Ich könnte es schütteln!

«Ich war wütend. Es sollte endlich aufhören zu schreien.» Foto: iStock

Gleich zwei Beträge haben zuletzt die Tücken des Alltags mit Neugeborenen auf sehr humorvolle Weise geschildert. Ich musste ein paar mal herzhaft lachen, ja es kann schon passieren, dass man dem Pöstler aufmacht und die Brüste noch im Stillmodus sind. Und Charlize Theron beim Milchabpumpen, das dürfte der Albtraum mancher Männer sein.

Aber sie haben mich auch an meine dunkelsten Stunden als Mutter erinnert: an die Zeit, als mein Baby stundenlang weinte und ich es nicht beruhigen konnte. (Lesen Sie dazu auch: Hilfe, mein Baby schreit ständig!). Noch heute habe ich das Gefühl, als Mutter versagt zu haben. Ich schäme mich für die Wut, die ich auf mein Baby bekam, wenn es einfach nicht aufhörte zu schreien. Darum kann ich meinen Namen nicht unter diese Geschichte setzen*. Zu gross ist meine Angst vor einer Verurteilung. Reden sollten wir aber trotzdem darüber.

Wochen voller Ratschläge

Ich wusste schon, was auf mich zukommen würde mit dem Neugeborenen, hatte ich doch schon einen zweijährigen Buben. Streng würde es werden, die Nächte zerhackt in kleine Schlafintervalle zwischen Still- und Wickelsequenzen. Die Brustwarzen würden schmerzen und ich würde noch weniger Zeit haben für meine Bedürfnisse, weil ich ja nicht nur das Baby zu versorgen hatte, sondern auch ein Kleinkind. Die Stimmungsschwankungen nach der Geburt, der Nebel, der einen wegen des permanenten Schlafentzugs umgibt, so dass man oft nicht weiss, wie man von A nach B gekommen ist – auf all das war ich gefasst. Aber auf das schreiende Bündel in meinen Armen, das einfach nicht aufhören wollte zu brüllen, darauf war ich nicht vorbereitet.

Es fing langsam an. Die ersten Tage im Krankenhaus verliefen sehr ruhig und erholsam. Wir gingen nach Hause, die Milch floss in rauen Mengen. Aber immer häufiger fing mein Baby an zu weinen, ich hob es aus seinem Bettchen und packte es in das Tragetuch. Es weinte weiter. Legte es an die Brust, es wollte nicht trinken. Massierte seinen Bauch. Das Weinen steigerte sich zum Schreien.

Es folgten Wochen voller Ratschläge, die ich alle gerne annahm und umsetzte. Vielleicht Laktoseallergie? Keine Milchprodukte mehr. Vielleicht Glutenunverträglichkeit? Keine Weizenprodukte mehr. Kein Kohl mehr. Keine Orange mehr. Am Körper tragen. Auf den Bauch legen. Mit dem Bauch nach unten auf den Arm nehmen. Auto fahren. Spazieren gehen. Klassische Musik anmachen. Fencheltee. Traubenkernkissen und weiss der Geier was noch alles. Alles ausprobiert. Nichts hat zum gewünschten Erfolg geführt. Der Erfolg, das wäre ein glückliches zufriedenes Baby gewesen.

Holen Sie sich Hilfe

Ich war wütend. Tat ich doch alles für mein Baby! Mein erstes Kind hatte auch geweint. Wenn ich es in die Arme nahm oder ihm die Brust gab oder es zu uns ins Bett holte, war die Welt schwupp die wupp wieder in Ordnung. So geht das. Wieso funktionierte das mit diesem Baby nicht! Was wollte dieses Kind, das ich ihm nicht geben konnte!!! Ich fühlte mich inkompetent. Ich schämte mich, wenn ich mit meinem brüllenden Kind unterwegs war.

Ich war wütend. Es sollte endlich aufhören zu schreien. Gott sei Dank wusste ich, dass ich mein Baby keinesfalls schütteln durfte. Nur das Wissen, dass ich mein Kind töten könnte, würde ich dem Drang nachgeben es zu schütteln, hat mich vor dieser folgenschweren Handlung bewahrt. Aber wenn man so nahe dran war, wie ich, kann man Menschen, denen genau das passiert nicht mehr so leicht verurteilen.

Zwei Menschen haben mich vor mir selbst gerettet. Mein Mann und meine Freundin. Sie waren jeweils genau zum richtigen Zeitpunkt da und haben mich rausgeschickt, damit ich Abstand gewinnen konnte. Erst später habe ich gehört, dass ich mich auch ans Kinderspital hätte wenden können. Dort nimmt man brüllende Babys vorübergehend auf.

Mein Baby und ich

Mein dringender Appell an alle Eltern, denen es so geht wie mir damals: Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe. Alleine schafft man das nicht.

Und heute? Aus meinem Baby ist ein glückliches, gescheites und liebevolles Kind geworden. Unsere Beziehung ist innig und voller Liebe. Vielleicht geniessen wir dieses Glück umso mehr, weil wir so einen schweren Start hatten. Wir beide. Mein Baby und ich.

*Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt.

Anmerkung der Redaktion:

  • Am Kinderspital Zürich gibt es keine Stelle, die ein schreiendes Baby vorübergehend aufnimmt. Wenn eine Familie jedoch stationär dort ist, arbeitet das Spital mit der Aladdin-Stiftung zusammen, einem Freiwilligen-Dienst, der auch eine Elternentlastung anbietet. Weitere Informationen erhält man auf der Webseite von Aldaddin
  • Eine Anlaufstelle für Eltern mit Schreibabys ist das Triemlispital.
  • Das Kinderspital Zürich bietet eine Schlafsprechstunde an. Diese richtet sich explizit an Eltern, deren Kinder sehr schlecht schlafen.
  • Der Verein Schreibabyhilfe bietet weitere Infos, Adressen und Erfahrungsberichte. 

56 Kommentare zu «Ich könnte es schütteln!»

  • Gabriella sagt:

    Warum stellt sich niemand die Frage, weshalb ein Kind schreit und nicht aufhören kann? Mein erstes Kind war auch ein Schreikind, die beiden andern so still wie Kirchenmäuse. Ist es ein Weltschmerz oder Nachwehen der Geburt (auch für Babys ist die Geburt vielleicht schmerzhaft), Hunger, ein wundes Fudi?
    Auch ich gehörte zu den Müttern, die fast verzweifelt sind. Ostepathie hat nichts genützt, kiloweise Zinksalbe am Fudi auch nicht. Bis mir eine Freunding gesagt hat, dass das Kind Hunger hat. Ich habe das Kind damals gestillt. Offensichtlich hat meine Milch dem Kind nicht gereicht oder es hat die Milch nicht vertragen. Ich habe dann sofort umgestellt auf Schoppen mit mehr Pulver als auf der Verpackung angegeben. Mit anderen Worten, ich habe das Kind gestopft. Ab dann war es ruhig.

  • Ann sagt:

    Dr.med. Raffael Guggenheim, Schweighofstrasse, 8045 Zürich ist Spezialist für Schreibabys. Er leitet auch die Fachstelle im Triemli.

    http://www.kinderpraxis-friesenberg.ch/team/refoel-guggenheim

    Hilfe holen ist wichtig und keine Schande.

    Vielen Dank für den ehrlichen Bericht. Kudos für die Autorin.

  • Jänu sagt:

    Unser Kind hat fast zwei Jahre geschrien, von wegen 3-Monatskolik. Ich habe Tausende von Autos gezählt nachts mit dem Kind im Arm vor dem Fenster. In den Ferien sind die Leute aufgestanden, wenn wir irgendwo hin kamen: Achtung, da kommt die Frau mit dem Schreikind. Dass wir danach den Pool fast für uns alleine hatten, ist das, worüber wir heute lachen. Doch damals war es schon hart. – Aber wütend war weder Mutter noch Vater auf das Kind geworden, es tat einem schlichtweg nur leid. Auch wenn die RInge um unsere Augen zum Standard wurden. Probiert hatten wir alles: Von „einfach schreien lassen“ bis zum 24-Stunden-Tragen. Und eines Tages dann war es plötzlich vorbei. Eine himmlische Ruhe kehrte ein. Heute ist das Kind dasjenige, das am meisten lacht. Das Kind konnte doch nichts dafür.

  • E.W. Forster sagt:

    Unser (einziges) Kind liess sich manchmal einfach nicht beruhigen. Egal was wir an guten Ratschlägen umsetzten – nichts half. Eines verzweifelten Abends – beide Eltern waren am Ende ihrer Kräfte und ihres Lateins – ein erfolgloser letzter Spaziergang mit dem an der Brust getragenen Kinde, mit Fenstern die aufgingen in der Nachbarschaft – ein resigniertes nach Hause gehen und Hinlegen des Kindes ins Bett, mit dem sich eingestehen eben nichts ausrichten zu können. Das Kind beruhigte sich innert Minuten und schlief erschöpft ein. Unsere Beruhigungsaktivitäten hatten es komplett überfordert – es benötigte eigentlich bloss seine Ruhe, bzw. ein in Ruhe gelassen zu werden. Diesen naheliegenden Ratschlag hatte uns aber damals leider niemand geben können… Wir hatten viel zu weit weg gesucht.

  • Daniel Schmidt sagt:

    Wenn tragen etc. sowieso nicht hilft: Baby hinlegen, daneben legen, Kopfhörer auf und Film schauen.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Das finde ich mal einen guten Tip: man lässt das Bebe nicht alleine und kann trotzdem etwas abschalten.

    • Aber Hallo sagt:

      …das Schreien hört man trotzdem und zerreisst einem fast das Herz, während man gleichzeitig ausgelaugt ist. Hatte mein Kind auch täglich 30min abgelegt in sein Zimmer, um mal kurz zu duschen und die Wäsche zu hängen. Aber viel Erholung war das für beide nicht…hat zum Glück nach 2 langen Monaten aufgehört…

  • weisse Rose sagt:

    Auch 14Jahre nachher weiss ich noch wie elend es war. Stundenlang hat sie geschrien, war durch nichts zu beruhigen und oft war ich schon vor dem Mittag fix und fertig. Noe hätte ich gedacht, so an meine Grenzen zu kommen. Gott sei dank hatten wir Unterstützung von Grossmutter, Gotti und Götti.
    Inzwischen ist das Schreibaby ein pflegeleichter Teenager.

  • anonyme Autorin sagt:

    2/2 Das wäre mir aber noch schwerer gefallen, als mein brüllendes Kind direkt bei mir zu haben. Beim erneuten Durchlesen ist mir aufgefallen, dass ich zweimal schreibe, dass ich wütend war. Ich war aber nicht nur wütend, ich war auch unsäglich traurig, dass sich mein Kind jeden Abend in den Schlaf schreien musste und nur vor Erschöpfung einschlafen konnte. Reizüberflutung spielte sicherlich eine Rolle, obwohl wir kein aussergewöhnliches Programm hatten. Aber alle Kinder sind verschieden und was für die einen gut ist, ist für die anderen zu viel. Es dauerte übrigens „nur“ vier Monate. Dann war der Spuk vorbei. Allen Müttern und Vätern, die jetzt gerade in dieser Phase sind, wünsche ich viel Kraft und Unterstützung.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Sorry, aber ich kann Wut auf ein Kind nicht nachvollziehen. Meine Wut richtete sich nie gegen mein (hilfloses) Schreikind, sondern gegen jene Leute, die mir nicht geholfen haben.

      • Aber Hallo sagt:

        Welche Leute hätten helfen sollen? Man muss sich ja Hilfe holen. Und vielen war das nicht bewusst. Ich hatte Leute um mich die sagten, ein Kind das schreit, sucht nur Nähe. Diesen Leuten wünsche ich noch heute ein Schreikind für ein paar Stunden. Meine Kinder machen mich auch heute manchmal wütend. Wir sind alle Menschen. Gleich wie sie manchmal wütend auf mich sind. Da haben wir beide das Recht dazu, solange wir uns respektieren und nicht verletzen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Ich habe in meiner Familie um Hilfe gebeten und keine bekommen und wurde alleine gelassen, auch vom Erzeuger meiner Kinder.

  • anonyme Autorin sagt:

    1/1 Liebe Community,
    ich bin überwältigt von den vielen mitfühlenden Kommentaren. Ich hatte mir erwartet, dass mir viel Unverständnis entgegen schlagen würde. Ich musste meine Erlebnisse einfach niederschreiben, nachdem ich die beiden am Textanfang erwähnten Mamablog Geschichten gelesen hatte. Plötzlich war mir die Zeit mit meinem zweiten Baby wieder so präsent. Das ist heute über 10 Jahre her. Ich glaube es hat sich auch einiges diesbezüglich geändert. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemand gesagt hätte, ich solle mein Baby beim Weinen begleiten, ich wäre nicht dafür verantwortlich, dass es aufhörte. Nur der Hinweis, dass ich mein Baby schreiend ablegen dürfte, um für eine Weile das Zimmer zu verlassen, daran kann ich mich erinnern.

  • Peter Kaderli sagt:

    Meine Nachbarin hatte auch ein Schreikind und legte dieses mit der Zeit ins Kinderzimmer ins Bettchen um sich auszuschreien. Leider war ihr offenes Kinderzimmerfenster nur 4 Meter von meinem offenen Schlafzimmer entfernt.

    • Markus sagt:

      Und? Sind Sie rübergegangen und haben die Nachbarin gefragt, ob sie in diesen Situationen des Fenster schliessen könnte?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Super: da erlebt man Hautnah psychische Misshandlung an einem Säugling und die einzige Sorge ist, dass man selber nicht schlafen kann.

        Bei soviel Mitgefühl für ein wehrloses Geschöpf wundert einem die zunehmende Verrotheit tatsächlich nicht.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Dieser Beitrag ist nichts anderes als eine Rechtfertigung für Personen, welche sich nicht beherrschen können, ein Kleinkind (zu Tode) zu schütteln, aber dafür gibt es wie für alle anderen Misshandlungen an Wehrlosen keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung. Nie, nie, nie….

    Übrigens: ich hatte selber ein Schreikind und kann solche Situationen sehr wohl be/verurteilen.

    • E.W. Forster sagt:

      … ja, … und sonst so… alles im Griff, TvS?

      Empathie würde hier vielleicht bedeuten:
      Einfühlungsvermögen mit Zuneigung und Mitgefühl… ?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        E W Forster

        Meine Empathie gilt überforderten Eltern und misshandelten Kindern, aber ganz sicher nicht Leuten, welche Kinder zum Krüppel oder zu Tode schütteln.

    • Carolina sagt:

      Ihr Hinweis ist wenig hilfreich, TvS! Im Gegenteil, solche Dogmen führen dazu, dass sich Betroffene nicht aus der Anonymität heraustrauen, was letztlich nur nur noch mehr schaden kann! Wut ist keine rationale Sache und Sie lesen ja, dass die Scham jeweils gross ist! Die Tatsache, dass Sie anders damit umgehen konnten, heisst noch lange nicht, dass es nicht für viele Eltern ein Thema ist! Ist es nicht besser, darüber offen zu sprechen und Ratschläge einzuholen als mit der Moralkeule herumzuschlagen?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Carolina

        Ich denke, dass Sie genug über meine Erschöpfung, Verzweiflung wissen, um mir nicht zu unterstellen, dass ich keine Empathie für Leute in solchen Situationen empfinde. Aber dafür, dass man sich an Wehrlosen (Kindern, Alten, Behinderten, Kranken, Tiere) vergreift, fehlt mir jegliches Verständnis.

        Sorry, mich ödet es an, wenn noch für grausamste Taten Rechtfertigungen findet.

        Dass die Autorin am Ende ihrer Kräfte und darüber hinaus war, habe ich selber erlebt und somit wirklich, wirklich Mitgefühl für diese Frau. Aber die Anmerkung, Verständnis dafür zu haben, wenn jemand sein Kind schüttelt, macht mich fassungslos.

        Ich kenne persönlich ein Schüttelkind, welches dadurch sein Leben lang geschädigt sein wird. Nein, dafür gibt es keine Entschuldigung.

    • E.W. Forster sagt:

      Der Beitrag berichtet über die Grenzerfahrungen, welche die Autorin erlebt hat. Sie beschönigt und rechtfertigt nichts. Die Sicherung ist ihr im Wissen um gefährliche Schädigungen des Kindes eben NICHT durchgebrannt.
      Gewalt ist IMMER ein falscher Weg, manche gehen ihn leider trotzdem und haben Folgen davon dann ein Leben lang zu ertragen.
      Besser wenn die Sicherung eingreift und durchhält.

  • Lori sagt:

    Danke für den Beitrag – es ist wichtig darüber zu reden, da man dann merkt, dass es anderen genauso geht/ging und das hilft, das Gefühl der Unzulänglichkeit zu mindern.
    Was uns geholfen hat, als sonst nichts mehr half, war ein Hinweis der Stillberaterin auf die Broschüre „Tränenreiche Babyzeit“ des Bundes deutscher Hebammen: https://www.geburtskanal.de/artikel-wissen/schreibabies-traenenreiche-babyzeit.html
    Am Anfang war es schwierig, die Tränen unseres Sohnes auszuhalten (Ohrstöpsel helfen..), aber ich bin überzeugt, dass es sowohl ihm als auch uns langfristig gut getan hat – und ich habe dabei für mich gelernt, die (negativen) Emotionen meines Sohnes auszuhalten und echt mit ihm mitzufühlen, was mir auch heute bei Trotzreaktionen sehr hilft.

  • S. Florin sagt:

    Liebe Autorin
    ich kenne eine Osteopathin die schreiende Baby’s etc. behandelt.
    Sie ist wirklich gut und ich kann sie wärmstens empfehlen.
    Silvia

  • Ellen sagt:

    Mir sind beim Lesen die Tränen gekommen, so gut kann ich mich an die ersten Monate mit meinem zweiten Sohn erinnern. Heute ist er ein zufriedener, lustiger Junge. Mir hat es auch sehr geholfen einfach zu akzeptieren, dass er schreit und es einfach mit ihm gemeinsam durchzustehen.

  • Lori sagt:

    Danke für den Beitrag – es ist wichtig darüber zu reden, denn dann merkt man, dass es anderen genau gleich geht, was das Gefühl der Unzulänglichkeit zumindest etwas mindert..
    Unser Sohn hat auch oft geschrien und wir haben alles ausprobiert, aber das half meist nur kurzfristig. Die Stillberaterin hat uns dann auf die Broschüre „Tränenreiche Babyzeit“ des Bundes deutscher Hebammen hingewiesen: https://www.geburtskanal.de/artikel-wissen/schreibabies-traenenreiche-babyzeit.html
    Am Anfang war es schwierig, die Tränen unseres Sohnes auszuhalten (Ohrstöpsel helfen..), aber ich bin überzeugt, dass es ihm & uns langfristig gut getan hat – insb. weil wir gelernt haben, seine negativen Emotionen auszuhalten – und von denen gibt es ja auch später noch so einige in einem Kinderleben.

  • tststs sagt:

    „Es folgten Wochen voller Ratschläge, die ich alle gerne annahm und umsetzte.“

    Und es zielen alle aufs Baby ab. (was natürlich auch wichtig ist)
    Deshalb jetzt mal ein Ratschlag an die Mutter/Eltern:
    Pamir zutun.
    Sich bewusst sein: solange das Baby schreit, ist es vital (O-ton Ärztin); d.h. so lange es schreit, darf man es sich auf dem Balkon, wo der Ton eine erträgliche Lautstärke annimmt, „gemütlich“ machen“.

    Und wenn man/frau das überlebt hat, dann kann einem nichts mehr umbringen! (Es gibt wirklich nichts auf der Welt, was so kräftezehrend ist, wie ein schreiendes Baby…!!!)
    😉

  • mira sagt:

    Unser zweiter Sohn hatte jeden Abend seine „15-Minuten“. Die hat er einfach durch-geschrieen. Egal, was wir gemacht haben. Mir hat es auch geholfen, dies einfach zu akzeptieren. Ich habe mich dann jeweils mit ihm ins Bett gelegt (er war sonst immer im Tragetuch und extrem zufrieden) und habe die Zeit mit ihm zusammen ausgesessen. Habe ihn gestreichelt, zugeredet oder auch einfach mal gewartet, bis es vorbei war. Nach 3 Monaten war der Spuk um. Ich habe es für mich unter „Reizüberflutung“ abgehakt.
    Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ist, ein Baby zu haben, dass mehrere Stunden lang schreit. Ich fand es nervlich schon anstrengend, die 15 Minuten durchzuhalten…

  • Kramer Jörg sagt:

    Inzwischen Grossvater mit Enkelkindern gebe ich geplagten Eltern mit auf den Weg, ihr Kind zwischendurch schreien zu lassen. Es war 9 Monte isoliert im Bauch und übersteht problemlos eine Phase des Ausweinens. Dies dient auch zu seiner natürlichen Selbstfindung.

    • Rafa sagt:

      Was für ein dummer Kommentar, Herr Kramer!
      Das Kind war keineswegs isoliert im Bauch, sondern in ständigem Kontakt mit der Mutter.
      Inzwischen gibt es genug Studien die belegen, dass man ein Kind NIE längere Zeit schreien lassen soll. Sein Gehirn wird von Cortisol überschüttet, was bei wiederholtem Mal schädlich sein kein.
      Buchtipp: „Die neue Elternschule“ von Margot Sunderland.
      Aufgebaut auf neurologische Studien.

      • Kramer Jörg sagt:

        Aber Hallo. Dumm sind unsere Kinder keinesfalls. Und vielleicht haben Sie überlesen, dass in meinem Post „zwischendurch“ stand. Studien können heute dies und Morgen das ald Gut befinden. Die Erfahrung zählt mehr.

  • Der Vater sagt:

    Ich hatte ein Schreikind. Zwar „nur“ die ersten 6 Monate, aber es hat ausser geschrien, gegessen und erbrochen nicht viel anderes gemacht. Nach 2 Monaten lernte ich, einfach davonzulaufen. Zuerst fühlt man sich furchtbar, dann aber realisiert man, dass es wohl für beide das Beste ist. Nachdem ich sicherstellte, dass das Baby gegessen hatte, die Windeln frisch waren und es nicht zu warm oder kalt hatte legte ich es ins Bettchen und machte die Türe zu (von aussen). Das schreien war noch hörbar, aber ich blendete es bald aus. Dann und wann ging ich nachsehen, aber nur schon die eine oder andere Stunde der relativen Ruhe hat es mir ermöglicht, das durchzustehen und auch nie in die Versuchung zu kommen, dem Kind etwas anzutun.

  • B. Bannier sagt:

    Für mich ein Rätsel, wie die sonst doch so kommunikationsfreudigen Frauen, nach hunderten von Generationen von Müttern mit solchen Problemen, plötzlich dastehen, als wären sie die erste Mutter mit solchen Problemen.
    Haben 100`000 Jahre Erfahrung mit dem Säugling des Homo Sapiens Null Bewusstsein für viel und stark schreiende Busch geschaffen?

    • Kurti sagt:

      Da hat offensichtlich die Evolution versagt! Oder ist es der individualisierte Zeitgeist?

    • Helen sagt:

      Früher wurden die Kinder in einer Sippe grossgezogen, das heisst, die Mutter war nicht die meiste Zeit alleine mit ihrem Kind und die ganze Verantwortung wurde verteilt. Selbst fürs Stillen gab es früher Ammen. Heute gibt man der Mutter die Schuld, wenn sie ihr Baby nicht beruhigen kann, oder wenn das Stillen nicht klappt, und Hilfe ist kaum mehr da. Lieber mit dem Finger auf sie zeigen. Es wird erwartet, dass sie mit links alles stemmt, was wie eine Flut auf sie zustürzt. Ich finde Ihre Aussage daher ziemlich anmassend.

      • PapaJoe sagt:

        Danke Helen.
        Genauso nehme ich das auch wahr. Dass geht bisweilen leider auch dann weiter, wenn die Kinder etwas älter sind und halt ab und an mal Mist bauen (Nachbars Blumen oder Gartenzwerg malträtieren, eine Hausfassade mit Schlamm oder Kreide verzieren u.ä.). Man wird damit konfrontiert, als hätte es gerade den halben Ort abgefackelt oder jemanden auf schwerste Weise verletzt. Und wenn es bereits das zweite mal vorkommt wird die ganze Erziehungskompetenz der Eltern grundsätzlich in Frage gestellt.
        Anstatt den Eltern (und einer klassischen Hausfrau und Mutter) die Anerkennung zu geben die sie verdient, gibt’s Fingerpointing. Ein altes, aber sehr belastendes Thema. Besonders dann, wenn wegen Pipifax (geköpfter 08/15-Interio-Gartenzwerg) mit juristischen Mitteln gedroht wird.

      • PapaJoe sagt:

        @Bannier:
        1. Ändern sich die Zeiten und damit auch die Umwelt. und die ist heutzutage doch einiges perfektionistischer sie dass vor ein paar Jahrzehnten noch war.
        2. Es sterben auch schon seit Tausenden von Jahren Leute. Und trotzdem ist es immer wieder
        von neuem sehr belastend, wenn es jemanden aus dem eigenen Umfeld erwischt. Gewisse Erfahrungen muss man selber durchleben um den Umgang damit zu lernen. Dass kann man nicht einfach lernen.
        3. Leider scheint mir unsere Gesellschaft mit Störfaktoren (Lärm, Gerüche, Spuren) zunehmend schlechter als besser umgehen zu können.

      • Galathea sagt:

        Armer Herr Bannier, wie kommt es, dass Sie Generationen von Frauen kollektives Versagen attestieren müssen?

    • B. Bannier sagt:

      Danke für die Antworten.
      Was ich meine, meine beiden Kinder gehen seit ca.28 Jahren in die Schule, wie sehr viele Heutzutage. Sie lernen von Krankheiten, welche Einen auf eine Million treffen können, sie lernen 100 verschiedene Arten von Diagrammen zeichnen, kurz, sie lernen Jahrzehnte lang alles mögliche, nur nicht was es bedeutet, Elter zu werden, Menschen zu gebären, wie man damit umgeht und was für Probleme zu bewältigen sein werden.
      Wenn ich vornehmlich die Frauen anspreche, dann weil
      A: der Löwenanteil Lehrer und Menschen in Gesundheit- Berufen, Frauen sind.
      B: Den Umgang mit frisch geboren wordenen Menschen zum grössten Teil die Frauen pflegen.

    • Sila sagt:

      Früher „durften“ Kinder auch mal alleine schreien gelassen werden. Heute riskiert man wegen der Bindungstheorie, das Kind fürs Leben zu schädigen und „macht“ dies nicht oder nur mit schlechtem Gewissen, weil man einfach nicht mehr kann. Wer kein Schreibaby hatte (mehr als 3h schreien pro Tag) kann u.U. nicht nachvollziehen, wie das ist.

    • Samira Maurer sagt:

      Wenn sich die 100’000 Jahre nur vererben würden…leider aber fangen alle Eltern wieder bei 0 an.
      Jeweils neue Menschen in einer neuen Zeit.

      • B.Bannier sagt:

        Nun bei der künstlichen Befruchtung, den 100 Vorsorgeuntersuchungen und dem Gebähren im Operationssaal sind wir auf 200, nicht null, das ist offenbar nur im Zwischenmenschlichen nicht weiterentwickelt.

  • Murmur sagt:

    Sehr schwierige Zeit.
    Beim Sohn erlebt, dann bei der Enkeltochter.
    Bei dieser entstand eine Art Erleuchtung, nachdem ich sie wieder mal seit 2,5 Stunden durch die dunkle Wohnung getragen hatte, meine eigene Tochter zur gleichen Zeit weinend und vollkommen erschöpft in ihrem Bett lag, habe ich tatsächlich Gott um Hilfe gebeten.
    Bitte nicht lachen. Es folgte postwendend eine „Antwort“.
    Im Innern.
    „Sie DARF schreien. Es ist in Ordnung. Sie muss das tun.“
    Im selben Moment hat sich in mir eine Art Schalter umgelegt.
    Es ging nicht mehr darum, sie zu beruhigen.
    Nur bei ihr sein. Mehr nicht.
    Minuten später konnte sie endlich einschlafen.
    Diese neue innere Ausrichtung musste von allen geübt werden, verkürzte aber weitere Schreizeiten wesentlich.
    Es war eine grosse Erleichterung.

  • Peter Berger sagt:

    Bei unserem Kind hat es aufgehört nach einführen von einem „Stundenplan“ der mit der Mütterberatung errechnet wurde. Wecken/Essen/Spielen/ Schlafen.
    Gerade das Schlafen musste eingehalten werden. Nicht einfach wenn müde. Wachhalten bis Schlafzeit beginnt. Wecken wenn zu Ende.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Schön, wenn man das Kind überhaupt zum Schlafen bringt. Mein Sohn hat als Baby von 22.15/30 bis 5.00 mit mindestens vier Unterbrüchen geschlafen und tagsüber zwei Mal 20 Minuten.

      • Enrico sagt:

        Ach ja,
        Nur wäre man mit der Stoppuhr oder Videokamera daneben gestanden, wäre das ganze als das was es ist enttarnt. Eine Riesen grosse Lüge. Kleinkinder schlafen im Schnitt viel, viel länger. Mit Tages und Phasenausnahmen, dafür dann wieder länger.
        Ihre Beschreibung von wegen durchschnittlich 5 h Schlaf.
        Und in 10 Jahren werden Sie erzählen, das es nur vier Stunden waren…….

  • Chris Stoffer sagt:

    Studien zeigen das Vitamin B12 Mangel am Anfang der Schwangerschaft die Chance auf ein Schreibaby verachtfacht. Also: Schon wenn man probiert, sollte man entsprechend vorbeugen, besonders Vegetarierin.

  • Brunhild Steiner sagt:

    2/
    Ja, ein sehr wichtiges Thema! Als Eltern, nicht nur im Babyalter…, kann man mit Grenzerfahrungen konfrontiert werden welche man sich nicht ausmalen konnte. Gut wenn man ein Umfeld hat das mitträgt/abfedert/unterstützt.
    Und Wissen, welches einem ermöglicht Abläufe-Wechselwirkungen etc besser einzuordnen/zu verstehen, sich weniger ausgeliefert zu fühlen, sondern konstruktiv handlungsfähig.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Angst vor Verurteilung ist irrelevant (es ist egal was diesbezüglich an Reaktionen kommen könnte), aber dass heute noch rückblickend Versagthaben/Scham so starke Gefühle sind, finde ich weniger gut.

    Die Beziehungsintensität kann wechselhaft sein, je nach eigenem Lebensabschnitt/Umfeldfaktoren u Lebensabschnitt des Kindes.
    Bei dem ganzen „innigen wir Beide“ einfach nicht den Rest der Familie vergessen. 🙂

  • Martin Frey sagt:

    Ich verstehe nicht ganz, aber respektiere selbstverständlich, dass Sie nicht mit ihrem Namen hinstehen sollen. Weshalb die Angst vor einer Verurteilung? Sie haben ja, soweit ich verstanden habe, das Kind nie geschüttelt. Und für Gedanken, die (wenn man ehrlich ist) viele Eltern schon mal hatten, ist zumindest bei uns noch nie jemand verurteilt worden.
    Schreikinder sind echte Prüfungen, und bringen das ganze System an seine Grenzen, nicht nur die Mutter. Wichtig ist in der Tat, dass man sich frühzeitig alle Hilfen und Ressourcen holt die man kriegen kann. Nicht zuletzt um sich abzuwechseln, man ansonsten wie geschildert das Problem zusehends auf einer persönlichen Ebene wahrnimmt.
    @ Redaktion: das Kispi nimmt zur Entlastung immer wieder Kinder auf, einfach nicht offiziell.

    • Brunhild Steiner sagt:

      vermutlich wegen der Gefühle von Scham/Versagthaben, kann mir gut vorstellen dass sich diese bei jeder unfreundlichen Bemerkung ins Unerträgliche hochschrauben könnten.

    • Lilly sagt:

      Ich finde solche Beiträge sehr wichtig!Es gibt immer noch Eltern die nicht aufgeklärt sind!Ich denke jede Mutter/Vater war schon einmal in einer Situation der totalen Überforderung….

    • mila sagt:

      @MF, es werden sich auch heute wohl die Stimmen einstellen, denen unverständlich ist, wie man auf sein Baby wütend sein kann. Auch zum Schutz des Kindes verstehe ich insofern die gewählte Anonymität.

      @Anonyme Autorin: Mein Kind hatte ebenfalls Schreiphasen. Nicht ganz so ausgeprägt wie bei einem ‚echten‘ Schreibaby (gemäss der 3-er Definition), aber ich kann Ihre Gefühlslage gut nachvollziehen. Mitsamt der Hilfslosigkeit, die damit hergeht. Geholfen hat der Ratschlag, das Kind nicht mit allen Mitteln ruhigstellen (respektive abstellen) zu wollen, sondern es im Weinen liebevoll zu begleiten.

      • Martin Frey sagt:

        Ich verstehe die Anonymität ebenfalls, mila. Wir alle versuchen ja auch, unsere Privatsphäre hier auf der Plattform mehr oder weniger zu schützen. Aber ich wollte mit meiner Aussage rüberbringen, dass die Autorin mit dem Problem nicht allein ist, und sie sich weder strafrechtlich noch sonstwie schuldig fühlen muss.

    • Martin Frey sagt:

      @Lilly
      Ich finde den Beitrag sehr wichtig, es ist nicht alles Sonnenschein, und mit Kindern kommt man immer wieder an seine Grenzen. Es hilft sehr, sich derartige Grenzerfahrungen einzugestehen respektive sich geistig darauf vorzubereiten. Die Problematik ist iaR auch Thema jedes guten Austrittsgesprächs im Wochenbett.
      @mila
      Es gibt grob gesagt drei Gründe im Säuglingsalter für Schreien: Hunger/Durst, volle Windeln, „others“. Es macht Sinn, jedesmal die möglichen Punkte kurz durchzugehen. Viele Eltern finden dann irgendeine Strategie um solche Schreiphasen (vorausgesetzt es gibt keine nachvollziehbaren Ursachen) zu überstehen. Man muss sich einfach bewusst sein, dass noch kein Kind am Schreien gestorben ist, plakativ formuliert. Daher finde ich Ihr Rat der Begleitung gut.

    • PapaJoe sagt:

      @frey:
      Leider ist es so, dass die Fehlertoleranz immer geringer wird und man immer öfter tatsächlich mit Strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Manchen Leuten in der Legislative geht jeder Sinn für Menschlichkeit ab. Leider oft genug gerade aus Parteien, welche sich das „Soziale“ auf die Fahne schreiben oder gar im Namen tragen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.