Kaffee und Alkohol: Ab wann dürfen Kinder mittrinken?

Mamablog

Gibt man dem Buben einen Schluck Bier zum Probieren, wird er dadurch nicht gleich zum Alkoholiker. (Foto: iStock)

Ein Schulfreund unseres Sohnes war bei uns zu Besuch und entdeckte auf dem Balkon, wo wir unsere Getränke lagern, eine Flasche Cola light. Als ich den Buben später zum Zvieri Wasser hinstellte, sagte er, er möchte lieber Cola trinken. Ich war einverstanden, holte die Flasche und schenkte ihm ein. Er trank das Glas in einem Zug leer, strahlte mich an: «Endlich weiss ich, wie das schmeckt! Ich durfte nämlich noch nie Cola trinken!» Ich schaute ihn mit grossen Augen an. Offenbar hatte ich ihm gerade etwas erlaubt, das in seiner Familie tabu war. «Aber keine Angst, ich erzähle meiner Mama nichts davon», fügte er hinzu, als könne er meine Gedanken lesen.

Diese Aussage bewegte mich einiges mehr als die Tatsache, dass ein 7-Jähriger noch nie Cola trinken durfte. «Ich an deiner Stelle würde es ihr erzählen», sagte ich. Schliesslich sprechen wir ja nicht von harten Drogen, dachte ich. Und: Wenn er schon aus einer Cola ein Geheimnis machen muss, wie wird es erst, wenn er mal Bier trinkt?

Entspannte Einstellung zu Süssgetränken

Ich weiss, dass Süssgetränke ungesund sind. Deshalb trinken wir normalerweise Wasser. Aber im Restaurant oder unterwegs dürfen die Kinder auch mal etwas anderes bestellen, und hin und wieder haben wir auch daheim eine Flasche Rivella oder Cola stehen. Ich bin diesbezüglich entspannt – und unsere Kinder sind es ebenfalls. Sie müssen nicht heimlich und auf Teufel komm raus ein Glas Cola herunterschütten, weil es sonst verboten ist, wissen aber gleichzeitig, dass Wasser die gesündeste und deshalb beste Option ist.

Der Vorfall mit der verbotenen Cola light liegt drei Jahre zurück, und inzwischen hat das Koffein-Level in unserer Familie leicht zugenommen. Denn seit einiger Zeit trinkt einer unserer Söhne, bald 11, sonntags immer eine kleine Tasse Kaffee zum Frühstück. Damit sind wir neulich, als Freunde zu Besuch waren, auf Unverständnis gestossen. Ich sehe daran nichts Schlimmes, reden wir doch von einer Tasse pro Woche, nicht von zwei Litern täglich.

Auf das Mass kommt es an

Nun ist die Cola-Kaffee-Debatte ja noch ziemlich harmlos. Herausfordernder wird der Umgang mit Alkohol. Ich erinnere mich, dass meine Geschwister und ich relativ früh sonntags zum Mittagessen ein bisschen Wein mittrinken durften. Schätzungsweise war ich wohl etwa 12, als mir meine Eltern erlaubten, einen Schluck zu probieren, und wenig älter, als ich mit einem halben Glas anstossen durfte. Kindheitserinnerungen ans Bierschaumkosten auf Papas Schoss gehen noch viel weiter zurück. Meine Eltern haben nie ein grosses Aufheben gemacht um Alkohol, auch in meinem Teenageralter nicht, wenn meine Geschwister oder ich mal etwas zu viel (Pesca Frizz!) getrunken hatten.

Ich hoffe, diesbezüglich ähnlich gelassen zu bleiben. Denn es ist davon auszugehen, dass unsere Kinder alkoholische Getränke konsumieren und – unabhängig von unserer Einstellung dazu – ihre eigenen Erfahrungen damit machen werden. Vielleicht früher oder anders als uns Eltern lieb ist. Wir müssen versuchen, ihnen das nötige Wissen für einen guten Umgang mit Alkohol mitzugeben, ihnen möglichst ein Vorbild zu sein. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass Alkohol, neben aller Vorsicht, die geboten ist, nicht per se schlimm ist. Dass es, wie bei so vielen anderen Dingen auch, auf das richtige Mass ankommt.

Ich bin überzeugt: Um diese Botschaft zu vermitteln, bieten die Cola oder das Tässchen Kaffee am Sonntag kein so schlechtes Übungsfeld.