Wo sind denn nun diese Helikoptereltern?

Wenn das die Nicht-Helikoptereltern sehen: Überbehütung gilt derzeit als grösste Schande. (Foto: iStock)

Kürzlich habe ichs wieder getan. In aller Öffentlichkeit habe ich meinem frischgebackenen Kindergartenkind die Jacke zugemacht und in die Schuhe geholfen, obwohl es das längst selbst könnte. Verstohlen habe ich mich umgesehen – hat mich diese Frau dort drüben schief angeschaut?

Als Helikoptermutter zu gelten, scheint mir momentan die schlimmste Schande zu sein. Man weiss ja, wohin das führt, wenn die Eltern zu fürsorglich sind: Der verwöhnte Goof entwickelt keine Frustrationstoleranz und wird zum Tyrannen!

Bald alle Kinder mit GPS-Trackern?

Das Helikoptereltern-Bashing hat Hochkonjunktur. Experten klagen über die zunehmende Zahl an Eltern, die ihre Kinder nicht aus den Augen lassen und verwöhnen bis zum Gehtnichtmehr und so eine Generation von Narzissten heranziehen (wie zum Beispiel Jugendpsychologe Allan Guggenbühl in der «SonntagsZeitung»). Es klingt so, wie wenn bald alle Kinder mit GPS-Trackern ausgestattet sind, nur noch in ihrer Gummizelle spielen dürfen und bis zur Pubertät von Mama gefüttert werden.

Ich frage mich nur: Wo sind sie denn, diese schlimmen Helikoptereltern, die ihre Kinder dauernd bespassen und überwachen? Ich wohne in einer Siedlung, in der sehr viele Familien leben – und kenne keine einzige Mama, keinen einzigen Papa, die oder der unablässig wie ein Helikopter um den Nachwuchs kreist.

Dass Kinder heute weniger ohne Begleitung eines Erwachsenen draussen spielen als noch vor zwanzig Jahren, ist eine Tatsache. Aber ist das der Fehler der Eltern? Sind sie alleine schuld daran, dass die Fahrzeuge viel zahlreicher und gefährlicher geworden sind? Dass immer mehr freie Flächen überbaut werden? Dass es kaum noch Brachen gibt, auf denen sich Kinder austoben können? Die Welt ist eine andere geworden, das ist die Verantwortung von uns allen. Und wir Eltern müssen darauf reagieren.

Von wegen Massenphänomen

Kinder werden heute nicht mehr als Menschen zweiter Klasse betrachtet, sondern als vollwertige Mitglieder der Familie. Man hört ihnen zu und nimmt sie ernst. Wenn sich der Sohn oder die Tochter noch nicht wohlfühlt, alleine in den Kindergarten zu laufen, dann gehen wir eben noch eine Weile mit. Wir modernen Eltern vertrauen darauf, dass das Kind eines Tages bereit ist, sich von unserer Hand zu lösen.

Sicher, es ist nicht immer einfach, die Balance zu finden zwischen Behütung und Überbehütung. Manchmal verpasst man den Moment, in dem das Kind in der Lage ist, seinen Teller selber in die Spülmaschine zu räumen. Oder man hat tatsächlich Mühe mit dem Loslassen und braucht Zeit, die neue Selbstständigkeit des Kindes anzunehmen. Oder man hat heute echt keine Nerven dafür, konsequent zu sein – aber hoffentlich morgen. Eltern sind nicht perfekt. Aber ob deswegen gleich Menschen heranwachsen, die später mit ihrer Anspruchshaltung die ganze Gesellschaft tyrannisieren? Ich glaube, Eltern, die ihre Kinder systematisch überbehüten, sind kein Massenphänomen, sondern die absolute Ausnahme.

Wenn es für uns beide stimmt, werde ich meiner Tochter auch künftig mal wieder beim Anziehen helfen – mit erhobenem Haupt.

Lesetipp: Interview mit Psychologe Jürg Frick; «Verwöhnung wirkt auf Kinder wie eine Droge».

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113 Kommentare zu «Wo sind denn nun diese Helikoptereltern?»

  • James sagt:

    „Wenn sich der Sohn oder die Tochter noch nicht wohlfühlt, alleine in den Kindergarten zu laufen, dann gehen wir eben noch eine Weile mit.“
    Klar, dass kann man so machen. Oder das Kind lernt früher mit Widerständen umzugehen und diese zu bewältigen.
    Ich glaube nicht, dass die Welt grundsätzlich gefährlicher geworden ist für die Kinder. Klar, der Verkehr hat zugenommen, aber zugleich auch die Tempo-Limiten, die kindersicheren Strassenübergänge etc…
    Ich glaube, dass die Angst immer allgegenwärtiger wird. Dass etwas Schlimmes passiert, man einen Fehler machen könnte, dass man etwas verpasst oder dass die anderen über einen urteilen könnten.

  • Andrea Mordasini, 3014 Bern sagt:

    Sich loslösen, loslassen und wortwörtlich abnabeln, ist wichtig, richtig und nötig – nicht nur für Kinder, sondern auch und besonders für die Eltern. Es ist ein steter, fortlaufender Prozess, der nicht erst mit dem Eintritt in die Spielgruppe bzw den Kindergarten beginnt, sondern schon viel früher, unmittelbar nach der Geburt mit dem Durchtennen der Nabelschnur. Doch häufig sind es nicht die Kinder, die Mühe mit Loslassen haben, sondern vielmehr deren Eltern…!

  • Andrea Mordasini, 3014 Bern sagt:

    Ja, es gibt Helikoptereltern, die ihren Kindern aus Angst kaum was zutrauen, sie überbeschützen, ihnen alles (Unangenehme) abnehmen und sämtliche Hürden, Hindernisse und Steine aus dem Weg räumen. Überfürsorgliche Helikoptereltern erweisen ihren verwöhnten, überbeschützten und verhätschelten, in Watte gepackten Kindern einen wahren Bärendienst statt Nutzen. Wie sollen diese Kinder jemals selbstständig, selbstvertraut und selbstsicher werden, wenn sie stets und überall sofort alles bekommen, ohne etwas dafür leisten zu müssen? Gute und schlechte Erfahrungen gehören zu einem normalen, gesunden, glücklichen Kinderleben dazu wie Siege, Niederlagen, Erfolge, Misserfolge, Hochs, Tiefs, Beulen, aufgeschlagene und blutige Knies. Kinder müssen auf die Schnauze fallen, um wieder aufstehen zu lernen.

  • Hans Minder sagt:

    Leider breiten sich Verhaltensmuster der USA später oft im Rest der Welt aus: morgends und nachmittags sehen hier in Eugene (Oregon) die Schulen wie ein Grenzübergang in den 80-ziger Jahren aus, mit hunderten von Autos die Taxidienste für ihre Kinder leisten. Aktivitäten (Sport/Kultur) im Anschluss an die Schule sind Stadtweit verstreut, da jedes Kind sowieso mit dem Auto abgeholt und somit der Taxidienst lediglich erweitert wird. In öffentlichen Orten wie der Bibliothek wird ein Kind vom Personal ermahnt, wenn es alleine im Bücherregal und ohne die Begleitung eines Erwachsenen steht. Auf Spielplätzen ist das Vehältnis zwischen Erwachsenen und Kinder nahezu 1:1. Eltern haben kaum Zeit für ihre Aufgaben, und die Kinder keinen Freiraum. Helikoptern verkommt hier zu einer riesen Bürde.

  • Max Bader sagt:

    Es ist doch im Prinzip nur wichtig, dass man nicht ins eine oder andere Extrem verfällt. Die Eltern sollten alters- und situationsgerecht handeln, aber solche Details ob man das eine oder andere Mal beim Jackenverschliessen hilft oder nicht, ist nicht entscheidend. Ich finde, dass Eltern nicht die ganze Zeit in Angst geraten sollen, etwas falsch zu machen. Wichtig ist doch vor allem die grundsätzliche Richtung.

  • k. miller sagt:

    Ja, es gibt Helikopter-Eltern. Aber für mich gehört das Schliessen der Jacke und ähnliche Handlungen noch lange nicht dazu. Oder bin ich dann ein Helikopter-Kind, weil meine Mutter mir, bis ich 12 Jahre alt war, das Frühstücksbrot geschmiert hatte? Nein… es gab einen guten Grund für diese Handlung, der nix aber auch garnix mit Helikopter zu tun hat. Aber so ist es nunmal: Handlungen werden beobachtet, missinterpretiert und hochstilisiert. Dazu ein Vergleich zur Ernährung: Wie häufig wird über Veganer gesprochen und geschrieben – und wieviel Prozent der Menschen ernähren sich tatsächlich vegan? Sie bekommen viel mehr Aufmerksamkeit als ihnen im Verhältnis zusteht. Entsprechend bei den Helikopter-Eltern… es gibt sie durchaus, aber soooo viele sind es dann doch nicht…

  • Paul Meier sagt:

    Das ist offensichtlich auch eine Frage der Definition. Mit dem Kind einen Teil weg Weges in den Kindergarten zu gehen kann ich nachvollziehen – aber nicht, das Kind mit der Karosse dahin zu kutschieren. Dass viele nicht draussen spielen hat oft weniger mit dem Verkehr zu tun als mit dem Smartphone… Was ist die beste Schule? die Lebensschule! das heisst Fehler zu machen und daraus zu lernen (jemand hat mal gesagt „ich habe nichts gelernt wenn alles geklappt hat“ – wie wahr!). Und – wo sind die Helikopter Eltern?? überall! gehen sie mal vor die Schule am Morgen, Mittag oder Abend. Alles verstopft mit Autos!!

    • sonic sagt:

      Ich weiss nicht wo sie wohnen, bei unserer Schule in Zürich kommen alle Kinder zu Fuss..

    • Melanie sagt:

      Das kommt halt sehr drauf an wo man wohnt. Bei uns im unmittelbaren Dorf kommen alle zu Fuss, aber diejenigen, die ein Dorf weiter wohnen und trotzdem bei uns zur Schule gehen, kommen halt mit dem Auto, weil halt auch das Postauto nicht dort durchfährt…….

  • Kinderfan sagt:

    Natürlich liegt es an den Eltern, dass die Kinder weniger oft ohne Aufsicht draussen spielen. Denn die Eltern sind es, die ja auf Panik machen, nach dem Motto „alles viel gefährlicher heute“. Dabei sagt jede Statistik das Gegenteil (massiv weniger Verkehrstote und Verletzte trotz mehr Verkehr, etc). Lasst den Kids doch den Freiraum, denn sie brauchen.
    Auch der Schulweg ist heute im Schnitt sicherer und viel kürzer als noch vor 30 Jahren. Aber trotzdem muss die Schule bei uns im sehr ruhigen Quartier über Mittag Polizisten aufbieten, um sicher zu stellen, dass kein Kind von einem dieser Helikoptereltern im SUV totgefahren wird! Obwohl es kein Problem wäre den Weg auch zu Fuss zu machen…
    Also wer keine Helikoptereltern kennt, kann sich diese gerne vor gewissen Schulen mal ansehen…

  • Jan Meier sagt:

    Ich weiss dies ist ein Blog, aber: „Ich wohne in einer Siedlung, in der sehr viele Familien leben – und kenne keine einzige Mama, keinen einzigen Papa, die oder der unablässig wie ein Helikopter um den Nachwuchs kreist.“ Gerne hätte ich einen Deut an Statistik, Nachforschung oder ähnliches gelesen statt das subjektive Empfinden einer Person in einer anonymen ‚Siedlung‘. Gerne hätte ich auch einen Bezug zu einigen Artikeln hier gesehen wie die Problemmeldungen von Schulen über Elterntaxis, von Unis über begleitende Eltern im ersten Semester, Lehrer über omnipräsente Eltern, Familienberatern zu Eltern, die WG-Kühlschränke füllen etc. was alles reale Meldungen waren.

  • Sisifee sagt:

    Was vor allem sehr verbreitet ist heute ist die Angewohnheit, das Verhalten anderer Eltern ohne Hintergrundwissen zu verurteilen.
    Wir sind (im Gegensatz zu den meisten anderen Miteltern) unserem Sohn bei den Gymiprüfungsufzgis nicht behilflich (Vernachlässigung!! Wollt ihr das Kind verheizen?). Wenn unsere grösseren Kinder es wollen, dürfen sie, statt in den Hort zu gehen, zu Hause sein (Vernachlässigung! Vielleicht gamen sie dann heimlich?). Unsere Jüngste begleiten wir phasenweise auf dem Chindsgiweg, obwohl sie bereits in den 2. Chindsgi geht (Achtung Helikopter!!! Die kann das doch alleine!)
    Bei all diesen Beispiele gibt es gute Gründe, wieso wir es so handhaben und nicht anders. Und weder Überbehütung noch Gleichgültigkeit sind Motivation dafür.

    • mila sagt:

      Absolut bei Ihnen. Wenn man nachfragen statt (vor-) verurteilen würde, würde man idR schnell erkennen, dass Eltern oft stichhaltige Gründe haben für Dinge, die man selbst vielleicht (aus ebenso stichhaltigen Gründen) anders handhabt. Aber dann fiele das nette kleine Alltags-Drama weg, das einen unter anderem so schön von eigenen Problemen ablenkt… Wer erkennt, dass die meisten ihr Bestes tun, und das durchaus vernünftig, hat auch nicht mehr soviel Gelegenheit, sich selber speziell auf die Schulter zu klopfen. Fände sich aber dafür im selben (Eltern-)Boot wieder. Für mich definitiv der bessere Platz als die Kanzel…

      • Mirjam sagt:

        Mila for President!

      • Peter Lustig sagt:

        Nun, an den Motiven der Eltern zweifle ich selten. Aber die Umsetzung ist eine andere Frage.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Das ist eine schöne Grundeinstellung. Wer viel mit Kindern zu tun hat, erkennt aber schon auch die Resultate unterschiedlicher Erziehung.
        Wenn alles gut und richtig und vor allem vernünftig wäre, dann müsste man gar nicht mehr über Erziehung diskutieren, sondern davon ausgehen, dass die Eltern das irgendwie instinktiv richtig machen.

    • Martin Frey sagt:

      Schliesse mich an. Und so verstehe ich zumindest auch die Autorin.

      • Seraina Sattler sagt:

        Ja, Sie haben mich richtig verstanden. Ich bin der Meinung, dass es die meisten Eltern sehr gut machen mit ihren Kindern. Und dass man nicht jede Eltern-Kind-Szene, die man beobachtet, interpretieren sollte – denn sie ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem facettenreichen Alltag einer Familie.

  • Rudolf Zimmermann sagt:

    Die Helikopter Eltern wohnen vor allem in Küsnacht, wo sie mit dem Porsche die 200 Meter in die Schule gefahren werden.

    • Veronica sagt:

      Das ist jetzt aber interessant: In Küsnacht werden die Helikopter-Eltern mit dem Porsche in die Schule gefahren.

    • Fred sagt:

      Sind sie auf den Porsche eifersüchtig? Oder auf die Kinder die jeden morgen Porsche fahren dürfen? Oder etwa beides?

    • Widmer sagt:

      Ich wohne neben einem Schulhaus in Küsnacht. Und die Kinder kommen zu Fuss den Berg runter und nicht per Taxi!!,

      • Lisa Schmid sagt:

        Herr Zimmermann – obwohl ich in schwachen Minuten meine bösen Sprüche über gewisse Neu-Küsnachter (!!!) Eltern gerne bereit habe, darf ich Ihnen versichern, dass ich kaum je einen Porsche vor einem der Schulhäuser vorfahren gesehen habe. SUVs und überdimensionierte Jeeps allerdings schon. Der grosse Teil der Kinder geht aber auch in Küsnacht zu Fuss oder fährt mit dem Velo oder Trotinett.

  • Marta sagt:

    Ich kenne nicht viele Helikopter-Eltern, sondern Eltern, die ihre Kinder recht früh den Grosseltern oder der Kita anvertrauen. In der Zeit, die sie selber mit ihren Kindern verbringen, dürfen sie ihnen also schon mal in die Jacke oder die Schuhe helfen. Erwachsene helfen sich auch gegenseitig bei Dingen, die im Prinzip jeder selber kann. Das gehört zu unserem Sozialverhalten. Darf man heutzutage Kinder nicht gleich nett behandeln wie Erwachsene?

  • Oliver Kuhn sagt:

    Die Behauptung es gäbe keine Helikopter-Eltern ist genauso falsch wie die Behauptung, dass es davon nur so wimmle. Helikopter-Eltern sind einfach nur unsagbar Nervtötend aufdringlich und damit viel präsenter als gemässigtere.
    Und wenn Lehrer von Helikoptereltern bedroht werden, teilweise mit Anzeigedrohungen, dann kann man das nicht weg diskutieren.

  • Anh Toàn sagt:

    Ursächlich für die Überbehütung unserer Kinder ist schlicht und einfach, dass wir zu wenige davon haben: Hätten wir 7 Kinder pro Kopf, wäre Überbehütung schlicht unmöglich, das geht bis höchstens zwei Kinder, ausser man hat soviel Geld, dass man unzählige externe Behüter bezahlen kann.

    Im Kern sagt man überbehüteten Kinder das nach, was man früher schon Einzelkindern nachsagte: Narzissten, Tyrannen, mangelnde Frustrationstoleranz.

    Zu wenig Kinder führt automatisch zu Überbehütung, Viele Kinder verunmöglichen Überbehütung.

    • Lina Peeterbach sagt:

      Das ist nun aber auch eine sehr eindimensionale Interpretation der Situation. Zumal es wissenschaftlich sehr fragwürdig ist, ob es diesen vielbeschworenen Einzelkindeffekt überhaupt gibt. Also wer weiss schon heute, wie die sog. Helikopterkinder am Ende gestrickt sein werden? Es ist nicht eine homogene Gruppe, sondern ein heterogener Haufen verschiedenster Charaktere, die alle auf ein bestimmtes Erziehungmodell (so „Helikoptern“ denn eines ist) ganz unterschiedlich reagieren.

      • Anh Toàn sagt:

        Ich denke einfach, wir mit wenigen Kindern sollten uns bewusst machen, dass die Gefahr besteht. Und dafür sorgen, dass die Kinder auch wenn es zu Hause wenig Kinder hat, viel Kontakt mit anderen Kindern haben und dies auch unbeaufsichtigt von Erwachsenen.

        Gilt Paralcelsus nicht auch für Zuneigung, Für(-Sorge): Die Dosis entscheidet, ob nützlich oder Gift? Oder gilt dabei, je mehr, desto besser?

        Aber zumindest helfen viele Geschwister dabei, die schlechteren Seiten der Eltern besser zu ertragen.

      • Rob M sagt:

        Ist die Lösung also 5-10 Kinder zu haben?

        Überbehütung hat wohl sehr beschränkt mit der Anzahl Kinder zu tun. Ich bin ein Einzelkind und war bestimmt nicht überbehütet. Es war früher für alle anders, egal ob 1, 2 oder 5 Kinder. Alle waren draussen, man hat sich in einem grossen Radius in Gruppen von Kindern bewegt, im Wald, am Weiher, in der Lehmgrube, etc.

        Die Zeiten haben sich geändert. Übrigens liegt es ja gerade im Trend wieder 3 oder mehr Kinder zu haben.

  • Timotheus Pfeiffer sagt:

    Die Welt ist gefährlicher geworden? Einer über Anekdoten hinausgehende kritische Untersuchung dieser Behauptung zeigt schnell, wie lachhaft sie ist. Ein Blick in die Daten des Statistischen Amtes zeigt, dass wir so ungefährlich leben, wie noch nie zuvor. Unfälle, Kriminalität, häusliche oder öffentliche Gewalt; durchs Band zeig es sich, dass die letzten drei Generationen in der Schweiz aufgewachsener Kinder so sicher leben wie keine Generation vor ihnen. Ähnliches gilt auch für ganz Mitteleuropa, für Nord-Amerika und auch weite andere Teile der Welt. Ja; es hat mehr Autos und weniger grünfläche. Aber auch weniger Blutvergiftungen und Fuhrwerkfunfälle – wir leben sicherer und länger.

    Warum werden in den Medien lieber diffuse Gefühle der Angst geschürt?

    • Papperlapapi sagt:

      In den 70er Jahren war die Anzahl Verkehrstoten am Höchsten. In den 80er Jahren wurden mehrere Kinder entführt und ermordet aufgefunden oder sind bis heute vermisst.
      Trotzdem war unser Radius grösser, als der, den ich heute meinen Kindern zugestehe. Wir waren Nachmittage lang mit dem Fahrrad in den Wäldern und Wiesen um den Wohnort unterwegs, ohne dass unsere Eltern genau wussten wo. Ich verhalte mich viel ängstlicher als es meine Eltern taten, auch wenn es objektiv dafür keinen Grund gibt. Wälder und Wiesen um den Wohnort gab es damals und gibt es heute.

      • Enrico sagt:

        Im Wald alleine ?
        Dort lauert doch hinter jedem Baum ein Vergewaltiger.
        Sie bestreiten das ?
        Typischer patriarchalischer Wahrheitsverdreher.

        So werden Wahrheiten geschaffen und nachher kann man sich rechtfertigen, warum man den ganzen Nachmittag auf dem Spielplatz sitzt, und das dann der Gesellschaft als Arbeit verkaufen kann.

    • Helene sagt:

      Erinnert sich noch jemand an die allgegenwärtigen Tafeln mit der Aufschrift „Hier starb ein Opfer des Verkehrs“? In den 70-ern und 80-ern galt 60 km/h in der Stadt, und kaum jemand hat beim Fussgängerstreifen angehalten- trotzdem durften wir raus…

      • Lichtblau sagt:

        @Helene: Ich erinnere mich. Dazu gehörte eine schwarze Fahne und oft genug standen Blumen in Joghurtgläsern dabei. Und ja, auch wir waren als Kinder ständig draussen – mitten in Zürich.

  • David K. sagt:

    Erfahrungen aus meinem Umfeld
    – Am Tag nach einem Sporttag kommen 7 von 19 Schüler nicht in die Schule wegen Muskelkater (weil die Pobacken schmerzen beim hinsetzen). Die Eltern haben grosses Mitleid mit ihren Spösslingen
    – Grossers Gejammer von Teenagern (die aus der Schule, nicht von der Baustelle kamen) weil sie sich im Tram nicht hinsetzen konnten.
    – Eltern welche von der Krippe verlangen, dass ihr 3 jährigen beim Bobbycar fahren einen Helm tragen soll. Diese

    Man kann gerne wegsehen….

    • Ina Mühlebach sagt:

      Also ich musste schon verlangen im Kinderstätte etwas mehr Aufsicht und Schutz für die Kinder und Konflikte helfen lösen können nach dem ein Kleinkind meinen Grösseren mit der Lokomotive so gehauen hat, dass er es nähen lassen musste beim Arzt. Aber sie meinten mein ist älter und soll Verstand haben. Und abgesehen davon könnten ja die Grösseren schon die Kleineren hüten wenn sie dann Pause machen.

    • Tom sagt:

      Beim helm habe ich persoenlich eine klare meinung! Je frueher desto besser… sie gewohenen sich so daran und das hat nichts mit helikopter zu tun!
      Vielleicht liegt das an meinem beruf… habe zu viele unfaelle mit schweren folgen gesehen… vor nicht allzu langer zeit einen 3 jaehrigen bub mit hirnblutung nach sturz auf dem puki…

  • Tom sagt:

    Und frueher gabs auch no keine reissverschluesse… la guere des buttons….

  • Murmur sagt:

    Helikoptereltern mischen sich im sämtliche Angelegenheiten ihrer Kinder ein.
    Die Kinder haben keinen einzigen Bereich in ihrem Leben, wo die Eltern nicht lückenlos ihren Einfluss ausüben.
    Den Kindern fehlt jeglicher Raum, eine eigenständige Persönlichkeit auszubilden, resp. wird dies von den Eltern durch ihre dauernde Präsenz verhindert. Sie lassen das Kind weder eigenständig denken, fühlen, noch Entscheidungen treffen. Sie hindern es zu leben!
    Die Kinder werden mit der Zeit völlig passiv und ja, auch depressiv und angstgestört.
    Bei Vernachlässigung zeigen Kinder exakt die selben Symptome! Überbehütung ist eine ernste Sache. Kann jedoch nicht am Beispiel einer Hilfeleistung für ein Kindergartenkind festgemacht werden. Das ist plakativ und wird dem Thema absolut nicht gerecht.

    • Christina sagt:

      Also mir geht es ähnlich wie der Autorin. Ich habe zwar in unserer Privatschule schon extrem fordernde Elternpaare erlebt (eines aus Osteuropa, eines aus Südamerika), welche es den Lehrpersonen weiss gott nicht immer leicht gemacht haben. Aber in unserem Quartier und unserem Bekanntenkreis kenne ich keine Helikoptereltern, so wie Sie diese in Ihrem Kommentar beschreiben. Klar, eines der Kinder wird ständig mit dem Auto abgeholt, dem anderen schmiert die Mama noch mit 14 ein Znünibrot und das Dritte muss bereits um 20 Uhr zu Hause sein. So hat jedes Kind irgendwo eine „Überbehütung“. Ich bin wirklich der Meinung, dass dieses von Ihnen beschriebene Form der Überbehütung sehr, sehr selten ist.

      • Lisa Schmid sagt:

        Stellen Sie sich vor: meine Kinder müssen auch zu einem bestimmten Zeitpunkt zuhause sein. Und eine fixe Bettzeit gibt es auch. Was soll das mit Überbehütung zu tun haben? Es hat mit Vernunft und ja, mit Behütung zu tun, aber das ist auch meine elterliche Pflicht. In dieser und anderen „Debatten“ nervt mich vor allem, dass es so schöne Negativkonzepte gibt, deren Inhalt vor allem dadurch definiert sind, dass man sich selber NIE so verhalten würde. Wie Bö mal geschrieben hat: Zum Glück bin ich nicht so wie jene!

  • Lala sagt:

    Sie sind keine Helikoptermutter weil Sie Ihrem Kind beim anziehen helfen, sondern weil Sie Ihr Kind abholen.
    Das kann in den ersten Wochen sicher nötig sein, aber auf Dauer sollte das ein Kindergartenkind allein schaffen?

    „Draussen“ ist es übrigens sicherer als je zuvor…

    • Sisifee sagt:

      Aeh… Von abholen steht nichts geschrieben, oder? Sondern von „in der Öffentlichkeit dem frischgebackenen Kindergartenkind“ bei Jacke und Schuhen zu helfen.

    • Lina Peeterbach sagt:

      Wer entscheidet denn objektiv nun, welches Kind was wann „schaffen“ muss. Kinder sind Individuen, und das Prinzip Aktion–> Reaktion funktioniert nicht in allen Aspekten immer bei allen gleich. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo, an verschiedenen „Fronten“ unterschiedlich schnell. Vielleicht muss ein Kind noch abgeholt werden, weil es schlicht Angst hat alleine zu gehen. Kann dafür aber schon andere Dinge viel selbständiger. Von aussen sieht man eben immer nur Teilaspekte und sollte sich daher mit Kritik möglichst zurückhalten! Ich finde es jedenfalls besser, wenn Eltern in der Lage sind, auf Stresssituationen von Kindern angemessen zu reagieren (weil sie eben ihr Kind gut kennen), anstatt ihr Kind in ein Korsett von „das musst du jetzt aber, weil…“ zu pressen.

    • Lisa Schmid sagt:

      Liebe Lala, eigentlich geht es Sie oder sonst jemanden überhaupt nichts an, ob jemand ein Kind vom Kindergarten abholt. Auch nicht, aus welchen Gründen das geschieht.

      • Renegade sagt:

        Lisa, da muss ich leider widersprechen. 1. mit diesem Verhalten generieren sie automatisch mehrverkehr vor Kindergarten/Schule und setzen somit die anderen den gefahren aus, von welchem sie ihren Sprössling bewahren wollen. 2. könnte ich wetten steht auch bei ihnen im Schulgesetz (falls bei ihnen auch sowas existiert) dass der Weg zu Fuss absolvieren ist. Es gibt sicherlich ausnahmen, ihr empörter Post hat aber ein wenig den Anschein, dass sie sich in Ihrem Helicopter dasein gestört fühlen

  • Tom sagt:

    Als vater von 3 kindern ( krippe, kindergarten und 1. primar) kann ich nur folgendes sagen! Eigentlich ist mir egal was die anderen sagen! Jedes meiner kinder wird individuel wahrgenommen und macht das was seinem charakter und seiner persoenlichkeit entspricht! Brauchte meine erste ein ganzes jahr bis sie alleine in den kindergarten marschierte, so brauchte die zweite gerade mal 2 tage… mein vater pflegt zu sagen: die summe aller fehler bei der erziehung ist bei jeder generation die gleiche! Wir machen neue fehler und dafuer fehler meiner eltern nicht mehr! Vielleicht auch die gleichen. Was solls…. frueher war ja sowieso immer alles besser und schoener…;-)
    Mit 20 jahren koennen alle laufen, spielt also keine rolle wer mit 10 monaten laufen kann oder erst mit 18 monaten…. 😉

  • Veronica sagt:

    Der Diskussion um das Thema „Eltern“ bin ich überdrüssig. Als Mütter und Väter scheinen wir die Arschkarte gezogen zu haben. Wie und was wir auch immer machen — ständig werden wir kritisiert. Immer gibt es jemanden, der es besser weiss. Sei es die Verwandtschaft, einE NachbarIn, oder der Staat, der sogar ganz genau weiss, wie das Znünibrot meiner Sprösslinge zu sein hat. Ich habe mich emanzipiert, erlaube mir, eine eigene Meinung zu haben. Dem/der LehrerIn — pardon: Lehrperson — begegne ich auf Augenhöhe und kritisiere gegebenenfalls. Und last but not least: Meine Kinder erziehe weiterhin so, wie es mein Mann und ich richtig finden, mit ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit. Was die anderen davon halten geht mir am A… vorbei.

    • Sportpapi sagt:

      Nun ja, der Lehrer begegnet Ihnen dann vielleicht auch auf Augenhöhe und zieht seine Konsequenzen.
      An sich haben Sie ja mit allem Recht, wenn das Resultat einigermassen stimmt.

    • Lina Peeterbach sagt:

      „Wie und was wir auch immer machen — ständig werden wir kritisiert. “ Ich empfinde das ähnlich, in ganz vielfältigen Bereichen. Und viele der Kritiken widersprechen sich gegenseitig. Man muss sich davon lösen, es allen (oder irgendwem) recht machen zu wollen, sondern primär als Familie funktionieren. Da gibt es zwischen Vater, Mutter und Kindern schon genug Spannungsfelder. Alle anderen sollen sich raushalten. Ich bin überzeugt, wer mit gesundem Menschenverstand und Liebe erzieht, macht das Meiste nicht allzu verkehrt. Und was man nicht vergessen darf: Bereits Kinder haben SEHR verschiedene Charaktere und reagieren ganz verschieden. Und diese Charakterunterschiede kennt niemand so gut wie die Eltern.

  • 13 sagt:

    Ich bin nicht der Meinung, dass man Verwöhnen und Überbehüten vermischen sollte. Verwöhnen wie Jacke zu schliessen, obwohl das Kind es könnte etc. ist eine Frage des Masses. Kein Kind wird ein verwöhntes Prinzeschen, wenn Mami mal die Jacke schliesst oder Papi das Brötli schmiert, weil das Kind noch müde ist. Nimmt man ihnen aber immer alles ab, sieht es anders aus.
    Überbehütung ist etwas anderes und das sehe ich schon: Wenn mir die Mutter eines fast 13j stolz erzählt, ihr Kind sei gestern das erste Mal alleine einkaufen gegangen. Wenn ich sehe, dass die Schulkinder der Nachbarn nur im eigenen Garten spielen. Wenn Kinder bis zur 3. Klasse auf dem Schulweg (30er Zone) begleitet werden. Wenn es heute kaum Kinder gibt, die mal alleine durch den Wald streifen (kein Verkehr!). etc.

    • Christina sagt:

      @13
      Ich frage mich, wie viel der „Überbehütung“ einfach auch daher kommt, dass beide Eltern berufstätig sind. Dann muss es eben meist schnell und effizient laufen. Und dann ist es schneller, das Kind mit dem Auto in die Schule zu bringen, dem Kind auf dem Weg in die Krippe die Jacke schnell zu zumachen, die Kinder nur auf den Spielplatz und nicht in den Wald zu lassen (weil sonst viel mehr Wäsche anfällt). Unsere Nachbarn leben so und haben zwei ganz, ganz tolle Kinder. Sie erleben vieles nicht, was unsere Kinder dürfen (z.B. Schmetterlingszucht auf dem Balkon, Räuber und Poli mit den Kindern aus dem Quartier), dafür erleben sie anderes. Und im Gegensatz zu unserer Familie, schaffen es beide Eltern, ihren Beruf auszuüben.

      • 13 sagt:

        @ Christina
        Das erlebe ich hier gerade umgekehrt. Dadurch, dass wir beide berufstätig sind (zusammen ca. 150%), haben die Kinder automatisch mehr Verantwortung und müssen mitanpacken. Anders geht es schlicht nicht. Und auch sind sie mehr alleine draussen, da die Zeit für den Haushalt begrenzt ist. Seit Kurzem fahren sie alleine Zug (4.+1. Klasse), da sie so zu mir zum Büro kommen können. Alles Sachen, die ich bei den Hausfrauen im Dorf nicht erlebe. Ja, ok, Schmetterlinge züchten wir nicht, würden wir vermutlich auch nicht tun, wenn ich zu Hause wäre. Ich denke, dass da ganz viele Faktoren reinspielen, Berufstätigkeit der Eltern scheint mir nicht so wichtig zu sein.

      • Reincarnation of XY sagt:

        @Röschu – sie sind ja ein Paradebeispiel für „wie lese ich mit einem Vorurteil – so dass ich darin nur meine Meinung bestätigt sehe“

        1. woher kommen sie auf den Gedanken, dass wir für das Kind bestimmen? bloss weil wir ihm Strukturen bieten?
        Unser Kind sagt ob es Sport machen oder ein Instrument lernen will etc. – Es würde gar nicht nur rumhängen wollen …
        Wir bieten ihm Perspektiven für eine sinnvolle Beschäftigung.
        Und zu ihrem zweiten Satz. Lesen sie etwas genauer nach. Ich bin diskret geblieben. Ich gehöre zu den Glücklichen, denen es heute super geht und im Nachhinein viel aus allem lernen konnte. Aber gewisse Dinge will man für niemanden, den man liebt.

      • Röschu sagt:

        „woher kommen sie auf den Gedanken, dass wir für das Kind bestimmen?“
        Weil Sie schreiben, „herumlungern“ sei dem Kind zu ersparen. Und „Es würde gar nicht nur rumhängen wollen …“ ist dann die (vermutlich) wohlwollende Rechtfertigung sich selbst gegenüber.
        .
        Gerade die Tatsache, dass Sie heute in der Situation sind reflektiv auf diese wilden Jahre zurückschauen können, spricht dafür, dass diese Jahre keineswegs verloren sind. Schlussendlich muss man mMn die Erfahrung selbst gemacht haben um etwas wirklich nachvollziehen zu können.

      • Lichtblau sagt:

        @Christina: Das nenne ich unvoreingenommen. Kompliment.

    • Reincarnation of XY sagt:

      schön gesagt 13 –
      ich möchte noch etwas zum „Umherstreifen“ loswerden. Dies wird immer nur einseitig positiv gesagt, wie toll das in den 80ern war, weil wir den ganzen Tag umherstreiften.
      Aber das war nicht nur positiv. Ich und meine Freunde spielten in Wäldern und Baustellen, bis zur 4. Klasse, danach lungerten wir in der Stadt herum und entwickelten sehr sehr negative Tendenzen (um mal einigermassen diskret zu bleiben), diejenigen von uns, die nach vielen (verlorenen) Jahren zu Verstand und Familie gekommen sind, wollen unseren Kindern dieses ausufernde Herumlungern ersparen. Sinnvolle Beschäftigung bringt defintiv mehr.
      Klar, kann man übertreiben und wird es manchmal auch. Aber wir machten die Erfahrung, dass es eben auch ein zu wenig, an Betreuung gibt.

      • 13 sagt:

        @ roxy
        Völlig einverstanden. Es gibt so manches, was für uns „normal“ war, was ich meinen Kindern heute aber so nicht zumuten würde. Neben der völlig fehlenden Kontrolle, ok, ich war ein relativ braves Kind, gab es einige Situationen, die ich aus heutiger Sicht als klar gefährlich anschaue und es eigentlich pures Glück war, dass nichts passiert ist, resp. wir hatten Glück so manch anderes Kind nicht. Nicht nur die berühmten Autogurte, sondern einiges mehr. Es ist aber eben alles eine Frage des Masses und wieviel Freiheit die Sicherheit kosten soll.

      • Röschu sagt:

        „…wollen unseren Kindern dieses ausufernde Herumlungern ersparen. Sinnvolle Beschäftigung bringt defintiv mehr.“
        Und was „sinnvolle Beschäftigung“ ist, entscheiden natürlich stets die Eltern, oder? Auch finde ich es sehr schade, dass Sie ihre „freien Jahre“ offenbar als verloren ansehen.

  • Lina Peeterbach sagt:

    Ich habe einen erschütternden Artikel in der Zeit gelesen: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-07/ns-geschichte-mutter-kind-beziehung-kindererziehung-nazizeit-adolf-hitler
    Kinder „richtig“ erziehen ist ein unglaublich schwieriger Balanceakt, und ich werde allemal lieber Fehler in die Helikopter-Richtung machen, als mein Kind zu vernachlässigen oder seine Bindungsbedürfnisse ignorieren. Meine 4-jährige Tochter lässt sich nach einem Kita-Tag gerne beim Znacht füttern, das bedeutet für sie Zuwendung/Liebesbeweis. Auch wenn sie längst selbst essen kann, darf sie diese Extraportion Behütung gerne ab und zu geniessen!
    Die Rechnung wird am Schluss gemacht. Vielleicht sehen wir ja auch in 20-30 Jahren, dass Trennungsraten wieder sinken, weil nicht mehr alle bindungsgestört sind?!

    • Lina Peeterbach sagt:

      Und dies soll in keinem Fall ein Plädoyer fürs Helikoptern sein.
      Gibt es übrigens eigentlich eine Definition für Helikoptereltern? Ich persönlich halte es für problematisch, Kindern jeden Widerstand aus dem Weg zu räumen, sowie sie bei jeder Tätigkeit mit Argusaugen zu beobachten und alles zu kommentieren / korrigieren. Andererseits wird man dann wieder kritisiert, dass man seine Kinder nicht genug erzieht. Freiraum heisst eben auch experimentieren, manchmal mit fragwürdigen Resultaten. 100% richtig gibt es nicht, und die meisten Eltern geben ihr Bestes!
      In jeder Generation wird in irgendeiner Form Elternbashing betrieben, und immer wieder wird schwarzgemalt, was aus der neuen Generation wohl werden wird. Daher wiederhole ich gerne mein Statement: Die Rechnung wird am Schluss gemacht.

    • Sportpapi sagt:

      „Vielleicht sehen wir ja auch in 20-30 Jahren, dass Trennungsraten wieder sinken, weil nicht mehr alle bindungsgestört sind?!“
      Schön wärs.
      Ich erwartet das Gegenteil.

      • Martin Frey sagt:

        „Vielleicht sehen wir ja auch in 20-30 Jahren, dass Trennungsraten wieder sinken, weil nicht mehr alle bindungsgestört sind?!“
        Schön wärs.
        Ich erwartet das Gegenteil.

        @Sportpapi
        Eigentlich sinkt die Scheidungsrate schon seit mehreren Jahren, zuletzt deutlich. Von den über 20 Jahren lang beherrschenden 50% auf mittlerweile ein Drittel.
        @Peterbach
        Sie sprechen m. E. einen wichtigen Punkt an. Helikopter-Definitionen gibt es wohl keine belastbaren, und meistens meinen die Eltern wohl genau das, was sie an anderen stört. Verwöhnen und Ueberbehüten ist auch nicht dasselbe wie 13 richtig sagt. Und ob manchmal etwas Ueberfürsorge schlimmer ist als die wohl früher verbreiteteren Vernachlässigungen und Misshandlungen, wäre da noch zu diskutieren.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Es sinkt auch die Heiratsrate. Vielleicht gibt es ja einen Zusammenhang.

      • Muttis Liebling sagt:

        Was Heiraten angeht: Es ist etwas paradox, dass gleichzeitig zu der Erschliessung der Ehe für Gleichgeschlechtige das Heiraten unter Heterosexuellen immer weiter zurückgeht. Ich würde vermuten, der Trend ist irreversibel. Der Akt des Eheschliessens ist im religiösen Kontext entstanden, dann verstaatlicht worden und verliert im Zuge des Bedeutungsverlustes beider Instanzen an Bedeutung.

        Meine Kinder und deren Freunde leben allesamt in stabilen Nicht- Ehe- Familien. Die Kinder sind von biologischen Vater adoptiert und tragen dessen Nachnamen.

        Sie haben die Option, sich von einem Tag auf den anderen zu trennen. Der Unterhalt der und das Umgangsrecht mit den Kindern ist durch die Adoption geregelt. Aber gegenseitige Ansprüche und rechtliche Interventionen dagegen sind ausgeschlossen.

  • Anh Toàn sagt:

    „Sind sie alleine schuld daran, dass die Fahrzeuge viel zahlreicher und gefährlicher geworden sind? Dass immer mehr freie Flächen überbaut werden? Dass es kaum noch Brachen gibt, auf denen sich Kinder austoben können?“

    Also es gibt keine Helikoptereltern, die Welt da draussen ist einfach so viel gefährlicher geworden. Das zeigt sich natürlich nicht in den Statistiken, weil die Eltern erfolgreich sind darin, ihre Kinder vor diesen Gefahren zu schützen.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Das sehe ich auch so. Nichts it schlimmer, als so Sprüche, wie man früher Autofahren ohne Kindersitz, Velo ohne Helm, innerorts Tempo 80 usw überlebt hat, denn jene, welche das nicht überlebt haben -und das sind viele- können sich dazu nicht äussern.

      Weniger Tote und Schwerverletzte verdanken wir den gestiegenen Möglichkeiten für Sicherheit und Unfallmedizin.

  • Felix Rothenbühler sagt:

    Meine Erfahrung zeigt: Ca. 1 – 3 Kinder pro Klasse gehören in die Kategorie „überbehütet“. Dies in einem Dorf auf dem Land mit vielen Weg-Pendlern in die nahen Zentren sowie den Nachbardörfern: Permanentes Elterntaxi, Znüni ins Klassenzimmer nachtragen etc.
    Was in eine ähnliche Kategorie gehört und noch weiter verbreitet ist: Eltern, die der Schule dreinreden, und das teilweise massiv, weil sie glauben, ihr Kind käme – aus welchem Grund auch immer – schlecht weg.

  • Martin Frey sagt:

    Ich finde den Beitrag eigentlich bemerkenswert sachlich und differenziert, bei einem Thema wo eben Helikoptereltern-Bashing Hochkonjunktur feiert, wie richtig formuliert.
    Die Frage wäre ja noch, was macht Helikoptern genau aus, und was ist wirklich anders als früher. Wenn man es nur an Hol- und Bringfahrten festmacht, dann gibt es das wohl häufiger. Wenn es um Rundumbetütelung geht, wohl ebenfalls. Obwohl auch da es mir nicht wie ein Massenphänomen erscheint. Und beides fällt halt auf, im Ggs. zu anderen Kriterien.
    Dass Kinder zuhause eingesperrt waren und vieles nicht durften weil man sie von Einflüssen „da draussen“ schützen wollte, gab es schon früher. Auch früher gab es Religiöse die das taten, nur andere. Oder Migranten, nur andere (eben noch keine Expats im heutigen Sinne).

  • Thomas Bruderer sagt:

    „Sind sie alleine schuld daran, dass die Fahrzeuge viel zahlreicher und gefährlicher geworden sind?“

    Diese Eltern sind auf alle Fälle schuld sich nicht zu infomieren, und sie sind an der Hysterie besonders Schuld weil sie solche Aussagen unreflektiert und ohne Prüfung auch noch öffentlich Kundtun.

    1990 gab es 50’000 Verletzte unter 15 Jahren und mehr als 500 Tote, 2016 waren es trotz mehr Autos nur noch 30’000 und sage und Schreibe nur noch 94 Tote.

    Offensichtlich ist völlig die Relation verloren gegangen und dann scheint es normal, dass Kinder überall hin begleitet werden. Aber DAS ist das Problem, ihre Wahrnehmung hat sich verschoben. Sie sind bereits Teil dieser Helikoptergeneration, sie sind eine Helikoptermutter, darum sehen sie keine.

    • Röschu sagt:

      Was aber, wenn die Zahlen der Verletzten und Toten zurückgingen, gerade eben weil heute mehr gehelikoptert wird?

    • Sisifee sagt:

      Nun, mit der Statistik ist das so eine Sache. Wenn mein 5.-Klässler mit dem Fahrrad im Dunkeln vom Fussballtraining nach Hause fahren soll, dann denke ich nicht in erster Linie daran, dass sich die Anzahl Verletzter seit 1990 fast halbiert hat. Sondern ich frage mich ganz einfach, ob mein Kind die Gefahren richtig einschätzt, sich im Strassenverkehr auch in müdem Zustand richtig verhält – und entsprechend reagiere ich dann halt mit Velo-Begleitung (mangels Auto), nehme den Chauffeur-Dienst des Gspöndlis an oder organisiere ein Bus-Ticket. Und ja, in der Regel reagiere ich lieber vorsichtig und behütend, ich empfinde das als meinen Job. Es mögen weniger schlimme Unfälle passieren, trotzdem ist jeder einer zu viel und ich möchte meine Kinder und uns Eltern davor bewahren.

      • Thomas B. sagt:

        @Röschu: Gegenprobe wäre ein Vergleich mit den Verletzten von Erwachsenen. Auch diese sind Rückläufig. Der Verkehr ist insgesamt massiv Sicherer, seit 1978 hat sich die Anzahl Toter pro Jahr um 85% reduziert und die Anzahl schwerverletzter um 60%. Warum kommt das bei den Leuten einfach nicht an?

        @Sisifee
        Angst ist eine quälende Sache, wenn die Angst das Leben bestimmt dann nennt man es Phobie und man kann es behandeln. Wollen sie sagen die Eltern 1990 waren einfach noch nicht sicherheitsbewusst?

        Ihr Job ist es das Kind auch auf Gefahren richtig vorzubereiten nicht sie in Watte zu packen. Indem Helikoptermütter jegliche Gefahr ausschalten haben wir eine Generation von unselbstständigen Erwachsenen. Und die übertreibung von Tatsächlichen Gefahren ist ein Problem davon.

      • lala sagt:

        Wenn ihr 5. Klässler (also min ~11 jährig?) nicht mal im dunkeln nach Hause fahren darf… Au weia…

  • Reincarnation of XY sagt:

    … und deshalb liegen genau beide falsch:
    diejenigen die behaupten, wir würden das schlechter machen, als die Vorgeneration
    UND
    diejenigen die meinen, sie müssten ängstlicher sein, weil es gefährlicher geworden ist

    Natürlich gibt es immer unfähige Eltern – auf welche Art das auch immer geartet ist – und es ist auch ok, darüber zu sprechen (auch ein Fortschritt: früher waren nur die Kinder böse – über die Eltern machte man sich keine Gedanken)
    Aber im Grossen Ganzen ist die Entwicklung positiv.

  • Jänu sagt:

    „Verstohlen habe ich mich umgesehen – hat mich diese Frau dort drüben schief angeschaut?“
    Das scheint das grösste Problem vieler Frauen/Mütter zu sein. Daran würde ich arbeiten.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Es stimmt – die Zeiten haben sich gewandelt.
    Wir gehen anders mit unseren Kindern um, sowohl als Eltern, wie auch als Lehrer. Wir alle haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis und ein höheres Sicherheitsniveau. Wir gurten uns an – sogar hinten!!!! – wir fahren nicht mehr mit 1 Promille wie selbstverständlich. Wir rauchen nicht mehr in der Stube, im Schlafzimmer, im Restaurant und im Zug. Trinken weniger Alk.
    UND EIGENTLICH FINDET DAS KEIN VERNÜNFTIGER MENSCH SCHLECHT.
    Deshalb ist die Welt in der unsere Kinder aufwachsen auch SICHERER. Und das ist der Hauptfehler des heutigen Blogs. Es ist heute nicht gefährlicher draussen, sondern sicherer. Die Zahl der Verkehrstoten, der Verbrechen an Kinder… ist dramatisch zurückgegangen.
    Ergo: eine Entwicklung zum Guten

    • Martin Frey sagt:

      @Und das ist der Hauptfehler des heutigen Blogs. Es ist heute nicht gefährlicher draussen, sondern sicherer.“
      Wo hat die Autorin die heutige Welt, das heutige Leben als gefährlicher bezeichnet?
      Einzig beim Strassenverkehr hat sie auf die viel höhere Anzahl Autos hingewiesen, das ist aber auch schon alles, und wohl an sich unbestritten. Nur ist dieses Mehr an Autos nicht zwingend gefährlicher, sondern die Situation im Strassenverkehr ist trotzdem sicherer, was sich auch in dem seit Jahren zu beobachtenden Rückgang an Verkehrstoten wiederspiegelt.

      • Sportpapi sagt:

        „Wo hat die Autorin die heutige Welt, das heutige Leben als gefährlicher bezeichnet?“: Hier:
        „Dass Kinder heute weniger ohne Begleitung eines Erwachsenen draussen spielen als noch vor zwanzig Jahren, ist eine Tatsache. Aber ist das der Fehler der Eltern? Sind sie alleine schuld daran, dass die Fahrzeuge viel zahlreicher und gefährlicher geworden sind? Dass immer mehr freie Flächen überbaut werden? Dass es kaum noch Brachen gibt, auf denen sich Kinder austoben können?“
        Wobei ja schon das „weniger“ eigentlich beschönigend ist.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Sie sprach davon, dass Autos zahlreicher UND gefährlicher geworden sind, was wohl so nicht stimmt. Zudem sprach sie davon, dass es weniger unbebaute Flächen/Brachen gibt, wo die Kinder spielen könnten. Tatsache ist aber, dass wir (ich lebte die erste 8 Jahre in einer osteuropäischen Grossstadt, danach in der Agglomeration von Bern) an vielen Brachen spielten, das heute als zu gefährlich und nicht kinderfreundlich angeschaut wird. Parkplätze waren z. Bsp. die perfekten Spielplätze, kam ein Auto, gingen wir auf die Seite. Die Unterführungen waren auch bei Regen toll. Wie auch Treppenhäuser von Wolkenkratzern. Das Bachufer war spannend. Wald sowieso. Diese Orte gibt es heute auch, nur sieht man da weniger Kinder. Und da hat Roxy recht: Das Sicherheitsgefühl/-Bedürfnis ist anders.

      • 13 sagt:

        Wir leben heute am Waldrand (ca. 50 m). Im Wald gibt es noch einen eingezäunten Weiher. Im Quartier viele Kinder, der grösste Teil Schulkinder, wenige Teenager, einige wenige Kleinkinder. Wissen Sie wieviele Kinder sind öfters alleine im Wald aufhalten? 3! Zwei davon sind meine und noch ein Nachbarsbub. Reale Gefahr besteht einzig, wenn die Kinder über den Zaun klettern würden, was sie bisher nie getan haben, zudem ist der Weiher nicht tief. Die Wege sind gut gekennzeichnet, verlaufen kann man sich nicht. Autos gibt es da keine, auch keine Wölfe oder verzauberte Schokoladenhäuser. Und trotzdem sagen mir alle, sie würden sich das nicht trauen. Und dann heisst es, es gäbe für Kinder wenig Möglichkeiten…

      • Martin Frey sagt:

        Der einzige Fehler der Autorin besteht meines Erachtens darin, dass sie die Fahrzeuge als „zahlreicher UND gefährlicher“ bezeichnet hat. Das zweite stimmt so nicht.
        Ansonsten sehe ich nichts unwahres an ihren Aussagen. Dass es immer weniger Brachen/unbebaute Flächen gibt, dass überhaupt die Schweiz immer mehr zugebaut wird, will ja wohl niemand ernsthaft bestreiten.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Jein.
        Grundsätzlich bin ich auch so aufgewachsen, war oft alleine im Wald, habe in jeder freien Minute auf der Strasse Fussball gespielt. Noch ganz ohne teure verkehrsberuhigende Massnahmen. 😉
        Wobei, hier kommt natürlich der Punkt. Wenn mal früher ein Auto kam, ging man auf die Seite. Man sah es auch von weitem kommen.
        Heute hat es zigfach soviele Autos. Die Strassen, zumindest wo ich spielte, kann man heute wirklich nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen. Autos kommen viel häufiger, aber man sieht sie (aus Kindersicht!) viel schlechter kommen (nicht zuletzt paradoxerweise WEGEN den verkehrsberuhigenden Massnahmen)
        Ich gebe Roxy darin auch recht: Das Sicherheitsgefühl/-Bedürfnis ist anders.
        Aber nicht nur, die Welt ist doch eine andere. Nicht pauschal schlechter, anders.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Der Punkt ist aber, dass es nach wie vor ganz viele „Brachen“ bzw. Frei- und Spielräume gibt. Und dass diese Faktor kaum oder gar nicht erklärt, weshalb heute fast keine Kinder mehr unbeaufsichtigt im Freien spielen. Entsprechend eignet er sich auch nicht als Ausrede.

      • Martin Frey sagt:

        @SP
        Das ist keine Ausrede. Und Ihre Aussagen muss man sehr relativieren. Fakt ist, dass in der Schweiz alle 2 Stunden ein Fussballfeld überbaut wird, jeden Tag. Das Land wird sowieso immer knapper und umkämpfter. Für Brachflächen gibt es Definitionen, und dass diese zusehends verknappen ist schlicht Fakt. Viele Frei- und Spielräume werden aufgehoben, dafür oft bei Neubau-Ueberbauungen ein zumeist kleiner Spielplatz geschaffen für einen familienfreundlichen Anstrich. Wo sich die Kinder dann gefälligst aufzuhalten haben (sprich nirgends sonst).
        Natürlich gibt es dann noch Strassen, Parkplätze, aber dann sind wir wieder bei der Anzahl Fahrzeuge, wie erwähnt. Und ja, der Wald, aber der sagt nun mal auch nicht allen Kindern zu.
        Sportplätze gibt es genug, daher wohl auch ihre Haltung.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Das gilt aber einzig für Strassen und auf den Strassen an meinem ersten Wohnsitz konnte schon in den 80ern nicht gespielt werden, heute würde man die Kinder sie wohl auch nicht alleine überqueren lassen. Ehrlich gesagt sogar zu recht. Die anderen von mir aufgezählten Orte bestehen nachwievor. Mein Vater verbrachte seine halbe Kindheit an einem Fluss. Bei schönem Wetter wurde gebadet, beim schlechten gefischt oder ähnliches. Würden Sie heute Schulkinder an einem Fluss spielen lassen? Ohne Aufsicht? Oder gibt es heute keine Flüsse mehr?
        Die Welt ist teilweise anders, das bestreite ich nicht (zu einem grossen Teil, weil unser Verhalten anders ist, ich nehme mich da nicht aus), aber gefährlicher? Nein, das glaube ich eher nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ich bedanke mich wieder mal dafür, dass Sie mir mein Fachgebiet erklären…
        Es geht nicht um mehr oder weniger. Aber da wir in der Schweiz keine Grossstädte kennen, gibt es kaum Kinder, die in erreichbarer Distanz um ihre Wohnung nicht Flächen auffinden würden, auf denen sie frei spielen können. Und es gibt die Spielplätze in den Siedlungen, es gibt Pärke, es gibt Wälder, es gibt Schulhausplätze usw.
        Fakt ist, dass kaum mehr Kinder selbstständig im Freien spielen. Auch da nicht, wo die Spielwiese im Quartier vor der Haustür liegt.
        Die Siedlung, in der ich aufgewachsen bin, mit Spielwiesen, Büschen, Spielplätzen und vor allem vielen Kindern, die gibt es unverändert immer noch.
        Nur spielen da keine Kinder mehr.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi
        „Ich bedanke mich wieder mal dafür, dass Sie mir mein Fachgebiet erklären…“
        Ich wüsste gerade nicht, wo ich auch nur ansatzweise den Turn- und Sportunterricht, also Ihr Fachgebiet, angesprochen hätte.
        „Fakt ist, dass kaum mehr Kinder selbstständig im Freien spielen. Auch da nicht, wo die Spielwiese im Quartier vor der Haustür liegt.“
        Fakt ist, dass es bei uns anders ist. Wohingegen ich nicht den Anspruch habe, dass dies deswegen für die ganze Schweiz gilt. Da Sie aber bekanntermassen gerne von Ihrem Dorf, Ihren persönlichen Erfahrungen auf alle anderen extrapolieren, und Dinge, die nicht Ihren Erfahrungen entsprechen, iaR für Sie nicht existieren, enthalte ich mir jeden weiteren Kommentars. Weil wir an dem Punkt schon zig mal waren.

    • Röschu sagt:

      „UND EIGENTLICH FINDET DAS KEIN VERNÜNFTIGER MENSCH SCHLECHT.“
      Aber trotzdem verhalten sich viele bloss so, weil es durch Verbote aufgezwungen wird. Mit Vernunft hat das oft wenig zu tun, sondern eher mit Angst vor der Bestrafung.

      • sonic sagt:

        @sportpapi, ich weiss es ist nur eine Einzelbeobachtung, aber in unserem Quartier in Zürich spielen unglaublich viele Kinder draussen. Alleine ab ca 3 bis 5 Jahren. Allerdings ist ein grosser Teil des Quartiers verkehrsberuhigt oder sogar autofrei, Spielstrassen, Wiesen, Wald. Ich selber bin in einem Einfamilienhausquartier auf dem Land aufgewachsen. Wenn ich jetzt dorthin gehe, sehe ich auch keine Kinder im öffentlichen RAum. Alle haben einen Garten mit Pool, also bleibt man zu Hause. Am Wochenende ist man eh weg.

  • Tiziane Kleiderkorb sagt:

    Ich habe wieder die Erfahrung gemacht, nach der Einschätzung, dass das Kind genug alt ist und selbständig um selbst zu zuhause über dem Mittag essen zu können und es erwähnte es in der Schule, das er alleine gegessen hat, kam auf mich die Lehrkraft mit Schulleitung mit dem Vorwurf quasi was soll man davon halten das Kind ohne Betreuung über dem Mittag zu lassen. Ohne mehr zu wissen haben sie eine Stellung bezogen das arme Kind ist wohl völlig varwahrlost sich selbst alleine überlassen und es gab wieder eine Spannung mehr zwischen mir und der Lehrkraft.

    • Selina sagt:

      Und wie alt ist das Kind?

      • Tiziane Kleiderkorb sagt:

        11 und halb.

      • Sisifee sagt:

        @Tiziana: Mein 12- und mein 10-jähriger haben sich gewünscht, mal über Mittag alleine zu Hause fuhrwerken zu dürfen. Es muss einfach genug Essen haben. ;-))
        Sie finden, das sei besser, als in dern Hort zu gehen. Das darf man ihnen doch schon zutrauen, nicht?

      • Tiziane Kleiderkorb sagt:

        Ja, Sissifee, ich habe noch angerufen und dann hat er gesagt er muss wieder zur Schule. Diese Angelegenheit ging gut bei uns.:-)

      • Selina sagt:

        Das ist in dem Alter sicher zumutbar. Mit meinem 2. Klass-Kind würde ich das natürlich noch nicht machen.

      • sonic sagt:

        Mit 11 alleine zu Hause? Das ist doch sowas von völlig normal!! Sicher gibt es Kinder die das nicht mögen, aber wenn meine Kinder das nicht könnten, wäre ich beunruhigt.. Sie sind 7 und 8 und können das problemlos. Sie geniessen das ab und zu und fühlen sich gross. Regelmässig über Mittag würde ich sie noch nicht alleine lassen, aber ab und zu? Wir haben allerdings auch ein unkompliziertes Wohnumfeld mit viiiiielen anderen Kindern. Wenn was wäre, wüssten sie wo sie Hilfe bekämen..

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ich stimme grundsätzlich überein. Wir Menschen fokussieren uns immer auf das Schlechte und Extreme. Die Zeitungen berichten von Verbrechen, Betrug und Skandal – nicht vom langweiligen guten und richtigen, das Tag für Tag seinen Gang nimmt. – Das ist normal. Wir wollen den Skandal hören UND die Übertreter fallen einfach mehr auf. Als zweites kommt, dass seit eh und je der neuen Generation misstraut wird. Die Alten meinten schon immer, sie hätten es besser gewusst und gekonnt als die heutigen Jungen und sie malten schon immer den Untergang an die Wand.

  • Emanuel sagt:

    Liebe Frau Sattler

    Wie einige andere Kommentatoren/innen sehe ich das nicht ganz so wie sie. Natürlich ist es kein Problem wenn sie ihrem Kind die Schuhe binden. Aber das heisst auch nicht das sie deshalb keine Helikoptermutter sind. Wenn sie mal lange genug dabei sind werden sie schon sehen wo es diese Eltern gibt. So sind wir zum Beispiel fast die Ausnahme, wenn wir unsere Jungs alleine mit dem Fahrrad ins Fussballtraining schicken, obschon der Weg völlig ungefährlich ist. Gibt es wirklich so viel weniger Plätze für Kinder, gerade in de Stadt? Ich behaupte es gibt sogar mehr und qualitativ bessere Plätze, nur trauen wir es den Kindern nicht mehr zu alleine über eine Strasse zu laufen. Ja das Leben ist gefährlich, lebensgefährlich und das muss man ev. einfach akzeptieren.

  • Kim Kim sagt:

    Wir haben mehrere Helikopter-Eltern im Unfeld. Die Kinder dürfen nie alleine im Kinderzimmer spielen, dürfen nirgends alleine hinlaufen und werden rund um die Uhr bespasst, sie können nie einfach mal zuhause sein oder einfach mal im Wald spazieren, es muss immer ein Event sein. Wenn ein Kind sich daneben aufführt wird es von den Eltern endlos zugequatscht und es wird diskutiert und diskutiert… Es geht so weit, dass die Eltern in getrennten Zimmern schlafen damit keines der Kinder alleine schlafen muss…. Diese Kinder sind extrem schnell gelangweilt und können nichts alleine machen. verstehen sie mich nicht falsch, ich finde es wichtig, Kindern zuzuhören und sie ernst zu nehmen, sie zu bestätken und für sie da zu sein aber als Eltern hat man auch eine Erziehungspflicht.

  • Lori sagt:

    Wir haben im Umfeld tatsächlich eine Helikoptermama, die ihrem Kind immer alles abgenommen hat, es von allen Gefahren (physisch und psychisch) ferngehalten hat, ihm am Laufmeter neue Spielsachen geschenkt hat. Das Ergebnis ist aber kein Tyrann oder Narzist, sondern ein unglaublich unsicheres und unselbstständiges Kind, das sich nichts zutraut (hat sich mit 5J nicht alleine auf das Klettergerüst getraut), das nichts mit sich anzufangen weiss (kann Langeweile nicht selbst überwinden) und das sich kaum getraut auf andere Kinder, auch viel kleinere, zuzugehen bzw. auch gar nicht weiss, was es mit diesen anfangen soll. Das Traurigste dabei: die Mutter nervt sich unterdessen unglaublich über diese Art des Kindes und merkt nicht, das sie selbst wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat…

  • Franziska sagt:

    Liebe Frau Sattler

    Die Helikopter-Eltern gibt es leider doch. Ich arbeite in einer Schule und es gibt mehrere Kinder, welche 4x pro Tag mit dem Auto in die Schule hin und her kutschiert werden. Zusätzlich wird der Schulthek von der Mama bis zur Schulzimmertüre getragen. Und nein, ich sehe dies nicht als eine Ausnahme sondern es hat mit den Jahren sogar zugenommen.

    • mila sagt:

      Nun ja: ich habe letzthin mal den Schulthek einer Primarschülerin gelupft – und war erstaunt, wie schwer er ist. Vielleicht ist das der Grund, weshalb diese Mütter den Schulthek tragen? Man muss nicht immer die schwärzesten Helikopter-Gründe für elterliche Hilfe unterstellen.

      Und ja, ich würde einem Kind, das vom Kindergarten müde ist, vermutlich auch beim Anziehen Hilfestellung leisten. Selbständigkeit zu lernen ist das eine wichtige, Rücksichtnahme ein anderes. Will sagen: ‚Verwöhnen‘ wird schnell mal unterstellt. Aber wenn man kurz sachlich darüber nachdenkt, erweist es sich nicht selten als Chimäre.

    • Lace sagt:

      Hat wahrscheinlich eher mit der Mentalität zu tun.In vielen Ländern werden die Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren und zur Tür gebracht und wieder abgeholt.Z.t sogar gesetzlich von der Schule verlangtVuelleicht ist es aber einfdch eine gewisse Bequemlichkeit oder einfach Praktisch da man dann weiter zur Arbeit fährt.Ich kenne keine Helikoptereltern.Wurde einmal von der Kita kritisiert,da ich meinem Sohn in die Jacke half.Er war 3 Jahre alt!Man kanns Übertreiben!

    • Sisifee sagt:

      @ Franziska: Und je mehr Eltern mit dem Auto vor der Schule aufkreuzen, desto gefährlicher wird es für die Kinder, welche nicht chauffiert werden. Es ist richtig, dass sich die Schulen hier wehren. Ausserdem ist der Schulweg in sozialer Hinsicht wichtig für den Sozialkontakt.
      @ mila und lace: Das mit dem helfen stimmt natürlich auch. Wie sollen unsere Kinder denn den Wert von Hilfsbereitschaft und Empathie lernen, wenn sie es nicht selber erfahren dürfen? Helfen findet da statt, wo das Kind damit überfordert ist, etwas selbst zu tun. Idealerweise ist das „helfen, es selbst zu tun“. Helikoptertum ist da, wo die „Hilfe“ das Kind darin beschränkt, seine Fähigkeiten zu entfalten. Und wie so oft gibt es dazwischen einen Graubereich.nicht

    • mila sagt:

      Ja, diesen Graubereich gibt es. Den meisten Eltern traue ich absolut zu, dass sie wissen – und jeweils situativ abwägen – wo und wann ihr Kind (das sie am Besten kennen) Hilfestellung oder einfach auch nur Zuwendung benötigt. Wie gestern gilt auch in diesem Bereich: eine klein(st)e Momentaufnahme aus dem Alltag ermöglicht keine generelle Einschätzung darüber, ob ge-helikoptert wird oder nicht. Pauschalen Feststellungen gegenüber weitverbreitetem Helikoptertum begegne ich deshalb mit Skepsis. Zumal das keineswegs der Eindruck ist, den ich auf Spielplätzen etc. gewinne.

  • anna lou sagt:

    Da bin ich nicht ihrer Meinung. Einem Kind die Jacke anzuziehen ist ein Zeichen von Zuneigung und hat nichts mit Helikopter zu tun. Helikopter Eltern „beschützen“ ihre Kinder vor Erlebnissen, welche diese auch für ihre Entwicklung brauchen. Sie lassen ihnen zuwenig zeitlichen Raum und geistige Freiheit, um sich zu entwicklen. Anstatt freies Spielen gibt es Playdates, anstatt mal zu Hause sein werden zu viele Hobbies geplant, anstatt einfach einmal was einzufordern wird manchmal zu lange argumentiert und passiert in der Schule zB eine Ungerechtigkeit, so gehen die Eltern das klären. Nein, es geht darum, altersgerecht auch Langeweile, Frust und Ärger zulassen, ohne immer gleich intervenieren zu müssen. Und das passiert leider zu wenig.

  • Sportpapi sagt:

    Hm. Ich sehe keine Helikoptereltern, die ihre Kinder überbehüten. Aber die Welt ist halt gefährlicher geworden, wir müssen unsere Kinder im Haus behalten. Ausserdem sind wir ja moderne Eltern, die Sorgen und Ängste unserer Kinder ernst nehmen (was unsere Eltern nicht getan haben…), und deshalb wieder unsere Kinder behüten. Aber auf der anderen Seite keine „Nerven“ haben, konsequent zu sein und deshalb Konflikten lieber aus dem Weg gehen.
    Die Argumentation hinkt etwas. Und das Fazit, dass daraus keine kleinen Tyrannen entstehen, das können wir nur hoffen.

    • Timotheus Pfeiffer sagt:

      Die Welt ist nicht gefährlicher geworden, ganz im Gegenteil; die letzten fünfzig Jahre waren eine Zeit des zuvor undenkbaren Friedens und Wohlstandes. Wie leben so sicher und so reich wie noch nie zuvor.
      Die Medienlandschaft mag wegen ihrer Profitorientierung eine andere Priorität haben, als die Wahrheit zu berichten („Bluet, Buse, Büsi“), lassen sich sich davon aber nicht irreführen.

Kommentar

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