Mütter im Mehrbettzimmer

  • Stillberatung im Akkord: Szenen aus dem Dokumentarfilm «Motherland». (Fotos: Dowgwoof)

  • Treffpunkt Wochenbett: Auch die Betten werden geteilt. (Foto: CineDiaz)

  • Überlebenskampf: Milchpulver ist für die meisten zu teuer. (Foto: ZFF)

Meine beiden Kinder habe ich im Spital geboren. In derselben Gebärwanne übrigens, aber das erzähle ich ein andermal. Jedenfalls rollte mich die Beleghebamme nach der Geburt auf einem frisch bezogenen Bett ins Einzelzimmer. Nicht, dass ich privat versichert wäre. Aber diesen Luxus habe ich mir jeweils gegönnt. Finanziert mit dem Geld der Spitaltaggeldversicherung, die bei einer Geburt das zehnfache Taggeld auszahlt. (Weil dieser Beitrag nicht gesponsert ist, erwähne ich hier den Namen der Krankenkasse nicht.)

Mit meinem Baby und einer, zwei oder drei anderen Frauen samt ihren Neugeborenen in einem Mehrbettzimmer zu liegen, das konnte ich mir nicht vorstellen. Kaum würde mein Kind schlafen, würden Klara Beyoncé, Max oder Anuhashini zu weinen beginnen. Kaum würde ich schlafen, würden die anderen Mütter zu schnarchen beginnen. Oder zu weinen (Milcheinschuss, Kaiserschnittnarbe, Heultage etc.).

Als kürzlich in einer Mütterrunde – 5 Frauen, 2 Schwangere, bisher 8 Aufenthalte in Wochenbettzimmern – das Thema Mehrbettzimmer aufkam, fühlte ich mich in meinem Entscheid jedenfalls absolut bestätigt. Offenbar gibt es bestimmte Mütter, die man fast in jedem Mehrbettzimmer trifft:

Die Erzählerin

Nach zwei Stunden mit dieser Mutter im Zimmer weiss man alles über ihre Schwangerschaft, wehenauslösenden Sex, die komplizierte Geburt, den unkomplizierten Mann, das «Schwiegermonster», die schwierige Kindheit und den fiesen Chef. Nach zwei Tagen findet man es schade, dass es keine Nuggis für Mütter gibt.

Die Fremde

Mit dieser Mutter spricht man kein Wort, da man keine gemeinsame Sprache hat. Sie nickt immer nett und versorgt einem grosszügig mit fremdländischen Süssigkeiten, die sich auf ihrem Tisch stapeln. Pro Tag kommen etwa 20 fröhliche Familienangehörige zu Besuch, die erst wieder gehen, wenn die Pflegefachfrau böse guckt und auf ihre Armbanduhr tippt.

Die Fitnessmutter

Sie interessiert sich vor allem dafür, wer in welcher Schwangerschaft wie viel zu und danach hoffentlich wieder abgenommen hat. Sobald das Baby der Fitnessmutter schläft, macht sie Rückbildungsgymnastik auf dem Spitalbett. Alle zwei Stunden betrachtet und fotografiert sie ihren Bauch («Scho chli flacher, oder?») oder ihre anschwellenden Brüste («Wow, da wird sich mein Mann aber freuen.»)

Die Routinierte

Diese Mutter ist der Fünfer im Mehrbettzimmerlotto. Vor allem für Erstlingsmütter. Sie leiht einem Trockenshampoo, hilft beim Andocken und kennt eine gute Hebamme für zu Hause. Sie ist die Ruhe in Person. Leider auch dann, wenn ihre drei grösseren Kinder zu Besuch kommen und das Spitalzimmer in einen Indoor-Spielplatz verwandeln.

Die Prinzessin

Diese Frau benimmt sich, als wäre sie eine Privatversicherte im Einzelzimmer. Sie klingelt jede halbe Stunde nach dem Pflegepersonal, schildert mehrmals täglich am Telefon ihr Geburtserlebnis in allen Einzelheiten und zieht zu jeder Tages- und Nachtzeit die Spieluhr ihres Babys auf. Mit den Blumen, die der Besuch bringt, dekoriert sie gleich das ganze Zimmer. Einziger Vorteil dieser rücksichtslosen Nachbarin: Sie weckt ungeniert die dritte Mutter im Zimmer, sobald diese zu schnarchen anfängt.

Filmtipp: «Motherland»

So, genug gelästert. Denn wir Frauen in der Schweiz können eigentlich froh sein, wie gut wir bei und nach der Geburt medizinisch betreut und gepflegt werden. Während wir uns über Mitmütter im 3-Bett-Zimmer nerven, liegen zum Beispiel in Manila bis zu 150 Frauen in einem riesigen Wochenbettsaal. Oft zu zweit auf einem Bett. Statt Frühstücksbuffet gibt es Fertignudeln aus dem Plastikbecher. Väter und Verwandte kommen nur zu Besuch, wenn sie genug Geld für die Anreise haben. Und stillen wollen die Frauen nicht zuletzt deshalb, weil sie sich Milchpulver gar nicht leisten können. Der eindrückliche Dokumentarfilm «Motherland» (Trailer ansehen!) läuft Anfang Oktober viermal am Zurich Film Festival.

58 Kommentare zu «Mütter im Mehrbettzimmer»

  • Uella sagt:

    ‚Die Fremde’…finde ich beleidigend…das ist mein Empfinden, als ich das gelesen habe.

    • Pa-Pi sagt:

      Öhm, im Ernst jetzt?
      Falls ja, meine Empfehlung: Nichts mehr lesen!

      Wenn das wirklich, wirklich ernst gemeint ist dann sollten Sie sich mehr Gedanken um sich machen als um die Autorin oder den Text…

  • Seeländer sagt:

    Ich kann nicht verstehen warum es Frauen gibt, die in ein KRANKENhaus gehen um ihre gesunden Babies zur Welt zu bringen, wenn es doch das Hotel Geburtshaus gibt? Da hat man seine Privat-Hebamme und wird verwöhnt wie im Hotel. Warum ich das als Mann weiss? Weil ich auch 5 Tage dort leben durfte, und nicht wie alle anderen Männer auf der Geburtsstation nach der Besuchszeit heimgeschickt wurde, nein, ich durfte die erste Nacht des Kindes neben ihm schlafen, und hoppla es hat mich nicht mal gestört als mich das schreiende Kind mitten in der nacht geweckt hat.
    Auch in Bern hat es so ein tolles Geburtshaus, Frau Meier, sogar ein brandneues welches morgen Samstag Eröffnung feiert! (vorher musste man halt nach Biel fahren)

    • Tanja sagt:

      Weil es sein kann, dass man während der Geburt auf medizinische Hilfe, welche ein Spital bieten kann, angewiesen ist. Ich nehme nicht an, dass in einem Geburtshaus ein Notfall-Kaiserschnitt möglich ist, oder? Wie läuft das im Notfall?

  • Simona sagt:

    Wow, anscheinend kann man heute nicht mehr so gut mit Mitmenschen auskommen wie früher, wenn man ein EZ braucht. 😉 Man soll doch miteinander auskommen, Verständnis haben und Rücksicht nehmen. Es sind ja nur ein paar Tage.
    Ich bin allgemein versichert*, war im 3-er Zimmer, hatte eine super coole Zimmergenossin, die nach 2 Tagen nach Hause ist (sie war bereits 4 Tage da als ich kam). Es war perfekt!
    *Könnte mir zwar eine Privatversicherung leisten, finde ich aber unnötig da ich gesund und unkompliziert bin.

  • Dodimi sagt:

    Wie so anders ist es in Vietnam! Als meine Frau gebar gab es keine freien Zimmer im Spital (staatlich). So wurde sie in die Gänge (ohne Fenster) ausgelagert. Zig andere Betten, Bett an Bett, lagen all die anderen Frauen, die auch keinen Platz im Innern gefunden hatten. Ein Saulärm, ein Kommen und Gehen, Frauen, Ärzte, Schwestern, Familien, Besucher. Alles sauber so weit es ging. Als es einen jener Tropenregen gab, wurden im Gang die Vorhänge gezogen. Schlecht und recht waren die Menschen geschützt. Alles was ausserhalb des Medizinischen gebraucht wird, müssen Angehörige aufbringen (z.B. Essen, Trinken, etc.). So schlafen die Angehörigen am Boden und begleiten die Gebärenden bis sie entlassen werden. Dies als Pendant zu den „qualvollen“ Aufenthalten in den Schweizer Spitälern,

  • Dina sagt:

    Ich möchte ein Einzelzimmer oder Ambulant und das aus einem einfachen Grund. Nicht weil mich andere Menschen nerve. Sondern ich nerve andere. Leider schnarchle ich seit ich ein Kind bin. Und das nicht unbedingt leise… 🙁 Das möchte ich keiner frisch gebackener Mama antun. Und auch mir nicht, da ich mich dann sehr schäme.

  • Cybot sagt:

    Es gibt eine einfache Lösung, wenn man mit der Situation im Vierbettzimmer nicht klarkommt: Einfach in ein Privatspital gehen (die sind verpflichtet, eine gewisse Anzahl Allgemeinversicherte aufzunehmen). Die haben keine Viererzimmer, dann hat man dann maximal eine nervige Bettnachbarin anstatt drei.

    • Alain Burky sagt:

      Ich gehe in F jeweils ins Armeespital (es ist auch das nächst gelegene von uns aus). Natürlich nicht wegen Geburt, sondern wegen Herz (wenn es sein muss). Die haben auch viele Einzelzimmer, und eine gute Versorgung (Die Leute sind bestens ausgbildet). Menschlich, nicht militärisch. Viele wissen auch nicht, dass dieses auch für Zivilisten offen ist, gar Externe.

  • Widerspenstige sagt:

    Nicht ganz geglückte Gegenüberstellung von Wochenbettverhältnissen in Manila zur Schweiz, denn die haben dort bestimmt kein Luxus-Krankenkassenwesen mit Luxusprämien pro Kopf. Aber der Film ‚Motherhood‘ ist demnach sehenswert und zeigt wohl eindrücklich, wie unzimperlich mit Müttern weltweit umgegangen wird. Es nimmt mir den Atem!

    • Marcel Zufferey sagt:

      Der Film dürfte nur den Teil der Philippinischen Wirklichkeit herausfiltern, der im Westen für Schlagzeilen sorgt. Meine Verwandschaft auf den Philippinen sieht das freilich ganz anders.

    • Widerspenstige sagt:

      Finden Sie diesen Zustand in der Wöchnerinnenabteilung nicht auch bedenklich, Marcel Z? Dass eine Philippina das anders sieht, ist wohl nahe liegend, denn sie kennt es ja nicht anders.

      Im Übrigen macht der philippinische Premier nicht gerade den Eindruck eines väterlichen Landesvaters, lässt er doch unter dem Deckmantel der Zerschlagung von Drogendealern auch Unbescholtene einfach abknallen. Ebenso kamen vor Jahren keine guten Nachrichten wegen Kinderprostitution aus Manila in den Westen. Es sind solche Schlagzeilen, die einfach aufhorchen lassen. Die Schönheit des Landes, die kulturelle Vielfalt, die Liebenswürdigkeit des Volkes findet man eher in Reiseberichten. Same Game aus Thailand und Myanmar. Trotzdem ist so ein Dokumentarfilm wichtig.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Die Schule der Frauen

        Wenn westliche Frauen nach einem Vorbild in Sachen Emanzipation suchen, sollten sie nach Südostasien blicken. Die Philippinen sind ein Land, in dem die Gleichberechtigung stupende Fortschritte gemacht hat.

        Quelle: https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-philippinen-als-avantgarde-der-emanzipation-die-schule-der-frauen-ld.104229

        Das sollten Sie eigentlich wissen, Widerspenstige, item: Diese WEF-Studien weisen z. T. beträchtliche methodische Mängel auf. Die westliche Perspektive ist nur eine von Vielen, wenn auch eine der Fortgeschrittensten. Deshalb hat man in weiten Teilen der Welt zunehmend Mühe mit dem oberlehrerhaften Auftreten des Westens- was ich durchaus nachvollziehen kann.

      • loulou55 sagt:

        Ich lebe seit über 3 Jahren in den Philippinen. Es ist alles nur eine Frage des Geldes.
        Wer über ein Einkommen verfügt, mit dem sich ein kleines bisschen mehr finanzieren lässt, als nur gerade das nackte Überleben, wird sich auch ein besseres Zimmer leisten, als den Massengebärsaal.
        Aber generell lebt man auf den Philippinen sowieso sehr eng nebeneinander, nicht nur im Gebährsaal.
        Häuser mit 20-30 qm Grundfläche werden hier oft von Familien mit 3-4 Kindern bewohnt. Backsteinwände und ein stabiles Dach sind schon 2 Stufen höher als die Häuser in den „Squatter Areas“.
        Das Elende ist, dass die Slumbewohner die gebärfreudigsten sind, obschon sie kaum Geld fürs eigene Überleben haben.

  • 13 sagt:

    „Während wir uns über Mitmütter im 3-Bett-Zimmer nerven…“
    Wer nervt sich denn? Ein paar komplizierte verwöhnte Gören, deren Hauptaufgabe dasnerven und lästern ist, aber sonst? Ich war zweimal im Mehrbettzimmer und habe keines dieser Mütter angetroffen. Beides Male, waren es normale Frauen, die gerade ein Baby bekommen haben, gerne mal zusammen einen Kaffee (oder Stilltee) getrunken und etwas Smalltalk geführt haben, aber auch Verständnis dafür hatten, dass man ihnen mal 2 Stunden den Rücken zukehrte und mal ein Baby schaukelten, während man duschte. Und der ältere Sohn einer der Frauen, war einfach zuckersüss und liebte es, mit mir ein Puzzle zu machen, während seine Mutter seine Babyschwester stillte. Man kann es aber auch alles verkomplizieren.

    • Amanda sagt:

      Die von Ihnen geschilderte Mehrbettzimmer-Idylle deckt sich leider so gar nicht mit meinen Erfahrungen in Nullachtfünfzehn-Spitälern des Kantons Zürich. Woran das wohl liegt?
      “ Wer nervt sich denn? Ein paar komplizierte verwöhnte Gören, . . .“. Diese Aussage finde ich respektlos! Ich war auch „genervt“, allerdings wäre es mir nie in den Sinne gekommen, die anderen Frauen in „Nerv-Kategorien“ einzuteilen. Dazu war ich viel zu erschöpft, und später habe ich mich nicht mehr mit ihnen befasst.

      • 13 sagt:

        @ amanda
        Tja, die beschriebene Schubladisierung weckte für mich nicht gerade das Bedürfnis nach einem respektvollen Kommentar. Woran es liegt, kann ich nicht beantworten. Anderes Spital, Zufall, aber sicher auch eigene Befindlichkeit. Die einen nerven sich ab Besuch der Nachbarin, ihren älteren Kindern oder ganz allgemein ab Menschen, die anderen nehmen das eben hin oder betrachten es sogar als bereichernd. Die Idylle schafft man sich teilweise auch selber. Ich hätte mich jetzt bei einem akuten Babyblues meiner Nachbarin ab ihrem weinen stören können, ich entschied mich dafür, mit ihrem älteren Kind in die Spielecke zu gehen, um ihr mit ihrem Mann Ruhe zu gönnen. Und eine Stunde später war alles gut.

      • maia sagt:

        @Amanda: Ich empfinde den ganzen Artikel als ziemlich respektlos. Warum also soll respektvoll geantwortet werden?

      • Amanda sagt:

        @ maia
        „Ich empfinde den ganzen Artikel als ziemlich respektlos. Warum also soll respektvoll geantwortet werden?“
        Und warum nicht? Für mich gibt es einige Gründe, unabhängig vom Stil meines Gesprächspartners, respektvoll zu kommunizieren. Sie alle zu erläutern, würde jedoch die Zeilenanzahl bei weitem übersteigen.
        Ich schätze, es ist eine Frage der persönlichen Werte und Integrität.

      • maia sagt:

        ok, da haben Sie natürlich recht – trotzdem, der Artikel ist sehr respektlos gegenüber verschiedenen Müttern.

    • Schlumpfine sagt:

      Super Kommentar! 🙂

    • mila sagt:

      @13: Es gibt auch einfach Menschen mit mehr ‚Ruhebedürfnis‘, und/oder Privatsphärebedarf (Familie und Freunde ausgenommen), gerade in einer solchen Lebensphase… ich wäre am liebsten am nächsten Tag nach Hause gegangen, aber wegen Sturzgeburt kam das OK vom Kinderarzt erst am dritten Tag. Das ist weder verwerflich, noch unsozial. Es ist einfach, wie es ist.

      • 13 sagt:

        @ mila
        Das kann ich nachvollziehen. Aber wenn es so ist, warum nicht das Beste daraus machen? Und warum, wie N.M. auch noch anderen die Schuld daran geben, weil diese ja so unmöglich sind und man sie darum in Schubladen packen kann?

    • 13 sagt:

      @ amanda
      Sie haben ja recht. Aber der Text strotzt einfach so sehr von Überheblichkeit. Und dann kommt noch das „wir“, das offenbar für Frauen in der Schweiz gedacht war und das fand ich nochmals so daneben, da ganz sicher nicht alle Frauen hier so sind. Da liess ich mich mit der Wortwahl (nicht Aussage, hinter der stehe ich) etwas hinreissen.

  • Claudi sagt:

    Diese Diskussion kann jetzt wahrlich nur in einer gutbetuchten Feministinnenrunde geführt werden. Die Mehrheit der Mütter in der Schweiz hat schlicht das Geld nicht überflüssig, um sich ein Einzelzimmer leisten zu können.

  • Nina Bretscher sagt:

    Ich habe ambulant geboren und bin nach vier Stunden nach Hause. Ja, beim ersten Kind. Warum ich mir den Spitalgroove antun soll weiss ich wirklich nicht.

  • Honeybee sagt:

    Sie werden mit gehässigen Kommentaren überschüttet werden, aber ich fand den (wohl nicht soooo ernst gemeinten) Artikel lustig. Die Fitnessmutter habe ich persönlich auch angetroffen. In Hotpants und Highheels.

  • mira sagt:

    Ich bin noch heute dankbar, dass ich bei der Geburt vom ersten Kind nicht alleine im Zimmer war. Mit dabei war eine 20ig jährige Tunesin. Wir haben zwar kaum zusammen gesprochen (Alters-, Sprach- und Kulturbarriere), allerdings habe ich mir viel von ihr abgeschaut: zB das Stillen, während man gleichzeitig telefoniert und die Türe für Besuch öffnet. Als ich diese einfache, junge Frau sah, die das Babyhandling so selbstverständlich ausgeführt hat, als hätte sie nie was anderes gemacht, wusste ich, dass auch ich das kann!

    Und ja, sie hatte viel Besuch und es war auch mal laut. War das schlimm? Nein!

    Beim zweiten Kind bin ich eh am 2. Tag nach Hause. Ich mag mich nicht mal mehr erinnern, ob ich alleine im Zimmer war oder nicht…

    • Amanda sagt:

      @ mira
      Ja, es ist in der Tat lehrreich, mitzuerleben, wie Frauen aus anderen Kulturkreisen das Thema Mutterschaft handlen.
      Dies „das Stillen, während man gleichzeitig telefoniert und die Türe für Besuch öffnet“ wäre für mich allerdings nicht nachahmenswert.

      • mira sagt:

        Amanda, mich hatte es sehr beeindruckt. Damals wurde ein riesen TamTam um das Stillen gemacht – man brauche Ruhe, die richtige Position, eine Stillberaterin etc, etc. Und dann kam diese junge Frau und zeigte, dass Stillen eigentlich etwas ganz Normales ist. Das war für mich lehrreicher als all die Ratgeber und Hebammen zusammen.

      • Amanda sagt:

        @ mira
        “ . . . mich hatte es sehr beeindruckt.“
        Das kann ich sehr gut verstehen, es ging mir des öfteren auch so! Ich wollte mit meiner Bemerkung von wegen „nicht nachahmenswert“ zum Ausdruck bringen, dass ich kein Fan des unkritischen Nachahmens bin, dass ich es wichtig finde, das Verhalten im Kontext zu der entsprechenden Kultur
        zu sehen. Viele der Frauen verhalten sich ja schlicht in einer bestimmten Art und Weise, weil sie – über Generationen hinweg – keine Wahl hatten.

      • Reincarnation of XY sagt:

        @mira – ja wie unkompliziert… toll…
        Bitte dann aber die Gesellschaft auch als ganzes ansehen, ihr ganzes Gefüge, die psychologische Befindlichkeit etc. und bitte nicht die Schattenseiten ausblenden (die sind meistens nicht unerheblich, sonst würden sie ja ihr Glück nicht in der Fremde versuchen)

        Sonst man könnte ja auch sagen (was ja einige auch tun): „Was heute alles über Erziehung und menschliche Psyche referiert wird, früher war das völlig unkompliziert: man stellte Kinder auf die Welt, überliess sie grösstenteils sich selbst und wenn sie nervten oder nicht parierten, gabs eins an die Löffel…“
        Aber dann müsste man eben auch mal die Folgen dieser Art Erziehung mitberücksichtigen.

      • mira sagt:

        Reincarnation of XY, öhm, also ich konnte die unkomplizierte Art mit dem Baby umzugehen übernehmen, ohne mich weiter auf deren Kultur einzulassen… ich glaube hier wird grad zu viel hineininterpretiert.

  • Lydia sagt:

    Hmm, ich fand den Austausch mit den anderen Müttern im Mehrbettzimmer eigentlich ganz interessant und bereichernd. Ich erhielt einen klitzekleinen Einblick in ihr (Familien-)Leben und sie in meines. Man/Frau war freundlich, hilfsbereit, interessiert, aber auch diskret. Bei beiden Geburten begegneten mir jeweils am häufigsten „Die Fremde“ (die jeweils, wie ich, etwas Englisch sprach) und „Die Routinierte“. War ich selber wohl am ehesten „Die Erzählerin“ (eine hoffentlich genügend zurückhaltende)?

  • Amanda sagt:

    Ich fand die Mehrbettzimmer auch obermühsam. Bei sechs Neugeborenen im Zimmer, fünf anderen Müttern und den (unzähligen) Familienangehörigen, die sich die Klinke in die Hand gaben, war es ein Highlight, mal zwei Stunden am Stück schlafen zu können. Nach Hause zu kommen, war eine Erlösung!

    • tststs sagt:

      In welcher Pampa gibt es denn noch 6Bett-Zimmer?!?
      😉

      • Brunhild Steiner sagt:

        @tststs
        es gab mal als Standart 6er und sogar 8er Sääle!
        Ob auch auf Wöch.abteilung weiss ich nicht, aber Chirurgie/Medizin.

        Je nach Zimmerbelegung und Rundum (Besuchern etc) zwischen Highlight des Tages und/oder Vorhöl le für die ans Bettgebundenen….

      • Muttis Liebling sagt:

        4- Bett- Zimmer sind aktuell eine seltene Ausnahme. Es gab aber bis in die 1970’er auch richtige Bettensäle. Allerdings war da die Besuchszeit und die Besucherzahl auf 1-2 Personen/ 15.00 -16.00 Uhr beschränkt.

        Die offene Besuchszeit gibt es erst seit den kleinen Zimmern.

      • Sportpapi sagt:

        Die stetig steigenden Gesundheitskosten haben natürlich auch mit den stetig steigenden Ansprüchen zu tun. Manchmal wäre da ein Marschhalt schon sinnvoll.

      • Amanda sagt:

        @ tststs
        Die Pampas hiessen (meine persönlichen Erfahrungen liegen sechs bis 17 Jahre zurück) Rüti, Bülach und Wetzikon.

      • Muttis Liebling sagt:

        Nein Sportpapi, die steigenden Krankheitskosten haben weder etwas mit dem Anspruchsverhalten, noch wesentlich etwas mit der Morbidität zu tun.

      • Amanda sagt:

        @ Brunhild Steiner
        „. . .Vorhölle für die ans Bettgebundenen.“
        Wann? 19. Jahrhundert?

      • Amanda sagt:

        @ Sportpapi
        Was wäre Ihrer Meinung nach, in Anlehnung an das heutige Thema, ein „sinnvoller Marschhalt“?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Amanda

        nie einen vollbelegten 8er Saal von innen erlebt?
        Und nochmal: je nach Patienten und all deren Geschichten uswetc Highlight bis Vorhö lle für denjenigen der sich nicht einfach so davonmachen konnte.

        Tja, da haben Sie scheints was verpasst.

      • tststs sagt:

        Hihi, auch mein erstes Zimmer in einem Spital „bewohnten“ wir zu 8 (Kinderspital)…
        Deshalb fragte ich ja explizit (und mit Smiley!) „denn noch“.

        (D.h. Amandas Kinder sind auch schon älter, oder eben: in welcher Pampa musste Amanda gebären 🙂 🙂 🙂 )

    • Amanda sagt:

      @ Muttis Liebling
      Ich lag zwei Mal in einem überbelegten 4Bett-Zimmer. Meiner Schwester erging es auch so. Gemäss Aussage der Pflegerin müsse man bei vielen Spontangeburten immer damit rechnen . .

      • Nala sagt:

        hmm zu meiner Zeit – also vor 22 bzw. 21 Jahren – waren die Babies über Nacht nicht bei der Mutter, sondern im Kinderzimmer. Da liess es sich herrlich schlafen. Kinder wurden einfach nur zum Stillen ins Zimmer gebracht (bereits frisch gewickelt – da wurde noch mit Stoffwindeln hantiert!). Persönlich lag ich allerdings eh privat, weiss also nicht wie unruhig die Nächte in den Mehrbettzimmern waren.

    • Amanda sagt:

      @ Brunhild Steiner
      Doch, ich habe schon einen vollbelegten 8er Saal von innen erlebt. Auch welche, mit Betten im zweistelligen Bereich, und zwar dieses Jahr. Allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Griechenland, und nicht als Patientin sondern als Angehörige eines Patienten. Obwohl ich schon einiges darüber wusste, war ich schockiert über würdelosen Zustände, die mangelnde Hygiene, den Ausbildungsstand des Pflegepersonals und die Infrastruktur, deren Standard unserem um viele Jahrzehnte hinterher hinkt. Vermutlich kommt es der von Ihnen genannten „Vorhölle“ sehr nahe.

  • Mamsi sagt:

    Ich war im Geburtshaus und wir genossen die Zeit im Familienzimmer sehr, würde ich sofort wieder machen. Alle Frauen essen zusammen, es ist sehr familiär und gemütlich; im Gegensatz zu Manila wahrlich das Paradies.

  • tina sagt:

    sozusagen ein 24-stunden-nonstop-mamablog nur krasser weil unvirtuell

  • mila sagt:

    Nun ja, Erzählungen aus zweiter Hand haben schon etwas fieses… wobei ich es durchaus geschätzt habe, dass ‚meine‘ Halbprivatmitversicherte sich nach einem Tag ein Privatzimmer erkämpft hat (im Kaffeezimmer hatte sie wohl mitbekommen, dass eine andere Mutter eins bekommen hat, die nachweislich später eingetroffen ist; danach gab es für sie kein Halten). Ich war nämlich so eine mit viel Besuch. Und sie eine mit Dauerbesuch vom Erstkind. 😉

  • Hans Koller sagt:

    Wenn man Menschen hasst, ist es besser im einzel Zimmer zu sein. Misepeter sollen sich doch von uns Menschen fernhalten. Krass wie man Menschen öffentlich so abwertet.

    • Anh Toàn sagt:

      Als ich mal etwas länger im Spital war, habe ich mir gedacht, ich habe lieber jemanden im Zimmer, den ich wenigstens hassen kann, als nur vier Wände.

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