Geschlechtervorbilder werden überschätzt

Facettenreiches Vorbild: Papa ist Komiker, Koch, Verkehrsteilnehmer, Hobbygärtner und Mann. (Foto: iStock)

«Kinder brauchen eine Mutter und einen Vater», lautet der Schlachtruf von Konservativen gegen gleichgeschlechtliche Eltern. «Männer erziehen anders als Frauen», sagen Progressive, wenn sie für mehr Männer in der Kinderbetreuung kämpfen. Es ist ein anderer Kontext und doch dieselbe Aussage: Frauen und Männer haben unterschiedliche, sich ergänzende Eigenschaften, die in der Kinderbetreuung unerlässlich sind.

Wie wir wissen, sind Väter stets wild und unbesorgt. Mütter hingegen sanft und fürsorglich. Väter werfen ihr Baby 17 Meter in die Luft. Mutti steht daneben und quietscht mit zittriger Stimme: «Oh Gott, Hanspeter!»

Nur, ich habe mein Kind noch nie in die Luft geworfen. Weil ich nicht einmal einen Ball fangen kann. Geschweige denn ein quiekendes Rollschinkli mit Armen und Beinen.

Mache ich das richtig mit dem Mann-Sein?

Ansonsten gebe ich mir natürlich Mühe, den gesellschaftlichen Erwartungen zu genügen. Etwas ungelenk boxe ich dem Brecht immer wieder in den Oberarm und sage mit tiefer Stimme: «Heul nicht, du Saft!» Es wäre ja schade, wenn die Wirkung unserer perfekten Familienkonstellation wegen meiner Unmännlichkeit verpufft. Am Ende wird der Brecht in der Schule trotz Hetero-Eltern gemobbt.

Aber ich will Sie nicht länger mit billigem Sarkasmus ärgern. Sie wissen vielleicht aus meinen frühen Werken, dass ich wenig von Geschlechterstereotypen halte. Diese ständige Verkrampfung auf ein Merkmal menschlichen Seins – sie ist mir ein Rätsel. Dabei will ich Unterschiede zwischen Frauen und Männern gar nicht leugnen. Es mag ja durchaus sein, dass irgendwelche Gene auf diesem einen Chromosom gewisse Vorlieben, Interessen und Verhaltensmuster begünstigen. Statistisch zumindest. Im konkreten Fall aber unterscheiden sich zwei Menschen weit stärker als Folge ihrer Persönlichkeit als wegen ihres Geschlechts.

Erziehen Männer gar nicht so anders?

Eine Studie des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Erziehungsverhalten von Kita-Betreuerinnen und -Betreuern nur wenige Unterschiede gefunden. Klar ist es schön, wenn Kinder weibliche und männliche Bezugspersonen haben. Aber Maximilian-Jason kann später bestimmt nicht schlechter Töffli frisieren, weil er in der Unterstufe nur von Lehrerinnen unterrichtet wurde. Und Cosma-Imogen wächst vielleicht mit zwei Vätern auf, die ihr ganz unterschiedliche Werte vermitteln. Diversität hat viele Gesichter. Mitunter könnte man aber meinen, die stereotypen Eigenschaften zweier disjunkter Geschlechter sei die einzige Vielfalt, die Kinder unbedingt benötigen.

Ich will dem Brecht ein gutes Vorbild sein. In all meinen Rollen: als Elternteil, Verkehrsteilnehmer, Hobbygärtner, im Umgang mit anderen Menschen und meinetwegen auch als der Mann, der ich ja bin. Aber es käme mir nicht in den Sinn, dabei ein bestimmtes Männerbild zu zeichnen.

«Eltern sollten einfach sich selbst sein.» Auch das ein beliebter Satz, den man oft liest. «Eigentlich selbstverständlich», dachte ich, bis ich auf einer Ratgeberseite für Väter diesen Appell sah: «Wenn Sie eher ein zurückhaltender Vater sind, dann polen Sie sich ein bisschen mehr auf Angriff. Das ist nicht nur ein gutes Vorbild für Ihr Kind, sondern auch eine Bereicherung für Ihr eigenes Leben.»

Mir ist vor Schreck fast die Schrotflinte in den Anabolikashake gefallen.

Weitere Postings zum Thema: «Einen Mann für meinen Sohn!», «Niemand wirft wie ein Mädchen» oder «Das Familienmodell der Zukunft».

79 Kommentare zu «Geschlechtervorbilder werden überschätzt»

  • Hans Minder sagt:

    Eine andere Sichtweise: Ein Kind erbt in jedem Fall fast genau 50/50 der Chromosomen der Mutter und des Vaters. Ist während der Erziehung nicht der Inhaber dieser 50% Chromosomen mit am Werk, entsteht grösserer Spielraum für „Erziehungs-Blindheit.“ Die leibliche Mutter und der leibliche Vater sind somit nicht in erster Linie als Vorbilder wichtig, sondern als „Übersetzer“ zwischen dem Kind und seiner oft fremden Umwelt. Wer Adoptivkinder hat weiss wie schwierig es oftmals ist diesen zu helfen, da man sie in vielen Fällen misversteht.

    • Muttis Liebling sagt:

      Haben Sie sich im Jahrhundert geirrt? Eltern sein ist keine biologische, sondern eine soziale Rolle. Die Rolle wächst ab dem ersten Tag, an welchem die Schwangerschaft bekannt ist.

      Adoptiveltern haben eine kürzere Zeit, sich in die Rolle zu finden. Der Nachteil kann je nach Adoptionsalter eine Grössenordnung betragen. Es ist durchaus denkbar, dass sich zwischen Adoptiveltern und -kind nicht das gleiche Verhältnis wie zwischen Verwandten entwickelt. Umgekehrtes ist ebenso möglich, wenn ein leibliches Elternteil nicht an der Sozialisation der Elternrolle teilhat.

      Aber das ist dann schon alles. Es gibt keine Übersetzung von chromosomal nach Verhalten.

      • Hans Minder sagt:

        @ML.
        Es gibt viele Recherchen (z.B. Minnesota Study of Twins) die bekräftigen, dass die Gene einen sehr grossen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes haben. Mit andern Worten: Habe ich selbst eine Zwangsstörung (OCD) dann kann ich mich in der Regel stärker mit einem Kind assoziieren, welches unter der gleichen Störung leidet.
        In einer idealen Welt sind wir alle selbstlos…. mit uneingeschränktem Einfühlungsvermögen. In der Realität scheitern sehr viele Langzeitbeziehungen, jene mit den Kindern nicht ausgeschlossen. Vieles ginge nicht in die Brüche, würde man sein Gegenüber vollumfänglich verstehen. In dieser Hinsicht haben die biologischen Eltern eines Kindes einen entscheidenden Vorteil.

  • Mel sagt:

    Der Beitrag ist wieder mal köstlich, richtig gelungen und lustig, Markus Tschannen! Ich liebe Ihren Schreibstil, bitte so weitermachen und wenn möglich ein Buch schreiben. =D Ich oute mich in diesem Sinne als echter Fan *grins*

  • Reincarnation of XY sagt:

    @Tsch. – Ich kenne keinen Vater, der sich verstellt, um ein bestimmtes Rollenbild „Mann/Vater“ auszuleben. Jeder ist einfach, wie er ist.
    Und ihr schönes Sätzlein: „Im konkreten Fall aber unterscheiden sich zwei Menschen weit stärker als Folge ihrer Persönlichkeit als wegen ihres Geschlechts.“ – ist so richtig, wie es auch falsch ist. Solcher Art Sätze sind je nach Zusammenhang und Interpretation richtig oder eben falsch.

    Fakt ist: Ein Feminismus der stets leugnen muss, dass es Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, ist schwach und unglaubwürdig. Frauen, die stets beweisen wollen, dass sie nicht anders sind als Männer, mangelt es an Selbstbewusstsein und einer positiven Einstellung zum eigenen Geschlecht.
    Das geben sie dann auch ihren Kindern weiter.

    • Ob nun Frauen oder Männer ihre „Männlichkeit“ unter Beweis stellen müssen – wenn sie damit externe Erwartungen erfüllen und dabei nicht glücklich sind, würde ich das in beiden Fällen kritisch sehen.

      • Niklas Meier sagt:

        Eine Frau kann per Definition nicht ihre „Männlichkeit“ unter Beweis stellen. Sie tappen genau in die Falle vor der Sie die Leserschaft bewahren wollen. Dieses auf Gleichheit und nicht existierenden Geschlechterrollen Beharren zeugt von Unverständnis der Welt.
        Wenn Sie (oder andere) Rollenbilder (meist negativ behaftet) zuordnen und sie für alle zugänglich machen wollen, bestätigen Sie genau eben dieses Vorhandensein. Und dass Männer und Frauen nun mal unterschiedlich sind und, statistisch betrachtet, die Verhaltensmuster von Männer mit Männern und Frauen mit Frauen übereinstimmender erfasst werden können, ist nun mal einfach so.

      • Werter Herr Meier. Sie dürfen gerne noch einmal meinen Text lesen, in dem ich statistische Unterschiede zwischen Frauen und Männern explizit anerkenne. Die Frage ist aber eben in welchem Ausmass man diese statistischen Unterschiede auf das Individuum überträgt. Definieren sie das Individuum? Meine Meinung: nein. Statistisch gesehen bin ich 0,0000064 Lottogewinner. Effektiv leider gar nicht. Statistisch gesehen mag ich Fussball. Effektiv nicht. Statistisch gesehen mag ich Autos. Mag ich auch.

    • sepp z. sagt:

      Tschannen, ich lese Ihren Beitrag anders: Sie bekämpfen nicht primär den Zwang zu Rollen (was ich gut finde: Zwang soll nicht sein), sondern sie verneinen grundsätzlich die Existenz von Verhaltens-Unterschieden zwischen Mann und Frau.
      Das sind zwei erheblich unterschiedliche Haltungen.
      Das erstere ist liberal. Das zweitere ist schlicht pure Ideologie, die dem Dogmatismus der Konservativen oder Religiösen ziemlich nahe steht: Um nicht genehme Dinge in der Gesellschaft auszumerzen, muss man eingreifen und korrigieren, was ’nicht sein darf‘.

      • Ich verneine nicht die Existenz von Verhaltensunterschieden. Ich kritisiere lediglich, dass man aus statistischen Verhaltensunterschieden Rollenzwänge macht. Ich bin überzeugt, dass sich gewisse Verhaltensmuster und Vorlieben aus der Biologie (Gene, Hormonhaushalt, etc) ableiten. Ich finde allerdings auch, dass wir diese Unterschiede gesellschaftlich zu sehr hochspielen, indem wir „männlichkeit“ und „weiblichkeit“ ad absurdum definieren, jedes Verhalten einem Geschlecht zuordnen und Menschen primär über ihr Geschlecht definieren. Da ist die Werbung und die Populärkultur natürlich nicht ganz unschuldig, die weiss, dass man mit Klischees Geld verdienen kann. Gehen Sie in ein beliebiges deutsches Comedy-Programm: Es wird um die Unterschiede zwischen Frauen und Männern gehen.

      • sepp z. sagt:

        @Tschannen, das Comedy-Programm (aber auch die ganze Filmbranche, Literatur, das Theater, die Musikbranche etc) kümmern sich vorwiegend um die Beziehung von Mann und Frau, das ist korrekt.

        Ich denke allerdings nicht, dass des dabei um ein Klischee geht. Sondern einfach um etwas des Wichtigsten in unserem Leben: Das Lieben, das Werben, das Zusammenleben, Kinder haben, einen Haushalt führen etc.

        Jetzt muss man halt in der Tat feststellen (wie Zufferey das unten zitiert), dass die häufigste Form des Zusammenlebens die Mann-Frau Beziehung ist. Es ist nicht wirklich glaubhaft, das als ein kulturelles Konstrukt abzutun. Aus welchem Grund auch immer: Geschlecht matters. Mann. Frau.

      • Nun, die monogame Mann-Frau-Beziehung ist vermutlich schon ein soziales Konstrukt. Nicht, dass ich als glücklich Verheirateter etwas dagegen hätte

        Und ja, natürlich ist die Mann-Frau-Beziehung die häufigste Beziehungskonstellation. Niemand will das ändern oder jemanden an einer solchen Beziehung hindern.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚…die häufigste Form des Zusammenlebens die Mann-Frau Beziehung ist. Es ist nicht wirklich glaubhaft, das als ein kulturelles Konstrukt abzutun.‘

        Doch, der aktuelle Mensch selbst und auch die Liebe sind kulturelle Konstrukte. Nur Fortpflanzung ist biologisch, die Girlanden darum sind es nicht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Herr Tschannen – der Mensch IST ein soziales Konstrukt.
        Die menschliche Evolution – ist das was wir sind.
        Natürlich werden wir uns weiterentwickeln und wer weiss, inwieweit sich unsere Spezies in 10’000 Jahren von heute unterscheiden wird. Aber bitte, z.Zt. kann einfach niemand unsere jetzige Evolution leugnen. Es ist wirklich lächerlich, wenn jemand sagt, das Geschlecht habe keinen Einfluss. Und nein, es geht nicht um so oberflächliche Modeerscheinungen wie Biertrinken oder Fussballspielen.
        Es geht um Dinge, die unmittelbar mit unserer Psyche verbunden sind: z.B. unsere Sexualität.
        Als Mann oder Frau habe ich einen anderen Körper, eine andere Erlebniswelt, einen anderen Horizont, eine andere Hormongeschichte. Alles unterscheidet sich fundamental.

      • Muttis Liebling sagt:

        @RoXY, die Genderhypothese sagt nur, das biologische Geschlecht hat keinen Einfluss auf das Gender genannte soziale Geschlecht.

        Durch den doppelten Gebrauch ‚Geschlecht‘ wirbelt es die Aussagen der nicht sattelfesten Gender- Jünger nur immer so durcheinander, dass am Ende nur Sprachmurks dabei heraus kommt.

        Mann ist eine personalbiologische Kategorie mit Penis und xy- Chromosom. Papa ist eine soziale Rolle, ohne Geschlecht und ohne Penis, dafür mit Gender = Man. Papa kann der biologische Vater, gern auch mal die biologische Mutter sein. Die Rolle korrespondiert nicht mit der rollenspielenden Person.

        So können dann tatsächlich homosexuelle genauso wie heterosexuelle Paare die Elternrollen ohne Qualitätsverlust unter sich verteilen und ggf. wechseln.

  • Martin sagt:

    „Mir ist vor Schreck fast die Schrotflinte in den Anabolikashake gefallen.“ Lol! Das ist so ein typischer Frauensatz! Weshalb? Anabolika sind Wachstumshormone und werden in der Regel gespritzt und sind in keinem Geschäft in der Schweiz frei verkäuflich. Sie gehören wohl auch zu denen die glauben, kaum hat ein Mann ein paar Muskel, er würde „Anabolika konsumieren“… Mein Tipp an Sie, bzw. so würde ich es machen: Erzählen Sie ihrem Sohn die Wahrheit. Also bspw., dass es keine Chemtrails sind, die man am Himmel sieht, das Anabolika Wachstumshormone sind, welche gespritzt werden, das Pilze zu den Schwämmen und somit zu den Tieren zählen und nicht zu den Pflanzen etc.. So kann man(n) kluge und selbstbewusste Kinder grossziehen.

    • Es war ein kleines Witzli, Martin. Aber da sie mir Anabolika so lieb erklären, will ich Ihnen das Witzli auch erklären: Es funktioniert nur mit einer absurden Überhöhung, die ein paar konzeptionelle Fehler enthält. Das macht es lustig. Haha! Lol!

      Könnten sich jetzt bitte noch ein Jäger und ein Kellner melden und erklären, dass Getränke in der Regel kleiner sind als Schrotflinten und letztere deshalb maximal partiell in erstere fallen können.

    • Ausserdem benötigen wir noch einen Biologen. Ich wage schwer zu bezweifeln, dass Pilze zu den Schwämmen zählen. Pilze mögen mit den Tieren enger verwandt sein als mit den Pflanzen, sind meines Wissens aber nach keiner gängigen Taxonomie einer Gruppe „Tiere“ zugeordnet.

      Ich bin aber eher Experte für Witze als für Pilze.

      • Niklas Meier sagt:

        Ohje, wenn Sie ein Witzexperte sein möchten..

        Wie auch immer. Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere.
        Es wird auch die Bezeichnung des dritten Reiches benutzt (neben Pflanzen und Tieren).
        Hieraus einen politisch korrekten Witz zu konstruieren überlasse ich dann dem Experten.

      • Zumindest eher für Witze als für Pilze. Was ist denn Ihr Spezialgebiet? Pilze auf jeden Fall auch nicht. Das grosse dritte Reiche der Pilze neben den Pflanzen und Tieren ist auf jeden Fall nicht mehr aktuell, wie Martin oben durchaus korrekt angemerkt hat.

      • Niklas Meier sagt:

        Ich habe es mehr mit Logik und schwarzem Humor.
        Bei Wikipedia wird darauf hingewiesen, dass dass die Bezeichnung der Pilze als drittes Reich neben Pilzen und Pflanzen nicht mehr korrekt sei, eine Lösung wird auch nicht geboten.
        Anderen Seiten zufolge wird diese Unterscheidung noch immer vollzogen, Pilze aber eher den Tier als den Pflanzen zugehörend eingeordnet.
        Was das genau bedeuten mag entzieht sich meinem Wissen.

    • Doris sagt:

      Ui, ein Besserwisser und Zurechtweiser. Aber Martin, erkennen Sie denn nicht die Überspitzung in Herrn Tschannens’s Texten? Sein Stil ist klug, superwitzig, aber es gibt Leute, die wollen sogar Witze mit bierernster Logik erklären und relativieren. Ausdruck von fehlendem humoristischen Empfinden? Herr Tschannen, ich freu mich schon wieder auf Ihren nächsten Beitrag.

  • sophie sagt:

    Respekt und Freundlichkeit = Basisregel des menschenssein, ob in der Familie oder im Beruf.

  • Tina sagt:

    Gerne wäre ich in der heutigen Zeit als Mann geboren worden. Dann hätte ich mich auf meine biologische Bestimmung berufen und den ganzen Tag mit meinen Kindern Indianer im Wald spielen können. Meine Frau hätte in dieser Zeit die ihr biologisch auferlegten Tätigkeiten ausgeführt, wie Wohnung putzen, Kleiderwaschen, Papi und Kinder nach dem Wald mit einem feinen Zmittag verköstigen (die Toffifee-Werbung, Sie erinnern sich bestimmt), den Mann ständig zurechtweisen („nun sei doch nicht immer so wild mit den Kinder“), mit den Kindern schimpfen („macht euch nicht immer so schmutzig beim Spielen“) und was sonst halt alles noch so übrig bleibt, wenn der Vater seiner biologischen Bestimmung folgt.

    • Mona sagt:

      So ist es und deshalb habe ich keine Kinder. Und wenn ich sehe, was bei den ‚jungen‘ Familien immer noch abgeht, kann ich nur sagen; Mein bester Lebensentscheid!

  • Jürg Oberli sagt:

    Tja, die Eltern machen alles um dem Kind keine stereotypen Rollenbilder beizubringen. Dann geht das Mädchen in den Kindergarten und kommt plötzlich mit dem Wunsch nach einem rosa Prinzessinnenkleid und Feenflügel zurück.
    So einfach ist das (und nein die Story habe ich nicht erfunden).

    • Markus S. sagt:

      Woah. Und ich kenne ein Mädchen, dass kam einmal vom Kindergarten zurück und wollte ein Pony. Und ein anderes wollte ein Häsli. Was es nicht alles gibt…

    • mira sagt:

      Ja, so kenne ich das auch. Sogar das Mädchen von zwei homosexuellen Müttern.

      • Natürlich. Es liegt in der Natur von Mädchen, rosa Prinzessinnenkleider und Feenflügel haben zu wollen. Das konnte man schon an Schimpansen nachweisen. War eine ganz besonders süsse Studie.

        Geben Sie einem Mädchen ein Prinzessinnenkleid und einem anderen einen Schraubenschlüssel und schicken Sie sie zusammen in die Schule. Vermutlich will am Ende des Tages das erste einen Schraubenschlüssel und das zweite ein Prinzessinnenkleid.

  • Brigit sagt:

    „Oh Gott, Hanspeter!“ – ich liebe die Details in Ihren Texten!!! Mal ganz abgesehen vom Inhalt, der mir auch gefällt…

  • sepp z. sagt:

    Die meisten normalen Menschen sind wahrscheinlich diesem extremistischen Genderismus und dieser Herabwürdigung aller männlichen Eigenschaften langsam überdrüssig. Und jetzt noch die Propaganda der Deutschen Feminismus-Ministerin.
    Man darf das wohl als aktive und direkte Wahlhilfe für die AfD und die anderen aufkommenden Rechtsparteien in Europa sehen.
    Actio und Reactio.

    • „Herabwürdigung aller männlichen Eigenschaften“, oder halt einfach „Relativierung der künstlich postulierten männlichen Eigenschaften“. Diese angeblichen männlichen Eigenschaften sind nicht schlecht. Das alle Männer sie erfüllen sollen und Frauen nicht dürfen. Das ist schlecht. Es geht um den Punkt, ab dem Eigenschaften nicht mehr selbstgewählt sind sondern gesellschaftlich erwartet werden.

      • Tina sagt:

        Genau das finde ich das Schlimmste am Mami-Sein. Die Erwartungen zu erfüllen, die mit dieser Rolle in der Schweiz im Jahre 2018 noch verknüpft sind. Da wäre ich wirklich lieber Papi geworden, weil ich die Sachen, die man dann machen darf (resp. muss…) einfach lieber mache. Aber vermutlich geht es einigen Männern genauso, nur andersrum.

      • Frau Tschannen sagt:

        „dass“! *Augenrollgeräusch*

      • Aaaaargh … *verfasst Rücktrittsschreiben*

    • Zufferey Marcel sagt:

      @Sepp Z.: Die Postmodernisten dürfen genau so ihre Meinung vertreten, wie ihre Gegner. Dieses Phänomen nennt sich Meinungsfreiheit. Worin aber der Fehler vieler Exponenten von Gender et al. liegt, hat Winfried Kretschmann von den deutschen Grünen vor geraumer Zeit einmal treffend beschrieben:

      „Außerdem müssen wir deutlich machen, dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind. Hier liegt ein häufiges Missverständnis. Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann, und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben (…) So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.“

      Quelle: https://tinyurl.com/ybeguukq

  • Röschu sagt:

    „Aber es käme mir nicht in den Sinn, dabei ein bestimmtes Männerbild zu zeichnen.“
    Und dennoch tun sie es, denn es geht ja gar nicht anders, als dass das Kind von klein auf beeinflusst wird durch die Menschen, die es am meisten um sich herum hat.

    • Ja stimmt. Das Kind nimmt mich als Mann wahr und was ich tue damit vermutlich als für Männer übliches Verhalten. Mit „in bestimmtes Männerbild“ meinte ich etwas gesellschaftlich Vorgegebenes. Idealerweise sieht das Kind anhand seines Umfeldes, dass sich Menschen unabhängig vom Geschlecht auf vielfältige Weise entfalten können.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Als Vater muss ich vor allen Dingen authentisch sein- genau so, wie die Mutter auch. Ob das dann als typisch weiblich, männlich oder xyz rüber kommt, ist vollkommen egal.

    • Muttis Liebling sagt:

      Im Himmels willen. Nach kriminell werden ist authentisch sein das Schlimmste, was man sich und seinen Kindern antun kann. Siehe meine Ausführungen weiter unten.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Meine Persönlichkeit ist aber kein Fluidum. Sie ist eine Art Baukasten. Die Bauteile selber bleiben sich aber immer gleich. Nur deren Zusammensetzung ändert sich jeweils. Also bin ich immer authentisch, in welcher Zusammensetzung auch immer 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        @Zufferey Marcel
        Sie beschreiben Konsistenz, nicht Authentizität. Authentizität wäre, ungefiltert zu erscheinen. Also auch ohne jede Form von Sozialverhalten.

        Nicht authentisch ist eine Verhaltensfassade, die mich passend gekleidet aus dem Haus gehen, obwohl ich lieber anderes trage. Wenn ich Guten Morgen sage, wenn ich dem Begrüssten lieber die Krätze an den Hals wünsche, usw..

        Nicht authentisch ist es, wenn ich gleichzeitig widersprüchliche Rollen einnehme, was eine Person nur unter der Diagnose Schizophrenie vermag. Ich setze im Beruf, aber auch in der Familie, Regeln durch, an die ich selbst mich nicht halte. Im Beruf ist das sogar unabdingbar. Raucher könnten authentisch nie Arzt sein.

      • ML, Sie haben einfach eine etwas enge Definition von Authentizität. Das dürfen Sie, aber es führt halt dazu, dass alle aneinander vorbeireden. Heben Sie das zwei, drei Flughöhen höher. Ich kann auch authentisch sein, ohne jedem an den Kopf zu werfen, was ich gerade denke. Die meisten Menschen sehen Authentizität vermutlich als einen Bereich in einem Verhaltensspektrum, der von einer gewissen Aufrichtigkeit gegenüber sich selber und anderen geprägt ist. Oder wir passen unser Verständnis von Authentizität im Interesse der Diskussion alle Ihnen an. Das geht natürlich auch.

      • Muttis Liebling sagt:

        Herr Tschannen, der Begriff ‚Authentizität‘ ist ausdefiniert. Da gibt es eine ganze Kulturtheorie drum herum. Als Berufsbeobachter von Gegenwartskultur sollten Sie mal gelegentlich nach dem Begriff ‚homo ludens‘ und den Autoren dazu, Johan Huizinga und Robert Pfaller recherchieren. Das ist noch nicht hohe, abgehobene Philosophie, sondern ziemlich Alltägliches.

    • Maike sagt:

      Nicht nur als Vater muss man authentisch sein – sondern immer ! Mit einer Person, auf deren Aussage ich mich nicht verlassen kann, kann ich persönlich nichts anfangen. Und Männer sind anders authentisch als Frauen – das schlägt keine Geiss weg.
      Ein Kind profitiert am meisten davon, wenn es beim Aufwachsen einen grossen Input erhält – egal von wem , das es selber für sich entscheiden kann, was ihm davon am besten gefällt. Fussballspielen mit der Mutter, Stricken vom Vater, Schuheputzen mit Opa – alles möglich.

      • Muttis Liebling sagt:

        Auch Verlässlichkeit ist kein Authentizitätsmerkmal.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Genau, Maike: Die Rolle selber interessiert mich nicht, ob Männlein, XYZ oder Weiblein auch nicht. Und wenn ich gut im Stricken wäre, hätte ich mit meiner Tochter gestrickt. Aber ich bin nicht einmal gut im Motoren reparieren. Also haben wir zusammen manchmal Pizza selber gemacht. Oder Scrabble gespielt. Oder sind missmutig (und mit ein, zwei Bier intus, anders hätte ich das nie überlebt, denn gesellschaftsfähig bin ich nur bedingt) an die Elternabende gegangen, usw.

  • The American sagt:

    Ein weiterer Beweis, nicht auf solche Ratgeber zu hören welche jeden Winkel der Erziehung perfektionieren wollen und mehr einfach sich selber zu sein. Authentisch zu sein ist wohl die beste Eigenschaft eines Elternteils und ist sogar beim Führen von Mitarbeitenden äusserst wichtiger Faktor zum Erfolg.

    Was den Einfluss von Geschlechtern betrifft, nur ewiggestrige Gleichsteller behaupten auch heute noch, es gebe keinen Unterschied in der Persönlichkeit zwischen Männern und Frauen. Die Unterschiede sind offensichtlich und haben nichts mit dem stereotypen Töfflifrisieren zu tun.

  • Claudi sagt:

    „Eine Studie des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Erziehungsverhalten von Kita-Betreuerinnen und -Betreuern nur wenige Unterschiede gefunden“

    Studien ergeben heute immer das, was der Auftraggeber hören will.
    Bei diesem Ministerium: Sind da im Namen nicht die Männer vergessen gegangen? Eiei, ein Schelm wer Böses denkt.

    • Ich hätte es vermutlich auch eher „Bundesministerium für diverse Ausprägungen von Menschen und Gruppierungen ebensolcher genannt“. Aber mich hat wie immer wieder niemand gefragt.

      Ansonsten glaube ich darf man Studien schon etwas ernster nehmen, wir sind ja hier nicht am Stammtisch. Sie sind meistens sehr viel differenzierter als das eine plakative Sätzli, mit dem sie in der Rubrik „Vermischtes“ oder in diesem Fall von mir im Mamablog repräsentiert werden.

      • Niklas Meier sagt:

        Jein. Den Auftraggeber und Verfasser einer Studie in deren Würdigung mit einzubeziehen ist immer wichtig. Speziell bei der ganzen Genderdiskussion. Da wird das Resultat oftmals erstaunlich gut zur Politik des Geldgebers ausfallen.

    • sepp z. sagt:

      Eine Partei wie die SPD, die vor einigen Jahren in ihrem Parteiprogramm die ‚Überwindung der männlichen Gesellschaft‘ als Ziel formuliert hat, wird selbstverständlich ihr Ministerium so nennen. Männerfeindlich, feministisch.

      Es ist genau dieses ideologisch extremistische Fahrwasser, in dem hier Markus Tschannen herumschwimmt.

      • Jetzt mal halblang. Ich habe das Ministerium nicht gegründet. Und „Überwindung der männlichen Gesellschaft“ muss richtig verstanden noch lange nicht männerfeindlich sein. Woher kommt dieser Zwang, sich von Gleichstellungsbemühungen immer angegriffen zu fühlen? Eine männlich dominierte Gesellschaft ist so wenig erstrebenswert wie eine weiblich dominierte Gesellschaft. Was auch immer „männlich“ und „weiblich“ sein mag.

      • sepp z. sagt:

        @Tschannen, Gleichstellung wäre, wenn die Männer in dem Namen des Ministeriums auch vorkämen. Was mich also stört, sind solche Dinge, die Sie als ‚Gleichstellungsbemühungen‘ bezeichnen, die aber in Tat und Wahrheit einfach nur sexistisch sind (und übrigens Geschlechterrollen geradezu zementieren: ‚Nö, Männer gehören hier nicht dazu‘).

      • Ich finde den Namen ja auch unglücklich gewählt. Er suggeriert, dass die Anliegen von Frauen ein Ministerium brauchen, die Anliegen der Männer nicht. Umgangssprachlich heisst es ja einfach „Familienministerium“ und es kümmert sich durchaus um die Förderung von Jungen und Männern. Familienministerin Giffey sagt im ersten Satz ihres Portraits, dass sie sich für alle einsetzt und erwähnt dabei explizit auch die Männer.

  • Lisa sagt:

    Ihr letzter Satz zeigt, weshalb ich Ihre Beiträge gerne lese. Ihr zweitletzter Satz zeigt, weshalb ich keine Ratgeberseiten lese, weder solche für Väter noch solche für Müttern (oder Eltern, oder sonst was). Herr Frey sagt es ja: Rollenvorbild sind wir immer. Und wir sind Persönlichkeiten, zu deren Ausprägung auch das Geschlechtliche (gender, sex, was immer) gehören. Apodiktische Verhaltensregeln, die auf halbvergorener Sekundärlektüre von Heftliartikeln basieren, deren Autor*innen mal eine halbe Psychologievorlesung besucht haben, passen da nicht. Dann lieber gelegentlich mit dem Büblein oder dem Mädchen staubsaugen, Bogen schiessen, Lampen reparieren und Socken stopfen.

  • Nathalie sagt:

    Ratgeber haben mich schon oft stutzen lassen… irgendwann habe ich mit der Lektüre aufgehört, da die Tipps nicht sinnvoll praktikabel waren!

    • Es gibt halt solche und solche Ratgeber. Und dann noch die dazwischen. Höhö. #weisheit

    • Muttis Liebling sagt:

      Ratschläge sind auch Schläge. Das wirtschaftlich und kulturell Fatale ist, bei schrumpfenden Umsätzen für Bücher an sich fressen die Ratgeber und die Promibiografien den richtigen Literaten und Sachbuchautoren das Einkommen weg.

  • Muttis Liebling sagt:

    Der evolutionäre Sinn der Zweigeschlechtigkeit beruht auf der grösseren Variationsbreite eines Paares gegenüber der eines Individuums. Normt man die individuelle Variabilität auf 100, kann ein Paar bis zu 140 erreichen. Allerdings bei schlechter Paarung, zwei Individuen mit gleich verteilten Merkmalen, auch bei 100 stecken bleiben. Ideal paaren sich Individuen, die sich soweit unterscheiden, dass es gerade noch reicht, nicht gleich wieder zu brechen.

    Weil diese Intervariabilität mit der Fortpflanzung verbunden ist, nennt man es geschlechtlich. Bei der Erziehung ist aber nicht das biologische, sondern das soziale Geschlecht, das Gender prägend. Die Gendervarianz kann noch grösser werden, als die Sexvarianz, bis zu 200. Wichtig ist nur, das sich beide Partner maximal unterscheiden.

    • Höhlenbewohner sagt:

      Nur ist das Soziale Geschlecht mit dem biologischen verbunden. Allerdings wird, durch die dauernde Beschallung von Erziehungs und Genderexperten, dieser Unterschied tatsächlich immer kleiner gemacht. Mädchen werden ja geradezu gezwungen mit dem Schraubenschlüssen zu hantieren, und Jungen werden mit Moralpredigten und Ritalin davon abgehalten, Jungen zu sein.

      • Muttis Liebling sagt:

        Sex und Gender können verbunden sein, müssen aber nicht. Wenn 100% von Sex abhängig, ist Gender überflüssig und der Begriff und eine Theorie darüber völlig nutzlos. Aber maximal entkoppelt vom biologischen Geschlecht ist es eine enorme Bereicherung.

        Ich habe das nur lange nicht verstanden, weil es zumindest in den populären Darstellungen falsch argumentiert wird. Da spricht man von Genderidentität und das ist ein Widerspruch in sich. Identitär ist nur Sex, Gender ist soziale Rolle und kein Persönlichkeitsmerkmal.

      • „Dauernde Beschallung durch Genderexperten“ finde ich jetzt etwas überhöht, Höhlenbewohner. Es gibt immer noch sehr, sehr viele Menschen wie Sie, die finden, Mädchen sollten keinen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen. Sie sehen Männer, die von Genderforschern in ihrem Sein eingeschränkt sind. Ich glaube, es gibt mehr Männer, die glauben ein Bier trinken zu müssen, obwohl sie vielleicht lieber einen Sekt mit Holunderblütensirup hätten.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Ich glaube, es gibt mehr Männer, die glauben ein Bier trinken zu müssen, obwohl sie vielleicht lieber einen Sekt mit Holunderblütensirup hätten.‘

        Ich glaube, es gibt viele Männer, die lieber Mutter wären und das dann auch spielen. Vermutlich ist die Männerrolle in manchen lesbischen Paaren stärker vertreten, als in den Familien biologisch männlicher Blogautoren.

      • Männer die Kinder betreuen wären also gerne Mütter. So kann man sich seine Geschlechter natürlich auch zurechtbasteln. Hauptsache man kann sie immer schön voneinander trennen, auf dass sich ihre Eigenschaften um Gottes willen nicht überschneiden.

      • Muttis Liebling sagt:

        Das ist nicht Geschlecht, das ist Gender, Herr Tschannen. Geschlechter kann man nicht basteln, Gender schon, deshalb gibt es das ja. Um die Starre biologischer Muster durch lernbares, flexibles Rollenverhalten zu ersetzen.

        Es gibt gar nicht wenige Familien, in denen die Mutter den Vater und umgekehrt spielt. Nicht so günstig ist nur, wenn beide die gleiche Rolle spielen (wollen). Aber das Genderkonzept erlaubt eben auch das.

        Es geht immer nur darum, die Bandbreite der Eltern deutlich grösser als die der Elternteile zu gestalten. Mit Gender geht das besser als mit Geschlecht.

      • Höhlenbewohner sagt:

        Laaangsam, werter Herr Tschannen. Mit keinem Wort erwähnte ich, dass Mädchen keinen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen sollten. Ich finde es jedoch müssig, wen sowas aufgezwungen wird und Generforschung uns sagt, wir sollten Mädchen zu diesem oder jenem ermutigen und Jungen so und so erziehen.

        Meine Tochter mag nicht Heimwerken und das gilt es zu respektieren. Und sie macht vieles, was andere Teenagermädchen auch machen und die Genderforschung vermutlich als zu bekämpfendes Stereotypenverhalten einstufen würde, ich aber total in Ordnung finde. Sie hasst übrigens Pink, seit Geburt.

      • Klar ML, ich spreche von Gender, nicht von Sex. In der deutschen Sprache verwenden wir halt in der Regel für beides das Wort „Geschlecht“.

        Nicht ganz einverstanden bin ich mit ihrer Auslegung von Gender, mit Ihren fixen Rollen wie „Mutter“. Ich habe die Geschlechtsidentität „Mann“ und verstehe mich als Vater. Das ändert sich auch nicht, wenn ich Aufgaben oder Verhaltensweisen übernehme, die gesellschaftlich Müttern zugeschrieben werden.

      • Höhlenbewohner, so funktionieren die Mechanismen ja nicht. Niemand zwingt einem Mädchen einen Schraubschlüssel auf. Es gibt sehr viele subtile Wege, einem Mädchen den Schraubschlüssel vorzuenthalten: Keinen geben, ihr Interesse in eine andere Richtung lenken, ihr zu verstehen geben, dass das nichts für sie ist.

        Ich zwinge meinem Kind nichts auf. Ich verschaffe ihm Zugang und lasse ihm die Wahl. Ob es dann mit dem Schraubschlüssel spielt oder nicht, ist seine Sache. Ihres macht das offenbar nicht, meins schon.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wir meinen schon das Gleiche, Sie drücken sich etwas unglücklich aus. Das hängt mit der Doppelbenutzung des Wort ‚Geschlecht‘ zusammen. Deshalb kommt der erhaltenswerte Kern der ganzen Gendertheorie nicht richtig an, bei mir auch lange nicht.

        Sie sehen ja, gerade die Schweizer wollen unbedingt authentisch sein und Authentizität verträgt sich nicht mit einer dominanten sozialen Rolle, wie das Gender eine ist.

        Frau ist ein Persönlichkeitsmerkmal, aber Mutter ist eine Rolle, die dann noch, wie Sie bemerken, von gesellschaftlichen Zuweisungen überfrachtet wird. So schreit die MB- Gemeinde auf, wenn mal eine Frau thematisiert, die Mutterrolle nicht einnehmen zu können. Weil unterstellt wird, Rollen wären Persönlichkeitsmerkmale und deren Fehlen eine Persönlichkeitsstörung.

  • Martin Frey sagt:

    „Im konkreten Fall aber unterscheiden sich zwei Menschen weit stärker als Folge ihrer Persönlichkeit als wegen ihres Geschlechts.“
    Da haben Sie den heiligen Gral aber brav auswendig gelernt, wäre man fast versucht zu sagen. Wobei Sie dann doch nicht soweit gehen möchten wie andere, zu behaupten, die Biologie spiele gar keine Rolle… 😉
    Im Ernst, Vatersein bezieht sich ja nicht darauf, dem Kind die Jagd auf Grosswild mit Pfeil und Bogen beizubringen. Es ist die Rolle die Sie ausfüllen, die Art und Weise der Interaktion, der Problemlösung, der Kommunikation, der Haltung und Werte die Sie vorleben. Da werden Sie argumentieren, dass dies ja nicht geschlechtsspezifisch ist. Teils ja, teils nein, wäre die Antwort. Aber Sie sind immer ein Rollenvorbild, unabhängig davon, was Sie tun.

    • Muttis Liebling sagt:

      Wichtig ist ja nur, wie Sie schreiben, dass Vater sein eine Rolle, kein Authentizitätsmerkmal ist. Der oben zitierte Satz:

      ‚Eltern sollten einfach sich selbst sein‘

      ist ganz grundsätzlich falsch. Wer sich selbst bleibt und nicht Rolle wird, ist sozial kastriert.

      Authentische Menschen sind schlechte Eltern, schlechte Berufsleute und schlechte Hobbygärtner. Authentische Menschen sind immer um mindestens 1/3 schlechter als gute Rollenspieler.

      Aber das Rollengeschlecht ist nicht das biologische. Kann sein, ist häufig, aber muss nicht. Wegen der breiteren Rollenvarianz kann ein homosexuelles Elternpaar tatsächlich die gleiche Bandbreite wie ein heterosexuelles erreichen. Aber nur, wenn es Rollen spielt und nicht in Authentizität, in Persönlichkeitsmerkmalen, stecken bleibt.

      • Röschu sagt:

        „Authentische Menschen sind immer um mindestens 1/3 schlechter als gute Rollenspieler.“
        So ein Quatsch. Derjenige, der nur eine Rolle spielt, kann niemals auch nur annähernd so gut sein, wie derjenige, der etwas wirklich (oder eben authentisch!) auslebt.

      • Maike sagt:

        Authentische Menschen sind schlechte Eltern respektive sogar Menschen ? Ihnen ist also ein DT, der heute mal so und morgen ganz anders argumentiert, entsprechend der Rolle die er gerade spielen will, lieber als jemand, der zu dem steht was er sagt ? Und das heute morgen übermorgen ?

      • Muttis Liebling sagt:

        @Röschu
        Genau genommen gibt es keine authentischen Menschen. Es gibt nur welche, die Authentizität spielen und das nur deshalb, weil sie persönlichkeitsferne Rollen nicht zu spielen in der Lage sind. Arme Würstchen in meinen Augen.

        @Maike
        Trump ist tatsächlich der Prototyp des politischen Rollenspiels, verkörpert insofern die Politikerpersönlichkeit der Zukunft. Allerdings nur handwerklich, inhaltlich entspricht er dem Mass seiner Wähler, sonst wäre er nicht gewählt.

        Trumps Schauspieltalent, sein Wissen darum, dass er Politiker spielt, nicht ist, gepaart mit Intelligenz, Moral und Selbstverzicht wäre mein Ideal. Methodisch ist er aber schon eine der Allzeitspitzen der Weltpolitik. Nur manche Päpste waren noch besser.

      • Röschu sagt:

        @ML
        Zunächst schreiben Sie „Authentische Menschen sind schlechte Eltern, schlechte Berufsleute…“ und wenn dann ein Einwand kommt, heisst es von ihrer Seite plötzlich „Genau genommen gibt es keine authentischen Menschen.“ Was denn nun, ML? Offenbar basteln Sie sich je nach Bedarf eine, in der Regel extreme, provozierende, Aussage und versuchen diese dann als feststehende Tatsache zu verkaufen.
        .
        Übrigens: Die „armen Würstchen“ sind wohl eher jene Menschen die immerzu eine Rolle spielen müssen, weil sie nicht sich selbst (bzw. eben echt, d.h. authentisch) sein können.

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