Müssen Kinderkleider Stil haben?

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Dem Mädchen ist es wahrscheinlich egal, ob auf seinem Badekleidchen farbige Herzen oder trendige Ethno-Muster aufgedruckt sind. Foto: iStock

Mein Freund hat unserer Tochter vor ein paar Wochen ein neues Badekleid gekauft. Es ist hellgelb, hat Rüschen und ist mit einer Disney-Prinzessin bedruckt (nicht diese Eiskönigin, es gibt, wie ich mittlerweile erfahren habe, eine ganze Prinzessinnen-Familie).
Als meine Tochter das Teil das erste Mal trug, war ich geschockt. Das Problem war nicht die Prinzessin oder die Tatsache, dass dieses Badekleid nicht genderneutral ist – ab einem gewissen Alter ist die Gier nach Prinzessinnen bei kleinen Mädchen ja sowieso nicht mehr zu stoppen. Vielmehr war der Badeanzug in meinen Augen zu verspielt; nicht individuell genug und von minderer Qualität. Massenware halt.

Der Albtraum der modebewussten Mutter: Badekleid mit Prinzessinnen-Sujet. Foto: PD

Ich glaube auch gesehen zu haben, dass zwei gute Freundinnen, die beim ersten Auftritt meiner Zweijährigen im neuen Outfit dabei waren, etwas bleich wurden. Natürlich sagten sie nichts, aber sie waren wohl etwas irritiert, dass ich so etwas «durchgelassen» hatte. Und ich realisierte, dass in der Blase urbaner Doppelverdiener-Familien, in der ich mich hauptsächlich bewege, kleine Mädchen keine solchen Badeanzüge tragen. Sie ziehen auch keine Crocs oder Schuhe an, die beim Laufen leuchten. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Never. Ungeschriebenes Gesetz. Weil es irgendwie billig aussieht. Und nicht lässig wie die coolen skandinavischen und französischen Kinderlabels aus Bio-Baumwolle, die mit Prints und Mustern wie Palmen, Glacés oder Clowns verziert sind. Und auch nicht so hübsch wie die luftig geschnittenen Sommerröckchen in zurückhaltenden Farben wie altrosa, ocker oder dunkelblau.

Höchste Zeit, sich zu entspannen

Tatsächlich schämte ich mich mehrere Tage für das Prinzessinnen-Badkleid und entschuldigte mich sogar wiederholt dafür. Wie kürzlich, als ich eine Kollegin am Schwimmbecken traf und ihr sagte, meine Tochter sei das Kind bei der Rutschbahn in diesem hässlichen gelben Badkleid, das mein Freund gekauft habe. Sie lachte und sagte, sie habe sich noch gedacht, dass ich es nicht gekauft habe. Ich sei ja sonst recht modeaffin. Nur: wer sagt denn, dass ich mit meinem persönlichen Geschmack recht haben muss? Dass ein in meinen Augen hässliches Prinzessinnenbadekleid nicht gut genug sein soll? Was sind das denn für Probleme? Höchste Zeit, sich in Sachen Kinderkleider zu entspannen. Es spielt wirklich keine Rolle, ob meine Tochter Leggins in meiner Hassfarbe violett trägt oder ein kitschiges T-Shirt mit Glitzerherz. Ihr ist sowieso egal, was sie trägt. Am liebsten ist sie nämlich nackt. Wie halten Sie es mit Kinderkleidern? Ist es Ihnen egal, was Ihre Kinder tragen? Lesen Sie zu diesem Thema auch: «Knappe Mode für kleine Mädchen», «Warum meine Tochter keinen Bikini trägt» und «Keine zu klein, ein Girlie zu sein».