Das hilft gegen den Babyblues

Tränenmeer statt Mutterglück: Viele Frauen bekommen nach der Geburt aufgrund der Hormonumstellung den Babyblues. (Foto: iStock)

Es ist nur eine kleine Studie, aber sie könnte Tausende Frauen vor dem Babyblues bewahren. Die Ergebnisse sind so interessant, dass eine der renommiertesten wissenschaftlichen Zeitschriften sie veröffentlicht hat.

Unmittelbar nach einer Geburt ändert sich die Hormonlage der Mutter abrupt. Der Spiegel des Geschlechtshormons Östrogen sinkt auf weniger als ein Hundertstel ab, verglichen mit der Konzentration vorher. Das wirkt sich auch aufs Gehirn aus: Etwa am fünften Tag nach dem freudigen Ereignis erreicht der Babyblues seinen Höhepunkt.

Ein paar Blaubeeren könnten dem jedoch abhelfen, postulieren die kanadischen Forscher, die diese Studie durchgeführt haben. Sie gaben 21 frischgebackenen Müttern für drei Tage einen Blaubeerdrink plus Aminosäuren zu trinken – keine bekam den Blues. In der Gruppe der 20 Mütter, die keinen Blaubeerdrink erhielten, sank die Stimmung dagegen deutlich.

Das beweist zwar noch nichts, denn vielleicht war ja alles nur ein Placeboeffekt. Aber es wäre ein neuer, einfacher und nebenwirkungsarmer Ansatz. Bevor weitere Studien das Ganze genauer erforschen, gilt die Devise: Nützt es nichts, so schadet es vermutlich auch nicht.

Warum das Mittel wirken könnte

Für alle, die ganz genau wissen wollen, wieso ausgerechnet Blaubeeren gegen düstere Stimmung nach der Geburt helfen sollen, hier die Erklärung: Durch den Östrogenabfall im Körper steigt im Gehirn die Konzentration eines Enzyms namens MAO-A. Es baut verschiedene Botenstoffe im Hirn ab, die – unter anderem – glücklich und zufrieden machen. Mehr MAO-A bedeutet also: weniger glücklich-machende Botenstoffe.

Wenn MAO-A sehr aktiv ist, passiert aber noch etwas anderes: Dann entstehen im Hirn auch Substanzen, die reaktionsfreudig sind. Die Forscher sprechen von oxidativem Stress. Dem wirken die Antioxidantien in den Blaubeeren entgegen.

Und warum zusätzlich die Aminosäuren Tyrosin und Tryptophan im Blaubeerdrink? Der Körper kann beide nicht selbst herstellen. Sie werden aber benötigt, um die Botenstoffe im Hirn zu bilden, die durch MAO-A abgebaut werden. Der Anti-Babyblues-Drink liefert also die nötigen Bausteine für den Nachschub.

Das Rezept:

3. Tag nach der Geburt abends: Blaubeerdrink, bestehend aus 280 ml Blaubeersaft vermischt mit 1 Gramm Blaubeerextrakt-Pulver
4. Tag nach der Geburt morgens: Blaubeerdrink (wie am Vortag)
4. Tag nach der Geburt abends: Blaubeerdrink plus 2 Gramm L-Tryptophan (in Form von Tabletten)
5. Tag nach der Geburt morgens: Blaubeerdrink plus 10 Gramm L-Tyrosin

Die Dosis der Aminosäuren Tryptophan und Tyrosin ist so bemessen, dass es zu keinem Anstieg in der Muttermilch kommt.

Quelle: «Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America» 2017

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22 Kommentare zu «Das hilft gegen den Babyblues»

  • Sophie Blanc sagt:

    Also, ich verstehe diese junge mütter nicht : ich selbt hatte ein Baby in den 70er Jahren und blieb daheim das erste Jahr, dannach arbeitete ich 50%. Ich kann mich gar nicht erinnern einen Babyblues gehabt zu haben ? Also, gar nicht. Ich freute mich zuhause bleiben zu dürfen das erste Jahr, warum hätte ich dann heulen sollen ? Ich ging viel laufen mit dem Kinderwagen sobald es schönes Wetter war. Da mein Mann viel arbeitete war ich den ganzen Tag alleine und Internet und Whats up usw gab es noch nicht ! Und Gottseidank keine Smartphone oder Facebook ! Trotzdem ist die Zeit gut vergangen, ich las auch viele Bücher aller Sorten.

  • Ciccio Pasticcio sagt:

    Was ist nur aus Euch „Frauen“ geworden, aus Euch, die Ihr ja dauernd lautstark davon schwadroniert und jedermann eintrichtert, wie emanzipiert, selbständig und tough Ihr durchs Leben geht.. Dabei seid Ihr nichts anderes als ein Haufen hilfloser, verwöhnter Heulsusen, die sogar aus dem Natürlichsten der Welt, nämlich der Geburt Eurer Kinder, ein heilloses Theater vollführt, als ob jede einzelne von Euch die allererste wäre, die je Kinder zur Welt gebracht hat. Pränatale Gebrechen, postnatale Heulphasen, Burnout hier, Depression dort und wer weiss was noch alles. Einfach abartig.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Eine Studie mit 2×20 Müttern ist natürlich nicht ausreichend.
    Wieso wurde die Studie nicht ausgeweitet, und warum wurde nicht eine Doppelblind Studie gemacht, um den Placebo-Effekt auszuschliessen?
    Von einer Ärztin hätte ich gerne Informationen darüber.

    Die spöttischen Kommentare kann ich hingegen nicht nachvollziehen.

  • Sally Tomato sagt:

    @Sabine
    Sie haben absolut recht. Kehren wir doch zumehmen in die 50er zurück, aber beim Baby kommt dann immer der Sprüch… ihr wolltet eins, weshalb soll der Staat bezahlen…bla bla bla… Kein Wunder haben wir eine solche Welt, man hat ja wenig Zeit für die Kinder…die dann erwachsene Menschen werden… den Rest kann man täglich in den Zeitungen lesen. Nicht um sonst sind (vorallem) die ersten 2 Jahre so was von wichtig.

  • Maru sagt:

    Da wüsste ich auch noch was, das GARANTIERT dagegen hilft…

  • tina sagt:

    kann man nicht einfach nüsse, erbsen, haferflocken, kürbiskerne und eier essen um sich diese L-dinger einzuverleiben?

    • Muttis Liebling sagt:

      Dann verdienen Apotheken nicht mit. Biologisches wie Menschen gäbe es nicht, wenn es nicht möglich wäre, alles, was man braucht, mit Körperkraft natural zu bekommen.

      Der menschliche Körper ist optimiert an dem Nahrungsangebot von 20 km um seinen Wohnort. Würde man L- Tryptophan brauchen, wäre längst eine Mutation Mensch entstanden, die das herstellen kann. Einfacher noch, es hätte sich eine Kolonie Darmbakterien angesiedelt, die das macht.

      Die Biologie ist längst so schlau, sich nicht mehr auf die langsame Genetik zu verlassen. Das Prinzip der Probiotik, z.B. der Darmbakterien, ist viel schneller und effizienter.

      Also bräuchten wir L- Tryptophan, hätten wir es schon. Wir brauchen es aber nicht, deshalb haben wir es nicht. Den Baby- Blues kann man einfach ignorieren.

      • tina sagt:

        nüsse, erbsen, hafer, kürbisse und eier kriegt man schon regional hier 🙂 darum fragte ich. habe eben husch gegooglet, ob das in lebensmitteln enthalten ist

  • Sabine sagt:

    Ich habe noch ein Rezept gegen Babyblues (zwar auch noch nicht wissenschaftlich erwiesen, aber nützt es nichts, so schadet es nichts): Papi und Mami haben einige Wochen gemeinsam Elternschaftsurlaub und schaukeln das Projekt „Neugeborenes“ zusammen. Ich weiss wirklich nicht, wer auf diese aberwitzige Idee gekommen ist, dass die Mutter nach der Geburt alleine zuhause mit dem Baby in der einsamen Wohnung sitzen und die Umstellung nach der Geburt völlig alleine managen soll.

    • Martin Frey sagt:

      @Sabine
      „Ich weiss wirklich nicht, wer auf diese aberwitzige Idee gekommen ist, dass die Mutter nach der Geburt alleine zuhause mit dem Baby in der einsamen Wohnung sitzen und die Umstellung nach der Geburt völlig alleine managen soll.“
      Sagt auch niemand. Aber ob das, was Sie sich wünschen, gegen den Babyblues helfen würde, steht dann doch noch auf einem anderen Blatt.

    • Elena sagt:

      Aha, und ich weiss dafür nicht, wie man Gedankengänge dieser Art entwickelt, gehe aber hoffnungsvoll davon aus, dass Ihr Kommentar als ironisch gemeint zu verstehen ist. Ansonsten – na ja..

    • zysi sagt:

      Das Beste an selbst erstellten Rezepten ist ja, dass man die Kosten auch noch gleich selber bestimmen kann – auf unserem Rezept standen 2 Wochen Elternschaftsurlaub in Form selbst bezogener Ferientage; und somit erst noch richtig nachhaltig.

      • Muttis Liebling sagt:

        Zwei Wochen Elternschaftsurlaub sind genauso so sinnlos, wie dem von dem Erholungsurlaub abzuzweigen. Der Erholungsurlaub soll der Erholung dienen, nicht der anderweitigen Pflichterfüllung.

        Elternschaftsurlaub hat Sinn so etwa bei 14 Monaten, besser bei 3 Jahren. Genau genommen nur Mutterschaftsurlaub. Kinder bis drei kommen gut ohne Vater aus, nicht aber ohne Mutter. Erst wenn sie sich um drei von der Mutter lösen, kommt der Vater ins Spiel. Man kann aber schon vorher die Mutter- durch die Vaterrolle ersetzen. Aber nicht vor den ersten Lebensjahr.

    • 13 sagt:

      @ Sabine
      Schön gesagt und ein schöner Gedanke. Frau und Mann Hand in Hand, gleichberechtigt, als Paar/Team, gleich nach der Geburt und auch danach. Wenn auch vielleicht nicht präventiv, so würde diese Lösung den Umgang mit Babyblues erleichtern und hätte noch Hundert weitere Vorteile. Tatsache ist aber, wie man aus den Antworten gibt, die Schweiz ist leider noch nicht soweit. Man muss wohl noch ein Jahrhundert warten müssen.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Ich bin für einen einigermassen vernünftigen Vaterschaftsurlaub, 13, oder vielmehr, ich wäre für den völlig zeitgemässen Vorschlag der FDP zu einer frei verfügbaren Elternzeit gewesen der leider von den anderen Fraktionen aus den verschiedensten Gründen bachab geschickt wurde.
        ABER mit dem Babyblues hat das nun wirklich gar nichts zu tun.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Wie ich schrieb: Es wäre kein Mittel gegen den Babyblues, warum man diesen nicht zulassen sollte, verstehe ich ohnehin nicht. Aber es würde den Umgang damit erleichtern. Vielleicht weil schlicht eine Schulter zum ausheulen da wäre.
        16 Wochen noch aufteilen? Dieser Vorschlag diente doch lediglich dazu, die Initianten ruhig zu stellen und zwar langfristig, denn wenn aufgrund der kurzen Dauer diese nur von Müttern bezogen wird, kann man die nächsten 100 Jahre behaupten, die Väter wollen ja gar nicht oder wahlweise, die Mütter lassen es ohnehin nicht zu. Gut, haben das andere Parteien bemerkt.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „16 Wochen noch aufteilen?“
        Ja, denn das wäre echte, aber flexible, bedürfnisorientierte Gleichberechtigung. Und zwei Wochen on top wäre realistisch, alles andere schwer um- und durchsetzbar.
        Was mir an der Idee gefiel, dass sich ein Paar seinen Elternurlaub völlig frei nach den eigenen Bedürfnissen und Präferenzen hätte einteilen könnte. Bekanntermassen sind ja nicht alle Väter gleich glücklich, wenn Sie zuhause beim Neugeborenen sitzen (müsssen… 😉 ) Und solchen Paaren wäre somit via Mutter ebenfalls geholfen.
        Aber zuviel Freiheit, Flexibilität und Eigenverantwortung sind halt nicht gefragt, so mein Eindruck. Persönlich finde ich das schade.

      • 13 sagt:

        Bedürfnisorientiert? Ich nehme mal an, Sie meinen damit „orientiert an den Bedürfnissen der Wirtschaft“? Das Problem an dieser sogenannten Freiheit ist, dass sie sehr kurzfristig gedacht ist. Die Gleichberechtigung wäre damit in keinster Weise erreicht, da damit weder Diskriminierungen der Frauen im Job, noch solche der Männer an der Hausfront abgebaut werden, sondern eher verstärkt. Und die Begründung, dass man damit durch das Einspringen der Frauen, die Männer eher glücklich machen könnte, überzeugt mich verständlicherweise nicht 😉
        Aber wie sagt man so schön? Wer will, sucht Wege, wer nicht will, sucht Gründe.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Bedürfnisorientiert? Ich nehme mal an, Sie meinen damit „orientiert an den Bedürfnissen der Wirtschaft“?“
        Nein, weshalb? Das verstehe ich nun gar nicht. Wie kommst Du drauf? Das Modell ging von etwas ganz anderem aus.
        „Das Problem an dieser sogenannten Freiheit ist, dass sie sehr kurzfristig gedacht ist.“
        Auch da, weshalb? Ich sehe eher das Gegenteil, die Vorteile einer flexiblen Lösung.
        „Die Gleichberechtigung wäre damit in keinster Weise erreicht, da damit weder Diskriminierungen der Frauen im Job, noch solche der Männer an der Hausfront abgebaut werden, sondern eher verstärkt.“
        Nochmals, weshalb? Welche der erwähnten Diskriminierungen wären besser abgebaut, wenn der Mutterschaftsurlaub der Mutter fix festgelegt und der Vaterschaftsurlaub ebenfalls fix festgelegt wäre?

    • maia sagt:

      @Sabine: Ich glaube auf diese Idee sind Sie ganz alleine gekommen. Ich habe davon noch nie gehört.

      • Sabine sagt:

        :-). Inspiriert dazu hat mich das obige Foto – die Frau sieht so unglücklich und alleingelassen aus…

        Gegen den hormonellen Babyblues hilft es vermutlich wirklich nicht so viel, aber der andere, der nicht-hormonelle Blues, ist ja auch nicht zu unterschätzen. Ich kann mich erinnern, wie ich jeweils in Panik verfiel, als mein Mann morgens das Haus verliess und mich mit dem Würmchen alleine liess. Bange Stunden und dann grosse Erleichterung, als er nach 10 langen Stunden endlich wieder zurückkehrte.

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