Soll man dem künftigen Vater trauen?

Vertrauen ist gut, Verträge sind besser: Eine Frau zweifelt. Foto: Getty Images

«Kann ich davon ausgehen, dass mein Mann Wort hält?», fragt mich Anna* beim Mittagessen. Die Kollegin hatte mir letzte Woche erzählt, dass der Kinderwunsch von ihr und ihrem Mann immer grösser werde und sie nun glauben, der Zeitpunkt für ein Baby sei gekommen. Bloss: «Wird er sich auch wirklich um das gemeinsame Kind kümmern, so wie wir es besprochen haben? Oder muss ich davon ausgehen, dass er sich – kaum ist das Baby da – auf die traditionelle Rollenverteilung besinnt?»

Ich hoffte, meine Bekannte würde nicht ernsthaft eine Antwort von mir erwarten, kenne ich weder sie noch ihren Liebsten gut, noch kann ich in die Zukunft blicken. Doch offenbar wollte sie sich austauschen, hören, wie ich «es damals gemacht habe» und was ich zu Vereinbarkeit von Familie, Job oder Teilzeitarbeit zu sagen habe. Bemerkenswert an der Sache ist, dass sie innerhalb weniger Monate die dritte Frau war, die sich mit demselben Anliegen vertrauensvoll an mich wandte.

Alle drei Frauen zeigten sich verunsichert, was ihre Zukunft als Mutter und Elternpaar angeht. Sie wüssten zwar, dass ihre langjährigen Lebenspartner die Richtigen seien, um eine Familie zu gründen, sagten sie, und auch ihre Männer würden sich ein Baby sehr wünschen. Die Frauen sind zwischen Anfang und Mitte 30, und die Paare haben sich gute Positionen in ihren Jobs erarbeitet; der Zeitpunkt für eine Familie würde passen. Wie aber wird ein Kind mit dem Job zu vereinbaren sein? «Oder anders gefragt: Wie wird mein Job mit einem Kind möglich sein?», fragt Anna zwischen zwei Bissen ihres Sandwichs.

Man wird es schon hinkriegen, «irgendwie»

Für Anna und die beiden Kolleginnen ist sonnenklar, dass sie auch als Mütter ihre Jobs weiter ausüben wollen, wohl zwischen 60 und 80 Prozent. Und wenns nicht anders geht, vielleicht Vollzeit. Auch ihre Partner wollten bei einem Kind ihre Arbeitspensen reduzieren, um etwas Betreuungsarbeit übernehmen zu können, das zumindest sei deren Absicht. «Dazu gehört auch, mal daheim zu bleiben wenn das Kind krank ist», sagt Anna. «Oder das Kind frühmorgens in die Kita oder zu den Grosseltern zu bringen und deshalb später zur Arbeit zu kommen. Die elterliche Verantwortung und die Aufgaben sollen auf beiden Schultern lasten.» Darauf angesprochen sage ihr Mann jedoch nur, dass man es schon hinkriegen «und die Sache gemeinsam schaukeln werde, irgendwie». Irgendwie?

Moment, klingt das nicht etwas gar unverbindlich? Es sind Begriffe ihrer Lebenspartner wie dieses «irgendwie», die meine Kolleginnen hellhörig und misstrauisch werden lassen. Oder, «dass man ja dann sehen werde, wie sich mit dem Baby alles einspielt und ergibt».

Das hatten die anderen Paare im Bekanntenkreis doch auch so gesagt, bevor sie Kinder hatten. Jetzt leben diese Familien meist in jenen Rollen, die schon ihre Eltern lebten: Papa bringt das Geld heim, und Mama kümmert sich um den Rest. Die jüngsten Studienergebnisse, wonach Väter glücklich sind, wenn sie Vollzeit arbeiten, überraschten sie deshalb nicht, sagt Anna. «Ich sehe es ja in meinem eigenen Umfeld, dass sich, sobald das Kind da ist, die Vorsätze vieler Paare schnell in Luft auflösen.»

Braucht es echt so etwas wie einen Vertrag?

Die zweite Kollegin sagt, sie sei sich bewusst, «wie schnell die Familienfalle zuschnappen kann». Wobei «Falle» im Zusammenhang mit einem Kind schrecklich daneben klinge, sagt sie sogleich entschuldigend. Wir sprechen über die Idee eines Schriftstücks, welches sie und ihr Lebenspartner aufsetzen könnten, um die Wünsche, Bedingungen oder Abmachungen gemeinsam darauf festzuhalten. Ein Vertrag quasi, wie Betreuungs-, Alltags-, Job- Kinder- und Geldangelegenheiten geregelt werden sollen. Ich bestärke sie darin, nicht weil ich glaube, dass es für die Gründung einer Familie einen Vertrag braucht, sondern weil es dem Paar als Grundlage für wichtige Gespräche dienen kann.

Denn wenn ich meinen Kolleginnen etwas raten kann, dann dies: Dass Paare mit Kinderwunsch früh genug und immer wieder ernsthaft über all die Themen reden, die man als Eltern eben auch klären muss und auf die man sich behaften will. Damit ist nicht die Farbwahl des Kinderzimmers gemeint.

*Name geändert

Lesetipps: Der Papablog von Nils Pickert «Bloss weg von Frau und Kind»  und Charlotte Roches Kolumne im «Süddeutschen Magazin»: «Lasst euch nicht zu Hausfrauen machen!»