Und was ist mit den Kindern?

Nach dem Mutterschaftsurlaub könnten die Eltern – theoretisch – die Aufgabenteilung ändern: Frau geht arbeiten, Mann bleibt daheim. Foto: Burst (Pexels)

Sie machen einen auf emanzipiert, nehmen aber bei der Heirat den Namen des Mannes an. Sie könnten ihr eigenes Geld verdienen, liegen aber dem Gemahl auf der Tasche. Weil sie zu bequem sind, eine «prinzessinenhafte Einstellung» haben – und sowohl Eigenständigkeit als auch finanzielle Verantwortung «nicht Teil ihres emanzipatorischen Gedankenguts ist».

Meine Kollegin Bettina Weber enervierte sich am Tag der Frau eine ganze Zeitungsseite lang darüber, wie unemanzipiert viele von uns doch seien, und fragte: «Frauen, wo ist euer Stolz?» Frauen beteiligten sich nur gerade bei 20 Prozent aller Paare mit mehr als der Hälfte am Haushaltseinkommen. Bei Paaren mit Kindern seien es 10 Prozent. «Anders gesagt: Geld zu verdienen, ist Männersache», schreibt Weber; «immer noch.»

Das kann man so sehen, heisst aber auch: Kinder zu erziehen, ist Frauensache. Immer noch.

Die Autorin fordert, dass Frauen vermehrt finanzielle Verantwortung übernehmen sollen, indem sie hohe Teilzeitpensen oder Vollzeit arbeiten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Solange keine Kinder da sind, geht das wunderbar.

Die Werte verschieben sich

Doch sobald das erste Kind zur Welt kommt, ändert sich die Situation. Die Werte verschieben sich. Wer selbst Kinder hat, weiss, wovon die Rede ist. Vor allem die Mutter baut schnell eine starke Bindung zum Kind auf. Ihre Karriereziele rücken oft in den Hintergrund. Die wenigsten Eltern möchten zudem das Kind während den ersten Jahren zu 100 Prozent fremdbetreuen lassen.

Weil es in der Schweiz keinen gesetzlichen Elternurlaub gibt, bleiben die Mütter nach der Geburt zu Hause, und die Väter arbeiten weiterhin voll. Nach den 14 Wochen Mutterschaftsurlaub könnten die Eltern die Aufgabenteilung ändern: Frau geht arbeiten, Mann bleibt daheim. Das jedoch bleibt meist Theorie. Männer verdienen in der Regel mehr als Frauen, die Lohnunterschiede sind noch immer Realität. Wenn er sein Pensum reduziert, belastet es das Haushaltbudget mehr. Ausserdem wollen viele Männer gar nicht reduzieren.

Der Mann arbeitet weiter Vollzeit, die Frau geht einer bezahlten Teilzeitarbeit nach. Sowie einer unbezahlten – Haushalt und Kinderbetreuung. So emanzipiert Frauen heute auch sind: Solange Unternehmen keine familienfreundlichen Bedingungen bieten, Krippenplätze teuer sind, es kaum Tagesschulen gibt und Kinderhorte während den Schulferien schliessen, ist eine Vollzeitstelle für die Mutter ein kaum zu bewältigender Kraftakt.

Die Schweiz steht schlecht da

«Solche Faktoren führen dazu, dass der Anteil Teilzeit arbeitender Frauen in der Schweiz enorm hoch ist», sagt Nicole Schwab, Gründerin einer Stiftung, die Firmen für die Gleichstellung von Mann und Frau zertifiziert. Mütter können nur voll erwerbstätig sein, wenn ihre Männer sie unterstützen, indem sie ihr Arbeitspensum reduzieren und einen Teil der Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen. Und Politik und Wirtschaft müssen Anreize schaffen, dass Mütter erwerbstätig bleiben. Dazu zählen ausreichend Betreuungsplätze, flexible Arbeitszeiten und mehr Teilzeitstellen für Frauen und Männer.

In diesen Punkten belegt die Schweiz im Vergleich mit anderen OECD-Staaten noch immer traurige Schlussplätze. Mit fehlendem Stolz der Mütter hat das nichts zu tun.

Lesetipp: Der Kinder-Karriere-Krampf und: Darum müssen Mütter arbeiten gehen.