Mama, du selig lächelnde Nachtschwester

Die beste Medizin: Kranke Kinder werden meist von Müttern betreut – im TV und in der Praxis. (Foto: iStock)

Letztens lag ich mit Fieber im Bett, die Nase lief, der Fernseher auch, und ich schaute – wehrlos, wie ich war – Werbung. Zahlreiche Spots zeigten andere kranke Menschen, die rotnäsig röchelten und sich mit schmerzverzerrten Gesichtern theatralisch an den Kopf griffen.

Ich war völlig in den Bann gezogen von all den angepriesenen Pülverchen und Säftchen, die versprachen, einen über Nacht wiederherzustellen und, zackzack, wieder zu einem rundum funktionsfähigen Mitglied dieser Gesellschaft zu machen.

In einem Spot, da röchelte ein Mann in einem Bett und ein Bub im anderen (Off-Stimme: Lassen Sie nicht zu, dass eine Erkältung Ihren wertvollen Schlaf raubt!), und mit einem sanften, ja seligen Lächeln rieb eine Frau zuerst dem einen, dann dem anderen die Brust ein, worauf das Röcheln natürlich sofort aufhörte und nun ebenfalls einem seligen Lächeln wich.

Ein Zauberpulver für die nie schlafende Mama

Ha, dachte ich. Ja klar. Die Frau geht bestimmt überglücklich und mit adrett gescheiteltem Haar ihrer angestammten Rolle als Nachtschwester nach – geübt im Verzicht auf ihren wertvollen Schlaf, Hauptsache, Mann und Kind sind versorgt. Erinnern Sie sich an einen vergleichbaren Spot mit umgekehrter Besetzung? Eben. Und das selige Mutterlächeln, es würde der Frau beim Balsamieren doch bestimmt vergehen, denn im Kopf hätte sie nur einen Gedanken: Ich werde die Nächste sein!

So hatte es in einem anderen Spot prompt die Mutter erwischt, die hustend mit ihren Balgen in einem Spielzeugauto pedalte. Hier ging es nun drum, die Mutter schnellstmöglich wieder «zurück ans Steuer» zu holen – der Vater schien gerade unabkömmlich, musste wohl arbeiten –, und nach Einnahme eines entsprechenden Zauberpulvers war sie dann auch sofort wieder parat, um die Balgen in der nächsten Einstellung im richtigen Auto ins Fechten, in den Violinunterricht oder sonstwohin zu fahren, wie sich das gehört.

Grippebedingt völlig von der Mutterrolle

Ich für meinen Teil war gerade heilfroh, dass das achtmonatige Kind noch keinen entsprechenden Freizeitbeschäftigungen nachging, zu denen ich es fahren musste. Hätte auch nicht mal einen Führerschein. Dafür hatte ich erwähntes Fieber und keine Kraft, das Kind herumzutragen, zu füttern, zu bespassen. Es schien irritiert, mich so darniederliegend zu sehen. Ich verkroch mich unter der Decke, weil ich seinen Anblick gerade schlecht ertragen konnte, so grippebedingt völlig von der Mutterrolle.

Als ich wieder gesund war, am Ende jenes Wochenendes, kehrte auch der Mann aus seinem schon lange geplanten, dreitägigen Städtetrip zurück. Er war gegangen, kurz bevor ich das erste grippige Pochen im Schädel gespürt hatte. Wer mich und das Kind in seiner Abwesenheit gepflegt hat?

Meine Mutter.

Der Mann hatte kaum ausgepackt, da spürte er ein Kratzen im Hals.

Ich such dann mal den Hustenbalsam.

Verdammt.

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