Schluss mit dem Vereinbarkeitsgejammer!

  • Eben nicht! Noch immer mangelts in der Schweiz an vernünftigen Betreuungsmodellen. (Fotos: Getty Images)

  • Co-Working-Spaces ermöglichen das konzentrierte Arbeiten ...

  • ... und Teamsitzungen, während die Kinder im selben Haus betreut werden.

  • The Wing in Amerika machte es vor, nun zieht die Schweiz nach und eröffnet mit Tadah den ersten Co-Working-Space. (Foto: The Wing)

Gleichstellung, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit – sie sind in aller Munde, all diese Themen rund um die sich verändernde Arbeitswelt. Ganz ehrlich: Mir hängt die Diskussion zum Hals heraus. Denn Fakt ist: Die Arbeitsstrukturen in der Schweiz sind für arbeitende Mütter und Väter oft familienunfreundlich. Und die Betreuungsmodelle alles andere als flexibel.

Klar, es gibt sie, die Firmen, die es den Eltern einfacher machen wollen. Die Teilzeitarbeit (auch bei Männern!) begrüssen und fördern, die Homeoffice erlauben und sogar pushen, die keine Sitzungen um 17.30 Uhr einberufen und die nicht per se darauf bestehen, dass man 8,4 Stunden auf dem Sessel sitzt, sondern seinen Job macht. Und das gut. Aber wir alle wissen: Viele Firmen sind es nicht, die so progressiv agieren.

Starre Rollenverteilung

Die Schweiz weist europaweit am zweitmeisten Teilzeitarbeitende aus. Eine Zahl, die uns hoffen lässt – und die ein gutes Zeichen ist. Und trotzdem: Viele Frauen finden nur schwer einen Teilzeitjob, der inhaltlich demjenigen entspricht, den sie vor dem Muttersein innehatten. Und Väter, die nicht 100 Prozent arbeiten wollen, gelten rasch als unbelastbar – und landen so ebenfalls auf dem Abstellgleis. Was passiert also? Die Rollen bleiben in den meisten Haushalten dieselben. Das bedeutet aber nicht, dass viele sich nicht aufreiben zwischen Familie und Job. Ganz im Gegenteil. Das ist auch bei mir nicht anders. Bis jetzt. Denn ich habe beschlossen, etwas zu ändern.

Ich fordere ein familienfreundlicheres Arbeits- und Betreuungsmodell. Ich möchte dabei nicht noch mehr arbeiten und meine Kinder fünf Tage die Woche fremdbetreuen lassen. Ich möchte, dass es endlich möglich ist, Beruf und Familie zu vereinbaren – und nicht nur zu kombinieren. Ja, ich möchte beidem gerecht werden. Ich will flexibler arbeiten und meine Kinder ebenso flexibel betreuen lassen können. Damit ich meinen Job machen kann, all die E-Mails und Telefonate erledigen kann, um dann Zeit mit meinen Kindern zu verbringen – ohne ebendiese E-Mails und Telefonate. Dass Männer und Frauen gar gleich viel arbeiten und gleich viel daheim sind. Wenn sie denn wollen. Denn genau darum geht es. Darum, dass jeder eigenbestimmt wählen kann, welches Arbeits- und Betreuungsmodell für ihn und seine Familie am besten ist. Ohne sich dabei rechtfertigen zu müssen.

Nicht jammern, machen!

Damit man aber wählen kann, braucht es Auswahl. Die für mich perfekte Lösung gibt es leider nicht. Oder besser: noch nicht. Denn wie gesagt: Jammern hilft nicht. Also habe ich mich mit drei anderen teilzeitarbeitenden Müttern zusammengetan, und gemeinsam gründeten wir den ersten grossen Co-Working-Space mit Kinderbetreuung der Schweiz. Konkret heisst das: Unter demselben Dach (also nicht im selben Raum) wird gearbeitet – und gespielt. Der abgetrennte Kinderbereich wird dabei von einer diplomierten Kleinkinderzieherin geleitet. Und: Die Anzahl Betreuungstage oder Betreuungsstunden kann von den Eltern flexibel gewählt werden.

Wir sind zugegebenermassen ein bisschen wahnsinnig, ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen mit kleinen Kindern daheim. Doch die letzten Monate haben uns ganz klar gezeigt, dass unsere Vision auf fruchtbaren Boden stösst. Auch, weil wir uns so oft gewünscht hätten, es gäbe ihn schon, diesen Ort, an dem wir in einem professionellen Umfeld arbeiten können, während unsere Kinder ebenso betreut werden. Aber auch, weil schon über 350 Personen unsere Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit.com unterstützt haben. Wir sind mittlerweile auf der allerletzten Finanzierungsmeile für unser Projekt – für unsere Antwort auf die Vereinbarkeitsfrage.

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