Die Tage der Ehe sind gezählt

Komm Schatz, lass uns die Ehe abschaffen! (Foto: iStock)

Nur 12 Ehetage sind es in meinem Fall. Die Ehe als Institution buckelt aber schon einige Jahre mehr: Stolz erklärte uns die Standesbeamtin vorletzten Freitag, dass die wichtigsten Eheartikel im ZGB seit über 100 Jahren unverändert seien. Ich persönlich würde damit ja nicht so angeben. Immerhin hat sich die Gesellschaft in dieser Zeit markant gewandelt. Vor 100 Jahren gab es zum Beispiel noch gar kein iPhone.

Gottseidank ist die Ehe heute nicht mehr so relevant, wie sie es einmal war. Erwachsene ab 25 Jahren gelten auch unverheiratet als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft, und aussereheliche Kinder werden auf dem Dorfplatz nur noch selten angespuckt. Schön.

Warum heiratet man heute überhaupt noch?

Es gibt ja durchaus ein paar legitime Gründe. Mir fallen spontan vier ein:

  • Tradition – Heiraten gehört einfach dazu. Die Eltern waren verheiratet, die besten Freunde lassen Tauben steigen, eröffnen Tänze, schneiden Torten an. Besser mal selber das Tor schliessen, bevor auch die Katze noch vor einem heiratet.
  • Romantik – Das Jawort kann ein Liebesbeweis sein. Ich zeige dem Partner, dass es mir ernst ist. Verheiratet zu sein, fühlt sich an, als hätte man ein Bonuslevel der Liebe freigeschaltet. Die Partnerin ist jetzt nicht mehr Freundschaft+, oder «die Freundin» sondern «die Frau». Wow, das klingt fast schon erwachsen.
  • Der Name – Unverheiratet trägt jemand meist einen anderen Nachnamen als der Rest der Familie. Beim Kinderarzt wird man als Frau/Herr Kindsnachname angesprochen und kriegt schmerzlich vorgeführt, dass man ein Aussenseiter ist.
  • Finanzen – Je nach Arbeitsteilung innerhalb der Familie und Gehaltsklasse liegt mit der Heirat eine leckere Steuerersparnis drin. Der nicht erwerbstätige Elternteil ist finanziell besser abgesichert bei Tod, Invalidität und Scheidung.

Paare, die sich noch für die Ehe entscheiden, tun das oft aus einem oder wenigen der oben genannten Gründe. Und diese Gründe werfen näher betrachtet ein trauriges Licht auf die einst staatstragende Institution Ehe. Aus der Selbstverständlichkeit ist ein komisches Gebilde geworden. Ein Folklorefest für Traditionalisten auf der einen Seite. Ein Vehikel für kühle Rechner auf der anderen Seite. Und auch ein Zivilstand, der für viele nicht mehr infrage kommt.

Kann die Ehe weg?

Als ich das erste Mal von der Idee hörte, man könnte die Ehe abschaffen, hielt ich sie für extrem. Inzwischen bin ich auch der Meinung, dass die Ehe nicht mehr Aufgabe des Staates sein sollte oder zumindest grundlegend reformiert gehört. Ironischerweise dürfte die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren den Niedergang beschleunigen. Eine Öffnung würde das Ende der staatlichen Ehe hinauszögern, aber ihre Tage sind dennoch gezählt.

Natürlich ist heiraten «etwas Schönes», aber das können Paare auch ohne staatlichen Segen tun. Wie heute je nach Vorliebe in einer kirchlichen oder weltlichen Zeremonie. Für Familien mit Kindern bräuchte es Gesetzesänderungen, die einen fairen finanziellen Ausgleich je nach Erwerbsmodell ermöglichen. Zum Beispiel, indem der oder die besser Verdienende in die Altersvorsorge des anderen Elternteils einzahlt.

Aber ich denke ja nur laut. Falls Sie meine Meinung zur Abschaffung der Ehe ändern wollen, versuchen Sie es gerne in den Kommentaren. Ihre Erfolgschancen sind gross. So richtig intensiv habe ich mich mit dem Thema nämlich noch nicht befasst, ich war schliesslich mit der Hochzeitsvorbereitung beschäftigt.