So wirkt Frau souverän

Weiblicher Charme statt männliche Dominanz: Robin Wright überzeugt mit ihrem Auftritt als Claire Underwood in der Serie «House of Cards». Foto: Netflix

Abgekanzelt, unterbrochen, ausgelacht – so ergeht es vielen Frauen am Arbeitsplatz. Sich in einem männlich geprägten Umfeld behaupten zu können, ist nicht immer leicht. Schlichtweg umgehauen hat das grosse Bedürfnis für ein Coaching die Gründerinnen von Jobsfuermama.ch: «Wir hatten morgens einen Newsletter mit einer Umfrage verschickt. Am Nachmittag hatten wir schon 600 Interessentinnen», sagt Jill Altenburger. «Viele der Frauen gaben an, dass ihr Auftritt ein wichtiger Punkt ist, bei welchem sie glauben, Unterstützung zu brauchen, um beruflich voranzukommen.» So entstand die Idee beim Stellenportal, neben CV-Coaching auch Seminare für Auftrittskompetenz zu veranstalten.

Wie werde ich schlagfertig?

In schwierigen Situationen reagieren viele Frauen entweder emotional oder ziehen sich zurück. Es sei aber besser, ein Pokerface aufzusetzen, dem Widersacher in die Augen zu blicken und zu fragen: «Tobias, ich verstehe nicht genau, warum du lachst. Kannst du mir bitte erklären, was an dieser Idee so lustig ist?» Schnell würde sich die Situation wieder auf die Sachebene begeben, sagt Kommunikationsberaterin Martina Vogel, die Inhaberin der Kommunikationsagentur Comm.versa GmbH und Rhetoriktrainerin. Wichtig sei es auch, wenn es laut werde, die eigene Stimme nicht zu erheben. «Wer laut wird, ist im Unrecht», eine alte Regel, die aber gerade im Business auch Bestand hat.

Es kommt nicht nur auf den Inhalt an

Vielen Frauen fällt es schwer, ihren Standpunkt zu vertreten. Oft werden sie beispielsweise mitten in der Präsentation unterbrochen. Grund dafür ist aber oft nicht der Inhalt der Präsentation, sondern die Art und Weise, wie die Frauen präsentieren. Haltung, Kleidung, Stimme und Blickkontakt seien ausschlaggebend, sagt Martina Vogel. In den ersten sieben Sekunden würde sich bereits entscheiden, was das Publikum von einem denke. Also noch bevor man ein einziges Wort gesagt hat!

Wichtig ist es, die Körperspannung beizubehalten, nicht zu wild zu gestikulieren und die Hände im Raum zwischen Gürtel und Kehle zu bewegen. Frauen würden oft Winter wie Sommer ein Foulard tragen, doch trage dies dazu bei, dass Frauen als «weich» wahrgenommen würden, weil die Kontur fehle. Eine angemessene Kleidung, in der Frau sich wohlfühle, sei wichtig, sagt die Expertin – und müsse nicht unbedingt ein Blazer sein. Auch ganz in Schwarz gekleidet zu sein, sende ein Signal aus – nämlich, «ich hoffe, es sieht mich keiner».

Frauen würde zudem oft bei einer Präsentation zum Satzende hin die Stimme in den Fragemodus stellen – was es allfälligen Kritikern erleichtere, ihnen ins Wort zu fallen. «Wenn man alles fragend sagt, wird man infrage gestellt.» Sätze, die fallend enden, lassen sich schwerer unterbrechen. Und dann sei es wichtig, den Zuhörern in die Augen zu blicken. Wer den direkten Blick vermeidet, erscheint unsicher, so die Rhetorikexpertin.

Die Männer nicht kopieren

Die Zeiten, in denen Frauen empfohlen wurde, es den Männern in ihrer Art gleichzutun, sind aber trotzdem vorbei. «Es geht nicht darum, hart zu werden oder männlich zu wirken», sagt die Kommunikationsexpertin. Über Frauen, die männliches Gehabe kopierten, heisse es dann, «die hat Haare auf den Zähnen». (Wer kennt die Szene nicht, wie Magdalena Martullo-Blocher einen ihrer Angestellten vorführt?) Das findet auch Jill Altenburger: «Wir wollen die Frauen in ihrer Art bestärken. Gerade das männlich geprägte, aggressive Arbeitsklima wird doch oft als negativ empfunden. Das sollten wir Frauen nicht auch noch kopieren.»

Was sind Ihre Tipps und Tricks in Sachen Auftrittskompetenz?

 


Aufmerksamkeit hat sie, aber ist sie auch souverän…? Unsere Lieblings-Comedy-Frau Martina Hill aus «Knallerfrauen» (Youtube).