Was Müttern den Wiedereinstieg erschwert

Viele Mütter haben Angst, wichtige Entwicklungsschritte ihres Babys zu verpassen, wenn sie arbeiten gehen. Foto: iStock

Soll ich nach der Geburt wieder arbeiten gehen? Falls ja, ab wann? Und in welchem Pensum? Fragen, mit denen sich jede Schwangere auseinandersetzen muss und auf die es oft keine einfache Antwort gibt. Niemand weiss im Voraus, wie es sich anfühlt, wenn das Baby da ist, wie viel Energie man dann noch hat. Und ob man sich nicht eine intellektuell anspruchsvollere Beschäftigung wünscht – oder im Gegenteil das Kind am liebsten ununterbrochen um sich herum haben will.

Als ich zum ersten Mal schwanger war, vereinbarte ich mit meinem Arbeitgeber, nach einem halben Jahr in einem 60-Prozent-Pensum zurückzukommen. «Oh Gott, nur noch drei Tage die Woche in meinem geliebten Job», dachte ich damals. Ein halbes Jahr später gingen mir ganz andere Gedanken durch den Kopf: «Wie um alles in der Welt soll ich es übers Herz bringen, mein wundervolles Töchterchen jede Woche dreimal in die Kita zu bringen?» Es tat mir zu Beginn fast körperlich weh, sie für acht Stunden aus den Händen zu geben.

Vermutlich war der Trennungsschmerz noch intensiver, weil ich doch nicht wie geplant in meinen tollen Job zurückkehren konnte: Die Firma war unterdessen Konkurs gegangen, und ich verbrachte meine Zeit damit, Bewerbungen zu schreiben und das RAV zu besuchen. Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Mütter haben Spass am Job

Drei von vier berufstätigen Müttern sagen, dass die «Freude an der Arbeit» sie zum Wiedereinstieg motiviert hat. Dies belegt eine aktuelle Studie, die am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Zürich durchgeführt wurde. Untersucht wurde, welche Faktoren eine erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz unterstützen, und welche den Wiedereinstieg erschweren. Der Mamablog hat seine Leserinnen letztes Jahr dazu aufgerufen, an der Studie mitzumachen.

84 Prozent der befragten Mütter kehrten nach dem Mutterschaftsurlaub an dieselbe Arbeitsstelle zurück wie vor der Geburt, mehr als die Hälfte allerdings zu einem tieferen Pensum. Sehr viele Mütter (84 Prozent) gaben an, dass sie im Job einen «Ausgleich zu den familiären Aufgaben» suchen, fast genauso viele (82 Prozent) wollen den «Anschluss behalten im Berufsleben». Mehr als jede Zweite sagte zudem, dass sie «aus finanziellen Gründen» wieder in die Arbeitswelt zurückgekehrt sei.

Erfreulich ist die Tatsache, dass es offenbar nur selten echte Konflikte gibt zwischen Arbeits- und Privatleben. Laut der Studie haben die meisten Mütter nämlich nur «gelegentlich» das Gefühl, dass ihre Berufstätigkeit das Familienleben beeinträchtigt – und umgekehrt. Ein Problem sind Schwierigkeiten mit dem Stillen: Mütter fühlen sich unter Zeitdruck beim Abpumpen und haben Angst, dass das Baby die Flasche verweigern könnte. Auch die ständige Müdigkeit im Büro ist für einige Mütter ein Thema. Wegen des Kindes können sie nicht durchschlafen.

Stillen wird zum Problem

Das am häufigsten genannte Problem beim Wiedereinstieg ist «der organisatorische Aufwand im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung». Die Öffnungszeiten der Krippe bedeuten, dass Mütter im Job nicht mehr so flexibel auftreten können. Auf Platz 2 landen die Emotionen: Die Angst, wichtige Entwicklungsschritte zu verpassen, sowie die Schwierigkeit, sich vom Baby zu trennen. Die dritthäufigste Herausforderung sind Vorgesetzte, die kein Verständnis zeigen für die Probleme junger Mütter.

Erst auf dem 9. Platz taucht das Thema «geringere Verantwortung aufgrund der Pensumsreduktion» auf. Da stellt sich die Frage, ob die meisten Mütter ihre vorherige Position behalten konnten. Oder ob es sie schlicht nicht stört, weniger Verantwortung zu tragen, weil ihnen der Job nun nicht mehr so wichtig ist. Die Studie zeigt nämlich auch, dass die Familie im Leben der meisten Wiedereinsteigerinnen eine grosse Bedeutung hat, während das auf die Arbeit wenig bis gar nicht zutrifft.

Was könnte man verbessern, damit der Wiedereinstieg den Mamas leichter fällt? Homeoffice ist in gewissen Branchen nicht umsetzbar. Der wichtigste Ratschlag der Studienautoren ist deshalb folgender: Die Mütter sollen weiterhin an Ihre beruflichen Fähigkeiten glauben. Und genauso auch auf Ihr Können als Mutter vertrauen.

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