Ist das Leben vorbei, wenn man Eltern wird?

Fertig lustig? Auf junge Mütter (und Väter) kommt einiges zu. Foto: Shutterstock

Immer mal wieder, seit ich schwanger bin, höre ich folgende drei Worte, gefolgt von einem fetten Ausrufezeichen: «Geniess es noch!» Ausgesprochen werden sie von Eltern, meist von jungen, bei denen die elternlose Zeit noch in greifbarer Nähe scheint. Leicht schuldbewusst schauen sie dann, und manchmal grinsen sie auch einfach wissend, so als ob sie sagen wollten: Hach, wenn du wüsstest, wie naiv wir doch waren!

Ich denke an die übernächtigten Frischeltern-Gesichter aus meinem Freundeskreis, die ob meinen Schwangerschaftsneuigkeiten vor ein paar Monaten aufleuchteten. «Du kannst dir nicht vorstellen, wie verrückt und wie streng das wird», sagte ein Frischeltern-Freund. «Und das ist auch besser so, weil sonst würde man sich das zweimal überlegen», meinte ein anderer mit tiefen Augenringen, der mir eben gestanden hatte, dass er an seinem Kindertag mehrmals fast in Tränen ausgebrochen sei, weil er einfach nicht mehr konnte. Er brauche jetzt ein Bier, aber ganz dringend. Und dann ein zweites.

Exkrementgetaktete Existenz

Ja, in Momenten wie diesen würde ich am liebsten mittrinken mit den erledigten Frischeltern und nicht an einem Wasser/Apfelsaft/O-Saft nippen – und nein, das mit dem Verzicht auf Alkohol fällt nicht einfach ganz leicht, weil «du weisst ja, wofür dus machst». Obige Frischeltern wissen ja auch, wofür sies machen: die schlaflosen Nächte, die ach so exkrementgetaktete Existenz, die Wochenenden zwischen Feuchttüchern und Auswürfen – während die Freunde irgendwo glückselig trunken das doch noch recht junge Leben zelebrieren.

Wobei, halt.

Einige der doch noch recht jungen Freunde – die meisten haben ihren 30. Geburtstag, es ist noch gar nicht so lange her, gefeiert – trauern regelmässig den Zeiten Anfang und Mitte 20 nach: als die Jobs noch unverbindlich und die Beziehungen noch unverbindlicher waren, als die Nächte von Donnerstag bis Sonntag noch Abenteuer mit ungewissem Ausgang versprachen. «Und jetzt hocken alle zu Hause und schauen Netflix. Und um 12 sind alle müde, weil die Woche so streng war.»

«Immer noch hier? So guuut!»

Ja, das Leben: Man muss es eben mit und ohne Babys und Kinder bei den Hörnern packen – wobei man mit den Kleinen die Hände nicht immer frei hat. Aber für etwas gibts ja Babysitter. Und Grosseltern. Und Freunde! Diese Freunde – darunter auch einige Frischeltern – beobachtete ich letztens ganz gerührt, als sie sich an einer der noch maximal zweimal im Jahr stattfindenden WG-Partys heillos betranken, sich gegenseitig verschwitzt in den Armen liegend, wild tanzend und johlend.

Ich war die einzige Schwangere und entsprechend die einzige Nüchterne im Raum, und immer wieder mal kam jemand zu mir und lallte: «Waaas? Du bist immer noch hier?? So guuuuut!» Und ich schmunzelte und dachte mir: Wie schön. Das sollte man viel öfter zueinander sagen, so im Leben, mein ich. Schliesslich gilt er nicht nur für Schwangere, dieser Satz: «Geniessen wirs noch!» Denn anders wirds sowieso immer.

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