Elternsein ist eklig

Hoppla, was haben wir denn da? via GIPHY

Seien wir ehrlich – Eltern sind Grüsel. Wir pflanzen uns fort und beschäftigen uns fortan mit Schnuder und Choder und Spöiz und Eiter. Jeden Tag. Und die Grenzen dessen, was wir vorher eklig fanden, verschieben sich dabei auf zweifelhafte Weise.

Ich liefere Ihnen hier ein paar Beispiele. Trigger-Warnung für schwache Gemüter (oder Noch-nicht-Eltern) – es fängt vergleichsweise harmlos an.

Aus die Laus: Ein Spezialkamm im Einsatz. Foto: Keystone

    1. Ständig muss man anderen Menschen die Zehennägel schneiden. Unfassbar, wie schnell die nachwachsen, da sagt man dreimal «räum dein Zimmer auf», und schon sind sie wieder so lang, dass man damit Gemüse schneiden könnte. Und so voll Dreck, als ob sie noch nie einen Schuh von innen gesehen hätten.
    2. Es ist unglaublich, wie viele Papierchen, Ästchen, Nastüchli oder Plastikteilchen sich im Verlauf eines einzigen Tages am Boden sammeln. Da die Zeit fehlt, wegen jedes einzelnen Teils zum Abfallkübel zu rennen, und gleichzeitig das jüngste Familienmitglied davon abgehalten werden muss, sie zu verspeisen, stopft man sie sich halt in die Hosentaschen. Dabei kann es durchaus passieren, dass man infolge derselben Zeitnot später in ein solches Fundstück schnäuzt. Leider wahr.
    3. Kinder haben manchmal Läuse. Auch so eine unschöne Wahrheit. Man entlaust sich als Familie gegenseitig wie unsere tierischen Vorfahren, schön im Kreis herum, schmiert sich schlecht riechendes Shampoo in die Haare und hofft darauf, dass man es schafft, den Würgereiz so lange zu unterdrücken, bis die Kinder im Bett sind (um sie nicht anzustecken, siehe Punkt 6).
    4. Nasengrübeln ist grusig. Natürlich! Aber wenn das Baby Atemnot bekommt, weil ein giftgrünes Dings in Erwachsenengrösse dem Sauerstoff den Weg versperrt, muss man halt ran. Auch Nasenpümpchen helfen nicht immer.
    5. Apropos Baby. Da haben alle Eltern Horrorgeschichten, die unter dem Motto «das formt den Charakter» untereinander weitergereicht werden. Windeln, die auf 2000 Metern über Meer in der Gondel auslaufen, oder Sommerkleider, die neu eingefärbt werden – irgendwann wirft eine nichts mehr aus der (Gondel-)Bahn.
    6. Ausser die – halten Sie sich fest! – Magen-Darm-Grippe. Da will sogar ich nicht näher ins Detail gehen. Nur so viel: Es gibt Situationen, da wird einem klar, dass es keine Alternativen gibt – und auch nichts schönzureden. Man ist die einzige Person auf der gaaanzen Welt, die um drei Uhr morgens eingreifen muss, wenn die Natur ihren Weg gehen will (oder bereits gegangen ist). Die trösten muss. Und aufräumen. Und so viel waschen.

Den Rest können Sie sich dazudenken. Foto: Keystone

Es bereitet mir ein geradezu unanständiges Vergnügen, diese fürchterliche Liste zu erstellen. Ich gluckse beim Schreiben ständig vor mich hin. Und hoffe, dass es Ihnen auch so geht. Wir stecken halt alle in der gleichen Sauce, durchwaten sie und warten, bis sie trocknet. In etwa achtzehn Jahren.

Das wird sich gelohnt haben, denn das jahrelange Formen unserer Charaktere wird uns pünktlich zum Lebenszenit zu wahren Diamanten gemacht haben. Oder zu heruntergekommenen Sittenlosen …