Müssen Eltern mit Kindern spielen?

Alle auf den Grossen! Ein Vater zieht in die Wasserschlacht. Foto: Pixabay (Pexels)

Neben vielen ekligen Sachen, die in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter passieren können, gibt es auch Situationen, in denen sie ganz wunderbar funktionieren. So fand vor einigen Tagen die Konferenz der Blogfamilia in Berlin statt – ein ziemlich grossartiger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen zu vernetzen, die über Familie und Kinder bloggen.

Mit dem entsprechenden Hashtag #blogfamilia wurde das Ganze in den Netzwerken begleitet und darüber berichtet: Was geschieht gerade, wer ist auch da, wo gibt es welchen Vortrag zu hören. Eine Nutzerin kommentierte beispielsweise, wie unfassbar sie es findet, dass laut einer Studie von Lego ein Drittel der Eltern weniger als 5 Stunden die Woche mit ihren Kindern spielt.

Nun hätte als Reaktion auf diese Aussage das passieren können, was im Internet leider viel zu häufig passiert: «Was soll das heissen, wer bist du überhaupt, hast du dir mal XY angeschaut? Die Aussage hast du doch von Z geklaut, willst du jetzt, dass Flüchtlinge mit deinen Kindern spielen, #merkelmussweg, Schlampe!»

Glücklicherweise fand etwas ganz anderes statt. Nämlich eine engagierte Diskussion darüber, ob Eltern sich überhaupt verpflichtet fühlen sollten, mit ihren Kindern zu spielen. Nachdem ziemlich unaufgeregt die Punkte abgeräumt wurden, dass das ganz klar auch eine Altersfrage ist und dass die Studie den Begriff «Spielen» sehr viel breiter fasst, als sich in der Kürze eines Tweets darstellen lässt, wurde sehr offen darüber kommuniziert, wie man es mit den eigenen Kindern hält und was man darüber denkt.

Eine Frage der Zeit, der Lust, der …

Von «Fünf Stunden die Woche geht völlig an meiner Lebensrealität vorbei, das mache ich an einem Tag» bis «Ich bin nicht die Animateurin meiner Kinder und spiele nur dann mit ihnen, wenn ich Lust auf Spielen habe» war so ziemlich alles dabei und bot ausreichend Anlass, sich selbst zu hinterfragen: Wo stehe ich auf dieser Skala? Wie viel spiele ich eigentlich mit meinen Kindern? Wie viel würde ich mit meinen Kindern spielen, wenn ich mehr Zeit hätte oder kein schlechtes Gewissen, weil ich zu wenig mit ihnen spiele? Ich für meinen Teil bin in dieser Sache hin- und hergerissen.

Zum Beispiel spiele ich gern mit Kindern. Ich habe das Glück, dass mich repetitive Tätigkeiten nicht so schnell nerven, und kann es daher ganz gut ab, auch öfter mal das Gleiche zu tun. Im Zusammenleben mit Kindern quasi Grundvoraussetzung. Ich spiele gerne die Rollen, die sie mir in ihren Spielen zusprechen, und bin wahlweise der Wolf oder das Baby. Ich baue mit ihnen Höhlen oder Kugelbahnen oder denke mir Geschichten aus. Brettspiele und eine Runde Golf auf der Wii mit den Grossen sind auch super.

Gleichzeitig hasse ich Kneten, Basteln und Malen. Ich bin schlecht darin, es langweilt mich, klebt an meinen Fingern und nervt. Ich will das nicht. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, ich sollte eigentlich, weil meine Kinder mich darum bitten.

Spielen ja – aber nicht nach To-do-Liste

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich vermutlich mehr mit meinen Kindern spielen. Schon aus dem Grund, weil sie alle ziemlich coole Leute sind, mit denen ich gerne Zeit verbringe, und Spielen Teil dieser Zeit ausmacht. Ich würde Spielen aber auch so weit wie möglich aus den elterlichen Dienstleistungen ausklammern. Davon gibt es sowieso schon genug, und Spielen ist etwas, das Kinder möglichst unmoderiert miteinander tun sollten – ohne das Einmischen von Erwachsenen.

Andernfalls neigt man unbewusst dazu, die Spielregeln in einen zu erwachsenen Bereich zu verschieben, den die Kinder weder erfassen wollen noch können. Und am Ende sind alle frustriert. Wenn ein Kind mich zum Spielen einlädt und ich Zeit und Lust habe, bin ich dabei. Wenn nicht, halte ich mich da weitestgehend raus. Ausser wenn mir selber mal nach Spielen ist und ich auf der Suche nach Mitspielerinnen und -spielern bin.

Das hat sicherlich auch etwas mit Faulheit und Überforderung zu tun. Mit vier Kindern wären das 20 Stunden die Woche nur für Spielen. Und da ist noch nichts gekocht, geputzt, aufgeräumt, vorgelesen, in den Schlaf gesungen, terminlich arrangiert, repariert, geschlichtet, abgeholt und besprochen. Von Arbeit oder gar eigenen Bedürfnissen ganz zu schweigen. Von daher gerne spielen. Aber runter damit von meiner elterlichen To-do-Liste.

Wie halten Sie es mit dem Spielen, liebe Leserinnen und Leser? Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion.

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