Wir Eltern sind mitschuldig

«Warte kurz, ich komm gleich …»: Familien mit arbeitenden Eltern im Dauerstress. Foto: George Rudy (Shutterstock)

«Das stille Leiden der Kinder», «Kranke Kinderseelen», «Burnout im Kinderzimmer»: Artikel wie diese machen betroffen und brennen sich ein. Es ist von Kindern und Jugendlichen mit Depressionen und Suizidgedanken die Rede. Von Ängsten, Bauchweh, schlaflosen Nächten. Immer öfter sind unsere Jüngsten deswegen in ärztlicher Behandlung. Als Grund geben Ärzte den immensen Druck an, der Kinder zu zermürben scheint: daheim, in der Schule, bei Hobbys. Überall wird von ihnen Leistung verlangt.

Was läuft schief? Mein Kollege Matthias Meili analysierte vor ein paar Tagen treffend, was unsere Kinder krank macht. Er erwähnte die leistungsorientierte Schule und eine ebensolche Gesellschaft. In der Schule liege der Fokus zudem auf den Schwächen der Schüler, nicht auf den Stärken. «Wenn dann noch Mobbing, der ständige Vergleichsdruck in den sozialen Netzwerken oder gar schwierige Familiensituationen dazukommen, blocken viele Kinder ab. Und brauchen doch noch einen Psychiater.»

Und die Rolle der Eltern?

Der wichtigste Aspekt allerdings ist bisher wenig zur Sprache gekommen: jener der Rolle der Eltern. So müssen wir uns bei dem Thema doch vor allem eines fragen: Was leben wir unseren Kindern vor? Wie sehr sind wir Mütter und Väter selbst dauergestresst? Bewegen sich viele von uns nicht konstant auf der Überholspur und sprinten – tagein, tagaus – im Job, mit der Familie, in unserer Freizeit, immer irgendwas hinterher?

Wie oft sagen oder denken wir: «Ich sollte, müsste und möchte das noch», und schleppen die Kinder dabei hinter uns her? Wir bewegen uns in einem fort, statt mal stillzustehen und innezuhalten. Antworten wir unseren Kindern auch ausreichend mit einem «Ja, was ist?», statt dem notorischen «Warte kurz, ich muss noch schnell…?».

Wir Erwachsenen sind ausgebrannt und werden immer kränker. Wir lesen von erschöpften Eltern, dauergestressten, medikamentensüchtigen Menschen und solchen, die nicht mehr schlafen können. Das verrückte Tempo, das viele von uns anschlagen und auf lange Sicht krank macht, geht auch an unseren Kindern nicht spurlos vorbei.

Wir müssen auch mal abschalten

Berichte über die vielen kranken und gestressten Kinder müssen uns Eltern zu denken geben. Wir sind es, die in der Verantwortung stehen. Es ist mir zu billig, der Schule, «dem System» oder der Gesellschaft allgemein die Schuld zuzuschieben, wie es in der aktuellen Diskussion viele tun.

Stattdessen sollten wir die Berichte rund um dieses traurige Thema zum Anlass nehmen, unser eigenes Familienmodell und Leben zu reflektieren und uns zu fragen: Welche Werte sind uns persönlich wichtig? Was erwarten wir von unseren Kindern tatsächlich? Wie wollen wir für unsere Kinder da sein? Geben wir den Druck, den wir selbst verspüren, ungefiltert an sie weiter? Was brauchen wir Mütter und Väter, und was brauchen unsere Kinder? Gibt es ausreichend freie Zeiten, die nicht verplant sind? Zeiten, in denen man als Familie zusammen ist, ohne zu konsumieren und ohne auf ein elektronisches Gerät zu schauen?

Oder was meinen Sie?

65 Kommentare zu «Wir Eltern sind mitschuldig»

  • Stephanie von Walterskirchen sagt:

    Ein Sehr wichtiges Thema! Danke für den Blog! Sehr gute Kommentare darunter!! Wie kann ich leben mit einem guten inneren Gefühl. Eltern haben von Gesetzes wegen nicht das Recht sich, ihr selbst, über das Kind zu stellen. ZGB Art. 296 1. „Die elterliche Sorge dient vorrangig dem Wohl des Kindes.“ Das Ziel, der Grund und der Inhalt der elterlichen Sorge ist immer das Wohl des Kindes. (nicht der Plan in der Zukunft!!)Die elterliche Sorge muss dem Wohl des Kindes dienen. Es hat das Recht gesund wachsen zu könne
    Wer diskutiert diesen Grundsatz aus dem Zivilgesetzbuch der Schweiz? Die Frauenärztin? Die Hebamme? Pränataler Elternkurs? Die Politik? Die Wirtschaft? Die Lehrer mit den Schülern? Die Eltern untereinander? JA. Es ist eine Riesen Aufgabe. Es ist wichtig darüber öffentlich zu reden!

  • open eye sagt:

    Ganz zu schweigen von den psychischen Schäden welche unzählige geschkedene Eltern bei ihren Kindern anrichten. Hat da vielleicht schon mal jemand darüber nachgedacht ? Ich selber war als Kleinkind davon betroffen und bin heute noch am daran arbeiten. Aber an die Kinder denkt nach wie vor niemand. Kinder zeugen das geht schnell, aber Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, das ist natürlich ganz was anderes. Aber zum Glück sind ja noch die lieben Grosseltern da, die haben nur darauf gewartet, ihre Enkelkinder zu hüten. Hallo, vielleicht möchten sie auch lieber ihren Lebensabend anders verbringen. Aber die liebe Karriere für beide Elternteile ist ja „viel“ wichtiger.
    Bin mal gespannt, auf diese Gesellschaft später.

  • Mumof4 sagt:

    Ich denke einer der hauptgründe dafür ist, das viele eltern heutzutage beide arbeiten. Kinder bekommen will man zwar aber nach der geburt muss azch wieder 100 prozent gearbeitet werden um seinen standart zu erhalten. Den kindern ist materielles eigentlich egal wenn man sie nicht dran gewöhnt jeden neuen quatsch haben zu wollen. Kinder brauchen nichts mehr als starke wurzeln und ein liebevolles elternhaus. Das erhalten sie von ihren eltern die eigentlich für das zuständig wären. Darum sollte immer ein elternteil zu hause sein. Kinder haben viel zu erzählen. Hört ihnen zu und nehmt euch die zeit. Es gibt nichts wichtigeres. Sie sind nur einmal klein und es ist ne kurze zeit. Ich nehm sie mir. Wir leben von einem gehalt. Verzichten aber auf nix, denn wir haben uns, der grösste luxus!

  • Irma Segeler sagt:

    Ich denke, man muss unterscheiden zwischen Stress und Leistungsdruck. Stress halte ich bei Weitem für nicht so schädlich, wie das der Volksmund gerne kund tut. Die Leistungserwartungen hingegen orientieren sich heutzutage in der Schweiz nicht mehr am Durchschnitt oder an der sogenannten Norm, sondern an der Elite – woraus automatisch Probleme für die grosse Mehrheit entstehen. Die elitären Erwartungen leiten sich aus der Globalisierung und dem dadurch intensivierten Wettbewerb, der wiederum Spezialisierung und Professionalisierung bedingt, ab. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass die grosse Mehrheit auch dafür sorgen wird, dass sich dieser Effekt in den nächsten Jahrzehnten wieder abschwächt. Wenn auch ev. auf Kosten des aktuellen Wohlstands, leider. Oder man findet neue Wege.

  • Reto Eggimann sagt:

    Die Lösung liegt tatsächlich bei uns Erwachsenen, auch wenn es unbequem ist (viel einfacher ist doch, über wahlweise verwöhnte oder verweichlichte Kinder oder die wahlweise zu strenge oder zu lasche Schule zu lamentieren). Wer seinen Kindern ernsthaft helfen will, einen guten Umgang mit dem ständigen Vergleichsdruck in den sozialen Netzwerken zu erlernen; wer ein gutes Vorbild sein will, anstatt selber dauernd in ein elektronisches Gerät zu glotzen, dem empfehle ich von Herzen: „Fit und fair im Netz“ von Felix Rauh (hep-Verlag).

  • Hans Minder sagt:

    Wir sagen: “Du hast nur EIN LEBEN, du musst alles hier auf Erden erreichen: Leiden macht somit keinen Sinn.” Dann schuften wir Tag und Nacht, um dank Luxusgütern und Ferienrausch nie selbst in die Leidens-Zone zu kommen. Wir versuchen, ALLES HIER UND JETZT ZU ERREICHEN, was uns jedoch nie gelingt. Somit wachsen unsere Kinder nicht nur in einem spirituellen Vakuum auf, sondern auch mit abwesenden Eltern. Zudem sehen Kinder nicht ein, warum sie hier und jetzt leiden sollten, wenn wir Eltern doch alles daran setzen, unser eigenes Leben „so süss wie möglich zu gestalten,“ um dem Leiden auszuweichen. Da Kinder weniger Selbstbestimmungsmöglichkeiten als Erwachsene haben, verfallen sie dann in Depression oder versuchen sich das Leben zu nehmen. Weshalb ist dies eine Überraschung?

    • Dodimi sagt:

      „Somit wachsen unsere Kinder nicht nur in einem spirituellen Vakuum auf“. Ich unterstütze diese Aussage. Schreibt man jedoch einen Kommentar der sich mit der gegebenen natürlichen Spiritualität eines Menschen befasst, diese schnell in Richtung Religion oder Esoterik schubladisiert wird. Dass der Mensch mehr ist als seine Leistungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt, Sport u.a. scheint vielen nicht klar zu sein. Noch schnell das oder jenes erledigen…und Hü und Hott…bringt unsere Kinder ebenso in einen unsäglichen Stress, der infolge mangelnder Balance diese zum Limit führt. Viele Arbeitgeber, die mitschuldig sind an dieser Gesellschaftsform, weil Zudiener dieser lebensverachtenden Form sind, verheizen die Zukunft der Kinder, noch bevor sie in der Arbeitswelt angekommen sind.

  • Jessas Neiau sagt:

    Es gibt viel zu viele Leute aus prekären Verhältnissen – aus Familien mit zuvielen Kindern, aus Drogen- und Sucht-Familien, aus Familien mit unvollständigem Elternpaar („alleinerziehend“), aus migrierenden Familien, aus Familien die keine Ahnung haben, wie das hier laufen soll. Die aktuelle Gesellschaft duldet all das – sie fördert es sogar – und weiss sich zuletzt nicht anders als mit den „Psychiatern“ zu helfen. Was diese taugen, das weiss jeder, der nur ein bisschen mit ihnen in Kontakt kam. Einmal mehr glaubt die Gesellschaft mit etwas Sühnegeld ihren Pflichten zu entkommen. Das wird aber nicht funktionieren. Die Gesellschaft wird früher oder später nicht umhin kommen, wieder klare Grenzen zu setzen und Forderungen zu stellen, sonst wird sie weiter zerfallen, mit allen Folgen.

  • Karl von Bruck sagt:

    Es kommt immer auch auf den Rahmen an, den das System den Eltern setzt. Der war 1950 noch ertraeglich. Der Ernaehrerlohn und etwas Erspartes zur Ueberbrueckung bis das juengste Kind 3 Jahre alt war, reichte. Ein 50-Prozent-Erwerb der Mutter reichte fuer das soziale Minimum, und ein 100-Prozent-Job der Mutter mit dem 7. Geburtstag des juengsten Kindes erlaubte – nach horrenden Steuern – gar einen bescheidenen Wahlbedarf mit Auto, Segelboot und einer Fernflugreise/Jahr. Frauen, die von der Geburt des 1. Kindes den Pickel bis zur Bahre in die Ecke schmissen, waren eine Armutsgarantie fuer die Familie und zu oft auch die Ursache, dass die Kinder wegen dem umfassenden Hotelmamasoervis weder Selbst- noch Familiensorge lernten. Heute ist das Dichtestressminilohsystem fast immer familienkeul

  • OBT sagt:

    Das mit dem Gestresst Sein hat etwas Wahres. Ich musste meine Woche gründlich überdenken. Nun schreibe ich am Wochenende keine Emails mehr. Wir als Familie endschleunigen bewusst unseren Alltag an den Wochenenden. Wenn wir etwas unternehmen, dann spontan. Wir bleiben aber auch gerne ganze Sonntage zuhause und machen das, worauf wir Lust haben – Brettspiele, Basteln, oder jeder macht etwas für sich. Wir leben in den Tag hinein. Die Wochenenden sind unsere Ruheinseln. Wir stehen hierbei in unserem Bekanntenkreis alleine da. So viele sind sowohl an SA und SO weg, um irgendein auswärtiges Programm abzustrampeln. Die Kinder müssen ja schliesslich unterhalten und gefördert werden … Unser Alltag ist schon stressig genug, das muss nicht noch am Wochenende sein.

    • tina sagt:

      das ist so negativ dargestellt. ich habe es total genossen, mit meinen jungs dinge zu unternehmen. kann man nicht bitte einfach mal für sich schauen, anstatt im selben atemzug an den anderen herumzunörgeln?
      als meine jungs klein waren, wäre es der totale stress gewesen zuhause herumzusitzen. sie mussten raus, bewegung. ich bin ganz sicher, sie haben wirklich viel davon profitiert. gestern habe ich im schnellzugtempo die fotos von 18 jahren durchstöbert und da wurde mir bewusst, wieviele tolle dinge wir erlebten

  • tina sagt:

    und wem nützt das jetzt irgendwas, wenn man eine schuld zuteilen kann? schuldgefühle nützen rein gar überhaupt nichts, niemandem. es ist reine verbratene energie und es macht ganz sicher nichts besser, sondern in wirklichkeit schlechter. und das ganze noch in wir-form zu verkaufen ist eine verdammte sauerei

    • Blog-Redaktion sagt:

      @tina: Statt von einer Mitschuld kann man auch von einer Mitverantwortung sprechen. Darum geht es mir. Klar, dass Eltern meist ihr Bestes geben. Doch gerade in Sachen Stress und Druck sind Erwachsene für Kinder eben oft nicht so tolle Vorbilder. /gb

      • tina sagt:

        verantwortung. eltern sind verantwortlich für ihre kinder.
        WIR werden nicht immer kränker, also ich ämel nicht. und gestresst bin ich wegen solchen seltsamen wir-rundumschlägen. das ganze geld-verdien-ding-haushalt-schmeiss-und-kinder-erzieh-ding läuft mir gar nicht übel.
        dass ein kind nicht permanent glückselig sein kann und auch nicht immer schön auf der 50sten perzentile in sämtlichen entwicklungsbelangen, aber vorallem welche DIAGNOSEN und unnütze hilfsangebote davon abgeleitet werden von fachpersonen, daran habe ich null mitverantwortung

      • tina sagt:

        ich ergänze: „zum teil“ (unnütze usw)

      • tina sagt:

        und die verantwortung haben wir natürlich immer noch. auch wenn diese unnützen bis schädlichen hilfsangebote nichts taugten und der ganze bürokratische tanz umsonst war, als ob wir nicht schon genug zutun hätten. aber von einer mitschuld kann gar keine rede sein

  • Jo Mooth sagt:

    Grund für die Probleme ist die mangelnde Selbstverantwortung der Eltern: das beginnt schon beim Entscheid, ein Kind zu zeugen, ohne sich darüber klar zu sein, wer dieses betreuen wird. Und meistens bleibt es ja dann nicht bei dem einen Kind. Und weil beide Eltern weiterhin erwerbstätig sein wollen, kommen Drittbetreuer dazu, was erst mal Stress bedeutet. Die Zeit, die Eltern selbst mit dem Kind verbringen, ist unnatürlich intensiv, weil sie so kurz ist. Überhaupt fehlt Zeit, überall, weil man ja dieses Doppelleben Beruf und Kind in die Zeit eines Lebens reinquetschen muss. Wir haben bewusst keine Kinder, weil wir dafür nicht genügend Zeit aufwenden könnten. Beide berufstätig, wenn auch nicht voll, aber noch zeitintensive Hobbys. Also keine Zeit für Kinder, folglich auch keine Kinder.

    • Jo Mooth sagt:

      Wie im letzten Teil des Artikels angedeutet: Kinder sind vielen Eltern schlicht nicht wichtig genug. Wenn man aber welche hat, sollten sie mit das Wichtigste sein, was einen im Alltag beschäftigt. Man muss für sie da sein, möglichst lange, möglichst oft, und immer, wenn sie es nötig haben. Stattdessen wird dem Mammon nachgerennt, die Forderungen des Arbeitgebers erfüllt, damit der zweite SUV finanziert werden kann. Aber hey, wozu dann Kinder?

      • tina sagt:

        GELD IST AUCH WICHTIG. dafür muss ich arbeiten!!! armut macht es auch nicht besser, wissen sie

      • tina sagt:

        keine zeit für kinder, aber mamablog lesen und es besser wisssen. super.
        ach was rege ich mich auf über die immer gleichen doofen beiträge aus disneyland

    • Muttis Liebling sagt:

      Inzwischen sind weltweit Dutzende Millionen Kinder in organisierter Fremdbetreuung aufgewachsen, überwiegend 5 Tage x 8 Stunden. Es gibt aus den in Frage kommenden Jahrzehnten und Staaten nicht einen einzigen ernst zu nehmenden Bericht, dass damit Stress, Fehlbelastung, usw. erzeugt wurde.

      Ihre Sicht kann nur ohne empirische Belastbarkeit so rein aus dem Bauch entstanden sein. Der Standard kann und soll Familie mit 2-3 Kindern und der vollen Berufstätigkeit beider Elternteile sein. Ein Millionenfach erprobtes Modell ohne jede unerwünschte Nebenwirkung. Ausser in der Schweiz kann sich eh niemand den Status Hausfrau in demografisch relevanten Umfängen leisten.

      • Jo Mooth sagt:

        Und die Kinderlosen sollen das dann mit bezahlen? Nur weil sie sich nicht zwischen Vollerwerb und Kinderhaben entscheiden wollen?

      • Jo Mooth sagt:

        Muss heissen: „Nur weil Sie sich nicht…

      • tina sagt:

        wissen sie eigentlich, was ich als kinder-habende alles mitbezahle, das ich nie nutze?
        so ist das mit den steuern hierzulande.
        mit der krankenkasse übrigens auch.
        als mündiger bürger denkt man nicht nur an sich, wissen sie

      • Jo Mooth sagt:

        @Tina: Da haben Sie wohl Recht. Nur möchte man als Steuerzahler dann auch Erfolge sehen und nicht den Befund, dass Eltern – wie im Artikel oben insinuiert – ihre Kinder krank machen, weil sie sich nicht oder dann zu intensiv um sie kümmern.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Jo Mooth
        Ich dachte es ginge Ihnen um Kinder, nun ist es wieder nur ödes Geld. Wie tina schon schrieb, jeder zahlt grössere oder kleinere Posten per Steuer, von denen er nichts hat, oder die er explizit nicht will.

        Von den fremden Kindern haben Sie spätestens im Demenzheim etwas, sonst müssen Sie sich von einem Roboter den Allerwertesten wischen lassen.

      • Jo Mooth sagt:

        @MLiebling: Jetzt schreiben aber Sie am Thema vorbei. Meine Betreuung im Demenzheim wird durch die vielen Zugewanderten gewährleistet sein. Hier geht es darum, dass Eltern ihre Kinder so betreuen, dass sie nicht krank werden und für die Gesellschaft keine unnötigen Zusatzkosten entstehen. Da darf die Gesellschaft erwarten, dass sich Eltern so um ihre Kinder kümmern, dass sie kindgerecht aufwachsen und keine (vermeintlichen) Psychiatriepatienten werden.

  • Ri Kauf sagt:

    Frau Braun, Sie haben absolut recht. Eltern wollen heute alles und immer gleich jetzt. Sie wollen einen guten Job, ein Haus, ein Kind, einen Hund, viel Freizeit, viele Reisen……..So sagt es uns die Werbung und suggeriert uns, dass immer alles sofort zur Verfügung steht. UND Eltern wissen oft nicht, was ein Kind ist. So fragt z.B. ein Vater seine 4jährige Tochter, ob sie die Schuhe bei Dosenbach oder bei Vögeli kaufen will . Ein anderer fragt sein 2järiges Kind allen Ernstes, was es zu Mittag essen will! Dass solche Fragen ein Kind in dem Alter überfordert kommt ihnen offensichtlich nicht in den Sinn. Das ist nur 1 Beispiel.

    • R. A. Green sagt:

      Wie recht Sie haben! Ich höre solches in unserem Einkaufszentrum fast täglich! Absurde Fragen der Mütter an ihre Kinder die kaum laufen können. Ein Erziehungsweg der völlig daneben liegt! Das Kind hat sich zu fügen, was auf den Tisch kommt. Vielleicht eine Ausnahme kann einmal das Dessert sein. Auch ist es eine Frage des Geldes….

      • Jessas Neiau sagt:

        Man könnte das auch ganz anders sehen. Zum Beispiel zeigt dies, welches geistige Alter solche Eltern selber ungefähr haben, wenn sie Zwei- oder Vierjährige um Ratschläge und Hilfe in reinen Erziehungsfragen angehen müssen. Das Verhalten solcher Eltern ist nicht nur entscheidungsschwach und hilflos, sondern vermutlich auch noch ernstgemeint. Und leider haben vermutlich bereits ihre eigenen Eltern in diesem Punkt mehr als nur versagt.

      • Lena Like sagt:

        So wie Sie das darstellen sollten Kleinkinder am Besten keinerlei Mitspracherecht haben. Ich sehe jetzt nicht ein warum es derart verteufelt wird wenn Kinder bei (KLEINEN!) Entscheidungen einbezogen werden. Meiner Meinung nach erwachsen daraus Menschen die in der Lage sind Entscheidungen zu treffen. Eine überaus wichtige Fertigkeit.

  • Papperlapapi sagt:

    Das wir „immer kränker“ werden, ist Blödsinn. Wir sind immer gesünder und werden immer älter. Ich bin letzten Freitag zufällig an einen Tisch mit 5 Ü-70-jährigen zu sitzen gekommen. Mit meinen 42-Jahren war ich klar der Unfitteste. Die machen Skitouren, biken, gehen ins Fitness. Da konnte ich mit meiner Stunde Hundespaziergang täglich und gelegentlichen Wanderungen/ Ausflüge auf die Skipiste einpacken.

    • Muttis Liebling sagt:

      >95% der chronischen Krankengeschichten beginnen erst jenseits des 75. LJ. Ein Mann kann heute zwischen 15 – 75 weitgehend ohne Krankenkasse und Arzt auskommen, daraus leiten ja viele den Fehlschluss ab, es wäre immer und für alle so.

      Objektiv sind der Gesundheitszustand und die Lebensbedingungen der Schweizer auf einem Allzeithoch welches jedes gezielte Gerücht über angeblich steigenden Risiken (Stress, Ernährung, Bewegungsmangel) Lügen straft.

  • Bruno sagt:

    Tja, es ist sicher einfach, immer alles auf die Eltern zu schieben. Einen Teil davon liegt sicher an den „ach so gestressten“ Vätern und Müttern. Aber da kommt noch einiges mehr an Stresspotential auf die Kinder zu. Vor allem die sozialen Medien und der Umgang damit, den die Kinder nirgendwo lernen können. Die Tochter einer Bekannten hat im Klassen-Whatsapp-Chat zwischen 3 Uhr nachts und 10 Uhr morgens einmal über 600 Mitteilungen auf dem Handy erhalten. Da gibt es kein Mittag- oder Abendessen mehr, ohne dass im Minutentakt auf das Handy geschaut wird und bei Facebook, Instragram oder Snapchat wird ebenfalls andauernd geschaut, wer gerade was gepostet hat. Und dann wundern sich die Kinder, weshalb sie mit den Hausaufgaben nicht vorwärts kommen und sind gestresst. Wen wunderts…

    • Divi D. sagt:

      Nun ja, aber hier auch bei diesem Stress könnten die Eltern mindernd einwirken. Keine Handys am Tisch während den Mahlzeiten, vor dem Schlafen gehen Handy aus dem Zimmer, während dem Erledigen der Hausaufgaben Handy aus dem Zimmer. Diese drei Regeln funktionieren hier seit Jahren wunderbar und unser Kinder sind inzwischen 13 und 16 Jahre alt. Es bedingt aber halt, dass sich auch die Erwachsenen daran halten, am Esstisch das Handy in Ruhe zu lassen.

      • JoeCH sagt:

        Klar braucht es Regeln wie Handy weg am Tisch und bei den Hausaufgaben.
        Aber die Kinder werden implizit das Bedürfniss haben, alles nachzuholen. Und dann werden Sie am Tisch ungeduldig bzw. sitzen dafür später um so länger am Handy weil Sie ja die 250 (600 sind schon etwas übertrieben) Nachrichten nachlesen und darauf reagieren „müssen“.
        Ich bin eben schon überzeugt davon, dass es sowas wie „Gesellschaftlichen Druck“ gibt, den man als einzelne Person/Familie nicht alleine handeln kann.

      • Divi D. sagt:

        @JoeCH: Ich sehe es auch als meine Aufgabe als Mutter an, den Kindern zu zeigen, dass man eben nicht auf alle diese 250 Nachrichten reagieren muss. Dazu muss ich ihnen das aber halt auch vorleben und nicht selber das Gefühl haben, mein Leben auf Facebook, Instagram & Co. zu präsentieren und jedes Bild, jeden Post der digitlen Freunde zu kommentieren oder mindestens zu liken. Wir sprechen in unserer Familie viel über die sozialen Medien und den Umgang damit. Und unsere Kinder haben zum Glück gemerkt, dass sie ihre Freunde nicht verlieren, nur weil sie selber eben im Klassenchat nicht zu den aktivsten Teilnehmern gehören. Und so lernen sie schon in jungen Jahren, dass es einen gewissen gesellschaftlichen Druck gibt, dass man dem aber nicht zwingend nachgeben muss.

    • R. A. Green sagt:

      Aber Bruno! Genau das liegt doch in der Erziehungsverantwortung der Eltern. In einem gesunden Haushalt weiss man, wie mit solchen Dingen am besten umzugehen ist. Oder man versucht einen gangbaren Weg zumindest… Man ist als Elternteil nicht machtlos! Es braucht halt eben etwas Disziplin und Mut. Auch das kann einem Kind seitens der Eltern anerzogen werden – sofern bei den Eltern überhaupt vorhanden…

  • Sabine Baumann Essahli sagt:

    Kinder sind längst nicht nur das Produkt ihrer Eltern, sondern viel mehr bzw. ist die Angelegenheit viel komplexer. Oder weshalb sind denn Geschwisterkinder so oft so unterschiedlich…?! Gleicher Vater, gleiche Mutter, gleiches Zuhause, aber total verschieden, was doch schön und spannend ist. Die biologische Komponente hat einen grossen Einfluss, und die Einflüsse aus dem Umfeld kommen von sehr viel mehr Personen als von den Eltern. Darum ist es auch viel zu kurz gegriffen, den Eltern immer und überall die Schuld zu geben, wenn etwas „schiefläuft“. Es gibt ja Schulen, die das gerne machen…, weil es halt einfach ist. – Wie auch immer: Wir lassen unseren Kindern so viel freie Zeit wie möglich, und sie können fast täglich unstrukturiert draussen spielen, ihre Freunde/Freundinnen treffen.

    • Irma Segeler sagt:

      Und dann gibt es noch die Kinder aus total missratenen Verhältnissen, die es ganz von alleine zu was bringen, je nachdem sogar noch gegen den Widerstand der eigenen Eltern…

  • Andreas sagt:

    Es ging mir auch so. 4 Jahre in einer Geschäftsführung. Zeit für gar nichts. Mit 2fachem Bandscheibenfall noch gearbeitet. Am Ende dieser Zeit habe ich zu Gott gefunden. Habe aufgehört zu arbeiten, begonnen zu studieren von zuhause aus und letztes Wochenende eine Auszeit genommen. 2 Tage in einem stillen Haus. Kein TV, kein Handy, kein iPad einfach nichts ausser die Bibel, die Natur, Gott und ich. Es ist Balsam für die Seele. Ich kam entschleunigt, und geistig erfüllt nach hause. Es ist ein Segen, den ich an meine Frau und Kinder weitergeben kann. Die heutige Gesellschaft vermittelt falsche Werte.
    „Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch niemand verführe!“
    „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“
    ‭‭

    ‭‭

    • Martha sagt:

      Warum immer nur Spott auf solche Antworten? Bereits in zwei anderen Posts wurde auf die Spiritualität des Menschen hingewiesen. Für die einen kann es Yoga sein, für andere der Glaube in einem traditionellen Sinn. Das Christentum bietet gute Antworten und eine Predigt anzuhören lässt einem vielleicht auch mal durchatmen.
      Kommen Sie mir nicht mit den Totschlagargument der kirchlichen Moralkeule – die ist so was von gestern.

  • lara sagt:

    Ich bin immer wieder erstaunt wie Leute tatsächlich glauben, wir hätten es schwerer und seien gestresster als alle Generationen vor uns. Das stimmt schlicht nicht (mit ein paar Ausnahmen im Bezug auf die Babyboomer). Das einzige was ins unermässliche gestiegen ist, ist unsere Erwartungshaltung an uns, unsere Beziehungen, unsere Jobs und an die Gesellschaft. Wer sich gestresst fühlt, soll doch mal mit den eigenen Grosseltern den normalen Familienalltag besprechen. Da staunt man!

    • Mäxel sagt:

      Richtig, die „Erwartungshaltungen“ des Volkes unterliegen dem Produkte zwang der Global Industrie und deren Finanzmärkten.
      Stichworte, Überproduktionen, Stillstand ist Untergang und alleinige Wertschöpfung aus der größten Religion, dem Mammon …

    • JoeCH sagt:

      Stress, im negativen Sinne, hat ja auch nicht primär mit der Menge an Aufgaben zu tun. Stress ist vielmehr das Gefühl bei Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Meist versuchen wir diese Diskrepanz mit mehr Aktivität zu schliessen, anstatt die Ansprüche zu hinterfragen, was ja nicht immer, aber doch viel zu Oft genug der falsche weg ist.

  • Meinrad Wiederkehr sagt:

    Es leuchtet ein, dass der Stress der Eltern auf die Kinder abfärbt. Wenn man sieht, was teilweise abgeht, ist man froh, kein Kind mehr zu sein: Vater holt Kind von der Krippe ab, schon fünf Minuten verspätet. Direkt zum Turnen, Klavierunterricht oder was auch immer das Hobby des Kindes ist.

    Als Kind kommt man sich da doch wie eine Last vor. Man merkt, dass die Eltern wegen einem immer eine wichtige Tätigkeit unterbrechen müssen und gestresst sind. Wäre man nicht da, wäre es für die Eltern einfacher. Das finde ich gefährlich.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Womit wir wieder bei der grundlegenden und matchentscheidenden Frage wären, nämlich: und wie kann man nun die Betroffenen, bspw diejenigen welche meinen „ihr Bestes zu geben“, aber dieses Beste eher kontraproduktiv ist; erreichen, bevor das „halt doch nicht so Beste“ zu tief verwurzelten Problemen geführt hat?

    Ich wiederhole mich sehr gerne, genausowenig wie berufliche Kompetenzen vom Himmel fallen, fallen auch die Kompetenzen für Partnerschaft und Kindererziehung nicht vom Himmel!
    Und solange die Folgekosten von der Allgemeinheit übernommen werden, sollten wir das wir nicht als „Privatsache“ abtun, es betrifft uns alle und irgendwann werden wir das nicht mehr stemmen können.

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/
      Was aber auch zu bedenke ist, „früher“ gab es Sonderschulen und Kinder sind undifferenziert mit der Diagnose POS aus-sortiert worden. Irgendwo sind sie im schlechteren Fall als Handlanger untergekommen.
      Heute geht man dies behutsamer und gründlicher an, und dies empfinde ich als begrüssenwerten Fortschritt! Im Gegenzug sind sehr viele „einfachere Arbeitsstellen“ verschwunden, das macht es für die Betroffenen nicht leichter.
      Und: Depressionen, Angst/Zwangsstörungen, Konsequenzen von Mobbingerfahrungen lassen nicht unbedingt Rückschlüsse auf „elterliches Gestresst-Sein und dieses Vorleben“ zu, das kann nun wirklich uns alle betreffen!

      • Karl von Bruck sagt:

        So undifferenziert war die Selektion in die Hilfsschule nicht. Es setzte ein Versagen in der Primarschle voraus. Spaeter gabs Pruefungen fur die Bezirksschule und die dorf „versagten“ fuer die Sekundarschule. Fuer den „Rest“ gabs die Oberschule. Fast jeder konnte seinen Weg ohne Schleger und Deppen machen. Die Frauen nofalls ueber die Ruebli-RS. Und die – einzig entalstende – Arbeitsteilung war noch viel ausgepraegter, Heute muessen hoechstkaraetige Experten nicht nur ihren Kafi selber Kochen, selber aufreumen und den Computerkram selber verwalten, sondern gar auch noch den Abfall selber trennen. Fruehere Aufreumerinnen in den Aemtern und Spetterinnen in den Haushalten haengen heute am Alimenten- oder Sozialamtstropf. War frueher die Monotonie ein kleines ist heute die Ueberford

    • Brunhild Steiner sagt:

      3/
      Als Grundstimmung würde ich jedenfalls behaupten dass wir heute besser dran sind als „früher“. Es wird nicht mehr so viel als Kavalierdelikt oder „so ist er/sie halt“ durchgewunken, gerade in den Bereichen Gewalt, Alkohol.
      Präventionsarbeiten sind am greifen, der Zugang zu Hilfe nicht mehr so unüberwindbar; aber wie schon eingangs erwähnt, auf dem Gebiet der Kompetenzen, oder einfach auch fördern, stärken, ermutigen, damit dies nicht wieder so einen Leistungsdruck-beigeschmack hat, könnte noch viel getan werden.

      • JoeCH sagt:

        „Es wird nicht mehr so viel als Kavalierdelikt oder „so ist er/sie halt“ durchgewunken…“
        Je nach dem ist genau DAS der Grund für den „Stress“. Weil kleinere Missgeschicke und Lausbubenstreiche als kriminelle Vergehen mit Polizei, StaWa, Gericht und „Massnahmen“ geahndet werden….

    • mila sagt:

      So gut ich Ihre Position nachvollziehen kann: wer würde/sollte denn entscheiden, was eine ‚angemessene‘, und als solche zu vermittelnde Erziehung wäre? Es gibt so viele unterschiedliche Erziehungsansätze und -grundlagen, dass ich mir das erwas schwierig vorstelle. Was für eine Familie stimmig scheint, ist es für eine andere nicht. Und die eine ,richtige‘ Erziehung kann es schon deswegen nicht geben, weil die Kinder selbst unterschiedlich sind, es somit auch unterschiedliche Herangehensweisen braucht. Dafür brauchen Eltern in erster Linie Empathie und Interesse, und beides lässt sich nicht ‚lehren‘. Das Problem bleibt also: wer Empathie und Interesse bereits mitbringt, wird sich selbst bei Bedarf (punktuelle, gezielte) Hilfestellung holen. Wem beides abgeht,

    • mila sagt:

      wird von allgemeinen Angeboten kaum abgeholt werden. Elternspezifische Angebote gibt es bereits heute, leider werden sie nicht von denen genutzt, die es am nötigsten hätten. Ob Obligatorien irgendetwas an diesem Misstand ändern würden, wage ich eher zu bezweifeln. Wer keine Hilfe will, bei dem fällt sie auf fruchtlosen Boden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @mila

        je nach Umständen könne Obligatorien durchaus Wirkung erzielen, bspw die obligatorischen (kultur/sprachvermittelnden) Kleinkindbetreuungstage in Basel.

        Erziehung beginnt lange vor dem, was wir landesüblich darunter verstehen. Daher würde ich zu Beginn mal die Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, den Werten, Konfliktverhalten, der eigenen Persönlichkeit usw usw, und was da in Bezug auf die Kinder an Muster anrollen können, auf die Inhaltsliste setzen.

      • mila sagt:

        Die genannten Obligatorien sind sehr spezifisch zugeschnitten, daher dürfte es funktionieren. Gibt es denn Evaluationen dazu?

        Ihr Ansatz klingt für mich nach rudimentärer Psychotherapie (sehr grob vereinfachend gesprochen). Denken Sie wirklich, dies würde nach (verordnetem) Giesskannenprinzip funktionieren?

      • tina sagt:

        weisst du brunhild, ich erinnere mich mit grauen daran, dass das zahnfrollein im kindergarten tatsächlich zu den kindern sagte „alle sachen mit zahnmännli drauf sind gesund“. ähä. vor solchen expertenmeinungen graut mir eben

      • Brunhild Steiner sagt:

        @mila
        ein Versuch wert wäre es zumindest, ausser wir wollen weiterhin darauf hoffen/warten dass irgendwelche freiwilligen Initiativen in die Bresche springen- ich habs schon vor ein paar Tagen AT gegenüber erwähnt, Schulhäuser die „Entwicklung des Kindes, resp wie spiele ich mit dem Kind“-Kurse anbieten weil die mitgebrachten Defizite in Kiga/Unterstufen immer mehr ins Gewicht fallen.

        So wie ich es auch sehr klug fände auf den Zivilstandsämter Info-Flyer bezüglich Partnerschafts-stärkungs-Kursen/Weiterbildungen/Literaturangebot abzugeben.

        Bezüglich Evaluation warte ich schon länger auf einen Hintergrundbericht. Entsprechende (Hörfunk)Berichte (gibt in D vergleichbares) stimmen zuversichtlich.

      • mila sagt:

        Ich denke, Brunhild, Sie wissen genauso gut wie ich, dass man Menschen nicht per Knopfdruck dazu bringen kann, sich mit ihrer Biografie auseinanderzusetzen. Freiwilligkeit ist ein wesentlicher Aspekt bei jeder Art von (Selbst-)Reflexion. Insofern gehe ich davon aus, dass spezifisch zugeschnittene Angebote (zB das von Ihnen erwähnte) durchaus wirksam sein können. Aber Sie erleben es hier selbst in schöner Regelmässigkeit, wie selbst interessierte und engagierte Eltern auf Erziehungsratgeber und Vorträge an Schulen reagieren… Das sagt doch schon alles.

  • Muttis Liebling sagt:

    Die Psychopathologisierung betrifft alle Altersklassen und ist offenbar patientenseitig gewünscht. Ich erinnere nur an die empörten Reaktionen, welche wir vielleicht auch heute lesen können, versucht man bestimmten Personen ihre sorgsam gehegten psychiatrische Kleinstdiagnosen, wie Burn out oder postnatale Depression, ihren Kindern ADHS, wegzunehmen.

    Es gab noch nie eine Generation, welche so stressarm wie die heutigen Schweizer auswuchsen und lebten. Es gibt auch nicht den geringsten Grund zu der Annahme, die objektive psychiatrische Morbidität aktuell würde sich von früheren unterscheiden. Das einzige was sich geändert hat, ist die Minimalschwankungen entgegen gebrachte Aufmerksamkeit und die an die Nulllinie bugsierte Resilienz.

    • Brunhild Steiner sagt:

      😀
      nur dass der stressarme Schweizer diesbezüglich Weltmeister im „nicht sehen wollen“ ist…,
      bezüglich „psychiatrischer Kleinstdiagnosen“ sehe ich es anders.

      • Muttis Liebling sagt:

        Noch stärker als die Schere zwischen Arm und Reich wächst die Schere zwischen selbst- oder vom Hausarzt gestellten psychiatrischen Diagnosen und den winzigen Anteil davon, der von der IV als erwerbsmindernd akzeptiert wird. Da bewegen wir uns in der Grössenordnung <1%.

        Je mehr die medizinisch unbegründete Diagnosen- Ausweitung grassiert, umso mehr findet die Strategie der IV Akzeptanz, erst einmal alles abzulehnen. Denn jeder kennt inzwischen einen eingebildeten Kranken und assoziiert so ganz aus dem Bauch, so sei es fast immer. Den wenigen echten Kranken wird damit schwer geschadet.

        Siehe das letzte dazu gesprochene Urteil des Bundesgerichts. Auch ganz ohne Sachkenntnis völlig aus dem Bauch gesprochen.

      • Irma Segeler sagt:

        Die IV führt aber auch eine Kategorie POS (= ADS). Ist das also doch nicht erfunden? Oder sprechen Sie weiter oben nur von den unqualifizierten Diagnosen?

  • Martin Frey sagt:

    Die grundsätzlich aufgeworfenen Fragen sind richtig, und insbesondere den letzten Abschnitt könnte ich glatt unterschreiben. Denn als Eltern sollten wir uns in der Tat immer wieder fragen: „Was leben wir unseren Kindern vor?“
    Nur greift es definitiv zu kurz, echte psychiatrische Erkrankungen einfach auf mehr Stress, gestresste Eltern, mehr Druck und Mobbing zu reduzieren, zudem noch belegbar sein müsste ob das alles im Vergleich zu früher wirklich im geschilderten Ausmass zugenommen hat. Was sicher richtig ist: Kinder sind das Produkt ihrer Eltern. Abgesehen von der genetischen Veranlagung sind das Elternhaus in überwiegenden Ausmass zumindest mitverantwortlich, wenn es Fehlentwicklungen bei ihren Kindern gibt.

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