Und plötzlich versteht man die eigenen Eltern

«Alle anderen dürfen das auch»: Wie kontern Sie dieses Argument? Foto: Josh Willink (Pexels)

Manchmal muss man sich als Kind schon wundern ab Mama und Papa. Über was die sich immer aufregen! Und was sie für Dinge von sich geben, einfach nur peinlich. Ist man dann selber Mutter, merkt man plötzlich: Die Eltern hatten recht. Oder hatten zumindest gute Gründe für Ihre merkwürdigen Sprüche, wie die folgenden fünf Beispiele zeigen:

«Die Küche ist keine Ablage!»

«Warum regt sie sich bloss so auf?» Die Frage habe ich mir früher oft gestellt, wenn meine Mutter sich genervt hat, weil wir Kinder eine Küchenecke konstant als Ablagefläche benutzt hatten. Heute verstehe ich sie nur zu gut. Meine Kinder haben nämlich dieselbe «Ich leg das einfach mal hierhin»-Krankheit, und so wächst der Haufen von der Ecke her wie ein Schimmelpilz immer weiter in die Höhe und Breite: Zeichnungen, Stifte, Anhänger, Haarspangen … Bis es mir endgültig zu viel wird und alles sofort weg muss. Aber wie das mit Schimmel so ist, er lässt sich schlecht ausrotten und taucht schon bald wieder auf.

«Kannst du nicht mal etwas Anderes hören?»

Als 14-Jährige war ich der totale Stones-Fan und hörte «Sympathy for the Devil» gefühlt tausendmal am Tag. Ohne Kopfhörer, so dass meine Umgebung auch in den Genuss der Musik kam. Das ständige «Woo woo» im Song hat meine Mutter fast in den Wahnsinn getrieben. Mir war völlig unbegreiflich, wie sie sich beschweren konnte, immerhin hörte ich nicht irgendeinen Mist, sondern die Rolling Stones!

Tja, heute hat auch meine Tochter einen Lieblingssong: «Shape of You» von Ed Sheeran. Der hat mich anfangs gar nicht gestört. Bis ich ihn zum ersten Mal in hundertfacher Wiederholung hören musste. Wie gut kann ich meiner Mutter plötzlich nachfühlen.

«Und wenn alle anderen in die Hose machen, tust du das auch?»

Der Standardspruch vieler Eltern, wenn das Kind mit dem Argument «Alle anderen dürfen das auch» kommt. Hörbar in zig Varianten, etwa «Wenn alle aus dem Fenster springen …». Einmal ist mir eine Version davon rausgerutscht und ich hätte mir am liebsten selber eins aufs Maul gegeben, weil ich den Satz als Kind so gehasst habe. Normalerweise formuliere ich meine Antwort deshalb anders, doch die Aussage ist dieselbe: Wir haben unsere eigenen Regeln und es ist mir egal, was die anderen dürfen oder haben. Denn das ewige «Aber Fabienne und Thomas und Isa dürfen das auch!» und «Alle in meiner Klasse haben so einen!» nervt wirklich.

«Oh Gott, wie peinlich!»

Kein Elternspruch, sondern ein Kinderzitat. Denn wenn Mama und Papa lustig drauf sind, schämt sich der Nachwuchs ab einem gewissen Alter extrem. Wobei mit «ab einem gewissen Alter» schon Achtjährige gemeint sind. Ich bilde mir zwar ein, dass meine Tochter mich generell immer noch ziemlich super findet, aber als ich kürzlich aus Spass hinter ihr herumhüpfte, während sie cool für ein Foto posierte, fand sie das weniger toll: «Peinlich, Mami!» (Dass sie selber auch gerne «photobombing» praktiziert, schien sie plötzlich vergessen zu haben.)

Was ich dabei gelernt habe? Dass es Eltern gar nicht gross kümmert, wenn man sie mit «peinlich» betitelt.

«Hier sieht es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte!»

Wetten, dass neun von zehn Lesenden den Satz als Kind irgendwann gehört haben? Dabei war das doch gar kein Chaos, sondern wir haben nur intensiv gespielt. Dass Eltern aber auch immer so übertreiben müssen! Heute kommt mir der Satz regelmässig über die Lippen. Obwohl er ganz grauenhaft ist, wenn man genauer darüber nachdenkt. Vielleicht sollte ich ihn mir doch abgewöhnen … nicht dass ich ihn noch an meine Kinder weitergebe.

Welche Sprüche haben Sie von Ihren Eltern übernommen? Und welches elterliche Verhalten hat Sie als Kind ganz besonders genervt?