20 Überlebenstipps für Eltern

Es ist vollkommen in Ordnung, auch mal Pommes und Nuggets aufzutischen: Take it easy! Foto: Sarah Pfäffli

Gilt immer:

  • Einen offenen Umgang mit Problemen pflegen: Vom Scheiss erzählen. Von all dem, was schiefgeht, was man nicht schafft. Damit der soziale Perfektionsdruck etwas nachlässt.

  • An die Durchsage im Flugzeug denken: Ungutes Gefühl, das Kind abzugeben, «nur» weil man mal wieder ins Kino oder in Ruhe einen Apéro trinken möchte? Als Eltern muss man zuallererst zu sich schauen. Wie im Flugzeug: Zuerst die eigene Atemmaske aufsetzen, dann für andere sorgen.

  • Hilfe annehmen: Viele haben den Anspruch, sie müssten alles im Griff haben. Wieso nicht Hilfe holen und die Aussensicht von Fachpersonen in Anspruch nehmen? Schlafberaterinnen, Stillberaterinnen, Familienbegleiterinnen, Paartherapeutinnen – sie kennen das, was wir gerade durchmachen, ganz genau.

  • Ansprüche runterschrauben: Natürlich ist es ideal, wenn es immer gesunde und frisch gekochte Mahlzeiten gibt. Natürlich haben wir alle gerne saubere Kleider. Aber auch mal auswärts essen ist o. k., zur Not gerne Pommes und Chicken-Nuggets. Oder Pizza.

  • Alles zu seiner Zeit: Das Mittagessen dann vorbereiten, wenn man gerade Zeit hat. Gemüse schnippeln kann man gut schon am Morgen um 9 Uhr. So kann man den Stress vor dem Mittagessen minimieren, wenn die Kinder Hunger haben, langsam müde sind und anstrengend werden.

Vor allem vor der Geburt:

  • Ein Support-Netzwerk anlegen: Beispielsweise eine Whatsapp-Gruppe mit Freunden und/oder Familienmitgliedern und/oder Nachbarn, die sich untereinander gewisse Abende aufteilen.

  • Verschiedene Transportmöglichkeiten zulegen: In eine Trageberatung und dann in eine qualitativ gute Trage oder ein Tragetuch investieren. Rückentragen kann zeitweise vieles erleichtern. Auch das Dondolo ist für viele Familien Gold wert. Und bei kleinem Abstand der Kinder ist ein Wagen hilfreich, in dem man beide Kinder gleichzeitig transportieren kann, sei es im Sitz oder mit Trittbrett.

  • Freiräume einplanen: Vor der Geburt die Fremdbetreuung regeln und grosszügig planen. Wenn es irgendwie drinliegt und möglich ist: Lieber einen halben Kita-Tag mehr und höhere Fixkosten, als abends noch eine endlose To-do-Liste zu haben.

Mit frisch geschlüpftem Baby:

  • Volle Konzentration in der «Rush Hour»: Wenn das Baby da ist, sollte der arbeitende Partner abends unbedingt früher zu Hause sein. Man kann dann gerne um 20 oder 21 Uhr wieder arbeiten, falls es noch sein muss. Bei vielen Familien ist die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr «Rush Hour». Dann bitte keine Anrufe und volle Konzentration auf die Kinder.

  • Verwandte einspannen: Die Grosseltern, aber auch alleinstehende Tanten, Göttis, Geschwister ohne eigene Kinder sind häufig gerne bereit zu helfen – man muss sie einfach ohne Zögern anfragen. In der Regel merkt man schnell, ob es klappt oder nicht.

  • Ab in die Rückbildung: Im Rückbildungskurs hat man einen schönen Austausch mit Frauen, die aktuell in der gleichen Situation sind, und kann das erste Mal üben, loszulassen (siehe nächster Tipp).

  • Mut zum Loslassen: Wenn Mama stillt, ist sie notgedrungen am Anfang immer am häufigsten mit dem Baby zusammen. Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer fällt es, das Bébé mal ein paar Stunden den Grosseltern zu überlassen oder die Kita-Eingewöhnung nicht doch noch einen Monat aufzuschieben. Es lohnt sich aber, sich zu überwinden und abzunabeln. Der Moment des Abschieds fällt schwer, aber die kurze Pause, die folgt, ist Gold wert.

  • Das Geschwisterthema früh genug kommen sehen: Auch wenn sich das ältere Kind am Anfang rührend um das Baby kümmert – wähnt euch nicht in falscher Sicherheit. Eifersucht und Rivalität sind früher oder später fast unvermeidlich, besonders, wenn das Baby dann grösser und mobiler wird. Von Beginn weg für das grössere Kind räumliche und zeitliche Inseln zu schaffen, kann helfen.

Als Paar:

  • Paarzeit fix einplanen: Wenn es keine Hütemöglichkeiten für ein Date gibt, ist Zweisamkeit trotzdem möglich: Einmal die Woche die Kinder zuerst ins Bett bringen und erst danach in Ruhe zusammen essen und sich austauschen. Wer selbst für das späte Znacht zu müde ist (kennen wir, dann bleibt es Wunschdenken): Zumindest einmal pro Woche für einen gemeinsamen Tee oder ein Glas Wein abmachen. Das zu planen, klingt unromantisch, aber sorry, für Spontaneität sind wir einfach zu erschöpft.

  • Wissen, was kommt: Einmal die Woche oder einmal im Monat zusammen die Agenda durchgehen und wissen, wer wann Dienst hat und wo Lücken sind.

  • Wertschätzung und Rituale: Immer Merci sagen. «Das Abendessen ist fein.» «Danke fürs Altpapier bündeln.» «Ich bin froh, dass ich dich habe.» Wir wollen euch nicht auch noch mit diesen Studien kommen, aber ehrlich: Es ist erwiesen, dass Dankbarkeit für kleine Dinge glücklicher macht.

  • Hautzeit: Lust und Nähe können in den ersten Jahren mit Kindern auf der Strecke bleiben. Aber es muss ja nicht immer wilder Sex sein. Zur gleichen Zeit ins Bett gehen, sich vor dem Einschlummern noch paar Minuten im Arm halten, die müden Füsse massieren, miteinander sprechen – oder sich kurz umarmen, wenn man sich zufällig halb nackt im Bad begegnet.

Und zuletzt:

  • Mehr Pragmatismus: Für alle, die diese Tipps jetzt mehr unter Druck setzen («Schatz, ich habe in diesem Blog gelesen, dass wir unsere Füsse massieren müssen!»): Nehmen Sie es mit Humor. Und akzeptieren Sie, dass es wieder anders kommt. In der Kleinkinderzeit sind wir nun mal mehr Eltern als Paar, und das ist gut so. Aber es kommen wieder andere Zeiten.

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