Tierisch viel Spass mit den Wölfli

Pingu und Mitternachtstaufe: Pfingstlager-Dinge, die Mama gar nicht alle verstehen muss. (Foto: Peter Klaunzer / Keystone)

Im Sommer vor zwei Jahren machten wir eine Velotour. Als wir an einem Pfadilager vorbeikamen, fuhr die Tochter vor lauter Staunen statt eine Linkskurve in den Haselstrauch geradeaus. Sie konnte sich kaum sattsehen an den uniformierten Buben, die ihre Leiter mit Wasserballons bewarfen. Wir erklärten ihr, was es damit auf sich hatte. «Im Zelt schlafen? Ohne Erwachsene?», fragte sie mit leuchtenden Äuglein. Das wollte sie unbedingt auch. Also ging sie zuerst zu den Bibern – das ist die Pfadi für Fünf- bis Sechsjährige. Und dann zu den Wölfen.

Seither zieht sie sich fast jeden Samstag nach dem Mittagessen stolz die Pfadikrawatte über den Kopf und geht in den Wald. Da werden Schätze gesucht, Ritterprüfungen bestanden und riesige Feuer gemacht. Manchmal kommt sie dreckig oder klatschnass nach Hause – aber immer zufrieden.

Ein Hobby ohne Stress

Neben Familie, Jobs und Hobbys haben wir unter der Woche mehr als genug Programm. Man kann sich schon fragen, ob das mit der Pfadi am Wochenende wirklich auch noch sein muss. Meine Tochter findet ganz klar: Ja! Ich kann schon verstehen, weshalb. Sie liebt es, mit ihrer Meute durch den Wald zu streifen. Wahnsinnig laut das «Fli-Flei-Flo» des Leiters nachzubrüllen. Und einfach eine gute Zeit zu haben – weit weg von Hausaufgaben, Ämtli und nervigen Erwachsenen.

Vergangenes Wochenende war es dann so weit: Das erste Pfila. Schon eine Woche vor dem Abenteuer hatte die Tochter damit begonnen, ihr Material bereitzulegen. Sie schlief zu Testzwecken eine Nacht auf der Isomatte. Übte das Zusammenrollen des Schlafsacks. Ass nur noch mit dem Feldbesteck. Mein Wölfli war allzeit bereit. Dann war es endlich, endlich Samstag. Antreten!

Teenager als Lagerleiter?

Zum Abschied gab es für mich eine kurze Umarmung, dann drehte sich die Tochter um und hüpfte davon. Ich ging nach Hause. In meinem Helikoptermutterkopf begannen sich die Rotoren zu drehen. Ein ganzes, langes Wochenende würde mein Mädchen weg sein. Unterwegs mit knapp volljährigen Jugendlichen, die von allen nur Pingu oder Chilli gerufen wurden. Und für den Abend waren Gewitter gemeldet. Was, wenn sie Heimweh hatte?

52 Stunden später stellte sich heraus, dass sie mich «nullkommanull» vermisst hatte. Ich holte ein glückliches, leicht überdrehtes Kind ab. Mit heiserer Stimme erzählte sie wild durcheinander von ihren Erlebnissen. Es ging irgendwie um Zauberer Isidor, blauen Reis, ein Katzenhirn («wie echt») und die Taufe mitten in der Nacht. Dann präsentierte sie stolz die Urkunde mit ihrem Pfadinamen.

Sie hiess jetzt nicht nur anders, sie schien auch einen halben Kopf grösser zu sein. Auf die Frage, was ihr am meisten gefallen hatte, antwortete sie überzeugt mit: «alles!». Und auf dem Heimweg wollte sie wissen, wann endlich wieder Pfingsten sei. Ich freue mich sehr für sie. Denn aus den Pfadi-Abenteuern, das weiss ich als ehemaliges Blauring-Mädchen genau, werden schöne Erinnerungen fürs Leben.

«Fli-Flei-Flo!» Auch in Puerto Rico gehört der Sprechsong zur Pfadi mit dazu. (Youtube).

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