Kinder, kennt eure Rechte!

Stopp! Kinder müssen wissen, dass ihre Meinung etwas gilt – und es Unterstützung gibt. (Foto: iStock)

14’000 Kinder sind jedes Jahr von einer Scheidung betroffen. Dazu kommen Trennungen nicht verheirateter Eltern und über 40’000 laufende Kindesschutzmassnahmen. Doch nicht nur diese Kinder sollten ihre Rechte kennen – alle Kinder sollten es!

Ein Kind, das von den eigenen Eltern krank gemacht wird. Eines, dessen Eltern es Fremden zum Missbrauch anbieten. Geschwister, die im Schrank schlafen, weil die Betten in ihrem Zuhause von Müllbergen bedeckt sind. Kinder, die vernachlässigt werden, geschlagen, erniedrigt, gequält. Wenn Sie jetzt denken, dass es diese Kinder bei uns nicht gibt, dann täuschen Sie sich.

Welche Möglichkeiten haben Kinder?

Mein Mann hat als Kinderrechtler beruflich seit 15 Jahren mit solchen Schicksalen zu tun. Gemeinsam hatten wir die Idee, Kindern, die in ein Verfahren involviert sind – also in ein Kindesschutzverfahren oder eine Trennung oder Scheidung –, ein Mittel in die Hand zu geben, das ihnen ihre Rechte erklärt. So schrieben wir zusammen das Buch «Juris erklärt dir deine Rechte. Kinderrechte bei einer Trennung oder Scheidung und Kindesschutz». Zwar gibt es hübsche Bilderbücher, welche die Artikel der UNO-Kinderrechtskonvention aufzählen – aber was heisst denn das nun für ein Kind, das in einen Elternzwist involviert ist, das weder an der Hochzeit des Papas mit seiner neuen Partnerin teilnehmen darf noch am runden Geburtstagsfest der Mama, weil die Ex-Eheleute sich bekämpfen bis aufs Blut?

Monika Spring & Patrick Fassbind: Juris erklärt dir deine Rechte. Baeschlin-Verlag, 9.90 Fr.

Eine Trennung oder Scheidung ist für alle Betroffenen eine Herausforderung. Die meisten Eltern sind vernünftig genug, gemeinsam Lösungen zu finden – zum Wohle der Kinder. Während eine Scheidung immer von einem Gericht vollzogen wird, enden Trennungen nur dann bei einer Behörde, wenn sich die Eltern nicht einigen können, ebenso bei Streitigkeiten geschiedener Eltern, beispielsweise um das Besuchs- oder Sorgerecht. Nicht selten wird dann mit harten Bandagen gekämpft, und die Eltern sind getrieben von verletzten Gefühlen, Eifersucht, Wut, Verzweiflung oder Not. Doch was ist mit der Not der Kinder? Kinder, die verunsichert sind, zwischen den Fronten stehen oder in einem Loyalitätskonflikt stecken. Eltern holen sich die Unterstützung eines Anwalts. Doch welche Möglichkeiten haben Kinder?

Danke Juris!

Juris, von seinen Freunden «der kleine Advokat» genannt, erklärt seinen Freundinnen und Freunden – und damit allen Kindern, die seine Geschichte lesen – ihre Rechte in kindgerechter Sprache. Zugegeben, Juris ist ein bisschen altklug, aber er versteht es, komplexe juristische Themen wie Kindeswohl oder richterliches Gehör verständlich zu vermitteln. Er zeigt betroffenen Kindern, dass sie nicht allein sind, dass sie Möglichkeiten haben, ihre Meinung zu sagen und wenn nötig Unterstützung zu bekommen, und hilft ihnen so, selbst über ihr Schicksal zumindest mitzubestimmen.

Wir haben mit unseren Kindern das Buch gelesen und besprochen, auch wenn wir hoffen, dass sie nie direkt von den Themen Trennung, Scheidung oder Kindesschutz betroffen sein werden. Trotzdem halten wir es für wichtig, dass sie ihre Rechte – und auch Pflichten – als Kinder kennen. So haben sie es nun schwarz auf weiss, dass sie das Recht haben, Stopp zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen, und dass niemand Kinder schlagen darf; aber ebenso, dass sie nicht zu viele Süssigkeiten essen sollten und regelmässig die Zähne putzen müssen. Neu klingt es dann bei uns zu Hause so: Tochter (7): «Stopp, ich will nicht Zähne putzen!» Ich: «Zähne putzen muss sein, sonst werden deine Zähne krank.» Tochter: «Hmm, das wäre dann ja gegen das Kindeswohl.» Genau. Danke Juris!

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