Kann Ihre Frau auch sprechen?

Hier rede ich: Das Ehepaar Trump besucht im Rahmen des G-20-Gipfels die Elbphilharmonie in Hamburg. (Foto: Getty Images)

Findet es niemand seltsam, dass an offiziellen Zusammentreffen von Regierungschefs die Gattinnen, in wenigen Fällen auch Gatten, oft als Beigemüse fungieren? Immer schön adrett angezogen und artig lächelnd?

Besonders aufgefallen ist es mir am letztjährigen G-20-Gipfel in Hamburg. Während die Regierungschefs der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer über die globalen Herausforderungen unserer Zeit diskutierten, schipperten die Ehefrauen und ein paar wenige Ehemänner über die Elbe.

Ein Gipfel-Thema damals war die wirtschaftliche Stärkung von Frauen. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den G-20-Ländern sollte beispielsweise gesteigert oder der Zugang für Frauen zu Kapital verbessert werden.

Kleiderständer auf Sightseeingtour?

Frauen fördern. Grossartig. Warum also beschränkt sich die Rolle der Präsidentengattinnen am G-20-Gipfel auf die eines Kleiderständers auf Sightseeingtour? Was soll das für eine Signalwirkung haben? Googeln Sie einmal «G-20 Brigitte Macron» oder «G-20 Melania Trump». Zig Seiten zum Aussehen und Styling der Damen. Sonst nichts. Dabei haben die meisten eine spannende Vita vorzuweisen und setzen sich für Projekte im Sozial- und Bildungsbereich ein.

Heute beginnt der G-7-Gipfel in Charlevoix, Kanada und das Thema Frauenförderung steht auch hier wieder auf der Agenda. Sogar ein Gender Equality Advisory Council wurde ins Leben gerufen. Ein Beirat bestehend aus zwanzig Frauen und einem Mann, der sicherstellen soll, dass die Themen «Gleichberechtigung» und «Stärkung von Frauen» in allen Bereichen des G-7-Gipfels integriert werden. Fun Fact: Eine der beiden Ratsvorsitzenden ist Melinda Gates.

Und was machen Frau Trump, Frau Trudeau und die restlichen «First Ladies und Gents» während des Gipfels? Gemäss der G-7-Medienstelle wurde auch für diesen Gipfel extra ein Rahmenprogramm zusammengestellt. Details dazu wollten sie im Vorfeld nicht verraten.

Referatsvorschläge für Frau Trump & Co.

Könnten die Damen und Herren nebst dem Sightseeing nicht auch Öffentlichkeitsarbeit in Form von Referaten leisten? Ich hätte ein paar Themenvorschläge:

  • «Meine Frau hat nicht nur zu Hause das Sagen» mit Philip May, Banker und «First Husband» in Grossbritannien und Nordirland und Joachim Sauer, Quantenchemiker und Physikochemiker und deutscher «First Husband».
  • «Ehetipps zum Thema ‹Binationales Zusammenleben›» mit Melania Trump, amerikanische First Lady. Bevor sie Millionärs- und Präsidentengattin wurde, hat die gebürtige Slowenin gemodelt.
  • «Pädagogik für den Hausgebrauch» mit Brigitte Macron, französische First Lady und ehemalige Lehrerin.

Spass beiseite. Der Veranstalter eines Politik-Gipfels und die teilnehmenden Länder könnten die mediale Präsenz der Ehegattinnen doch nutzen, um auf wichtige Themen wie etwa «Gleichberechtigung» oder «Stärkung von Frauen» aufmerksam zu machen?

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