Warum Männer nicht über ihre Kinderlosigkeit reden

Mamablog

Viele Männer fühlen sich schuldig, wenn sie ihrer Partnerin den Kinderwunsch nicht erfüllen können. Foto: iStock

Eigentlich sind zwei Menschen betroffen, wenn ein Paar ungewollt kinderlos bleibt. Zu hören bekommt man trotzdem meist nur die Seite der Frau. Warum bloss? Liegt es daran, dass Frauen offener über ihren Schmerz sprechen? Oder leiden die Männer tatsächlich weniger unter einem unerfüllten Kinderwunsch, wie ihnen bisweilen unterstellt wird?

Bei der Antwort auf die letzte Frage sind sich offenbar nicht einmal die Experten einig. Laut Andrologie.ch belegen zahlreiche Studien, «dass Männer eigenen Kindern den gleichen Wert zumessen wie Frauen und dass sie unter der Kinderlosigkeit im gleichen Masse leiden». Professor Dr. Christian De Geyter, Leiter der Reproduktionsmedizin am Universitätsspital Basel, sagt hingegen gegenüber «Wir Eltern», dass Männer die ungewollte Kinderlosigkeit einfacher wegstecken als Frauen: «Frauen tun oft alles, um schwanger zu werden. Männern fällt ein Kind einfach zu. Das beeinflusst den Leidensdruck.»

Verletzte Männlichkeit

Die BBC hat vor kurzem betroffene Männer zu Wort kommen lassen. In einer Radio-Serie haben diese offen erzählt, wie sie mit ihrer ungewollten Kinderlosigkeit umgehen und was ihnen am meisten zu schaffen macht. Was mich beim Zuhören erschreckt hat, sind die Schuldgefühle, die gleich mehrere Männer erwähnen. Er habe versagt, meinte einer, weil er seiner Frau kein Kind gemacht und sie somit nicht glücklich gemacht habe. Ein anderer ergänzte, er habe sich lange schuldig gefühlt, «weil ich der Grund war, dass meine Frau nicht haben konnte, was sie sich so verzweifelt gewünscht hat». Anstatt also einfach nur die eigene Trauer auszuhalten, laden sich die Männer gewissermassen auch noch die negativen Emotionen der Partnerin auf.

Und sie fühlen sich plötzlich absolut unmännlich. Es sei nun einmal so in unserer Gesellschaft, dass Maskulinität mit Kinderzeugung gleichgesetzt werde, sagt einer der Interviewten. Ist man als Mann also zeugungsunfähig, ist man kein richtiger Mann. «Deshalb ist es für Männer auch so unheimlich schwierig, über das Thema zu reden.»

Dabei wäre gerade dies so wichtig. Denn auch wenn jeder anders mit solchem Leid umgeht, sind sich die Betroffenen in der BBC-Serie einig, dass es ihnen hilft, endlich über ihre Gefühle zu reden. Kann man mit der Partnerin nicht darüber sprechen, findet man in einer Selbsthilfegruppe andere Betroffene. Denn es gibt nicht wenige davon: Jedes sechste Paar in der Schweiz bleibt ungewollt kinderlos. Und bei rund jedem dritten davon liegt die Ursache beim Mann.

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