Wann Verhütung eindeutig Männersache ist

Familienplanung abgeschlossen? Mit einem Eingriff übernimmt der Mann Verantwortung für die Verhütung und erspart der Frau die Einnahme von Hormonen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Kennen Sie die Szene aus «The Wolf of Wall Street», wo sich Leonardo DiCaprio mit ausgebreiteten Armen feiern lässt? So ungefähr bin ich im Kantonsspital Winterthur gestanden, als uns die Ärztin verkündete: «Es sind Zwillinge!» Keine Sekunde dachte ich daran, wie sich unser Leben dadurch verändern würde oder wie streng es werden könnte. Ich freute mich einfach, und ich fällte eine Entscheidung: Das wars!

Tatsächlich habe ich exakt zu dem Zeitpunkt für mich den Entscheid getroffen, mich unterbinden zu lassen, sofern die Kinder gesund zur Welt kommen. Meine Frau war in der nachfolgenden Diskussion zurückhaltender, obwohl wir uns vor der Schwangerschaft eigentlich einig waren, nicht mehr als zwei Kinder zu wollen. «Du sollst dir doch nichts verbauen, falls wir uns trennen sollten!»

Eine Frage der Kinder, keine Frage der Liebe

Doch für mich ist klar: Kinder haben nichts mit einer Beziehung zu tun. Will heissen: Meine Überzeugung, dass zwei Kinder genau richtig für mich sind, hat nichts mit der Anzahl Frauen zu tun, mit denen ich hoffentlich gar nicht mehr zusammen sein werde. Kommt hinzu, dass ich mit diesem Eingriff einerseits Verantwortung für die Verhütung übernehme und anderseits meiner Frau die ständige Einnahme von Hormonen erspare.

Also begann ich mich rund um den ersten Geburtstag unserer Jungs vertieft mit dem Thema Vasektomie zu beschäftigen – vorher hatte ich keine Zeit dafür, denn das Leben war überraschenderweise tatsächlich etwas anders und etwas strenger geworden. Schnell zeigte meine Recherche, dass die Operation für den Mann ambulant und günstig durchgeführt werden kann und deutlich ungefährlicher ist als ein vergleichbarer Eingriff bei der Frau.

Werte Väter, zeigt Eier!

Obwohl ich im Bekanntenkreis einige Horrorstorys hörte – die Klöten werden blau wie Enzian oder gross wie Wassermelonen! –, blieb ich bei meinem Entscheid und meldete mich beim Urologen an. Danach gings fix: Vorgespräch führen, Fackel unterschreiben, und zwei Wochen später wurde schon das Messer gewetzt. Heulen wie ein Wolf musste ich dabei nicht, im Gegenteil: Die Operation verlief problemlos und zwei, drei Tage später war ich bereits wieder schmerzfrei.

Seitdem sind zwei Jahre vergangen. Verändert hat sich weder meine Stimmlage noch die Libido. Und ebenso wenig verändert hat sich meine Einstellung: Verhütung ist in langjährigen Beziehungen mit Kindern eindeutig Männersache. Werte Geschlechtsgenossen, zeigt Eier, und zwar im wortwörtlichen Sinn!

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