Immer mehr Schwangere sind zu dick

Egal, ob Fitness oder Wandern: Schwangere sollten mindestens dreimal pro Woche Sport treiben. (Foto: iStock)

Man mag die ewige Leier vom Sport schon nicht mehr hören, aber die Studien belegen es: Weniger Komplikationen beim Neugeborenen, schnellerer Geburtsverlauf, geringeres Risiko für einen Kaiserschnitt, kürzere Erholungszeit nach der Geburt und weniger Baby Blues – Sport in der Schwangerschaft nützt.
Lautete der Rat früher «spazieren gehen», heisst es heute: Mindestens 150 Minuten Sport pro Woche, am besten verteilt auf sieben Tage, plus Beckenbodentraining. Nur unter bestimmten Umständen wie etwa vorzeitigen Wehen oder unkontrollierbarem Bluthochdruck raten Fachleute vom Sport ab. Im Zweifelsfall fragt Frau am besten ihre Frauenärztin.

«Neun Monate lang kommen alle Einflüsse aufs Kind von der Mutter», sagt Regina Ensenauer, die Leiterin des Instituts für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut im deutschen Karlsruhe. Sie erforscht, wie sich Übergewicht in der Schwangerschaft aufs Kind auswirkt. «Viele junge Frauen gehen schon mit grosser Fettmasse in die Schwangerschaft hinein. Ergibt die Untersuchung bei der Frauenärztin dann, dass alles nach Plan verläuft, nehmen viele es noch weniger genau mit der Gewichtskontrolle», warnt die Kinderärztin. «Wir sehen immer mehr schwangere Frauen mit einem Body-Mass-Index von über 30 kg/m2.»

So pflanzt sich das Übergewichtsproblem fort

Ist die Mutter zu dick, verändert das nicht nur ihren eigenen Stoffwechsel ungünstig, sondern auch den ihres Kindes, zum Beispiel, indem in den Zellen Gene an- oder abgeschaltet werden. Je nachdem, welche Stoffwechselgene betroffen sind, kann das langfristige Folgen haben: «Die Schwangerschaft ist eine hochsensitive Phase. Vieles, das später zur Krankheit wird, wird da bereits angelegt», sagt Ensenauer.
Auch dem Übergewicht beim Kind wird vorgespurt, wenn die Schwangere zu viel wiegt. Und ist das Kind erst einmal dick, wird es mit deutlich grösserer Wahrscheinlichkeit als ein schlankes Kind auch später als Erwachsener nie schlank werden. So pflanzt sich das Übergewichtsproblem fort.

Umso wichtiger wäre Sport. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft aktiv waren – auch wenn sie intensiv trainiert haben –, sollten weitermachen, solange sie sich wohlfühlen, raten Fachleute. Die Triathletin Nicola Spirig und die Orientierungsläuferin Simone Niggli-Luder sind zwei prominente Beispiele. Beide trainierten während ihrer Schwangerschaften zwar deutlich weniger als sonst, aber verglichen mit anderen Schwangeren immer noch viel.

Ausdauertraining statt Trampolinspringen

Allen anderen wird Sport «mittlerer Intensität» an mindestens drei Tagen pro Woche empfohlen. Dabei kommt man leicht ausser Atem, aber nicht unbedingt ins Schwitzen: zügig gehen, Aquafitness, Velofahren, Bergwandern bis 2000 Meter Höhe (darüber wird die Luft dünn), aber auch Staubsaugen oder Rasenmähen zum Beispiel.

Ausdauertraining, Yoga, leichtes Krafttraining, Dehnübungen – erlaubt ist alles, was das Kind nicht gefährdet. Dazu zählen Sportarten mit besonderer Sturzgefahr wie Reiten oder Skifahren oder solche mit Kollisionsrisiko wie Handball und Kampfsportarten.

Trampolinspringen, Tieftauchen oder Extremsportarten sind natürlich auch keine gute Idee, ebenso wenig Übungen, bei denen man vor lauter Anstrengung die Luft anhält und die Bauchmuskeln stark presst. Überhaupt, die Bauchmuskeln: Ab der 20. Schwangerschaftswoche können die senkrecht links und rechts des Nabels verlaufenden Muskelstränge auseinanderweichen, wenn sie falsch trainiert werden.

Gehen Sie zu Fuss!

Aufpassen sollte Frau auch bei Übungen in Rechtsseiten- oder Rückenlage. Ist die Schwangerschaft schon fortgeschritten, kann die Gebärmutter in beiden Positionen eine grosse Vene im Bauch zusammendrücken, sodass weniger Blut zum Herz fliesst und infolgedessen Blutdruck und Sauerstoffversorgung absinken. Das verursacht Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen bis zum Kollaps.

Frauen, die sich trotz aller Argumente nicht für Sport begeistern können, würde auch wenig schon nützen: wenigstens fünf Minuten am Tag zügig gehen. Oder das Auto bewusst 300 Meter vor dem Ziel parkieren und den Rest des Weges zu Fuss laufen. Lassen Sie sich etwas einfallen! Ihnen, Ihrem Kind und dessen Nachkommen zuliebe.

Informative Links: Kanadische Richtlinie / US-Richtlinie / Gesundheitsförderung Schweiz / Empfehlungen der Sporthochschule Köln

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