Wenn Sorgen den Schlaf rauben

Grübeln statt schlafen: Jede vierte Frau leidet an Schlafproblemen. (Foto: iStock)

Letzte Nacht war ein Albtraum. Wieder lag ich wach, wälzte Gedanken, Fragen und Sorgen. Ob mein Sohn auch wirklich gut aufpassen würde als Fan bei diesem Fussballspiel? Wie hoch wohl die Zahnarztrechnung ausfallen würde? War ich einer Kollegin gegenüber taktlos gewesen? Und die Wäsche, ich hatte sie vergessen aufzuhängen. Die zwei wichtigen Mails hatte ich nicht verschickt, zudem wollte ich mich doch bei meiner krebskranken Bekannten melden.

Ich stehe auf, um mir ein paar Gedanken zu notieren. Es ist nach zwei Uhr, ich bin hellwach. Bis drei, vier werde ich nicht einschlafen können, wie oft in solchen Nächten. Um gedanklich ruhiger zu werden, beginne ich zu lesen. Mein Liebster schläft neben mir. Wenigstens weiss ich, was ich im Mamablog thematisieren werde: Schlafprobleme von Müttern.

Nächtliches Gedankenkarussell

So wie mir geht es unzähligen anderen auch. Viele Freundinnen und Bekannte erzählen mir von diesen dunklen Stunden nachts, in denen sie wach liegen und ihre Gedanken um Probleme kreisen. Die Kinder, die Schule, der Job, die Beziehung, ihre kranken Eltern, das Geld: Der Alltag lässt jede vierte Frau nachts nicht richtig zur Ruhe kommen. Studien haben ergeben, dass Frauen doppelt so häufig an Schlafstörungen leiden wie Männer.

Dabei konnte mich früher nachts kaum etwas wecken. Seit sechzehn Jahren ist es anders. Als Mutter begannen die zerstückelten Nächte mit Stillen, Fläschchen geben, Beruhigen und Behandeln des häufig kranken Kindes. Ein Säugling macht aus dem Tag-Nacht-Rhythmus ein Durcheinander, kleine Kinder sind die Schlafräuber Nummer eins. Dazu die Streitereien mit meinem Ex-Partner, Verunsicherungen im Job und Existenzängste. Ich habe viele Nächte wach gelegen, damals. Beim Aufstehen waren die Gedanken gottlob weniger düster, als sie es Stunden zuvor gewesen waren.

Solche Nächte sind seltener geworden und die Sorgen weniger drückend. Ich weiss zudem besser damit umzugehen. Ich kenne Entspannungstechniken wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung, die ich hie und da anwende. Am meisten aber hilft mir das Wissen, dass sich der Körper in den betreffenden Stunden in einem Stimmungstief befindet. Das hat möglicherweise mit einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Melatonin zu tun.

Unsere biologische Geisterstunde

Das Stimmungstief fühlt sich wie eine kleine Depression an und hat mit unserer inneren Uhr zu tun. Nach vier Stunden Schlaf besteht die Tendenz, das erste Mal richtig aufzuwachen. Geht man zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett, ist ein Aufwachen zwischen zwei und drei wahrscheinlich. Um diese Zeit ist der Mensch am Tiefpunkt angelangt, seelisch und körperlich. Die Körpertemperatur ist zu dieser Uhrzeit am tiefsten, zugleich schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das weiteren Tiefschlaf verhindert. Auch die Psyche ist äusserst labil. Plötzlich wiegen die Probleme schwerer, bohren die Zweifel tiefer. «Um etwa drei Uhr haben wir unsere biologische Geisterstunde», erklärt der Schlafforscher Jürgen Zulley im Buch «Die innere Uhr».

Nächtliches Aufwachen und negative Gedanken gehören also quasi dazu. Das zu wissen, entspannt. Die Sorgen scheinen mit einem Mal nur halb so schwer. Dies lässt einen gelassener wach bleiben und darauf vertrauen, dass alles gut kommt.

Wie gehen Sie mit Schlafproblemen um?

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