eltern ab, weil man sie grundsätzlich nicht so für voll nimmt? Ist das vielleicht eine Frage der Generation? Oder übertreibe ich am Ende einfach nur und die meisten Eltern haben überhaupt kein Problem damit, Fehler vor ihren Kindern einzugestehen und klarzustellen, dass es ihnen leidtut?

Vielleicht machen andere Eltern das auch nur später. Also nicht in dem Moment, wo sie feststellen, dass sie ihre fünfjährige Tochter grundlos wegen der verlorenen Schaufel zusammengefaltet haben, die beim Zusammenräumen dann – hoppla – im Kinderwagen gefunden wird, weil sie gar nicht ausgepackt wurde. Und auch nicht der Moment, in dem man den dreizehnjährigen Sohn vor anderen (mir) anschreit, weil er angeblich den Zettel mit den Informationen zur Schulreise verbummelt hat, und ihn noch im Brüllen in dem Stapel Papiere findet, die man seit Wochen auf dem Küchenfensterbrett hat liegenlassen, um sich «später darum zu kümmern».

Ein wunder Punkt

Vielleicht ist eine Entschuldigung auch so intim, dass man sie nicht bezeugen lassen will. Das wäre immerhin möglich. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hierbei um einen wunden Punkt handelt, den kaum jemand so recht sehen, geschweige denn anfassen und behandeln will. Dabei wäre es allerhöchste Zeit.

Lesen Sie zum Thema auch Was Eltern ihren Kindern immer wieder sagen sollten und Zehn Dinge, für die Sie sich nie mehr entschuldigen sollten.

46 Kommentare zu «Kind, es tut mir leid!»

  • Marion sagt:

    Ich entschuldige mich oft bei meinen Kindern und sie sich auch bei mir. Sie wissen Mami ist auch nur ein Mensch und macht Fehler, ist müde oder traurig. Es tut mir leid…..
    Weder ich noch sie müssen perfekt sein. Was für eine Entlastung …..Und lustigerweise führt diese Entlastung dazu, dass man sich immer seltener entschuldigen muss, weil nan den Kindern und sich selbst den Druck perfekt sein zu müssen genommen hat und dadurch viel weniger Stresssituazionen entstehen und Beziehung aufgebaut werden kann. Guter Artikel…..

  • S. R. S. sagt:

    Guter Artikel. Ich erlebe dasselbe Spannungsfeld bezüglich meinen Eltern einerseits und meinen Kindern andererseits. Zwei Welten!
    Tragisch finde ich, wenn Eltern ihre inzwischen schon lange erwachsenen Kinder noch immer anschnoddern, genauso, wie sie es mit ihren Kindern taten, als diese noch klein waren. Und bis heute nicht einsehen, dass es schön wäre, wenn man sich doch endlich mal auf Augenhöhe begegnen könnte und bei einem Fehltritt ein „es tut mir leid“ so viele Wunden, auch alte, heilen könnte.
    Inzwischen tröste ich mich manchmal auch damit, dass es eine Generationenfrage ist, was aber auch nicht wirklich stimmt, denn es gibt sie ja sehr wohl, jene in unserer Elterngeneration, die offen über eigene Fehler reden können und sogar ein „ es tut mir leid“ wagen… kein Trost also.

  • tina sagt:

    obwohl auch für mich entschuldigen nach fehlern normal ist, käme es mir nicht in den sinn, meine eltern zu bitten, sich zu entschuldigen für fehler die sie gemacht haben, als sie am kindergrossziehen waren. ich kann nicht verstehen, dass erwachsene das von ihren eltern erwarten. ja genau, es ist einfach zu lang her. entweder wissen sie, dass sie fehler gemacht haben oder sie sehen es anders. es ist egal. jedenfalls wenn man einigermassen davon ausgehen kann, dass sie damals auch das beste wollten für ihre kinder, auch wenn der zeitgeist halt nicht so war, dass man sich grad ein bein ausgerissen hat für kinder. sie hatten gründe für ihr verhalten, und die liegen wiederum nicht selten im verhalten ihrer eigenen eltern, deren fehler unsere eltern nicht wiederholen wollten.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @tina

      oder sie haben genau das übernommen was vorgelebt worden ist, mit unguten Auswirkungen für die Kinder.

      Warum sollte man darüber nicht reden? Warum sollte ich mich als Mutter nicht dafür interessieren, aufmerksam werden, wenn mein erwachsenes Kind Dinge aus der Vergangenheit ansprechen möchte?

      Und warum nicht die Chance ergreifen die „Gründe“ mal genauer anzusehen? Vielleicht wäre ein tut-mir-leid-das-war-mir-nicht-bewusst, eine versöhnliche Geste ein Gewinn? Es würde jedenfalls keiner Mutter und auch keinem Vater deswegen ein Stein aus der Krone fallen, im Gegenteil!

      • tina sagt:

        ich weiss jetzt schon nicht mehr genau, warum ich gewisse dinge so gemacht habe, wie ich sie machte, vor ein paar jahren. es wird gründe gehabt haben. es wäre auch eine versöhnliche geste, wenn ein kind über seine eltern denkt „sie werden gründe gehabt haben. und manchmal machten sie fehler. viele fehler machten sie, weil man nicht im vornherein wissen kann, was nötig gewesen wäre“, beispielsweise, ob und wieviel druck wobei man hätte einsetzen müssen.
        beispiel: mein sohn meinte vor einiger zeit, ich hätte sie, meine söhne, zu weich erzogen. ich habe mir den kopf zerbrochen, es tat weh. aber ich würde es wieder so machen, weil es wirklich meiner haltung entspricht. es tut mir wirklich leid, dass das ein problem für ihn ist oder eher war.

      • tina sagt:

        mit zu weich erzogen meinte er, dass ich ihm nicht eingepflanzt habe, sich durchzusetzen. mir waren die verhältnisse im klassenzimmer aber nicht bewusst. und wären sie das gewesen, hätte ich trotzdem nicht zu einsatz von fäusten geraten. er hat also selber gelernt sich durchzusetzen, und zwar – gemäss erziehung – ohne fäuste. er hat gelitten in der zeit, das tut mir wirklich leid. ich nehme die schuld, die er mir in die schuhe schiebt, auf mich. ich rate aber schwer davon ab, diese schiene weiter zu fahren. weiter bringt ihn, aus dem gegebenen etwas selber zu machen, also so, wie es dann auch passiert ist.
        und das ist auch mein kritikpunkt bezüglich erwachsene, die wollen dass sich ihre eltern entschuldigen: diese haltung bringt einen nicht weiter.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @tina

        dass sich Erwachsene von den eigenen Eltern eine Entschuldigung wünschen ist ja bloss das Blinklicht, der Anzeiger für eine Schieflage.
        Sie haben Ihrem Sohn zugehört, aber aus dem ersten Beitrag schien mir eher, solche Gespräche sollten schon gar nicht stattfinden weil… „zu lange her/ihre Gründe/Fehler passieren sowieso&nicht der Rede wert“.
        Manchmal, gar nicht so selten, gibt es schwerwiegende emotionale Verletzungen die besser heilen wenn sie geklärt werden können. Besonders wenn man an guten, und damit meine ich wirklich tragfähigen/belastbaren/ehrlich-aufrichtig-wertschätzenden Beziehungen über Generationen interessiert ist.
        Dh doch lange nicht dass man nur noch „auf dieser Schiene“ fahren soll, immer wieder darin rumstochert.
        Warum vermuten Sie das?

      • Brunhild Steiner sagt:

        2/
        wenn es zwischen Eltern-Kind auf schwerwiegendere Art nicht stimmt und sich die Eltern einer Auseinandersetzung verweigern; wird sich das auch auf die Enkelbeziehung auswirken da sich die Kinder nicht mehr wirklich öffnen, einfach aus Schutz.
        Ein zu hoher Preis finde ich.
        Wie gesagt, Sie haben Ihrem Sohn ja zugehört, darüber nachgedacht, mit ihm geredet.
        Im Beitrag findet aber genau das nicht statt, und ich gehe da mit NP einig, so sollte es nicht sein und ich persönlich will das für mich nicht leben. Diese Einstellung muss ich mir aber aneignen/trainieren, Startdatum ist spätestens die Geburt des ersten Kindes…

      • tina sagt:

        sich gründe ansehen, brunhild: meine söhne wurden eben erst erwachsen. wenn ich jetzt schon nicht mehr weiss, welche gründe was hatte, dann weiss ich es in 20 jahren noch weniger. ich habe ja geschrieben, ich selber entschuldige mich auch für fehler. wenn aber 40 jährige immer noch von ihren eltern eine entschuldigung erwarten (wenn man von einigermassen ok eltern ausgeht) oder eher fordern, dann riecht das schon nach einer gewissen schiene, die da gefahren wird. in einer beziehung braucht es mehr als einen, der eine wohlwollende haltung hat.
        ich sehe einfach leute, die sich damit selber unglücklich machen. da ging es nicht um schwerwiegende verletzungen in der kindheit, sondern da wurde aus einer mücke ein elefant, weil das erwachsene kind nie selber einfach mal gut sein liess.

    • Isabelle sagt:

      @tina
      Es wurde sehr gut geschrieben. Man könnte es auch ergänzen, aber man kann es auch so stehen lassen. Es ist ziemlich klar.

  • Beni Ellers sagt:

    Gemäss meiner 39jährigen Lebenserfahrung ist das nicht ein elternspezifisches Problem, sondern ein Problem der Gesellschaft. Fehler sind so schlimm, dass man sie um keinen Preis der Welt zugeben darf, was man ja mit einer Entschuldigung tut. Kürzlich hat sich mein Chef dafür entschuldigt, dass er mir eine Terminabsage vergessen (sic!) hatte weiterzuleiten und ich um 7.15 Uhr für nichts angerösselt kam – von meinen bisherigen Vorgesetzten war ich mir in solchen Fällen höchstens flapsige Sprüche gewohnt. Mehr ernsthafte Menschlichkeit, weniger nonchalante Perfektion!

  • Marie sagt:

    Wir alle machen kleine oder schwere Fehler in unserem Leben. Wir müssen es akzeptieren, es kommt bei allen Leute vor. Und wir sollten unsere Fehler zugeben. Wenn nicht, dann mangeln wir an Selbstvertrauen. Auch ist es unschön nicht zuzugeben und sich entschuldigen.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Fehler zugeben gehört zu charakterlicher Reife. Sollte nicht so ein Problem sein, denn wir machen ja alle Fehler. Fehlermachen und Lernen gehen Hand in Hand.
    Das ist aber nicht dasselbe, wie „es tut mir leid“ sagen, wegen charakterlichem Fehlverhalten. Und darum geht es ja hier: Ausrasten, Vorhaltungen machen… etc.
    Bei den Meisten von uns kommt ein solches Benehmen nur in der Familie vor. Gegenüber Nachbarn und Kollegen verhalten wir uns zivilisiert.
    Also bei wem sollten wir schmerzhaft Fehlverhalten eingestehen müssen, als bei (Ehe)Partner und Kindern? Tun wir es dort nicht, tun wir es sowieso nirgendwo. Bei ihnen ist es am einfachsten, weil Liebe vorhanden ist.
    Kann es jedem nur empfehlen, weil unser Vorbild auch hier prägend ist.

  • Sandra sagt:

    Lieber Nils, zuerst einmal Respekt, dass sie sich ihre „Unperfektheit“ so klar und streng eingestehen. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, nicht oft aber manchmal. Warum ich es nur manchmal mache weiss ich selbst nicht. Aber es tut gut sich zu entschuldigen, denn die Kinder schätzen das und lernen dass Fehler machen ok ist.

  • Max Frisch sagt:

    Ich danke Ihnen für den spannenden Artikel.
    Ich kenn das auch sehr gut von meinen eigenen Eltern….eine Entschuldigung war ihnen kaum zu entlocken. Meinem Vater überhaupt nicht, noch nie und meiner Mutter manchmal. ABer sie wirkte dabei immer so unglaubwürdig. Beschämt vielleicht?
    Und auch jetzt im Erwachsenen-Alter ist es nicht möglich und ich kenne das gut von den Eltern von Freunden. Ich finde das sehr schade, weil es verunmöglicht mir, gewisse Themen mit ihnen nochmals zu besprechen. Für mich würde es um Klärung gehen, ihnen glaube ich um Schuld oder sogar Versagen.
    Scheint schon mit der Generation zu tun zu haben. Ich glaube, dass die sozio-emotionale Kompetenz über die Generationen zunimmt. Deshalb fällt das uns wohl einfacher

    • Marie sagt:

      @ Max : ich denke wie Sie, die heutige Generation ist offener. Es kann für uns sehr verletzend sein, dass sich ein Elternteil niemals entschuldigt.

  • Cybot sagt:

    Manchen Leuten fällt es generell schwer, Fehler zuzugeben, ich glaube nicht, dass das ein Phänomen ist, das gegenüber Kindern anders ist als gegenüber Erwachsenen. Wer sich bei seinen Kindern nicht entschuldigt, tut es bei Erwachsenen doch eher noch weniger.
    Was mich aber etwas stört ist das Beispiel mit verlorenen/vergessenen Dingen. Wegen solcher Dinge würde ich meine Kinder nie anschreien. Wenn sie etwas verloren haben, ist es halt weg. Wenn sich darüber jemand aufregen sollte, dann doch wohl das Kind, nicht die Eltern.

    • Punix sagt:

      Naja, wenn Sie es so wie ich mehr oder weniger TÄGLICH mit vergessenen Znüniboxen, Turnbeuteln, Mützen und Jacken zu tun hätten, würden Sie das vielleicht anders sehen.

    • sophie sagt:

      Punix : wurden die Sachen eventuel durch ein Kamarad gestohlen und das Kind schämt sich es zu sagen ? Das ist bei uns vorgekommen. Meine Tochter wusste ich würde sofort die Schule anrufen, darum sagte sie es mir nicht.

      • Pia Müller sagt:

        @ Punix: genauso ist es bei uns… Tröstlich, dass es auch anderen Eltern so geht. Und gestohlen wurde es sicher nicht, es ist seit dem ersten Schultag so… Aber ich habe mir schon überlegt, ob anstatt schimpfen evtl. ein anderes Mittel wirksamer wäre, z.B. im Winter ein paar Tage ohne neue Jacke in die Schule. Das bringe ich aber dann trotzdem nicht über’s Herz und somit lernt unser Sohn leider auch nicht richtig, die Konsequenzen aus seiner Vergesslichkeit zu tragen. Immerhin schicke ich ihn seit er in der 2. Klasse ist jeweils selber zum „Ort des Vergessens“, um nach den Dingen zu suchen. Manchmal taucht es dann wieder auf, öfters aber leider auch nicht. Grad gestern haben wir wieder einen Fussball gesucht, seufz…

  • Sportpapi sagt:

    Wenn ich jemandem wirklich Unrecht getan habe, zum Beispiel durch falsche Vorwürfe, dann entschuldige ich mich selbstverständlich. Auch bei meinen Kindern.
    Allerdings kommt das nicht so häufig vor.

  • Dani sagt:

    Meine Eltern haben sich IMMER bei uns entschuldigt. Bei uns war die Fehlerkultur immer sehr ausgeprägt, und daher konnten wir als Kinder auch immer unsere Fehler zugeben. Unsere Eltern haben NIE die Ehrlichkeit bestraft, sondern dann wenn wir versucht haben Dinge unter den Teppich zu kehren. Ich fahre auch heute nach diesem Prinzip und das funktioniert wunderbar.

    Eltern haben Aufsichtspflicht, sie müssen die Kinder erziehen: Da passieren auch uns Fehler, wir beschuldigen zu unrecht, oder fahren eben mal aus der Haut. Aber das passiert auch unserem Kind öfters, weil es mal wieder den Fernsehdrücker zwischen dem Sofapolster verschwinden hat lassen, aber uns beschuldigt wir wollen nicht dass der TV schon wieder läuft.

    Wichtig ist, dass man dazu steht. Wichtige LEKTION!!!

  • Anneliese Meyer sagt:

    Mein Sohn hat ein Elefantengedächtnis und hält mir manchmal Dinge vor, die vor mehreren Jahren falsch gelaufen sind bzw. bei denen ich mich idealerweise hätte besser verhalten sollen (er ist 10…). Oder er vergleicht meine „Vergehen“ mit seinen „Vergehen“ und fühlt sich irgendwie bestätigt. „Aber Du hast doch damals auch Blablabla…!?“.
    Sobald ich mich entschuldige, brennt es sich viel besser in sein Langzeitgedächtnis – oder so fühlt es sich zu mindest an… Das hemmt schon ein wenig beim Entschuldigen. Jetzt versuche ich einfach es von Anfang an schon besser zu machen. Mehr oder wenig erfolgreich. ¯\_(ツ)_/¯

  • Eva D sagt:

    Ich tippe darauf, dass es mit Scham zu tun hat. Die Erkenntnis, einen Fehler gemacht zu haben, ist schon vor einem selbst peinlich, da man sich doch für perfekt und unfehlbar hält. Deshalb fällt es erst recht schwer, einen solchen gegenüber anderen (Erwachsenen und Kindern!) einzugestehen. Gegenüber Kindern glaubt man dann, sich umso mehr drücken zu können, weil man die Macht hat. Aber ich kenne genug Erwachsene, die auch gegenüber „Ihresgleichen“ keine Fehler eingestehen, geschweige denn um Entschuldigung bitten, können.

  • mila sagt:

    Herr Pickert, weil für mich Entschuldigungen bei meinem Kind so selbstverständlich sind, wirkt auf mich Ihr Artikel (zumal im Jahr 2019) etwas befremdlich. Entschuldigen sich heutige Eltern wirklich nicht? Ich bin gespannt auf die Reaktionen aus dem Forum. Und danke für den spannenden Input.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @mila

      schön Sie zu lesen 😀
      mir war/ist das eingestehen-könnnen & um Verzeihung bitten auch sehr wichtig. Wie kann ich mir wünschen dass unsere Kinder das können sollen, wenn ich es nicht im Lebensstil drin habe?
      Auf der grösseren Bühne betrachtet wären wohl manche Konflikte nicht existent wenn dies eine weitum praktizierte Grundfertigkeit wäre.

    • Muttis Liebling sagt:

      Man kann um Verzeihung bitten, entschuldigen kann man sich nicht. Zu entschuldigen ist die Rolle des katholischen Priesters in der Beichte, übernommen in der Rolle des Therapeuten bei der klassischen Psychoanalyse.

      Entschuldigen ist reflexiv, jemand muss mich entschuldigen, ich kann einen anderen entschuldigen, aber ich mich nicht selbst.

      Man kann und muss Kindern von Anfang an eine semantisch und etymologisch korrekte Sprache beibringen, damit sie später nicht auf die Idee kommen, Fehlworte wie ‚Lehrperson‘ zu kreieren oder zu benutzen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        ungeachtet semantischer Korrektheit, ich kann beim Geschädigten um Entschuldigung bitten, mit entsprechend offenem Ausgang; mich nicht selbst entschuldigen, aber mir selbst vergeben. Denn wenn ich mich von inneren (manchmal gar nicht so bewussten) Selbstvorwürfen/Anklagen zerfressen lasse, ist niemandem geholfen, im Gegenteil.
        Die Monopolstellung des katholischen Priesters sehe ich kritisch, bevorzuge mehr das allgemeine Priestertum.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Monopolstellung des katholischen Priester betrifft die Entschuldigung vor Gott, nicht vor dem „Gläubiger“, vor dem, den man verletzt hat: Gott ist quasi an die vom katholischen Priester erteilte Entschuldigung gebunden.

        Ehrlich gesagt, finde ich genau dies das Beste am Katholizismus. Denn auch wenn wir Schuld auf uns geladen haben, von der uns die Gläubiger, die Geschädigten nicht befreien können/wollen, müssen wir irgendwie weiter leben.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Anh Toàn

        ich meine genau diese Monopolstellung, bin aber mit Ihnen sehr einverstanden was „das Beste“ betrifft wenn darunter „mir-kann-vergeben-werden“, aber dies ist nicht an eine spezifische Amtshandlung gebunden, verstanden wird.

      • Lehrperson sagt:

        Klar kann man sich entschuldigen. Habe ich heute eben getan – für eine Kleinigkeit.
        Hat etwas mit charakterlicher Stärke zu tun. Die Menschen , welche das nicht können, haben immer ein kleines Problem mit ihrem Selbstwertgefühl. Immer.

    • Martin Frey sagt:

      @mila
      Schön, wieder mal von Ihnen zu lesen. 🙂 Wo waren Sie eigentlich?
      Sehe das ähnlich, für mich ist die Fähigkeit, zu eigenen Fehlern und Schwächen zu stehen, eine Selbstverständlichkeit und ein Akt der Souveränität. Leute, die das nicht zustande bringen (und von denen gibt es einige), haben m. E. primär Angst vor Gesichtsverlusten und sind wohl auch sonst nicht wirklich fähig zur Selbstreflexion.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Martin Frey

        wohin die Angst vor Gesichtsverlust führen kann wenn diese einen allgemein anerkannten&in der Kultur etablierten Stand hat, zeigen die Selbstmorde in Japan.
        Oder der Umgang mit Krankheiten/Ursachen und sämtlicher Ablehnung von wichtigen Prophylaxen/Therapien in Ländern mit eher schwierigem Umgang/grosser Verknüpfung von „Fehler=Status/Ehre/Anerkennungs-verlust“.
        Da mussten wir auch einiges nachholen,
        und Artikel wie diesen, und die nie aufhörende Auseinandersetzung mit dem Thema, fnde ich daher sehr relevant.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Schön gesagt MF.
        Ausser dass die „Selbstverständlichkeit“ eher theoretischer Natur ist.

        Im Blogalltag ist auch immer wieder schön zu beobachten, wer diese Souveränität mitbringt und wer nicht…

      • Reincarnation of XY sagt:

        MF/Brunhild

        Weil es eben alles andere als selbstverständlich ist, ist es so wichtig, den Kindern das vorzuleben. Wenn man Fehler zugibt, wird man stärker, man lernt schneller und ist letztlich erfolgreicher.
        Wer seine Energie ständig darauf verwendet, sich fehlerlos darzustellen, verschwendet nicht nur Energie … sondern wird auch zum Gespött.
        Ein Chef der Fehler zugibt mögen alle, über die anderen machen wir Witze und Karikaturen.

  • Nina sagt:

    Erfrischend ehrlich .
    Kann ich voll unterschreiben und finde mich in dem Artikel wieder.
    Logisch .Wieso erwarten wir von unseren Kindern immer ,dass sie sich entschuldigen , wenn wir es nicht können? Ich glaube, dass wir so um einiges mehr Respekt , Nähe , Vertrauen und Anerkennung zu den Kids aufbauen , ohne eine gesunde Autorität zu verlieren. Und ja, wir sind doch auch nur Menschen;)

    • asouka sagt:

      Ich habe von meinen Kindern nie verlangt, dass sie sich entschuldigen, ich habe es höchstens vorgeschlagen. Denn unechte Entschuldigungen sind meiner Ansicht nach komplett nutzlos. Selber entschuldige ich mich aber selbstverständlich bei meinen Kindern, wenn ich finde, dass es eine Entschuldigung braucht. Kürzlich hatte ich nun ein interessantes Gespräch mit meinem 11 Jährigen. Er fragt – mit gerümpfter Nase-, was eigentlich (so blöde) Entschuldigungen für einen Sinn hätten. Ich erkläre ihm, dass echte Entschuldigungen eben nicht blöd seien und Sinn machen würden, weil… Nicht echt gemeinte Entschuldigungen aber tatsächlich blöd und sinnlos seien. Er hat nur darüber nachgedacht und ok gesagt. Ich glaube, das sass :).

  • Muttis Liebling sagt:

    Man entschuldigt sich nie, auch bei Erwachsenen nicht. In der Weltliteratur gibt genug breit ausgearbeitete Fallstudien, wie man mit Schuld und Sühne umgeht. Ent- Schuld- igung gehört nicht dazu, wie man bereits an der semantischen Struktur des so geschriebenen Begriffes erkennen kann.

    Die Unsitte des Entschuldigen ist wie viele Unsitten aus den barbarischen, unkultivierten USA zu uns herüber geschwappt. Gegen alle diese Einflüsse müssen sich Kulturvölker verwahren. Niemals entschuldigt man sich.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Muttis Liebling

      also ich weiss ja nicht ob man dafür den Westen behaften sollte, immerhin kommen viele „Schuld und Ent-Schuld-igung/Vergebungs-Konzepte“ aus dem Osten…

      Wie es gelebt&umgesetzt wird ist eine andere Frage, aber dass es gelebt&umgesetzt wird keine wenn es um die Frage von Lebensqualität/Gerechtigkeit geht.

    • Colisa sagt:

      Bin ich nicht einverstanden.

      Was machen Sie, wenn sie jemandem Unrecht getan haben und es ihnen leid tut?

    • Anh Toàn sagt:

      Vergebung wurde doch vor rund 2000 Jahren „erfunden“ und vom Christentum in der Welt verbreitet. Und zwar nicht nur für Gott, sondern auch für uns: „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigen“

      Die Deutsche Formulierung „sich entschuldigen“ ist doof, aber so manches ist in Deutsch logisch betrachtet ziemlich doof (Bohrmaschine ist weiblich!). Man bittet um Vergebung, wenn man Schuld auf sich geladen hat, wird die einem gewährt, ist man befreit von der Schuld.

      • Anh Toàn sagt:

        „Sich entschuldigen“ ist also, nur aber immerhin, der Versuch, mittels Bitte um Vergebung, sich von der Schuld zu befreien, der Versuch, sich zu entschuld(ig)en.

    • Martin Frey sagt:

      Das Entschuldigen ist eine uralte zwischenmenschliche Tradition, weit älter als die USA. Grossmut und Bereitschaft zur Vergebung gilt seit der Antike als Tugend und wird als ein Merkmal fortgeschrittener Zivilisation angesehen. Bereits in biblischen Zeiten gab es nebst der göttlichen Vergebung auch das zwischenmenschliche Verzeihen.
      Was richtig ist: im Englischen gibt es diverse nuancierte Begriffe dafür, wohl mehr als in anderen Sprachen. Und dass es heute oft zu einem vorauseilenden Entschuldigungskanon kommt, kaum gibt es mal eine kritische Stimme, darf ebenso kritisch hinterfragt werden. Aktuelles Bps. der „Schweineskandal“ mit China.
      Aber jemanden um Verzeihung zu bitten ist kein Zeichen von Schwäche sondern von Stärke. Es gibt Menschen, die haben das nicht erkannt.

    • Lehrperson sagt:

      Die Weltliteratur beinhaltet keine Fallstudien, das ist Literatur.

      „Niemals entschuldigt man sich“….. hier hat jemand zu oft Navy CSI geschaut?

      Richtige Menschen mit gutem Charakter haben kein Problem sich zu entschuldigen.

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