Bitte nicht so negativ!

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Kinder sollen laut sein dürfen, wenn ihnen danach ist. Foto: iStock

Lange hatte ich mich auf die zwei Wochen am Meer gefreut – dann wurden die Kinder genau einen Tag vor den Ferien krank. Sie erholten sich zum Glück schnell und so konnten wir mit einem Tag Verspätung doch noch abreisen. Die ersten Tage in Italien waren aber alles andere als erholsam. Mal kränkelte das eine Kind, dann das andere. Als wäre das nicht genug, kam noch der wunderschön anzuschauende, aber weniger schön wirkende Vollmond hinzu, sodass sich meine zwei zauberhaften Kinder in keifende kleine Monster verwandelten.

Meine Nerven wurden ziemlich strapaziert. Das Geschrei war manchmal so laut, dass ich ernsthaft befürchtete, wir würden der Familie nebenan die Ferien gründlich vermiesen – hallo schlechtes Gewissen! Irgendwann gesellte sich die Sorge um unser Image als Eltern dazu: «Die müssen denken, wir hätten die Kinder überhaupt nicht im Griff. Oder wir verprügelten sie, dass sie immer so schreien», ging es mir durch den Kopf. Und das, obwohl ich mir doch stets einbilde, dass mich die Meinung anderer zu meiner Person nicht gross kümmert.

Italienische Gelassenheit

Unsere Feriennachbarn, ein italienisches Paar mit Kleinkind, gaben mir zwar überhaupt keinen Grund, so zu denken. Sie waren stets freundlich, plauderten über die Terrassenmauer mit uns und beschwerten sich nie.  Als wir uns irgendwann für den Lärm entschuldigten, winkten sie ab. Das sei doch ganz normal, schliesslich seien es Kinder und die seien eben manchmal laut. Zudem müssten wir uns um sie sowieso keine Sorgen machen, da sie selber auch ein solches Exemplar im Haus hätten, das sie am Morgen aus dem Schlaf reisse.

Anstatt es dabei zu belassen, holte die Frau völlig unerwartet zu einer regelrechten Lobeshymne auf meine Kinder aus. Die beiden seien wirklich wunderbar: «Es ist so süss, wie sie sich um unseren Kleinen kümmern und auf ihn aufpassen, wenn er irgendwo hochklettern will. Oder eine halbe Ewigkeit lang immer und immer wieder hinter der Mauer hervorhüpfen und «dada» rufen, nur weil er das so lustig findet.»

Sie hatte absolut recht. Zwischen dem ganzen Gekreische hatten die Kinder auch immer wieder ihre zauberhafte Seite gezeigt. Für unsere Nachbarin standen diese positiven Momenten offenbar im Vordergrund, die negativen hingegen nahm sie gar nicht wirklich wahr. Während ich also befürchtete, die Kinder würden ihr die Ferien vermiesen, haben sie sie ihr eher versüsst.

Kein Verständnis für Kinderlärm

Wie oft erlebt man doch als Eltern genau das Gegenteil: Mitmenschen, die sich am kleinsten Kinderlärm stören. Die kein Verständnis dafür aufbringen, dass Kinder ihre Gefühle einfach rauslassen – auch in Form von Geschrei, Gekreische und Gelächter. In der Schweiz ist es mittlerweile so weit, dass jeder dritte Nachbarschaftsstreit durch Kinderlärm ausgelöst wird, wie Familienleben.ch berichtet – eine unglaubliche Zahl!

Wäre es nicht wunderbar, wenn mehr Menschen so denken würden wie unsere Feriennachbarin? Wenn wir alle versuchen würden, den Fokus mehr auf die positiven als die negativen Dinge zu richten? Und damit meine ich auch, nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen, so wie ich es Anfang Ferien gemacht habe. Sonst stresst man sich nur selber, überträgt diesen Stress auf die Kinder und es wird noch schlimmer.

Nach vier Tagen war der Spuk übrigens vorbei. Alle waren wieder gesund, der Mond nahm ab und der Lärm ebenso. Und es fiel mir plötzlich ganz leicht, meine negative Brille abzulegen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: «Wie kinderfreundlich ist die Schweiz?» und «Mein Kind ist Ihnen also zu laut?».