Papas 7 Anti-Stress-Regeln

«Du musst nur noch 148 Mails checken?» Überstunden beeinträchtigen das Familienleben. Foto: iStock

Letzte Woche habe ich 45 Stunden gearbeitet – nur in meinem bezahlten Job. Bevor Sie jetzt sagen «Tschannen, Sie angeschossenes Faultier» muss ich klarstellen: Vor zehn Jahren wäre das eine ruhige Woche gewesen. Doch heute steht in meinem Arbeitsvertrag eigentlich ein Pensum von 60 Prozent, und daneben gibt es noch den Brecht mit seiner Maslowschen Bedürfnishierarchie. Der will nicht nur schlafen, essen und in den Kindergarten. Er muss auch zur Kinderärztin, lädt Freunde ein und geht in den Schwimmkurs, schliesslich soll er gesund, sozial integriert und an der Wasseroberfläche bleiben. Drücken Sie die Daumen, dass er uns diesen Sommer im Freibad nicht mehr absäuft. Anyway … erwähnte ich den Haushalt?

Hallo nässendes Ekzem, mein alter Bekannter

Ich will hier kein Mitleid abholen. Mit nur einem Kind steht mir das kaum zu. Aber in meinem Job fällt manchmal weniger, manchmal mehr Arbeit an – wie bei einem Eichhörnchen vor Wintereinbruch. Und wenn drei Wochen lang wieder alles zusammenkommt, dann leidet nicht nur die Psyche. Auch mein Körper sagt mir dann: «So nicht, Freundchen!» Er kommuniziert traditionell über Ausschlag auf der Stirn und schmerzhafte Entzündungen im Mund. Jaja, Dinge, die Sie schon lange über mich wissen wollten.

Stress im Job war auch ohne Familie nicht harmlos. Wer im Privatleben keine Verpflichtungen hat und nur zum Schlafen nach Hause muss, kann wöchentlich locker 60 Überstunden machen. Bis die Sinnkrise im dunklen Mantel an die Tür klopft, um Schnaps und schwere Gedanken vorbeizubringen.

Familie, oh Quell güldener Glückseligkeit

Den Sinn des Lebens muss ich heute zum Glück nicht mehr suchen. Der sitzt auf dem Sofa und guckt «Shaun das Schaf».

Da ist ein Leben neben der Arbeit. Schön zwar, aber es reduziert den Stress nicht unbedingt – wie alle wissen, die schon mal mit einem Kind auf den Bus mussten, das «noch nicht fertiggespielt» hat. Und Überstunden im Job gehen vom Familienleben ab. Da kommt rasch ein schlechtes Gewissen auf, wenn das Kind spielen will und sein Vater «nur noch 148 Mails checken» muss. (Für den Ohrwurm können Sie mir später danken.)

Tschannens sieben Stressschutzregeln

Um meine Gesundheit und das Familienidyll nicht zu gefährden, habe ich mir ein paar Regeln auferlegt:

  1. Die Frau und ich planen unsere Arbeitszeiten gemeinschaftlich. Keiner unserer Berufe hat Priorität über den anderen. Klar kann ich mal einen Bus später nach Hause nehmen, aber kurzfristig und einseitig angekündigte Spätschichten gibt es nicht.
  2. Familientermine sind heilig. Der Schwimmkurs fällt nicht aus, weil Papa ein wichtiges Meeting hat.
  3. Stressige Phasen bei der Arbeit müssen begrenzt sein, ein Ende in ein, zwei Wochen absehbar. Ich lege im Voraus fest, wie gross der Leidensdruck werden darf.
  4. Ich erwarte, dass der Brecht auch mal allein spielt, wenn ich etwas im Homeoffice erledigen muss. Aber er soll meine Planung kennen: «Brechthold, ich analysiere noch eine Stunde lang Kernzielgruppen, und dann erzähle ich dir eine Geschichte vom gestressten Bären, der einfach nur Winterschlaf halten möchte.»
  5. Als Ausgleich immer mal wieder einen Tagesausflug mit der Familie einplanen. Am besten mit einem anschliessenden Ruhetag ohne Verpflichtungen.
  6. Den Haushalt mit minimalem Aufwand in Schuss halten. Fensterputzen kann man aufschieben, aber Wäscheberge und rattengrosse Knäuel aus Haaren und Staub sollen mich nicht noch zusätzlich stressen.
  7. Im Job liegt nie das Ende der Welt. Mein Stossgebet dazu lautet: «Im schlimmsten Fall schmeisse ich die Stelle hin und mache eine Weile nur noch Familie.»

Diese Regeln funktionieren erfreulich gut. Ich arbeite an zwei Erweiterungen, die ich aber noch einüben muss.

  1. Irgendwann am späten Nachmittag sagen: «So, für heute ist fertig!» Zu oft will ich Dinge erledigen, wenn der Brecht eingeschlafen ist. Dabei wären gerade ruhige Abende Balsam für meinen Ausschlag.
  2. Wenn ich mit dem Brecht unterwegs bin, bleibe ich häufig in der gehetzten Stimmung und gebe Anweisungen wie: «So, jetzt zieh dich bitte zügig an.» Wie viel schöner wäre es, mich stattdessen seinem Tempo anzupassen. Einfach mal zehn Minuten am Boden sitzen, mit einer Socke am Fuss, während ich am anderen Fuss in Ruhe die Zehen zähle.

Was tun Sie, damit Arbeit und Familienleben nicht aufeinander losgehen? Verraten Sie mir Ihre Tricks in den Kommentaren.

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