Wieso heissen Kitas immer so infantil?

Sie geht sicher in die Kita Chäferli: Ein Mädchen auf einem Kinderkrippen-Spielplatz. Foto: Getty Images

Komiker Dominic Deville sagte kürzlich in einem Interview zu seiner Vergangenheit als Kindergärtner: «Meine Themen gingen in eine andere Richtung als das übliche Bäume-Blumen-Schnecken.»

«Endlich sagt das mal einer», dachte ich. Bäume, Blumen und Schnecken waren mir schon lange suspekt. Die Welt, die Erwachsene für Kinder erschaffen, blüht im engen Korsett einer seltsam gespenstischen Naturromantik. Kinderlieder strotzen von Chäferli und Spinneli. Das Vögeli abschiessen tun aber die Kitas mit ihren ganz besonders infantilen Namen: Von der Kita Sunneblueme mit den Gruppen Igeli, Müüsli und Pilzli bis zur Kita Pandabär.

Langweilig fantasievolle Kitanamen

Es scheint einen Wald zu geben, auf den stets die Sonne scheint. Hasenbabys hüpfen zwischen den Farnblättern umher, während auf der nahen Lichtung die Schmetterlinge vom Löwenzahn zum Margritli und wieder zurückflattern. Es ist der gute Wald. Ihm entspringen Kinderlieder, Värsli, Spielgruppen – und Kitanamen.

Daneben gibt es einen dunklen zweiten Wald. Er wächst auf einer alten Sondermülldeponie und in ihm leben all die Tiere, die für Kitas tabu sind. Und ich fragte mich: Wer hat entschieden, dass man sich nur im süssen Wald bedient?

Warum heissen Kitas «Hummelinäscht», aber nie «Iltiskot»? Warum gibt es neben der «Kita Zottelbär» nicht eine «Kita Zecke» oder eine «Kita zum tollwütigen Eber»?

Und dabei sind wir ja noch nicht einmal beim Höhepunkt dieses vermeintlichen Kleinkinderhumors angelangt. Noch schlimmer ist alles, was nicht dem Wald entspringt: Die Kita Firlefanz oder die Spielgruppe PiPaPo zum Beispiel. Da haben selbst Coiffeur-Wortspiele weniger Fremdschämpotenzial. Kurzer Test: «Gute Kinderstube», «Kindermastbetrieb» oder «Brutstätte». Auch schlecht, aber immer noch besser – der Guggenmusig-Stil, kombiniert mit einer lüpfigen Alliteration: «Windelfüller Wipkingen» oder «Breimarder Brigerbad». Und wenn es ums Verrecken härzig klingen muss, dann wenigstens «Kita Röselichölihäcksler Röthenbach».

Niedliche Sprache unterfordert Kinder

Bestimmt gibt es Kinder, die sich über solche Babyfolklore herzhaft freuen. Über Schnäggehüsli und Bilderbücher, in denen sich «immerzu» auf «im Nu» reimt. Und über die tägliche Fahrt im Veloanhänger zur Kita Holterdipolter. Persönlich kenne ich kein solches Kind, und auch unser Brecht ergötzte sich nie sichtbar an diesen Judihui-Niedlichkeiten. Im Gegenteil: Ihn interessierte immer – oh wie menschlich – das von der Norm Abweichende.

Ich wünsche mir für unsere Kinder einen vielfältigeren Humor als Bäume-Blumen-Schnecken bis zur Pubertät. Meine These lautet: Sprache darf nicht zu kindgerecht sein. Sie soll ruhig etwas überfordern, denn Sprache ist keine Bambusflöte, die Maximilian-Jason frustriert in eine Ecke wirft, wenn er sie nicht begreift. Kleine Kinder bringen einen grossen Ehrgeiz mit und sind fähig, weit mehr sprachliche Vielfalt zu erlernen, als wir ihnen zutrauen. Es lohnt sich, auch Zweijährige zu fordern: Mit komplizierteren Verben als «sein» und «machen». Mit abstrakteren Begriffen als «Eichhörnli» und «Rägeboge». Aber auch mit Ironie, Absurditäten und einer gesunden Portion krudem Humor. Das funktioniert – wir haben es am Brecht getestet.

Aber natürlich kann ich mich irren. Vielleicht tingelt der Brecht dereinst als unglücklicher Komiker durch die Kleinkunstszene und bestraft mich für die fehlende Tierli-Romantik seiner Kindheit, indem er mir ein schönes Zimmer bucht: in der Gruppe «Uhu» der Seniorenresidenz Waldesrand.

Lesen Sie dazu auch: «Sprachlich sterilisiert: Das Mami»; «Liebe Eltern, das nervt!»

116 Kommentare zu «Wieso heissen Kitas immer so infantil?»

  • Karl-Heinz sagt:

    Ich würde die Kita „Windel-Bootcamp“ nennen. Zufrieden?

  • Maike sagt:

    Warum die so heissen ? Weil z.B. Stahlgewitter oder explodierender Vesuv eben keine so schöne Namen sind. Wenn man sonst keine Probleme hat ist das ja schön..

  • Vera Dunst sagt:

    Hab so gelacht beim lesen! Ich bin Waldspielgruppenleiterin mit genau so einem herzig purzligen Namen und jedes schleimige Schnäggli, Kellerasseli und Stinkwänzeli wird ausgiebig be-jööt bei uns, aber auch Naturwissen weitergegeben. Denn wir wollen, dass die Kleinen sich in die Natur verlieben und drum wird in diesen 3 Std. sehr positives Brainwashing betrieben. Schlammigen Kleider, die erddreckigen Hände und Gesichter werden gelobt und nicht geputzt um das oft schon antrainierte Sauberkeitsverhalten etwas zu relativieren.
    Es gibt auch genug Wäääk-Material, wie Fuchsgaggi am Stiefeli und Händen oder kopflose Mäudekadaver auf dem Essplatz.
    Jedenfalls erzählen unsere Waldsofafurzer zu Hause voller Begeisterung von ihren Abenteuern in der Natur.

    • Glasmost sagt:

      Wahrscheinlich werden dann zehn Jahre später interessierte Mediziner voller Begeisterung die MR- Bilder mit den Echinokokken-Finnen in den Hirnen ihrer ehemaliger Waldspielgruppenkinder studieren können – als Folge vom „Fuchsgaggi“, welches von den Händen in den Mund der Kinderchen gelangte.
      Auf jeden Fall eine schöne Erinnerung an die Waldkitaleitern von annodazumals, die offensichtlich nicht wusste, dass in der CH bis zu 50% der Füchse Wirt des Fuchsbandwurmes sind und dieser durch den Kot übertragen wird.

  • Glasmost sagt:

    Im Gegenzug wünschte ich mir mal einen Papa-Blog, ohne dass ein infantiler Maximilian-Jason-Spruch auftaucht. Satirische Texte dürfen ruhig etwas anspruchsvoll sein. Ich wünschte mir für die Leser einen vielfältigeren Humor.

  • NR sagt:

    Grüezi Herr Tschannen
    Danke für Ihre erfrischenden Beiträge, passend dazu kann ich Ihnen das Lied von „Marius und die Jagdkapelle: Tör die das?“ empfehlen 😉 Sollten Sie die besagte Band noch nicht kennen – ein reinhören lohnt sich (auch für Erwachsene, so heisst ein Titel „Superchind“ und im Refrain geht es um „Rita, Linus, renned chli ums Huus…“
    Grüsse und hoffe auf weitere Beiträge
    NR

  • Roland Külling sagt:

    und wie steht‘s um die Namen der Alters- und Pflegeheime?

    • Dasselbe Trauerspiel in noch einfallsloser.

      • k. miller sagt:

        Die Benennung der Altersheime ist zwar weniger infantil, aber manchmal durchaus (unfreiwillig?) komisch: Altersheim „Zur Ruhe“ in der gleichen Strasse wie der Friedhof… Aber die Sprache IM Altersheim, also im Umgang mit den alten Menschen, nimmt teilweise wieder sehr kindliche Züge an…

    • Barbara V.E. sagt:

      ich merke, wie ich bei meiner Mutter (85 Jahre alt) auch langsam wieder in die gleiche Sprache komme wie ich sie bei meiner Tochter anwendete. Die Sätze müssen kürzer und klarer werden. Die Worte einfacher. Es ist noch nicht infantil. Aber ich merke, dass ich anders kommunizieren muss, weil meine Mutter mich sonst nicht versteht. Und anstatt dreimal den Satz normal zu sagen und zu wissen, dass sie ihn auch nach dem dritten mal nicht versteht, sage ich ihn halt etwas altersgerechter.
      Meine Mutter sagte uns immer, ihr Väter hätte gesagt: Mit 6 ist man ein Kind und nach 60 wird man es wieder (im italienischen Dialekt meiner Mutter reimt es sich). Und genau das stelle ich auch fest. Nicht grad mit 60 Jahren, aber doch: langsam will das Hirn nicht mehr gleich wie mit 30 oder 40

  • Sophie Blanc sagt:

    Also das wort Kita ist furchtbar ! Anfangs wusste ich gar nicht was sie meinen damit (bin in der Westschweiz). Hier sagt man „garderie“ also „Hüeteort“ und das ist weicher ! Selten seht man einen anderen Namen angehänkt, es ist einfach die Garderie vom wohnviertel. Also schon Kita ist für ich unverdaulich ! Dann das einen hübschen Name folgt warum nicht, aber nicht einen lächerlichen.
    Aber das sind ganz kleine problemchen.

    • maia sagt:

      Das finde ich auch – warum heissen die Krippen plötzlich Kitas?

      • Ich plappere Wikipedia nach: Weil die Begriffe Krippe, Hort, Tagesheim, etc. in der Schweiz regional unterschiedlich verwendet werden. Mancherorts z.B. Krippe für die ganz Kleinen und Hort für die Grösseren. Das ursprünglich deutsche „Kindertagesstätte“ setzte sich deshalb in der Deutschschweiz als einheitlicher Begriff durch. Der Dachverband hat sich ebenfalls bereits umbenannt.

      • Doris sagt:

        Kita hat im schweizerischen Sprachgebrauch Einzug gehalten, als so viele deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger kamen. Dabei hing ich wirklich am Begriff „Krippe“, drückt für mich mehr Geborgenheit aus als das Wort Kindertagesstätte.

      • maia sagt:

        @Markus Tschannen: ich finde es trotzdem schrecklich.
        @Doris: genau

  • Zwillingspapi sagt:

    Danke Herr Tschannen.
    Habe mich köstlich amüsiert über den Blog und die Kommentare und das heisst dann ja, dass ich noch lebe…
    🙂

  • Hotel Papa sagt:

    Bei uns gab es eine KiTa (?) „Hoi Gümper“ Das fand ich witzig.

  • Matthias sagt:

    Voll aus dem Herzen geschrieben. Jeden Tag, wenn ich mit meinen beiden Hunden an der Kita Hüpf Häsli Hüpf vorbeigehe, fangen die beiden an, sich wie solche zu benehmen. Zum Fremdschämen.

  • Sabine sagt:

    Ich wehre mich auch gegen „Kindersprache“ und vermeide insbesondere die gängige Verniedlichung aller Sachen. Ganz ganz schlimm finde ich „chum mir gönd go äs neus Windeli ahzieh“….

    Und nun – zu meinem grossen Erstaunen – verniedlicht meine knapp 3-jährige Tochter so ziemlich alles. Schuhe werden zu Schüehli, Hose zu Hösli und ich – OH SCHRECK – zum Mameli…. Woher hat sie das bloss?

  • Martin sagt:

    Ich habe mich das auch schon gefragt. Vermutlich liegt es daran, dass es wohl auch so gewünscht wird. Kinder sind klein, herzig und unschuldig und mit diesen Namen, will man den Kindern wohl zeigen, wie gern man sie hat. Ich konnte noch nie etwas damit anfangen. Zum Glück hiess mein Kindergarten damals einfach Kindergarten; fertig. Vermutlich sind diese ganzen „Fantasy-Wald-Feen-Einhorn-etc.“ Namen, der Verniedlichung der Kinder durch die Erwachsenen geschuldet. „Ein Baby – jöööö wie herzig“… Noch schlimmer finde ich diese „Regenbogen“-Windrädli für Kinder! Wieso müssen Sachen für Kinder immer regenbogenfarbig sein? Ich kann das nicht ausstehen!

    • Die Windredli sind glaubs für die Farbenlehre, weil die ja grau werden, wenn sie sich ganz schnell drehen.

      • Martin sagt:

        @Tschannen: Ich dachte, die Basisfarben wären Rot, Grün, Blau und noch irgend eine, plus Schwarz und Weiss? Obwohl die beiden letzten nicht als Farbe gelten. Alle anderen Farben kann man mischen. Aber vielleicht haben Sie recht. Mir gefällt es trotzdem nicht. Kinder sollen die Sachen am besten selber anmalen. Künstler haben auch ein blaue, grüne, etc. Phase, wieso sollten Kinder das nicht auch ausleben dürfen? Aber ist ja bloss eine Kleinigkeit. Vielleicht sollte man eine Kita „Zum Piraten“ gründen? Wäre aber wohl mehr etwas für Jungs, denke ich mal.

      • tina sagt:

        ich finde, jemand sollte sich noch aufregen wegen dem gender-patzer. wer meldet sich freiwillig? sonst müssen wir einen bestimmen

    • 13 sagt:

      „Wieso müssen Sachen für Kinder immer regenbogenfarbig sein? Ich kann das nicht ausstehen!“

      Im Gegenteil. Seit die Shabby-Chic-Hysterie auch die Kinderzimmer befallen hat, werden Sachen für Kinder immer häufiger weiss, holzfarbig oder in Pastelltönen. Das ist furchtbar! Kein Kind würde z. Bsp. ein Bild schwarzweiss oder Pastell malen. Kinder mögen es bunt und sie haben ein Anrecht auf Farben!

      • Martin Frey sagt:

        „Kinder mögen es bunt und sie haben ein Anrecht auf Farben!“
        Gilt das auch für Pink an Accessoires und Kleidern, 13? 🙂
        Kleiner Scherz, natürlich hast Du recht…

      • Sportpapi sagt:

        „Shabby-Chic-Hysterie“? Worum geht es da? Muss an mir vorbeigegangen sein…

      • mila sagt:

        Ich hätte es nicht Shabby-Shic-Hysterie genannt. Eher ‚Scandinavian Design‘. Aber ich weiss genau, was 13 meint. Und finde es ebenso un-kindlich, in all diesen gedeckten Pastell- und Grautönen, die sich so schön ins stil-reduzierte elterliche Wohnungs-Interieur fügen…

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ich wiederhole noch einmal: Das muss ganz an mir vorbeigegangen sein.
        Wir versuchen gerade wieder mal, dass sich der Kinderbereich nicht gerade über die ganze Wohnung ausbreitet…

      • mila sagt:

        Hmm. Es gibt bei uns Spielzeug, das im Wohnzimmer willkommen oder sogar be-heimatet ist. Anderes musste von Beginn weg im Kinderzimmer bleiben (Lego, Playmobil, Bauernhof – also Kleinteiliges). Meine nicht ganz Dreijährige hält sich problemlos daran. Aber wir haben es von Beginn weg konsequent so handgehabt. Lego wieder aus dem Wohnzimmer auszuquartieren stelle ich mir eher schwierig vor, wenn es sich dort zuvor ausbreiten durfte…

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Klar, ich habe nichts gegen pink. (Ich würde ja jetzt normalerweise „auch für Jungs schreiben“, aber vielleicht ernennt tina dann mich zur GenderpolizistIN und ich wollte mich (ausnahmsweise) nicht freiwillig melden und dann müssten wir darüber diskutieren, warum Freiwilligenarbeit so häufig von Frauen erledigt wird und Ihr seht wo das hinführt… 😀 😀 😀 )

        @ sp
        Schreib mal Kinderzimmer ins google und drück dann auf Bilder. Ich bin sicher, die ersten Bilder kommen in weiss/holz daher. Und ich bin sehr für spartanische Kinderzimmer mit möglichst wenig Sachen und viel Platz für Kreativität. Aber warum muss man an den Farben sparen?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Aber warum muss man an den Farben sparen?“
        Vielleicht aus demselben Grund, weshalb die Hälfte der Schweizer ein Grossteil des Jahres in Schwarz herumlaufen. 😉

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ja, da sind einerseits die Grundsätze, andererseits die Realtität. Die Kinder wollen ja gerne da spielen, wo sich die Erwachsenen auch aufhalten. Wenn dann bald einmal alle ihr eigenes Zimmer haben, wird aber schon ein anderes Regime eingeführt. Und mit zunehmendem Alter sind wir dann froh, wenn sie wieder mal aus dem Zimmer herauskommen…

      • Sportpapi sagt:

        @13: Bei mir kommen die ersten Bilder in Farbe. Und dann schnell mal Ikea, wo sowieso alle Farben erhältlich sind. Wir haben bei uns auch Wert auf viel Platz gelegt, und entsprechend auf viel Stauraum (hinter Türen). Denn was die kleinen Sammler so alles unterbringen wollen, geht ja sowieso eigentlich gar nicht in ein Zimmer.
        So oder so: Wir haben sicherlich beim Kinderzimmer (und leider auch weniger sonst) keine Style-Idee, sondern sind da sehr pragmatisch.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Eigentlich müsste man ja eher diskutieren, warum man so viel darüber diskutiert, wer Freiwilligenarbeit erledigt. Die ja eben per Definition freiwillig ist. Und warum dennoch der Anschein erweckt wird, das sei irgendeine Pflicht, die „hängen bleibt“.

      • mila sagt:

        Dieses kindliche Befürfnis, dort (auch) zu spielen, wo die Erwachsenen sind, verstehe ich gut. Deswegen steht zum Beispiel die Spielküche (und auch anderes) im Wohnzimmer. Aber ich habe auch das Bedürfnis, nicht dem Kleinstlego- oder Playmobilzubehör durch die gesamte Stube nachzujagen… auch nicht den Bügelperlen. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder durchaus auch bereit sind, sich an gewisse Vorgaben zu halten, wenn man ihnen in anderen Bereichen entgegenkommt.

        Übrigens bin ich auch nicht der Typ fürs Spartanische. Wir gestalten aktuell das Kinderzimmer neu (und wechseln es mit dem Büro, so dass unsere Tochter mehr Kinderzimmer-/Spielbereich bekommt. Danei finde ich, dass Kuscheliges/Einladendes wichtig ist. Wer träumen kann, es gemütlich hat, Möglichkeiten hat,

      • mila sagt:

        sich auch körperlich auszutoben, dessen Ideen gehen nie aus. Zumindest habe ich noch nie von unserer Tochter gehört, dass ihr langweilig wäre, und sie beschäftigt sich nun doch schon über sehr lange Strecken auch alleine. Fast schon künstliche Reduktion ist mein Ding sicher nicht.

      • 13 sagt:

        @ SP/mila
        Meine Mutter hatte so ein „Kein Spielzeug im Wohnzimmer“-Regime. Nicht einmal ein Buch durfte liegen bleiben, ihre natürlich schon. Mich hat das immer sehr gestört, denn ein Wohnzimmer soll doch für alle sein.
        Wir haben es nun so, dass jedes Familienmitglied seinen Platz hat, je ein Tablar und eine Schublade, dazu ein alter Koffer mit Spielsachen für alle und eine Bücherkiste. Es darf einfach soviel im Wohnzimmer sein, was darin passt und es muss aufgeräumt sein (abends oder wenn Gäste kommen). Gleich wie ich nur soviele Bücher im Wohnzimmer haben darf, wie ins Büchergestell passen, der Rest anderswo. Ich muss sagen, ich liebe es so. Es ist gemütlich, nicht überstellt und doch sind alle vertreten.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Natürlich sollen die Kinder auch Platz haben. Mit Betonung auf „auch“. Das mit dem Abends aufräumen klappt jeweils noch nicht so gut…
        Selber habe ich nur das aktuelle Buch im Wohnzimmer, wenn überhaupt. Nun gut, es sieht jedenfalls immer nach viel Leben aus 🙂

      • mila sagt:

        @13: Das finde ich eine schöne Regel. Könnte vielleicht so ab Kindergartenalter bei uns Einzug halten… wobei jetzt schon einiges ins grössere Kinderzimmer abwandern darf. In der extra gemütlich geplanten Kinderlesecke dürfen gerne ein paar Kinderbücher Platz finden, die momentan (in Überzahl) auf meinem Abstellregal hausen.

  • Tina sagt:

    Kita zum tollwütigen Eber und Iltiskot?!? Würden Sie ihr Kind wirklich in der Kita zum tollwütigen Eber abgeben? Wenn das die Vorstellungen der Männer von Kita Namen sind, dann ist es wohl besser, dass Frauen das bestimmen. Als ich die Artikel Überschrift gelesen habe, habe ich mir spannende, gute, neue Kita Namen erhofft, etwas zum Schmunzeln und etwas zum Studieren. Bekommen habe ich einen tollwütigen Eber, der mehr an ein Restaurant erinnert als an eine Kita. Jetzt bin ich für einmal richtig enttäuscht von Herr Tschannen.

    • Oh, sind gute Kitanamen eine Frage des Geschlechts? Ich glaube, das sind eher persönliche Präferenzen ausschlaggebend.

      Ich für meinen Teil trete lieber in Iltiskot als in ein Hummelinäscht. Und was ist denn an einem Eber verwerflich?

      Aber ernsthaft: Ich würde mein Kind tatsächlich lieber in eine Kita geben, deren Betreiber durch die Namenswahl einen etwas absurderen Humor beweisen. Deutlich lieber als die „Kita Chüngeli“ oder in die „Kita Häxebäse“.

  • Tabea Schneider sagt:

    Ich bin froh, haben wir die Betreuung der Kinder selber in die Hand genommen. Das war das beste Investment ever. Mussten zwar ein paar Jahre auch verzichten können. Aber wenn ich das Resultat sehe, bereuen wir nichts.

    • Ben B. (Deutschland) sagt:

      Hatten wir auch überlegt.
      Das kann aber nicht jeder leisten.
      Ich habe eine eigene Firma; meine Frau eine leitende Position in einem Versicherungsunternehmen.
      In beiden Fällen bleibt man nicht einfach so weg. Auch nicht befristet.

      Und im Grunde sind Kitas eine sehr nützliche Sache für Eltern und Kinder.
      Uns entlasten sie bei der Arbeit und andererseits hat unser Sohn sehr vom gemeinsamen Miteinander dort und auch seiner eigenen Selbständigkeit davon profitiert.
      Er bewegt sich in fremder Umgebung jetzt sehr sicher, ißt (äußerst mangelhaft noch) mit Messer und Gabel und bindet sich allein die Schuhe zu…. 😉

      Aber ich glaube auch nicht, daß Herr Tschannens Beitrag gegen die Kitas als Institution gedacht war, sondern eher als ironische Bemerkung zu dem oft dort herrschenden Geist.

  • Ben B. (Deutschland) sagt:

    Ich bin ein Mann und leide auch.
    Die Namensgebungen sind wohl der geistigen Haltung diverser Mütter geschuldet, von denen in unserer Kita immer ein Pulk am Eingang steht und schwadroniert, wenn ich meinen Kleinen dort abgebe und zur Firma fahre.
    Oft genug hat sich dieser Pulk auch noch nicht aufgelöst, wenn ich um 16:00 Uhr meinen Sohn wieder abholen muß, weil diese Kita dann schließt.
    Die Kinder dieses Pulkes haben auch immer lustige Mützchen mit Hasenohren oder Bärchen-Kostüme an.

    Es ist ein intellektuelles Problem bestimmter Frauen, welches auch die Ursache dafür ist, daß ich mir 42 Jahre lang eine feste Verbandelung nicht vorstellen konnte und erst mit dem Kennenlernen meiner heutigen Frau festgestellt habe, daß es auf der Seite des Ufers auch andere Bewohner gibt.

    • Synn sagt:

      Sie sprechen mir aus dem Herzen – und ich bin eine Frau!

      Dasselbe gilt für Kosenamen für erwachsene Menschen. Ich könnte mich jeweils wegschmeissen, wenn ich sowas wie „Bärchen, schau mal….“ höre und dann kommt ein gestandener 1,90 m Kerl um die Ecke ;D

  • Jan Holler sagt:

    Sprache „überfordert“ Kinder von aller Anfang an, es ist ein stetiger Lernprozess. Wer das Kindli unterfordert, tut ihm keinen Gefallen.
    Der Diminutiv gehört zur Schweiz, wie die Berge, so scheint es zumindest. Gerade letzthin erschien ein ganzseitiges Inserat eines unserer beiden Grossverteiler: Lammhüftli stand da in fetten Lettern. Man schiebt ja dort auch das Wägeli in dem sich Würstli und Semmeli neben Brötli und Röseliköhli befinden.
    Übrigens haben die städtischen Kitas in Bern allesamt die Namensform ‚Kita Ortsbezeichnung‘, also z.B. „Kita Breitenrain“. Und ganz so arg, wie der Titel „heissen…immer so infantil“ ist es dann doch nicht:
    https://www.kibesuisse.ch/verband/mitglieder/mitglieder-suchen/liste-der-kindertagesstaetten/

    • Im Breitsch vielleicht, Herr Holler. Ich wohnte früher neben der „Kita Dängelibänz“ in der Länggasse.

      „Kita Ortsbezeichnung“ fände ich einen schönen Namen.

      • Jan Holler sagt:

        „Dängelibänz“? Und das dann jeden Tag! Das muss ja Phobien auslösen. Aber wissen die Namensgeber denn, was sie tun? Gerade letzthin hiess es, schon Zehnjährige saufen gelegentlich, und dann liest man im Lied das:
        http://www.falleri.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=254:dr-daengelibaenz
        „…Es Schöppeli Wy, es Schöppeli Wy
        Hallihallo, es Schöppeli Wy, es Schöppeli Wy…“

        Meine Kinder waren immer in Kitas und Tagis. Komischer- und glücklicherweise waren dort nie die gschpürigen Verniedlicher/innen beschäftigt. Doch einmal gab es eine Betreuerinn in der Kita des BAG, die redete immer in Li-Form. Die Leiterin darauf angesprochen hat sofort reagiert: Das darf nicht sein, das sei klar in den Bestimmungen aufgeführt und es hörte dann auch sofort auf.

    • Vierauge sagt:

      vielen Dank für die Liste, auf der ich gesehen habe, dass es die Crêche Universitaire in FR immer noch gibt. Die hatte keinen albernen Namen, war aber für unseren Grossen vor 20 Jahren echt toll und zweisprachig.

      • Ruben Illi sagt:

        Ja super, dass es die Uni- Kita
        gibt. Unsere Kita hier in Schwamendingen heisst leider nur „Orchidee“ hat dafür als eine der möglichen Sprachen auch tamilisch im Angebot.
        Was ich daran sehr schätze ist, dass unser Sohn später Ghetto- Credibility hat und kein elitärer Schnösel wird.
        Interessanter wäre doch zu wissen warum immer mehr „Bambi“- Kitas aus dem Boden spriessen und wie es dem dort mit der Betreuungsqualität aussieht.
        Meist seh ich dann die fast nur weiblichen( unterbezahlten ) Betreuerinnen stumpf ihre Runden im Glattpark drehen.
        Meist eher dem Handy zugewandt als den Kindern .
        Aber das interessiert hier wahrscheinlich niemanden.

      • Lichtblau sagt:

        Die Kita unserer Tochter hiess einfach „Heilsarmee“. Sicher nicht unsere erste Wahl, aber in der ebenso nahegelegenen Kinderkrippe „Artergut“ war die Warteliste endlos.
        Beide Zürcher Etablissements liegen wunderschön im Zürcher Seefeld und haben einen grossen Garten. Und die streng klingende Heilsarmee-Einrichtung entpuppte sich trotz „Jesus-Gschichtli“ als schwer in Ordnung.

  • Reincarnation of XY sagt:

    so Herr Tschanen – besten Dank für die famose Plauderei
    Es freut mich, dass Ihnen Sprache ein Anliegen ist, deshalb ein Gedicht, das meinen Punkt unterstützt, dass es nie verkehrt ist, die Jööö Welt im Herzen zu tragen.
    Wenn Friede sich sanft legt
    einen Moment Ewigkeit erfleht
    zu Sein vollkommen erscheint
    weil ein Zauber mich mit der Welt eint

    Ich traure um die,
    die nicht mehr sehen
    wie Wunder geschehen
    ich trauere um die, die
    Glück nicht mehr finden
    Weil Anmut und Stille verschwinden

    Ich wünsch euch, dass ihr wieder Staunen lernt
    wie ein Kind, das im Augenblick ertrinkt
    und das Ringen um ein besseres Morgen
    euch nicht zu viel nimmt

    Ich hoff das euch die Demut findet
    und ihr huldvoll ein liebes Lied singt.

  • Homer Simpson sagt:

    „Haus zum Schreihals“ oder „Casa Kotztüte“ wären tatsächlich passendere Namen für die Kinderparkhäuser.

  • 13 sagt:

    Unsere Kita wäre übrigens völlig auf Ihrer Linie. Der Name ist aus dem Wort „Kita“ und dem Ort, wo sie sich befindet zusammengesetzt. Die Gruppen hiessen lange Nord- und Südpol, jedoch muss der Namensgeber oder die Namensgeberin in Geografie geschlafen haben, denn der Umstand, dass der untere Stock Nordpol hiess und der obere Südpol führte immer wieder zu Irritation. Demokratisch wurde irgendwann über eine Namensänderung abgestimmt. Es wurden dann Tiere, allerdings keine Verkleinerungsformen und keine süsslich angehauchten.

  • 13 sagt:

    Der letzte Abschnitt ist herrlich. Auch ich habe mich immer wieder gefragt, warum man Kindern, die gerade sprechen lernen, die komplizierteren Verniedlichungsformen zumutet, anstatt das richtige Wort. Über die Lieder muss man sich ohnehin nur beim ersten Kind sorgen. Die Nachfolgenden können vielleicht „Aui mini Änteli“ nicht mehr, aber singen „079 hei si gseit“ oder „Je ne parle pas francais, aber bitte sprich weiter“ und man wünscht sich sehnlichst „Räge räge Tröpfli“ zurück!

  • Papperlapapi sagt:

    Kein Thema zu banal, um nicht als Blogthema hinhalten zu müssen. Unsere Kita hiess fantasielos „Neugut“, nach dem Altersheim in dem sie untergebracht ist. Im Kindergarten gab es dann die Gruppe „Maus“ und „weiss nicht mehr“. Heute ist der Sohnemann in der Klasse 4a, Gruppe „Tiger“, die Tochter in der Klasse 6a in der Gruppe A.
    Keine der Namensgebungen hat bei mir bis heute irgendeine emotionale Reaktion ausgelöst und bei den Kindern konnte bis heute kein grösserer Folgeschaden durch die Gruppennamen festgestellt werden. Mein Gott.

  • ronald salathe sagt:

    Köstlich Ihr Schlussabschnitt, Herrr Tschannen; habe geschmunzelt.

  • Niklas Meier sagt:

    Ich wäre ja über die Reaktionen gespannt, wenn die Kinder ins „Kuckucksnest“, „Schlangenloch“, oder die Gruppe „Penisfisch“ und „Schuppenflechten“ müssten.
    Tiere sind doch gut. Da gibt es keine Genderfallen (obwohl ich schon von Lehrerinnen „Elefantin“ lesen durfte), keine Rassismusstolpersteine und es wird auch nicht diskutiert, ob „Elefäntli“ nun ZU multikulti sein könnte oder zu wenig.

    • Martin Frey sagt:

      @Niklas Meier
      😀

    • Das sind tolle Namensvorschläge. Ich würde den Brecht sofort schicken. Ernsthaft. Bei der Kita „Schlangengrube“ mit den Gruppen „Seepocke“ und „räudiger Schakal“ weiss ich doch, dass mein Kind zumindest Humortechnisch gut aufgehoben ist.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Aber Herr Tschannen, ein Denkfehler. Humor kann erst dann entstehen, wenn man das Original kennt.
        Als unsere Kinder Rapunzel zum ersten Mal „neu verföhnt“ sahen, konnten sie die meisten Witze nicht verstehen, weil sie das Original nicht kannten.
        Das konnten wir dann nachholen, indem wir gefühlte 20mal die Grimm Original Versionen vorlesen konnten. – Mein grösster Fehler: ich konnte nach dem 5.mal meine sarkastischen Nebenbemerkungen nicht verkneifen. Das hat sie jeweils dermassen aufgepeitscht vor Lachen, das an Schlaf nicht mehr zu denken war

        Aber, wie gesagt, zuerst muss man mal das Original kennen. Erst dann wird man gut. Ohne gute Bibelkenntnis ist vieles von Monty Python auch nicht wirklich zu verstehen.

      • Da haben Sie natürlich recht. Man muss vermutlich in der Kita „Flüügepilzli“ gewesen sein, um dann als Erwachsener der Kita „dreibeinige Hyäne“ etwas abgewinnen zu können.

  • Ursula Haass sagt:

    Fängt das jetzt hier auch schon so an, dass alles schlecht ist, was früher gut war – und die Kinder aber seltsamerweise trotzdem gut geraten sind? Wie sollen denn sonst die Kitas heissen? Garten für kleine Kinder? Aufenthaltsräume für noch nicht Erwachsene? Zusammenkunft der Kleineren? So etwas Albernes!

    • Ja, als Ideologiebeauftragter des Bundes (Eidg. Departement des Inneren) ist es meine Aufgabe, durch gezieltes Streuen von Blogbeiträgen eine schlechte Stimmung gegenüber dem Bewährten zu verbreiten.

      Kitas nennen wir künftig übrigens „Tagesresidenz U5“. Diesen Namen hat eine 300-Köpfige Expert*innenkommission in einem interdisziplinären Workshop auf der Schwägalp entwickelt.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Na ihre Probleme möchte ich mal haben.
    Unsere Grossen haben immer noch Freude an dem Chäferli und Schöfli und Entli. Und das obwohl sie sich auf you tube kaputtlachen über Verarschungsvideos ihrer liebsten Gamefiguren und schon seit der 1. Klasse einen ausgesprochenen Sinn für Witz (und Satire) haben. (Lehrerin: „euer Kind lacht bei diesen Stellen (als Einziges) die ich als Erwachsene lustig finde“).
    Und ihr Wortschatz, ähem, übertrifft so manchen Erwachsenen, den ich kenne.

    Dazu muss man nicht die Jöööööö-Welt wegnehmen. Im Gegenteil, diese muss man für immer im Herzen tragen. Aber einfach nicht gleichzeitig blöd sein dabei. Wahre Vielfalt entsteht, indem man alles ausleben kann. Jöööö Welt UND fiese Satire, Magic-Fantasy UND kühler Realismus.

    • Da bin ich ganz bei Ihnen RoXY. Die Jöö-Welt darf durchaus sein, wenn’s dem Kind gefällt. Vielleicht bin ich etwas beeinflusst weil mein Kind nicht so der Jöö-Typ ist. Entsprechend komisch kommt einem die Schnäggli-Blüemli-Welt dann vor.

      Wichtig scheint mir (und auch das ist einfach eine Meinung, mehr nicht), dass die Jöö-Welt nicht die sprachliche Vielfalt verdrängt. Sie haben da ja eine gute Mischung gefunden.

      Meine Probleme dürfen Sie leider nicht haben, die gebe ich nicht ab.

      • Reincarntion of XY sagt:

        Um Sie mach ich mir keine Sorgen, Herr Tsch. Sie sind ein eigenständiger Typ und haben dazu noch eine kluge Frau.
        Worum es mir geht: Ihre Kritik an der Jööö Welt habe ich in anderem Zusammen schon öfter gehört. Ich mache folgende Gründe dafür aus.
        1. man ist nicht mehr fähig, sich überschwänglich zu freuen wie ein Kind, und deshalb ärgert man sich darüber
        2. man ist verunsichert und will sich schützen, um nicht doof zu werden, so ähnlich wie ein Teenager, der cool tut, gerade eben weil er es nicht ist.
        Oder wie der Bünzli, der laufend Listen erstellt, was Bünzlis tun. Dabei geht es um das SEIN und nicht um die Äusserlichkeiten.

    • Frau Tschannen sagt:

      @RoXY: Oh, danke!

      • Reincarnation of XY sagt:

        gern geschehen Frau Tschannen, das obige Lied von den apokalyptischen Reitern widme ich auch Ihnen –

  • Carolina sagt:

    Aber ist das nicht völlig klar? Niemand würde doch seine Beiz ‘zur Hölle’ nennen statt ‘zur Sonne’, eine Wohnanlage wird immer eher ‘zum Park’ heissen als ‘neben der Kezo’ und ein Seniorenheim wohl doch eher ‘zur Heimat’ als ‘letzte Station’. Es ist wohl komplett menschlich, dass wir uns unser Dasein schönreden, Realität muss ja deswegen nicht ignoriert werden, sie wird nur ein wenig schön eingefärbt.

    • Veronica sagt:

      Liebe Carolina. Es geht doch hier nicht ums schönreden, sondern ums infantilisieren. Bei den Altersresidenzen werden übrigens oft einfach die Flurnamen verwendet oder die Nähe bezeichnet. So heisst sie dann halt „Im Park“ oder „Am See“ etc. Könnte man bei den Kinderkrippen ja auch so machen. Aber nochmals zum schönreden: Ich bin überzeugt, dass Kinder im (Vor-)Schulalter eine Kita „Zur Hölle“ spannender finden als „Tatzelwurm“ oder „Rumpelchischte“. Sieht man ja auch daran, dass sie voll auf Halloween abfahren …

    • Über Wohnanlagen, Beizen und Seniorenresidenzen können wir gerne auch reden. Mein Problem sind weniger die positiv besetzten Namen, sondern dass sich immer alle aus dem gleichen pseudofantasievollen Töpfchen bedienen.

      Aber natürlich habe ich etwas übertrieben. Es geht mir weniger um die Kitas als vielmehr um die Frage, wie kindisch-härzig müssen wir mit Kindern reden.

      • Martin Frey sagt:

        @Tschannen
        „Es geht mir weniger um die Kitas als vielmehr um die Frage, wie kindisch-härzig müssen wir mit Kindern reden.“
        In dem Punkt haben Sie völlig recht, und müssen sich alle Erwachsenen immer wieder mal an der eigenen Nase nehmen. Automatisch passen viele Eltern die eigene Stimme einer kindlichen Tonlage an, und infantilisieren auch das verwendete Vokabular, wohl in der Hoffnung, ein Stück heile Frühkindlichkeit konservieren zu können (womit wir wieder bei den Erwachsenen und ihren romantischen Vorstellung wären).
        Es gibt schlicht keinen Grund, bis in die Primarschule von „s’Mami tuet…“ zu reden, für das gibt es eine ich-Form.

      • Sportpapi sagt:

        „Aber natürlich habe ich etwas übertrieben. Es geht mir weniger um die Kitas als vielmehr um die Frage, wie kindisch-härzig müssen wir mit Kindern reden.“
        Da hst du dir aber sehr viel Mühe gegeben, von diesem Hauptthema abzulenken…

    • Martin Frey sagt:

      Trotzdem ist Tschannens Beitrag wieder mal urkomisch, auch wenn ich Ihnen Carolina beipflichte. Aber klar, man kann es auch übertreiben. Biene Maja – Dauergeplärre als Hintergrundmusik muss nicht sein. Aber Kitas wollen möglichst viele Menschen abholen (die Hälfte der Leute dürfte nicht wissen, was ein Iltis ist) und eine Wohlfühloase generieren (Zecken sind nun mal negativ behaftet, Kitas haben ja oft einen kleinen Garten).
      Was ich speziell finde: gerade linksurbane Menschen scheinen oft eine Art innerer Aberwillen gegen heile Welt-Naturromantik in sich zu tragen. Dabei beschränkt sich eine gewisse Sehnsucht nach „dem Wald zu geben, auf den stets die Sonne scheint“ keineswegs nur auf Kinder. Auch Erwachsene (inkl. der Autor) machen durchs Band ungern auf Sondermülldeponien Ferien.

      • Carolina sagt:

        Oh, ich finde den Beitrag auch witzig, aber ich finde daran einfach nichts Überraschendes! Ist doch nur allzu menschlich, dieser Hang zur Schönfärberei! Und wenn man Infantilisierung der Sprache beklagt, muss man konsequenterweise auch andere Bevölkerungskreise anschauen und wie wir – sprachlich – mit ihnen umgehen. Und da, Veronica, heissen eben Altenheime in der Regel ‘Seniorenresidenzen’ und ‘Am Rosengärtli’ und ‘am See’, obwohl jeweils weit weg oder gar nicht vorhanden.
        Aber ich möchte, ehrlich gesagt, gar nicht auf diese Sprachreinigungsversuche eingehen – das führt mich in Gefilde, die ich ablehne, in Gendersprech, semantische Umerziehungsversuche und PC. Ich kann darüber lachen, dass wir alle marketingtechnisch romantisierend unterwegs sind. So what?

      • 13 sagt:

        „Auch Erwachsene (inkl. der Autor) machen durchs Band ungern auf Sondermülldeponien Ferien.“

        Eigentlich müsste das „vor allem Erwachsene“ heissen. Für Kinder hingegen ist ein Ausflug auf den Werkhof oder Mülldeponie ja eher super spannend, evtl. sogar spannender als der Wald.

      • Herr Frey, ich hoffe Sie meinen mit linksurbanen Menschen nicht mich.

        Ich wohne auf einem Bauernhof. Vom nahen Wald trennt mich nur – sie werden es nicht glauben – eine ehemalige Sondermülldeponie. (Echt wahr!) Und Sie haben natürlich recht, im Urlaub meide ich Sondermülldeponien eher. Man will ja etwas Abwechslung von zu Hause.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Für Kinder hingegen ist ein Ausflug auf den Werkhof oder Mülldeponie ja eher super spannend, evtl. sogar spannender als der Wald.“
        Ausflug ja, längerer und regelmässiger Aufenthalt wohl doch nein, denn wir sollten nicht ganz vergessen, dass wir in einer Kita faktisch unsere Kinder in der Obhut von an sich ihnen fremden Menschen für längere Zeit deponieren (passt noch als Formulierung finde ich 😉 ) und dafür dürften Kinder Wohlfühloasen doch Sonderdeponien gemeinhin vorziehen. Vermute ich zumindest. Auch wenn das andere, ähnlich wie zb. eine Geisterbahn oder Halloween, im Moment spannender tönen mag.

      • 13 sagt:

        „Ausflug ja, längerer und regelmässiger Aufenthalt wohl doch nein,“
        Einverstanden.
        „denn wir sollten nicht ganz vergessen, dass wir in einer Kita faktisch unsere Kinder in der Obhut von an sich ihnen fremden Menschen für längere Zeit deponieren (passt noch als Formulierung finde ich ) “
        Um Gottes Willen, nein, da passt so ca. nichts und vielleicht bin ich etwas humorlos unterwegs, aber da reicht mir auch der Smiley nicht…
        „dafür dürften Kinder Wohlfühloasen doch Sonderdeponien gemeinhin vorziehen.“
        Ich persönlich glaube, dass Kinder sehr anpassungsfähig sind. Ich habe die ersten Lebensjahre im Hochhaus-Plattenbau einer Grossstadt gelebt, danach in Berner Agglomeration am Waldrand. Beides hatte seinen Reiz. Das wir das verschieden werten, ist unser Erwachsenenblick.

      • Martin Frey sagt:

        @Tschannen
        Nun, ich hätte Sie nicht gerade als nationalkonservativ eingeschätzt, aber ich kann mich natürlich täuschen. Linksurban ist notabene eine Sache der Einstellung, nicht des Wohnorts. Viele Linksurbane ziehen ja doch aufs Land wenn sie Kinder haben.
        Aber die Sondermülldeponie in der Nachbarschaft ist natürlich nun Ironie des Schicksals 😀
        @13
        „Ich persönlich glaube, dass Kinder sehr anpassungsfähig sind.“
        In der Tat. Meine Worte („Deponie“) bezogen sich aber auf die ersten Besuche in einer Kita, und da sind einem die Betreuer nun mal naturgemäss fremd. Mit der Zeit sollte und wird die Kita natürlich zu einem neuen eigenen Zuhause, und das Umfeld idealerweise zu einer Wohlfühloase. Aber am Anfang ist das nicht so. Und nicht alle Kinder haben damit gleich wenig Probleme.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ja, aber geschrieben hast Du nicht „am Anfang“ und so lange solche Kommentare wie der von Tabea Schneider oben kommen, muss man präzise sein. Ja, am Anfang ist man sich fremd (übrigens genauso wie mir das Kind zuerst fremd war, das mir im Geburtssaal in die Hände gedrückt wurde, das aber nur so am Rande). Das ist nicht für jedes Kind gleich einfach. Gute Kitas machen darum gute Einführungen. Später ist das Wort „Fremdbetreuung“ hingegen so falsch wie polemisch. Meine Kinder sind bereits einige Jahre nicht mehr in der Kita und wohin führen sie eigene Ausflüge im Dorf? Sehr oft an den Kitazaun: um einfach mal wieder den Kitafrauen Hallo zu sagen.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Carolina – voll auf ihrer Seite.
      Ich finde eine positive Namensgebung wichtig und fand, dass Tschs Alternativen nicht sehr praktikabel sind, ausser als Witz. (Zeckenbiss ist dann nicht mehr lustig, wenn ein Kind tatsächlich mit einem Zeckenbiss nach Hause kommt…. und das kann ja tatsächlich passieren.)

      Und Veronica – ha, ha, ha „infantil“ es SIND ja KINDERtagesstätten. Warum sollten da Namen und Zeichnungen nicht Infantil sein?

      Ja, das Argument des Wortschatzes, ja, ja…. darüber hatten wir es ja schon gestern. Ich sage, Herr und Frau Tsch: wer ihn hat, kann ihn gar nicht unter den Scheffel stellen. Geht nicht.
      Kinder lernen ihn, von Menschen die ihn haben. Kita-Namen hin oder her. Das kann also nicht das Problem sein.

    • fufi sagt:

      liebe Carolina

      von wegen DEM DA:
      „ein Seniorenheim wohl doch eher ‘zur Heimat’ als ‘letzte Station’. “

      Da hats doch vor Jahren einen Riesensturm im Schnapsgläsli gegeben, weil die Züricher Tramstation „Triemli“, ja, DIE mit dem Schpital, jeweils als „Endstation“ angekündigt wurde, was immerhin noch nach dem Ende (s)einer Reise klang.
      Unterdessen heisst das Zeugs halt(!) „Endhaltestelle“, was wiederum heisst: Ab hier geht’s nicht mehr weiter.

      Jaja: Was dem einen sein Uhl ist dem andern sein Nachtigall.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Das ist doch nicht auf die Kitas begrenzt, resp hat wenig mit dieser jungen Altersgruppe zu tun, man beachte die Residenznamen diverser Alters/Pflegeheime von Waldes, wahlweise Abend-ruh über Friedgarten und weiter… .

    Persönlich finde ich es ja schon fortschrittlich dass der ganze Babyzirkus der Gebrauchsgegenstände nicht mehr nur im Teddy/Äntli/Herzchen-Design daherkommt, da hab ich mich immer gefragt warum um alles in der Welt die Hersteller davon ausgehen dass ich als Mutter automatisch jegliches Stilbewusstsein verlieren sollte.

    • Genau. Als Sprachmensch bin ich vermutlich einfach etwas gekränkt vom sprachlichen Stilbewusstsein, das die Kitas, Spielgruppen, Kinderliedkomponist*innen und Värsliautor*innen an den Tag legen.

      Ich finde, Kitas und Altersheime dürften gerne mal ihre Namen tauschen, das brächte frischen Wind in die Sache: Kinderresidenz Heimatruh und Seniorentagesundnachtstätte Hokuspokusfidibus.

      • Brunhild Steiner sagt:

        😀
        ich würde mir für meinen Lebens“abend“, falls ich den nicht mehr in der eigenen Wohnung verbringen könnte, schon eine dynamisch-lebensermutigend klingende Adresse wünschen.
        Der Moder beginnt dann noch früh genug 😉

      • „Seniorenresidenz Alpinwanderweg“ oder „Altersdomizil schwarze Piste“ klingt dynmisch.

  • Georg sagt:

    Jetzt bin ich mal umfassend einverstanden mit Autor. Bitte redet nicht mit euren und anderen Goofen, als wäret ihr debil. Sonst werden sie es (auch).

  • Veronica sagt:

    Herr Tschannen, danke für Ihre Worte! Sie sprechen mir aus der Seele. Meine Kinder sind zwischenzeitlich dem Kita-Alter entwachsen, aber auch ich habe mich „damals“ immer über diesen infantilen Ton geärgert. Unsere Kita toppte das Ganze noch: Öffnete man deren Seite, plärrte Biene Maja durch den Lautsprecher. Verstehen die Kitas — oder deren kommunale Verantwortlichen — wirklich nicht, wer ihre Zielgruppe ist. Die süssen Kleinen mögen sich an der Biene Maja erfreuen, sie werden aber kaum die Webseite öffnen. Also, liebe Kitas, denkt daran, wir Eltern sind euere Zielgruppe und wir möchten nicht sprachlich (und musikalisch) veräppelt, sondern als Kunden ernst genommen werden.

    • Emanuel sagt:

      Und trotzdem haben Sie ihre Kinder in diese Kita geschickt, welche Ihre Kinder mit so infantilem Zeugs berieselt hat?! Wir sind schockiert…

      • Veronica sagt:

        Ja, notgedrungen. Die Kita war übrigens sehr gut, Emanuel, Sie müssen also nicht schickiert sein. Trotzdem hat es mir — und meiner Bürokollegin — nicht gefallen, lautstark mit der „Biene Maja“ begrüsst zu werden.

  • Edith Maier sagt:

    Ist der Papa neidisch!? Das unbeschwerte Kinderleben ist vorbei. Die echte Welt, die für Erwachsene, ist sec, effizient und enorm wichtig! Warum dürfen die Kinder nicht mehr Kinder sein? Bilderbücher, Tiere, Fantasiegeschöpfe, Värsli gehören dazu. Krippen- oder Kindergartennamen aus der heilen Welt ebenso. Man darf sich zuweilen schon über die Namensgebung fragen. Ich plädiere aber dazu, dass kleine Kinder in einem Nest aufwachsen dürfen, in dem Ihnen portionenweise die Wirr- und Irrnisse der Erwachsenenwelt zugemutet werden. Übrigens flüchten sich die ach so taffen Grossen immer mehr in Fantasiewelten, z.B. Fantasy Games, Instagram… Ich frage mich, ob diesen erwachsenen Menschen die Kindheit ein Stück weit gestohlen wurde?

    • sonic sagt:

      Ja gewiss neidisch.. Der Herr Tschnnen schliesst sich sicher immer mal wieder auf dem Klo ein und sagt vor dem Spiegel heimlich Chäferliversli auf.. Ich kann den Spruch lasst Kinder Kinder sein, nicht mehr hören! Und wer definiert, wie Kinder sein soll? Es gibt tatsächlich Kinder, die interessieren sich nicht so für die heile Zwergliwelt. Abgesehen davon, dass die klassische Märchenwelt nicht ganz so heil ist..

      • „Unsere Kita Laarifaarihoppdebäsetrallalla besticht durch ihr einzigartiges Leitbild: ‚Lasst Kinder Kinder sein!‘ Wir bieten Ihren kleinen Mäusen ein schützendes Nest und schirmen sie von der schlimmen Erwachsenenwelt ab. Dank unserem innovativen Chäferli-Schnäggli-Maiglöggli-Konzept werden Ihr Krieger und Ihre Prinzessin später keine Fantsy-Games spielen.“

    • Stef sagt:

      Das sehe ich genauso. Gönnen wir den Kleinen die paar Jahre Illusion einer heilen Welt. Die harte Realität kommt noch früh genug.
      Schade, dass Herr Tschannen sich an der aus Erwachsenensicht durchaus infantilen Kita-Terminologie stört. Etwas Gelassenheit wäre wünschbar, dies hätte vermutlich auch einen entspannenden Einfluss auf die doch etwas verbissene Physiognomie gemäss Profilbild.

      • Ja, mein Gesicht ist an allem Schuld. Sagte schon meine Mutter.

        Stef, ich sorge mich etwas um Sie und Edith Maier. Ist Ihr Erwachsenenleben wirklich so schlimm? Ihre Theorie der zwei Welten – einer kindlich heilen und einer bedrückenden für Erwachsene – scheint mir etwas gar dystopisch zu sein. Ich mag mein Erwachsenenleben und lasse den Brecht gerne und bedenkenlos daran teilhaben.

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