Betreuungsstress in den Schulferien

Am besten wäre eine Betreuung in der gewohnten Umgebung: Kinder in einem Schulzimmer am Kneten. Foto: iStock

Jedes Jahr im Januar sehne ich mich nach der Zeit zurück, als meine Kinder noch in die Kita gingen. Dienstag und Donnerstag von morgens bis abends, ausser wir fuhren ins Tessin oder es war Altjahreswoche und damit Kita-Betriebsferien.

Jetzt, mit Schulkindern, planen wir im Januar immer das Jahr und unsere Ferien und vor allem die Schulferien. Die Kinder gehen nämlich in die Tagesschule, wenn wir Eltern arbeiten. Die Tagesschule ist in der Nähe des Schulhauses. Fast alle Gspänli essen am einen oder anderen Tag dort Zmittag. Manche sind auch an drei oder vier Tagen bis 18 Uhr dort. Man kann die Kinder für Zeitblöcke und Tage nach Wahl anmelden. Bloss: Die Tagesschule hat während der Schulferien geschlossen. Also während 13 Wochen im Jahr.

Zwar gibt es in der Stadt Bern auch einige Tagesstätten für Schulkinder. Anders als die Tagesschulen haben diese 50 Wochen im Jahr geöffnet, von Montag bis Freitag täglich 11,5 Stunden. Aber erstens gibt es in unserem Quartier keine solche Tagesstätte. Die nächste Tagesstätte wäre 1,7 Kilometer oder anders gesagt ein 25-minütiger Kinderfussmarsch entfernt. Und sie hat zweitens nur 24 Betreuungsplätze – man rechne. Drittens müssten die Kinder an mindestens drei Tagen pro Woche dort hingehen. Kommt also für unsere Familie nicht infrage.

Ab auf die Ferieninsel

Deshalb geht im Januar immer das grosse Planen und Organisieren los. Ich habe sechs Wochen Ferien, mein Mann deren fünf. Sogar wenn wir nie zusammen Ferien nehmen würden, um abwechselnd die Kinder zu betreuen, würden noch zwei Wochen fehlen. Um diese Lücke zu füllen, bietet die Stadt Bern in den meisten schulfreien Wochen sogenannte Ferieninseln an. Hierfür muss man die Kinder nach dem Dr-Gschnäuer-isch-dr-Gschwinder-Prinzip separat anmelden.

Für berufstätige Eltern sind die Ferieninseln sicher eine Möglichkeit, die Schulferien betreuungsmässig zu überbrücken. Aus Kinderperspektive finde ich diese Lösung wenig gelungen. Die Ferieninseln finden nämlich nur in wenigen Schulhäusern statt und damit für viele Kinder nicht in der gewohnten Umgebung. Andere Betreuungspersonen, neue Gspänli.

Kindlicher Inselkoller?

Natürlich gibt es Kinder, für die das keine Rolle spielt. Ich kenne Dreijährige, die man problemlos irgendwo auf der Welt im Hotel-Kinderclub abgeben kann. Es gibt aber auch andere Kinder, unsere zum Beispiel. Ohne behutsame Eingewöhnung irgendwo hinzugehen, wo man niemanden kennt: Das war für sie lange ein grosser Stress. Jedenfalls im Kindergarten und auch noch in der ersten Klasse. Mimosen? Vielleicht.

Aber zum Vergleich: Auch für viele Erwachsene ist der erste Arbeitstag in einem neuen Job eine unangenehme Angelegenheit. Sie finden in der Nacht vorher kaum Schlaf, sind nervös, haben schwitzige Hände und einen flauen Magen. Vielen Kindern geht es nicht anders, wenn sie am Montagmorgen auf irgendeiner fremden Ferieninsel landen.

Grosi oder Kinder-Sharing

Also haben wir uns anders organisiert während der Schulferien. Mal hütete die Gotte, die als Lehrerin arbeitete und unterrichtsfrei hatte. Oder die Kinder gingen zu den Grosseltern. Oder wir wechselten uns mit den Nachbarn ab. Was dann bedeutete, dass ich an bürofreien Tagen in den Sommerferien mit vier bis sechs Kindern in die Badi ging.

Nun sind die Kinder älter geworden und die Betreuung unkomplizierter – aber dennoch mit einem ziemlichen Aufwand verbunden. Oft melde ich sie für Kurse des Ferienprogramms Fäger an. Aber auch dort sind mehrtägige Ganztagesangebote die Ausnahme. Ponyreiten von 13 bis 15 Uhr in Oberkaffiswil gefällt zwar meiner Tochter, bedeutet für mich aber mehr Aufwand als Entlastung.

Lösung: Offene Ganztagesschule

Was ich mir wünschen würde: eine offene Ganztagesschule, die grundsätzlich das ganze Jahr offen hat. So verbringen die Kinder ihre Schul- und Schulferientage in ihrem gewohnten Umfeld mit vertrauten Menschen. Und die Eltern haben eine kinderfreundliche Betreuungslösung ohne Teilzeit-Organisationsjob. Wenigstens jene Eltern, die im Büro arbeiten. Wer als Lokführer, Pflegefachfrau, Schichtarbeiterin oder Koch tätig ist, hat sowieso weitgehend ungelöste Kinderbetreuungsprobleme.

Wenn man von der Vereinbarkeit von Job und Familie spricht, geht es meist um Kitaplätze. Aber solange die Kinder noch klein sind, ist die Organisation der Betreuung recht einfach. Mit Schulkindern wird es kompliziert. Doch wenn wir das mit der Vereinbarkeit wirklich hinbekommen wollen, braucht es auch hier gute, kinderfreundliche Lösungen.

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