Best of: Mein Sohn hat eine neue Mutter

Unsere Bloggerinnen und Blogger geniessen derzeit die Feiertage. Wir publizieren deshalb heute diesen Beitrag vom 14. August 2017, der besonders viel zu reden gab.

Mamablog

Wer ist sie? Das ist die grosse Frage. Foto: Imgorthand (iStock)

Nebenan im Kinderzimmer ist es still. Aber die Stille atmet nicht. Nur noch ich atme in der ehemaligen Familienwohnung. Neben meinem Zimmer bleibt alles so, wie es mein sechsjähriger Sohn liegen gelassen hat. Fünf Tage wird es dauern, bis die Spielsachen wieder lebendig werden. Fünf Tage ohne meinen Sohn, nach fünf Tagen, die dicht mit Job und Kind gefüllt waren. Jetzt bin ich wieder alleine, und mein Kind ist bei seinem Papa. Aber nicht nur das. Er ist bei einer anderen Frau.

Vier Monate nach unserer räumlichen Trennung stellte sein Papa sie ihm vor, wenige Tage vor Weihnachten. Die ersten Weihnachten, die wir nicht mehr zu dritt feierten, kurz nachdem mein Sohn realisierte, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. «Meine Mama und mein Papa sind kein Liebespaar mehr», sagte er allen und überall. Ein Wort, das eigentlich Erwachsene brauchen. Und weil sein Papa mit seinen Liebsten feiern wollte, feierte also mein Sohn mit der Liebsten seines Papas Weihnachten. Eine Frau, die er dazumal kaum kannte, eine Frau, die ich nicht kenne. Die ich nicht kennen lernen wollte.

Eine neue Figur im Familienroman

Weshalb auch? «Mama, sprich doch mal mit ihr», sagte mein Sohn. Ich schüttelte unmerklich den Kopf. Kurz darauf zogen sein Papa und diese Frau zusammen und mit ihnen zur Hälfte auch mein Sohn. Jetzt wohnt diese Frau zu 50 Prozent mit ihm zusammen. Sie kocht für ihn, sie legt ihn schlafen, sie weckt ihn, sie wäscht seine Kleider, sie tröstet ihn, sie begleitet ihn zum Arzt, sie geht mit ihm in die Ferien. Das macht sie alles, während es bei mir in der Wohnung still ist und ich alleine weiteratme. Sie umarmt ihn und nennt ihn «mein Schatz»; ich habe es im Treppenhaus gehört.

Letzthin sagte mir mein Sohn, dass sie ihm erklärte, weshalb Frauen unten rausbluten. Sie klärt meinen Sohn also auch auf. Wäre das nicht meine Rolle? Sollte ich nun alles im Schnelldurchlauf machen, damit immer ich die Schnellere bin? «Papa kann ja auch zwei Frauen haben – dich und sie. Ich habe ja auch zwei Mütter», sagte mir mein Sohn letzthin. «Weisst du, Mama, sie ist jetzt meine zweite Mutter.»

Eine Mutter, die ihr Kind nicht im Bauch trug und nicht seine ersten Bewegungen spürte. Eine Mutter, die ihr Kind nicht gebar und die nicht viele Nächte ohne Schlaf blieb. Eine Mutter, die ihn nicht mit schmerzenden Brüsten weiter stillte. Eine Mutter, die einfach in sein Leben tritt, als wäre sie eine neue Figur, die in einem Familienroman neu eingeführt wird.

Ist sie besser als ich?

Ja, so ist das, sie ist eine Figur, die nun in die Lebensgeschichte meines Sohnes tritt. Sie geht mit ihm klettern, sie geht mit ihm inlineskaten und surfen. Dinge, die ich nicht tue, nicht gerne tue. «Mama, das ist mega lässig», sagt mein Sohn. Es sind Dinge, die mein Sohn gerne tut. Soll ich diese Dinge nun auch alle machen, damit ich etwas Lässiges mit ihm mache und sie vielleicht weniger lässig wird? Ich frage mich, wie sie wohl riecht, diese zweite Mutter. Ich frage mich, ob sie auch zusammen kichern können, wie ich das mit ihm kann. Ich frage mich, ob mein Junge sie nackt aus der Dusche kommen sieht. Ich frage mich, ob sie auch mit ihm betet.

Was erzählt er ihr? Erzählt er ihr etwas, was er mir nicht erzählt? Während ich diesen Text schreibe, wird mir klar, dass ich nichts über diese Frau weiss, ausser dass sie viel Zeit mit meinem Jungen verbringt – und mir wird klar, dass nun die Zeit gekommen ist, sie kennen zu lernen. Sie zu beschnuppern, ihr in die Augen zu sehen, ihr die Hand zu geben.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: «Wenn sich gute Freunde trennen», «Faire Kostenteilung – auch ohne Trauschein» und «Getrennt oder allein erziehen?».

9 Kommentare zu «Best of: Mein Sohn hat eine neue Mutter»

  • lina sagt:

    Ja die Frau ist aus der Luft gekommen einfach so. Ein Mann betrügt doch nicht wenn er die Eine verlässt und mit der Anderen zusammen zieht. Der Vater hat ein Recht aber nicht so problemlos wie er das will. Die eigenen Mutter hat da schon noch Handlungsspielraum. Diese Probleme sind so vielfältig wie das Leben auch Gedanken sind Zollfrei.

  • Jauch sagt:

    Ich kann die Sorgen der Schreiberin nachvollziehen, trotz dass ich eine dieser doch eher seltenen Stiefmütter (ohne eigene Kids) bin. Die Kids haben mich von Anfang geliebt und ich sie. Ich will zu keinem Moment die Rolle der biologischen Mutter streitig mache. Und dennoch, sie erleben viel mit mir .. mehr Action und Ferien auswärts als mit ihr. Aber viel arger ist es zu erleben, wie mein Partner trotz geteilter Obhut vom Gericht diskriminierend behandelt wird. Sein beruflicher Hintergrund würde seine Betreuungsfähigkeit nur noch zusätzlich unterstreichen! Die Frau bestimmt, wie viel der Mann seine Kids sehen darf. Also bitte liebe Frauen, schön ruhig bleiben. Die Gerichte sind weiterhin voll und ganz auf eurer Seite. Leider auch 2018 noch immer.

  • Fragezeichen sagt:

    Wenn frau diesen Beitrag liest, dann kann sie sich vielleicht in die Lage vieler geschiedener Väter versetzen. Denen geht meist genau so!
    Es tut, oder täte oft gut, sich in die Lage des/der Anderen zu versetzen – bevor man etwas tut was man für sich richtig und gut erachtet!
    Liebe Frauen – auch Männer leiden, nur leiden sie anders als Frauen, aber sehr oft nicht minder heftig!

  • Faye sagt:

    Ich bin für eine Mutter ebenfalls die zweite Mutter, ich stehe auf der anderen Seite. Ich liebe meinen Stiefsohn als wäre er mein eigener Sohn, für ihn würde ich alles tun und ja, auch ich nenne ihn solche Namen wie von dir beschrieben. Geh auf sie zu, rede mit ihr. Sie will dich nicht ersetzen, sie will nicht besser sein als du, sie will nur eine weitere Person im Leben deines Sohnes sein die ihm Liebe gibt. Ich wünscht seine Mutter würde das bei mir tun.

  • Clino Vallone sagt:

    Naja… Willkomen im Club von Abertausenden von Männern, die eben genau so was erleben. Und unser ist der Normalfall: Sie haben ihr Kind für kurze Zeit nicht mehr bei sich, Väter oft für immer.

  • lina sagt:

    Ja warum hat diese Frau nicht dafür gesorgt, dass ihr Kind nicht zu dieser Frau geht. Vor Gericht angefochten, das ihr Sohn nicht zu dieser Frau geht, schliesslich hat der Mann sie betrogen. Also mit mir würde er dies nicht machen können. Ja und er als Vater könne ihn nur bei mir besuchen oder garnicht.

    • Fragezeichen sagt:

      oh mein Gott, wenn ich ihre worte lese, dann ommt mir d. . . . . . . . . . .n
      Genau mit einer solchen Haltung beginnen die grossen Dramen, in erster Linie für das/die Kind/er!
      Wie kommen sie dazu zu behaupten der Mann habe diese Frau betrogen – ich habe das nirgends gelesen?
      Weshalb hat wohl das Gericht entschieden, dass das Kind beim Vater bleiben darf/soll?
      Aber Hauptsache Frau hält zu Frau – egal wie die Dinge wirklich sind oder waren

    • Felix sagt:

      Also Lina, mit Ihrem Beitrag habe ich jetzt echt Mühe. Die Schuldfrage bei einer Scheidung wurde schon lange gestrichen und ich glaube nicht zum Nachteil der Frau. Vater und Mutter haben Ihre Aufgabe das Leben lang, mal mehr, mal weniger. Aus Sicht von Frauen wie Sie sind die Männer immer Schuld. Meist sind es ja die Frauen die eine Scheidung wollen, auch da sind die Männer Schuld. Sie haben sich zuwenig gekümmert, sind nicht mitgegangen/stehengeblieben oder waren schlicht schlechte Liebhaber. Wenn aber ein Mann aus denn gleichen Gründen die Scheidung will, dann wird die Frau zum armen Opfer und der Mann muss bestraft werden. Sie bestätigen in Ihrem Beitrag schlicht alle Vorurteile der Männer in deren Beiträge.

    • Sebastian Beck sagt:

      Ähh, woher wollen Sie wissen, dass der Mann sie betrogen hat? – Der Text geht in keinster Weise darauf ein. Dementsprechend irritiert mich diese Formulierung etwas.
      Ausserdem haben wir ja gerade das gemeinsame Sorgenrecht, leider oftmals vor Gericht noch nicht zufriedenstellend angewandt, damit das Kind bei beiden Elternteilen aufwächst. Auch der Vater hat ein Recht, das Kind für gewisse Zeiten bei sich zu haben.

      Ein schönes Neues Jahr allen Müttern und Vätern

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