Mal wieder Zeit zu zweit

Gemeinsames Innehalten kommt im Familienalltag oft zu kurz. Foto: iStock

Schaum berührt sanft den Nacken, den Rücken, die Beine. Die Seifenwolke, samten und weich, scheint auf und über einem zu schweben; und man glaubt irgendwann, es ihr gleichzutun. Schwebend, umhüllt von warmer Feuchtigkeit, duftend nach Amber.

Einzig die fliessenden Bewegungen der beiden Masseurinnen im Raum nehme ich noch wahr. Die Ritualmeisterinnen, wie sie sich nennen, ziehen Schaumteppiche über meinen Körper, immer und immer wieder. Hoffentlich hört das nie auf! Ob es mein Liebster, der zwei Armlängen neben mir auf dem Schragen liegt, auch so geniesst?

Und irgendwann beginnt man loszulassen: Stempelmassage während des Haki-Rituals. Foto: © Grand Resort Bad Ragaz

Dann denke ich, ich denke schon wieder, dabei sollte ich einfach sein. Wir sollten loslassen, vertrauen und uns in das Erlebnis hineingeben, sagten uns die Masseurinnen, bevor die über zweistündige Haki-Behandlung begann.

Entspannen und zueinander finden

Tamina-Therme Bad Ragaz, im Wellnessbereich. Mein Mann und ich befinden uns mitten in einem Paar-Ritual. Liegen dabei auf warmem Granit, grau und schlipfrig, in einem Raum namens «haki -Kunst der Berührung». Mithilfe von speziellen Massagegriffen, rhythmischen Schwingungen, Ölen, farbigem Licht, und viel Thermalwasser – auch kaltem –, sollen wir gestressten Menschen wieder ins Gleichgewicht kommen; auch als Paar. Dabei berühren wir uns nicht gegenseitig, sondern werden berührt.

Wir geniessen es, driften ab, jeder für sich. Hatte das Ritual mit Klängen und dem Singen von Vokalen begonnen, so endet es in einem Zimmerchen, wo wir wunderbar in einem Bett liegen könnten. Doch statt süssen Nichtstuns gibt es einen Auftrag: an uns zu arbeiten, uns mit einem selbst gewählten Symbol zu befassen und uns zu hintersinnen, wo wir uns im Leben sehen, was wir empfinden – und dies auf eine Leinwand zu pinseln.

Kitt für eine langjährige Partnerschaft

Es ist der Gschpürschmi-Teil, und wir witzeln darüber. Aber als wir uns wenige Stunden später bekleidet im Restaurant gegenübersitzen und uns verwöhnen lassen – hungrig und noch etwas entrückt –, greifen wir die Fragen wieder auf. Wir reden über unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche, wie schon lange nicht mehr, dabei verbringen wir auch im Alltag nicht wenig Zeit miteinander und sind uns meist nah.

Im Restaurant Igniv by Andreas Caminada kann man nicht nur gut reden. Foto: © Grand Resort Bad Ragaz

Dennoch kommen gemeinsames Innehalten und ehrlicher gegenseitiger Austausch als Paar – der nicht mit dem Alltag und nicht mit den Kindern zu tun hat – oftmals zu kurz. Dabei sind diese Stunden miteinander auf Dauer gerade so wertvoll. Sie bilden den Kitt für eine langjährige Partnerschaft und Liebesbeziehung. Hat man Zeit füreinander, erhält auch die Kommunikation eine andere Tiefe. Man spricht eher an, was einen wirklich beschäftigt.

Nach unserem Verwöhnwochenende haben wir uns jedenfalls vorgenommen, solche Auszeiten öfter zu nehmen. Ob solche Gespräche bei einem Glas Wein, einem Waldspaziergang, auf einem Skilift, nach einem Paar-Ritual oder in einem riesigen Bassin in wohligen 36,5 Grad Thermalwasser stattfinden, ist letztlich egal. Hauptsache, man nimmt sich Zeit für einander – und der Alltagsstress, die Kinder und die Smartphones sind für einmal weit, weit weg.

In diesem Sinne wünsche ich allen schon jetzt ein sinnliches und glückliches neues Jahr.

Der Aufenthalt im Grand Resort Bad Ragaz erfolgte auf Einladung.

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