Soll man schreckliche Kinderwünsche erfüllen?

Mädchen mit Hund – eine zu schöne Vorstellung, um wahr zu sein. Foto: Matheus Bertelli (Pexels)

Eigentlich wünsche es sich auf Weihnachten einen Hund, «einen richtigen». Mein Gottemeitli hält mir darauf ein Bild unter die Nase, das ein helles, wuscheliges Irgendwas zeigt. «Aha», sage ich. Dann erzählt mir die Neunjährige von der Idee, den Hund miteinander zu teilen: So hätten ihre Familie, meine Familie sowie ihr Grossmami Freude daran, und die Arbeit damit wäre für jeden nicht allzu gross. Ja, und dem Hund, dem ginge es wunderbar. «Der hätte drei Zuhause und wäre irgendwie immer in den Ferien!»

Wir lachen. Eine schöne Idee. Dennoch, niemand von uns Erwachsenen geht ernsthaft darauf ein. Es haben alle bereits genug zu tun, der Zeitpunkt für ein neues Familienmitglied ist ungünstig, auch wenn es – wie mein Gottemeitli noch einmal versichert – «für jeden ja nur um ein Drittel Hund geht».

Echter oder falscher Hund?

Zum Glück hat das Mädchen noch andere Wünsche. Wobei, unproblematisch sind auch diese nicht, da gebe ich seiner Mutter recht. Weil meine Patentochter ahnt, dass das mit dem Haustier nicht klappen wird, wünscht sie sich alternativ … einen Hund. Batteriebetrieben.

Das Tier aus dem Katalog heisst «Fur Real. Ricky, mein schlaues Hündchen» und kostet sagenhafte 179 Franken. Schlau soll Ricky deshalb sein, weil er Hundebiskuits isst und hinten wieder rauslässt. Nun ja. Also, wenn das Papa Tschannen wüsste, wäre er über den Weihnachtswunsch seiner Tochter dankbar.

Über die weiteren Geschenkideen meines Gottemeitlis halte ich mich bedeckt, weil, ich will hier keinen Shitstorm auslösen, die Kleine kann doch nichts dafür. Nur, was soll man als Eltern tun, wenn sich ein Kind zu Weihnachten lauter Dinge wünscht, die entweder unrealistisch sind, oder die man selbst unsäglich findet. Wie weit geht man auf die Wünsche des Kindes ein? Wie sinn- und geschmacklos soll ein Geschenk sein? Und wie teuer?

Zugeständnisse zu Weihnachten

Wahrscheinlich geht es dabei, wie so oft, um die richtige Mischung. Ich bin der Meinung, dass man Kindern an Weihnachten – ohne damit gleich seine eigenen Werte zu verraten – durchaus gewisse Zugeständnisse machen kann. Wenn es ein derart grosser Wunsch ist, einen fressenden und scheissenden Batteriehund zu besitzen, und zwei oder drei Leute aus der Familie zusammenlegen, um damit dem Mädchen eine Herzensfreude zu machen, ja, wieso nicht?

Auch wenn es wohl so sein wird, wie die Erwachsenen an Heiligabend bereits ahnen: dass das Interesse am Plastikwelpen gerade mal bis Silvester dauert. Doch das ist dann Sache des Mädchens, es wird hoffentlich damit klarkommen, dass die Freude daran nicht sonderlich lange anhält und ein Stück Lebenserfahrung gewinnen.

Vorsicht vor dem Päcklirausch

Was ich bei der Geschenke-Sache entscheidender finde, ist, dass die Kinder nicht mit Präsenten überhäuft werden. So abgeklärt und vernünftig die Verwandten normalerweise sein mögen: Sind an Weihnachten kleine Kinder mit im Spiel, verlieren diese den Verstand. Es gilt, den drohenden Päcklirausch früh genug im Keim zu ersticken und die grosszügigen Menschen um einen herum zu lenken.

Für Patchworkfamilien besonders anspruchsvoll: die Koordination – teils auch Mediation – zwischen den zig Grosseltern, Ex-Tanten und Neu-Verwandten, inklusive des anderen Elternteils. Am einfachsten ist es, wenn sich mehrere Verwandte an einem Geschenk beteiligen. Wie vielleicht bei Ricky, dem so wahnsinnig schlauen Hündchen.

Lesen Sie dazu auch die Postings: Das nervigste WeihnachtsgeschenkGeschenke zum Vergessen und Teure Bescherung.