Erst ein Hund, dann ein Baby

Im Familienrudel: Mit klaren Regeln und Erziehung können Baby und Hund gut miteinander. (Foto: iStock)

«Der Hund wurde speziell für Kinder gemacht. Er ist der Gott der Fröhlichkeit.»
(Henry Ward Beecher)

Als mein Mann und ich uns das erste Mal mit dem Gründen einer eigenen Familie auseinandergesetzt haben, war für uns beide klar: Unser Kind sollte mit einem Hund aufwachsen – so, wie wir beide auch. In unserer Vorstellung gibt es nichts Wertvolleres, als unserem Baby die Liebe zu Tieren und den Respekt vor der Natur mit auf den Lebensweg zu geben. Das tun wir täglich voller Freude.

Zwei Jahre lang haben wir uns mit dem Gedanken eines Hundes im Haus beschäftigt. Wie soll das funktionieren? Wer passt wann auf den Hund auf? Kann man ihn auf die Arbeit mitnehmen? Gibt es Zeiten, in denen wir eine Hundebetreuung benötigen? Wenn ja, wen fragen? Eines war für uns aber klar: Wenn wir einen Hund anschaffen, dann wird er wie ein Familienmitglied behandelt. Überall dabei, jederzeit und wo immer möglich.

Was kommt zuerst?

Wir wollten einen Hund, aber auch ein Baby. Was also kommt zuerst? Wir haben uns für den Hund entschieden, weil die Erziehung des Hundes wesentlich einfacher und schneller vonstattengeht als die eines Babys, Kindes, ja gar eines Teenagers. Und so zog Mitte Mai 2017 unsere Bergamasker-Appenzeller-Hündin Marley bei uns ein.

Als wir Marley zu uns holten, wurden wir zu einer Familie. Wir waren nicht länger nur zu zweit, nein. Marley war quasi unser erstes Baby. Das zweite Baby liess nicht lange auf sich warten. Für uns hiess es Gas geben mit der Hundeerziehung, denn das Einmaleins der Grundkommandos musste sitzen, bevor unser Kind das Licht der Welt erblicken würde. Mit diesem Gedanken haben wir in Marleys erstem Lebensjahr die Welpenschule und den anschliessenden Erziehungskurs besucht, haben in der Freizeit so oft wie möglich Kommandos mit ihr geübt und ihr klare Hausregeln beigebracht. Die Arbeit hat sich gelohnt. Denn sie war bereit. Bereit für ihre Schwester.

Das Leben zu viert

Seit Mitte Januar 2018 sind wir zu viert. Und es funktioniert prima mit Baby und Hund. Natürlich gibt es Rassen, die besser und weniger gut für das Leben mit Baby geeignet sind. Meist ist es jedoch nicht eine Frage der Rasse, sondern eine Frage der Erziehung und der Autorität seiner Besitzer. Ein Hund ist und bleibt ein Tier mit naturgegebenen Instinkten. Er braucht klare Anweisungen, eine führende Hand und klare Regeln, denn im Rudel anerkennt er ein Baby nur als ranggleich oder rangniedriger.

Die Zusammenführung eines Babys und eines Hundes ist somit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Um also unser Familienleben zu viert so harmonisch wie möglich zu gestalten, haben wir uns bereits während der Schwangerschaft Vorsätze genommen, die wir bis heute täglich in die Tat umsetzen und die ich gerne als Tipps weitergebe:

  1. Hundefreie Zonen: Zum Beispiel das Kinderzimmer als hundefreier Rückzugsort.
  2. Riech mal: Vor der Babyankunft zu Hause dem Hund ein getragenes Body aus dem Spital zum Beschnuppern mitbringen.
  3. Erste Begrüssung zwischen Baby und Hund: Viel Zeit einplanen und den Hund sachte an das Baby heranführen. Am besten zu zweit
  4. Alle zusammen: Den Hund bei allen Aktivitäten miteinbeziehen und den Kontakt zum Baby ermöglichen. So kommen keine Eifersüchteleien auf
  5. Baby- und Hundespielsachen: Aus Hygienegründen immer trennen
  6. Niemals alleine: Baby und Hund sollten niemals in einem Raum alleine gelassen werden
  7. Berührungsängste überwinden: Regelmässig und mit viel Ruhe und Geduld den Hund dazu ermutigen, sich vom Baby streicheln zu lassen
  8. Kommandos mit Kinderwagen: «Sitz», «Warten» und «Fuss» will auch im Beisein des Kinderwagens gelernt sein. Der Kinderwagen sollte als Führungsobjekt anerkannt werden
  9. Qualitytime mit Hund: Auch der Hund verlangt nach Aufmerksamkeit und braucht seine alleinige Herrchenzeit. Spiel- und Kuschelzeiten sollten ins Tagesprogramm mit eingebaut werden.

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